Zahlen und Fakten: Europa

Arbeitslosigkeit 2016

Ausgewählte europäische Staaten, Arbeitslosenquote im Jahr 2016 in Prozent, Veränderung der Arbeitslosenquote 2015/2016 in Prozentpunkten

Arbeitslosigkeit 2016

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosenquoten nach Geschlecht und Altersgruppe (Stand: 05/2017)
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12.7.2017
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehören nach wie vor zu den größten sozialen Problemen der Europäischen Union. Im Jahr 2016 waren 20,9 Millionen Personen arbeitslos, darunter 4,2 Millionen unter 25-Jährige bzw. 9,6 Millionen Langzeitarbeitslose. Hinzu kommen 9,5 Millionen Teilzeitbeschäftigte, die gern mehr Stunden arbeiten würden, und weitere 11,1 Millionen Personen der sogenannten Stillen Reserve (Nichterwerbspersonen mit einer gewissen Bindung an den Arbeitsmarkt). Insbesondere die globale Finanz- und Wirtschaftskrise bzw. die sich anschließende Staatsschuldenkrise in Europa haben die Arbeitslosenquote der EU von 7,0 im Jahr 2008 auf 10,9 im Jahr 2013 steigen lassen. Seitdem ist sie drei Jahre in Folge gesunken (2016: 8,5 Prozent). In den einzelnen EU-Mitgliedstaaten fallen die Entwicklungen dabei zum Teil sehr unterschiedlich aus. Während sich die Arbeitslosenquote in Ungarn, der Tschechischen Republik sowie Kroatien und Bulgarien von 2015 auf 2016 relativ am stärksten reduzierte, hat sie sich in Estland und Österreich erhöht.

Fakten



Zwischen 2004 und 2008 reduzierte sich die Arbeitslosenquote der Europäischen Union (EU-28) viermal in Folge und sank von 9,3 auf 7,0 Prozent. Durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise wurde diese Entwicklung jedoch schlagartig beendet: 2009 lag die Arbeitslosenquote bei 9,0 Prozent und stieg dann weiter auf 10,9 Prozent im Jahr 2013. Dabei erhöhte sich sowohl die Arbeitslosenquote der Männer von 9,0 auf 10,8 Prozent als auch die der Frauen von 8,9 auf 10,9 Prozent. 2016 sank die Arbeitslosenquote der EU-28 das dritte Jahr in Folge – auf 8,5 Prozent (Männer: 8,4 Prozent / Frauen: 8,7 Prozent).

Insgesamt waren im Jahr 2016 in der EU 20,9 Millionen Personen arbeitslos. Das waren zwar deutlich weniger als 2013 (26,3 Mio.), aber immer noch mehr als 2008 (16,8 Mio.) – dem Jahr, in dem die aufkommende globale Finanz- und Wirtschaftskrise noch keine größeren Auswirkungen auf den europäischen Arbeitsmarkt hatte. Zwischen 2008 und 2013 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 57,0 Prozent. Zwischen 2013 und 2016 sank sie um 20,5 Prozent.

2016 gehörten 9,6 Millionen Menschen zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen (12 Monate und mehr). Die Langzeitarbeitslosenquote lag 2016 bei 4,0 Prozent, der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen lag bei 46,4 Prozent. 2008 waren die Werte mit 2,6 beziehungsweise 36,9 Prozent noch deutlich niedriger, 2014 lagen sie mit 5,0 beziehungsweise 49,3 Prozent klar über den Werten von 2016.

