Zahlen und Fakten: Europa
26.6.2018

Arbeitslosigkeit 2017

Ausgewählte europäische Staaten, Arbeitslosenquote im Jahr 2017 in Prozent, Veränderung der Arbeitslosenquote 2016/2017 in Prozentpunkten

Arbeitslosigkeit 2017

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosenquoten nach Geschlecht und Alter – Jahresdurchschnitte (Stand: 05/2018)
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Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehören nach wie vor zu den größten sozialen Problemen der Europäischen Union. Im Jahr 2017 waren 18,8 Millionen Personen arbeitslos, darunter 3,8 Millionen unter 25-Jährige bzw. 8,3 Millionen Langzeitarbeitslose. Hinzu kommen 9,0 Millionen Teilzeitbeschäftigte, die gern mehr Stunden arbeiten würden, und weitere 10,4 Millionen Personen der sogenannten Stillen Reserve (Nichterwerbspersonen mit einer gewissen Bindung an den Arbeitsmarkt). Insbesondere die globale Finanz- und Wirtschaftskrise bzw. die sich anschließende Staatsschuldenkrise in Europa haben die Arbeitslosenquote der EU von 7,0 im Jahr 2008 auf 10,9 im Jahr 2013 steigen lassen. Seitdem ist die Quote allerdings vier Jahre in Folge gesunken (2017: 7,6 Prozent). Von 2016 auf 2017 hat sich die Arbeitslosenquote in allen EU-Staaten reduziert – relativ am stärksten in Tschechien, Polen, Irland, Portugal, Bulgarien und den Niederlanden.

Fakten

Zwischen 2004 und 2008 reduzierte sich die Arbeitslosenquote der Europäischen Union (EU-28) viermal in Folge und sank von 9,3 auf 7,0 Prozent. Durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise wurde diese Entwicklung jedoch schlagartig beendet: 2009 lag die Arbeitslosenquote bei 9,0 Prozent und stieg dann weiter auf 10,9 Prozent im Jahr 2013. Dabei erhöhte sich sowohl die Arbeitslosenquote der Männer von 9,0 auf 10,8 Prozent als auch die der Frauen von 8,9 auf 10,9 Prozent. 2017 sank die Arbeitslosenquote der EU-28 das vierte Jahr in Folge – auf 7,6 Prozent (Männer: 7,4 Prozent / Frauen: 7,9 Prozent).

Insgesamt waren im Jahr 2017 in der EU 18,8 Millionen Personen arbeitslos. Das waren zwar deutlich weniger als 2013 (26,3 Mio.), aber immer noch mehr als 2008 (16,8 Mio.) – dem Jahr, in dem die aufkommende globale Finanz- und Wirtschaftskrise noch keine größeren Auswirkungen auf den europäischen Arbeitsmarkt hatte. Zwischen 2008 und 2013 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 57,1 Prozent. Zwischen 2013 und 2017 sank sie um 28,7 Prozent.

2017 gehörten 8,3 Millionen Menschen zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen (12 Monate und mehr). Die Langzeitarbeitslosenquote lag 2017 bei 3,4 Prozent, der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen lag bei 44,7 Prozent. 2008 waren die Werte mit 2,6 beziehungsweise 36,9 Prozent noch deutlich niedriger, 2014 lagen sie mit 5,0 beziehungsweise 49,3 Prozent klar über den Werten von 2017.

Bei der Entwicklung der Arbeitslosenquote der EU-28 darf nicht übersehen werden, dass sich diese aus unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten zusammensetzt. So reduzierte sich die Arbeitslosenquote in Tschechien von 2016 auf 2017 um mehr als ein Viertel (von 4,0 auf 2,9 Prozent / minus 27,5 Prozent). Und auch in Polen (minus 21,0 Prozent), Irland (minus 20,2 Prozent), Portugal (minus 19,6 Prozent), Bulgarien (minus 18,4 Prozent) sowie den Niederlanden (minus 18,3 Prozent) lag der Rückgang der Quote bei mehr als 18 Prozent. Von 2016 auf 2017 hat sich die Arbeitslosenquote in allen EU-Staaten reduziert. Schon von 2015 auf 2016 hatte die Quote in lediglich zwei EU-Staaten zugenommen – jeweils moderat in Estland und Österreich.