Bei der Entwicklung der Arbeitslosenquote der EU-28 darf nicht übersehen werden, dass sich diese aus unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten zusammensetzt. So reduzierte sich die Arbeitslosenquote in Ungarn von 2015 auf 2016 um ein Viertel (von 6,8 auf 5,1 Prozent / minus 25,0 Prozent). Und auch in der Tschechischen Republik (minus 21,6 Prozent), Kroatien und Bulgarien (jeweils minus 17,4 Prozent), Polen (minus 17,3 Prozent), der Slowakei (minus 16,5 Prozent) sowie Irland (minus 16,0 Prozent) lag der Rückgang der Quote bei mehr als 15 Prozent. In nur zwei EU-Staaten erhöhte sich die Arbeitslosenquote: In Estland (von 6,2 auf 6,8 Prozent / plus 9,7 Prozent) und Österreich (von 5,7 auf 6,0 Prozent / plus 5,3 Prozent). Schon 2015 hatte die Quote in lediglich vier EU-Staaten zugenommen.

Im Jahr 2016 lagen innerhalb der EU die Arbeitslosenquoten in Griechenland (23,6 Prozent), Spanien (19,6 Prozent), Kroatien (13,3 Prozent) und Zypern (13,1 Prozent) bei mehr als 13 Prozent. Die Tschechische Republik (4,0 Prozent), Deutschland (4,1 Prozent), Malta (4,7 Prozent), das Vereinigte Königreich (4,8 Prozent), Ungarn (5,1 Prozent) sowie Rumänien (5,9 Prozent) hatten im selben Jahr die niedrigsten Arbeitslosenquoten mit Werten von weniger als 6 Prozent.

Im Jahr 2016 waren in der EU 4,2 Millionen 15- bis unter 25-Jährige arbeitslos – knapp 2,4 Millionen Männer und rund 1,9 Millionen Frauen. Die Jugendarbeitslosenquote – also der Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung bei den 15- bis unter 25-Jährigen – lag 2016 EU-weit bei 18,7 Prozent. Die höchsten Quoten innerhalb der EU verzeichneten auch hier Griechenland (47,3 Prozent) und Spanien (44,4 Prozent). In Italien war im selben Jahr deutlich mehr als jeder dritte Jugendliche aus der Erwerbsbevölkerung arbeitslos (37,8 Prozent), in Kroatien war es fast jeder Dritte (31,1 Prozent). Darauf folgten Zypern (29,1 Prozent), Portugal (28,2 Prozent) und Frankreich (24,6 Prozent). Auf der anderen Seite hatte Deutschland mit 7,0 Prozent die mit Abstand niedrigste Jugendarbeitslosenquote, gefolgt von der Tschechischen Republik (10,5 Prozent), den Niederlanden (10,8 Prozent), Malta (11,1 Prozent), Österreich (11,2 Prozent) und Dänemark (12,0 Prozent).

Zur Beurteilung der Arbeitsmarktsituation sollte neben der Arbeitslosigkeit auch die Unterbeschäftigung betrachtet werden. Im Jahr 2016 waren in den 28 EU-Mitgliedstaaten 45,3 Millionen Personen teilzeitbeschäftigt. Nach Angaben von Eurostat würde rund ein Fünftel aller Teilzeitbeschäftigten (20,9 Prozent) gern mehr Stunden arbeiten und wäre dafür auch verfügbar. Die höchsten Anteile von teilzeitbeschäftigten Personen, die den Wunsch haben mehr Stunden zu arbeiten und dafür auch verfügbar wären, fanden sich in Griechenland (74,1 Prozent), Zypern (63,7 Prozent), Spanien (50,7 Prozent) und Portugal (45,1). Auf der anderen Seite der Skala standen die Tschechische Republik (8,0 Prozent), Malta (10,8 Prozent), Luxemburg (11,9 Prozent), die Niederlande (12,0 Prozent), Estland (12,5 Prozent) und Deutschland (12,6 Prozent).

Neben den unterbeschäftigten Teilzeitbeschäftigten zählt Eurostat auch die "Stille Reserve" zu den Unterbeschäftigten. Die Stille Reserve, also das Potential an zusätzlichen Erwerbspersonen, bestand 2016 aus 2,3 Millionen 15- bis unter 75-jährigen Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen (beispielsweise Studierende, die einen Arbeitsplatz für die Zeit nach ihrem Abschluss suchen) und 8,8 Millionen Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen (beispielsweise Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben).