Im Jahr 2017 lagen innerhalb der EU die Arbeitslosenquoten in Griechenland (21,5 Prozent), Spanien (17,2 Prozent), Italien (11,2 Prozent), Kroatien (11,1 Prozent) und Zypern (11,1 Prozent) bei mehr als 10 Prozent. Tschechien (2,9 Prozent), Deutschland (3,8 Prozent), Malta (4,0 Prozent), Ungarn (4,2 Prozent), das Vereinigte Königreich (4,4 Prozent) sowie die Niederlande, Polen und Rumänien (jeweils 4,9 Prozent) hatten im selben Jahr die niedrigsten Arbeitslosenquoten mit Werten von weniger als 5 Prozent.

Im Jahr 2017 waren in der EU 3,8 Millionen 15- bis unter 25-Jährige arbeitslos – rund 2,1 Millionen Männer und knapp 1,7 Millionen Frauen. Die Jugendarbeitslosenquote – also der Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung bei den 15- bis unter 25-Jährigen – lag 2017 EU-weit bei 16,8 Prozent. Die höchsten Quoten innerhalb der EU verzeichneten auch hier Griechenland (43,6 Prozent) und Spanien (38,6 Prozent). In Italien war im selben Jahr mehr als jeder dritte Jugendliche aus der Erwerbsbevölkerung arbeitslos (34,7 Prozent), in Kroatien war es mehr als jeder Vierte (27,0 Prozent). Darauf folgten Zypern (24,7 Prozent), Portugal (23,8 Prozent) und Frankreich (22,3 Prozent). Auf der anderen Seite hatte Deutschland mit 6,8 Prozent die niedrigste Jugendarbeitslosenquote, gefolgt von Tschechien (7,9 Prozent), den Niederlanden (8,9 Prozent), Österreich (9,8 Prozent), Malta (10,4 Prozent) und Ungarn (10,7 Prozent).

Zur Beurteilung der Arbeitsmarktsituation sollte neben der Arbeitslosigkeit auch die Unterbeschäftigung betrachtet werden. Im Jahr 2017 waren in den 28 EU-Mitgliedstaaten 45,7 Millionen Personen teilzeitbeschäftigt. Nach Angaben von Eurostat würde rund ein Fünftel aller Teilzeitbeschäftigten (19,6 Prozent) gern mehr Stunden arbeiten und wäre dafür auch verfügbar. Die höchsten Anteile von teilzeitbeschäftigten Personen, die den Wunsch haben, mehr Stunden zu arbeiten und dafür auch verfügbar wären, fanden sich in Griechenland (70,6 Prozent), Zypern (62,2 Prozent), Spanien (48,3 Prozent) und Portugal (41,3). Auf der anderen Seite der Skala standen Tschechien (5,9 Prozent), Estland (7,0 Prozent), die Niederlande (10,4 Prozent), Malta (10,8 Prozent), Luxemburg (11,2 Prozent) und Deutschland (11,8 Prozent).

Neben den unterbeschäftigten Teilzeitbeschäftigten zählt Eurostat auch die "Stille Reserve" zu den Unterbeschäftigten. Die Stille Reserve, also das Potential an zusätzlichen Erwerbspersonen, bestand 2017 aus 2,3 Millionen 15- bis unter 75-jährigen Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen (beispielsweise Studierende, die einen Arbeitsplatz für die Zeit nach ihrem Abschluss suchen) und 8,1 Millionen Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen (beispielsweise Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben).