Laut Eurostat handelt es sich bei beiden Gruppen um Nichterwerbspersonen, die trotzdem eine "gewisse Bindung an den Arbeitsmarkt" haben. Zusammengenommen bildeten diese zwei Gruppen eine Stille Reserve von 11,1 Millionen Personen. Gemessen an der Erwerbsbevölkerung der EU-28 entsprach das einem zusätzlichen Erwerbspersonen-Potential von 4,5 Prozent. Zwischen den Mitgliedstaaten variiert dieser Prozentsatz erheblich und reichte 2016 von 0,9 Prozent in Malta bis 13,0 Prozent in Italien (Deutschland: 2,3 Prozent). Dabei umfasst die Stille Reserve in allen EU-Mitgliedstaaten in erster Linie Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen, aber keine Arbeit suchten. Außer in Irland, Bulgarien, Litauen, Finnland, Dänemark sowie in Schweden und Belgien, wo die Werte zwischen 44,4 und 50,0 Prozent lagen, stellten Frauen in allen EU-Mitgliedstaaten den größten Anteil an der Stillen Reserve.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosendaten nach Geschlecht und Alter, Langzeitarbeitslose nach Geschlecht, Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung, Supplementary indicators to unemployment (Stand: 05/2017)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen zur Arbeitslosigkeit nach der Finanz- und Wirtschaftskrise erhalten Sie hier...

Informationen zu dem Thema Arbeitslosenquoten nach Bildungsstand und Altersgruppe erhalten Sie hier...

Informationen zu dem Thema Arbeitslosenquoten nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht erhalten Sie hier...

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung. Die Erwerbsbevölkerung setzt sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Zu den Arbeitslosen zählen hier alle Personen von 15 bis 74 Jahren,
  • die während der Berichtswoche ohne Arbeit waren,
  • die in den zwei auf die Berichtswoche folgenden Wochen für eine abhängige Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit verfügbar waren und
  • die innerhalb der letzten vier Wochen (einschließlich der Berichtswoche) spezifische Schritte unternommen haben, um eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit zu finden oder die einen Arbeitsplatz gefunden haben, die Beschäftigung aber erst später, das heißt innerhalb eines Zeitraums von höchstens drei Monaten aufnehmen.
Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Berichtswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt, zur Gewinnerzielung oder zur Mehrung des Familieneinkommens mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder nicht gearbeitet haben, jedoch einen Arbeitsplatz hatten, von dem sie vorübergehend abwesend waren (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

In der Arbeitskräfteerhebung basiert die Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung auf den Eigenangaben der Befragten.

Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos sind und die in den vergangenen 4 Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben, jedoch in den nächsten 2 Wochen keine Arbeit aufnehmen können. Zur Vervollständigung umfasst diese Kategorie ebenfalls drei kleinere Personengruppen:
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben, welche sie in weniger als 3 Monaten aufnehmen werden, und in den nächsten 2 Wochen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen;
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben und diese in 3 Monaten oder später aufnehmen werden sowie
  • diejenigen, die in den letzten 4 Wochen passiv Arbeit gesucht haben und in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten. Passive Arbeitssuche liegt beispielsweise vor, wenn auf das Ergebnis eines Vorstellungsgespräches gewartet wird.
Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos sind und die arbeiten wollen, in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten, jedoch nicht nach Arbeit suchen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Personen, die durch Teilnahme an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen nicht als arbeitslos gelten oder Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, weil sie nach langer Arbeitslosigkeit keinen Arbeitsplatz gefunden haben.

Arbeitslosigkeit 2016

Ausgewählte europäische Staaten, Arbeitslosenquote im Jahr 2016 in Prozent, Veränderung der Arbeitslosenquote 2015/2016, 2008/2009 und 2009/2016 in Prozent und in Prozentpunkten

Arbeitslosenquote
2016
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2015/2016
in Prozent in Prozent in Prozent-
punkten
Europäische Union (28 Länder) 8,5 -9,6 -0,9
Euroraum (19 Länder) 10,0 -8,3 -0,9
Griechenland 23,6 -5,2 -1,3
Spanien 19,6 -11,3 -2,5
Kroatien 13,3 -17,4 -2,8
Zypern 13,1 -12,7 -1,9
Italien 11,7 -1,7 -0,2
Portugal 11,2 -11,1 -1,4
Türkei 10,9 5,8 0,6
Frankreich 10,1 -2,9 -0,3
Lettland 9,6 -3,0 -0,3
Slowakei 9,6 -16,5 -1,9
Finnland 8,8 -6,4 -0,6
Slowenien 8,0 -11,1 -1,0
Irland 7,9 -16,0 -1,5
Litauen 7,9 -13,2 -1,2
Belgien 7,8 -8,2 -0,7
Bulgarien 7,6 -17,4 -1,6
Schweden 6,9 -6,8 -0,5
Estland 6,8 9,7 0,6
Luxemburg 6,3 -3,1 -0,2
Dänemark 6,2 0,0 0,0
Polen 6,2 -17,3 -1,3
Niederlande 6,0 -13,0 -0,9
Österreich 6,0 5,3 0,3
Rumänien 5,9 -13,2 -0,9
Ungarn 5,1 -25,0 -1,7
Vereinigtes Königreich 4,8 -9,4 -0,5
Malta 4,7 -13,0 -0,7
Norwegen 4,7 6,8 0,3
Deutschland 4,1 -10,9 -0,5
Tschechische Republik 4,0 -21,6 -1,1
Island 3,0 -25,0 -1,0


Veränderung der
Arbeitslosenquote
2008/2009
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2009/2016
in Prozent in Prozent-
punkten
in Prozent in Prozent-
punkten
Europäische Union (28 Länder) 28,6 2,0 -5,6 -0,5
Euroraum (19 Länder) 26,3 2,0 4,2 0,4
Griechenland 23,1 1,8 145,8 14,0
Spanien 58,4 6,6 9,5 1,7
Kroatien 8,1 0,7 43,0 4,0
Zypern 45,9 1,7 142,6 7,7
Italien 14,9 1,0 51,9 4,0
Portugal 21,6 1,9 4,7 0,5
Türkei 30,0 3,0 -16,2 -2,1
Frankreich 23,0 1,7 11,0 1,0
Lettland 127,3 9,8 -45,1 -7,9
Slowakei 26,0 2,5 -20,7 -2,5
Finnland 28,1 1,8 7,3 0,6
Slowenien 34,1 1,5 35,6 2,1
Irland 87,5 5,6 -34,2 -4,1
Litauen 137,9 8,0 -42,8 -5,9
Belgien 12,9 0,9 -1,3 -0,1
Bulgarien 21,4 1,2 11,8 0,8
Schweden 33,9 2,1 -16,9 -1,4
Estland 145,5 8,0 -49,6 -6,7
Luxemburg 4,1 0,2 23,5 1,2
Dänemark 76,5 2,6 3,3 0,2
Polen 14,1 1,0 -23,5 -1,9
Niederlande 18,9 0,7 36,4 1,6
Österreich 29,3 1,2 13,2 0,7
Rumänien 16,1 0,9 -9,2 -0,6
Ungarn 28,2 2,2 -49,0 -4,9
Vereinigtes Königreich 35,7 2,0 -36,8 -2,8
Malta 15,0 0,9 -31,9 -2,2
Norwegen 28,0 0,7 46,9 1,5
Deutschland 2,7 0,2 -46,1 -3,5
Tschechische Republik 52,3 2,3 -40,3 -2,7
Island 140,0 4,2 -58,3 -4,2

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosenquoten nach Geschlecht und Altersgruppe – Jahresdurchschnitte (Stand: 05/2017)



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