Laut Eurostat handelt es sich bei beiden Gruppen um Nichterwerbspersonen, die trotzdem eine "gewisse Bindung an den Arbeitsmarkt" haben. Zusammengenommen bildeten diese zwei Gruppen 2017 eine Stille Reserve von 10,4 Millionen Personen. Gemessen an der Erwerbsbevölkerung der EU-28 entsprach das einem zusätzlichen Erwerbspersonen-Potential von 4,2 Prozent. Zwischen den Mitgliedstaaten variiert dieser Prozentsatz erheblich und reichte 2017 von 0,9 Prozent in Malta und Tschechien bis 12,1 Prozent in Italien (Deutschland: 2,3 Prozent). Dabei umfasst die Stille Reserve in allen EU-Mitgliedstaaten außer in Schweden in erster Linie Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen, aber keine Arbeit suchten. Frauen stellten in den meisten EU-Mitgliedstaaten den größten Anteil an der Stillen Reserve – Ausnahmen waren Litauen, Bulgarien, Österreich, Dänemark und Finnland, wo der Frauenanteil zwischen 44,4 und 49,8 Prozent lag sowie Deutschland und Slowenien, wo der Frauenanteil bei 50,0 Prozent lag.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosendaten nach Geschlecht und Alter (Stand: 05/2018), Langzeitarbeitslose nach Geschlecht, Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung, Supplementary indicators to unemployment (Stand: 04/2018)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zur Arbeitslosigkeit nach der Finanz- und Wirtschaftskrise erhalten Sie hier...

Informationen zu dem Thema Arbeitslosenquoten nach Bildungsstand und Altersgruppe erhalten Sie hier...

Informationen zu dem Thema Arbeitslosenquoten nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht erhalten Sie hier...

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung. Die Erwerbsbevölkerung setzt sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Zu den Arbeitslosen zählen hier alle Personen von 15 bis 74 Jahren,
  • die während der Bezugswoche ohne Arbeit waren,
  • die innerhalb der letzten vier Wochen aktiv eine Beschäftigung gesucht haben und
  • die sofort bzw. innerhalb von zwei Wochen eine Beschäftigung aufnehmen könnten.
Erwerbstätige sind alle Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Bezugswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt oder zur Gewinnerzielung mindestens eine Stunde gearbeitet haben sowie alle Personen, die nur vorübergehend von ihrer Arbeit abwesend sind (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

In der Arbeitskräfteerhebung basiert die Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung generell auf den Eigenangaben der Befragten. Davon abweichend ist in den Niederlanden und Island festgelegt, dass eine übliche Arbeitszeit von weniger als 35 Stunden als Teilzeitbeschäftigung gilt. In Schweden gilt diese Definition für Selbständige. In Norwegen werden lediglich die Beschäftigten, die zwischen 32 und 36 Stunden arbeiten, um eine Eigenangabe gebeten.

Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos sind und die in den vergangenen 4 Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben, jedoch in den nächsten 2 Wochen keine Arbeit aufnehmen können. Zur Vervollständigung umfasst diese Kategorie ebenfalls drei kleinere Personengruppen:
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben, welche sie in weniger als 3 Monaten aufnehmen werden, und in den nächsten 2 Wochen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen;
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben und diese in 3 Monaten oder später aufnehmen werden sowie
  • diejenigen, die in den letzten 4 Wochen passiv Arbeit gesucht haben und in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten. Passive Arbeitssuche liegt beispielsweise vor, wenn auf das Ergebnis eines Vorstellungsgespräches gewartet wird.
Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos sind und die arbeiten wollen, in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten, jedoch nicht nach Arbeit suchen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, weil sie nach langer Arbeitslosigkeit keinen Arbeitsplatz gefunden haben.

Arbeitslosigkeit 2017

Arbeitslosenquote im Jahr 2017 in Prozent, Veränderung der Arbeitslosenquote 2016/2017, 2008/2009 und 2009/2017 in Prozent und in Prozentpunkten, ausgewählte europäische Staaten

Arbeitslosenquote
2017
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2016/2017
in Prozent in Prozent in Prozent-
punkten
Europäische Union (28 Länder) 7,6 -11,6 -1,0
Euroraum (19 Länder) 9,1 -9,0 -0,9
Griechenland 21,5 -8,9 -2,1
Spanien 17,2 -12,2 -2,4
Italien 11,2 -4,3 -0,5
Kroatien 11,1 -17,2 -2,3
Zypern 11,1 -14,6 -1,9
Türkei 10,9 0,0 0,0
Frankreich 9,4 -6,9 -0,7
Portugal 9,0 -19,6 -2,2
Lettland 8,7 -9,4 -0,9
Finnland 8,6 -2,3 -0,2
Slowakei 8,1 -16,5 -1,6
Belgien 7,1 -9,0 -0,7
Litauen 7,1 -10,1 -0,8
Irland 6,7 -20,2 -1,7
Schweden 6,7 -2,9 -0,2
Slowenien 6,6 -17,5 -1,4
Bulgarien 6,2 -18,4 -1,4
Estland 5,8 -14,7 -1,0
Dänemark 5,7 -8,1 -0,5
Luxemburg 5,6 -11,1 -0,7
Österreich 5,5 -8,3 -0,5
Niederlande 4,9 -18,3 -1,1
Polen 4,9 -21,0 -1,3
Rumänien 4,9 -16,9 -1,0
Vereinigtes Königreich 4,4 -8,3 -0,4
Ungarn 4,2 -17,6 -0,9
Norwegen 4,2 -12,5 -0,6
Malta 4,0 -14,9 -0,7
Deutschland 3,8 -7,3 -0,3
Tschechien 2,9 -27,5 -1,1
Island 2,8 -6,7 -0,2
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2008/2009
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2009/2017
in Prozent in Prozent-
punkten
in Prozent in Prozent-
punkten
Europäische Union (28 Länder) 28,6 2,0 -15,6 -1,4
Euroraum (19 Länder) 26,3 2,0 -5,2 -0,5
Griechenland 23,1 1,8 124,0 11,9
Spanien 58,4 6,6 -3,9 -0,7
Italien 14,9 1,0 45,5 3,5
Kroatien 8,1 0,7 19,4 1,8
Zypern 45,9 1,7 105,6 5,7
Türkei 30,0 3,0 -16,2 -2,1
Frankreich 23,0 1,7 3,3 0,3
Portugal 21,6 1,9 -15,9 -1,7
Lettland 127,3 9,8 -50,3 -8,8
Finnland 28,1 1,8 4,9 0,4
Slowakei 26,0 2,5 -33,1 -4,0
Belgien 12,9 0,9 -10,1 -0,8
Litauen 137,9 8,0 -48,6 -6,7
Irland 86,8 5,9 -47,2 -6,0
Schweden 33,9 2,1 -19,3 -1,6
Slowenien 34,1 1,5 11,9 0,7
Bulgarien 21,4 1,2 -8,8 -0,6
Estland 145,5 8,0 -57,0 -7,7
Dänemark 76,5 2,6 -5,0 -0,3
Luxemburg 4,1 0,2 9,8 0,5
Österreich 29,3 1,2 3,8 0,2
Niederlande 18,9 0,7 11,4 0,5
Polen 14,1 1,0 -39,5 -3,2
Rumänien 16,1 0,9 -24,6 -1,6
Vereinigtes Königreich 35,7 2,0 -42,1 -3,2
Ungarn 28,2 2,2 -58,0 -5,8
Norwegen 22,2 0,6 27,3 0,9
Malta 15,0 0,9 -42,0 -2,9
Deutschland 2,7 0,2 -50,0 -3,8
Tschechien 52,3 2,3 -56,7 -3,8
Island 140,0 4,2 -61,1 -4,4

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosendaten nach Geschlecht und Alter – Jahresdurchschnitte (Stand: 05/2018)


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