Zahlen und Fakten: Europa

Einkommen

30.10.2011
Von den 30 hier betrachteten Staaten und unter Berücksichtigung der Kaufkraft war 2008 das mittlere Einkommen in Luxemburg am höchsten. Darauf folgten Norwegen, die Schweiz, Island und Zypern.

EinkommenKlicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Um das Einkommen von Personen, die in Haushalten unterschiedlicher Größe leben, sinnvoll miteinander vergleichen zu können, werden bei der Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte berücksichtigt, die durch das Zusammenleben entstehen (zum Beispiel geringere Miete und Energiekosten pro Kopf durch gemeinsam genutzten Wohnraum oder Einspareffekte durch gemeinsame Haushaltsanschaffungen). Die Einkommen werden also gewichtet bzw. wird das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt.

Werden die so ermittelten Einkommen der Reihe nach sortiert, ist das Einkommen in der Mitte der Verteilung das sogenannte Median-Einkommen (Zentralwert). Eurostat ermittelt das Median-Nettoäquivalenzeinkommen für alle Staaten der Europäischen Union (EU) sowie für Island, Norwegen und die Schweiz. Das Median-Nettoäquivalenzeinkommen der EU lag im Jahr 2008 bei 14.630 Euro, das des Euroraums (17 Länder) bei 16.946 Euro. Ein großer Unterschied besteht zwischen dem Einkommen der 12 Staaten, die zuletzt der EU beigetreten sind, und dem der 15 Staaten, die schon vor 2004 Mitglied der EU waren: Das mediane Nettoäquivalenzeinkommen der neuen Mitgliedstaaten entsprach mit 4.557 Euro nur etwa einem Viertel des Einkommens der anderen 15 EU-Mitgliedstaaten, das im Jahr 2008 bei 17.293 Euro lag.

Auf der Ebene der 30 hier betrachteten Staaten hatten Norwegen (33.737 Euro), Luxemburg (31.764 Euro), die Schweiz (29.310 Euro), Dänemark (24.933 Euro) und Irland (22.445 Euro) das höchste Median-Nettoäquivalenzeinkommen. Rumänien (2.162 Euro), Bulgarien (2.828 Euro), Ungarn (4.739 Euro), Litauen (4.815 Euro) und Polen (5.097 Euro) waren die fünf Staaten mit dem niedrigsten Einkommen. Deutschland belegte mit 18.586 Euro den 10. Rang innerhalb der EU.

Um auf der Ebene der einzelnen Staaten die Einkommen miteinander vergleichen zu können, muss die jeweilige Kaufkraft berücksichtigt werden. Der Kaufkraftstandard (KKS) ist eine künstliche Währung, mit deren Hilfe Preisniveauunterschiede zwischen den EU-Staaten ausgeglichen werden. Mit 1 KKS kann in allen EU-Staaten dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen erworben werden. Die Kaufkraft von einem KKS entspricht der durchschnittlichen Kaufkraft von einem Euro in der Europäischen Union.

Unter Berücksichtigung der Kaufkraft war 2008 das Median-Nettoäquivalenzeinkommen in Luxemburg mit 27.043 KKS am höchsten. Darauf folgten Norwegen (24.143 KKS), die Schweiz (22.683 KKS), Island (21.576 KKS) und Zypern (19.641 KKS). Am niedrigsten war das entsprechende Einkommen in Rumänien (3.443 KKS), Bulgarien (5.753 KKS), Ungarn (6.838 KKS), Litauen (7.306 KKS) und Lettland (7.325 KKS). In Deutschland lag das kaufkraftgewichtete mediane Nettoäquivalenzeinkommen 2008 bei 17.959 KKS.

Wird die Reihenfolge der 30 hier betrachteten Staaten vor Berücksichtigung der Kaufkraft mit der danach verglichen, so verschlechtert sich Irlands Einkommensposition um 7 Ränge (von Rang 5 auf Rang 12). Und auch Dänemark und Finnland rutschen um jeweils 6 Ränge nach unten (von Rang 4 auf Rang 10 bzw. von 8 auf 14). Anders formuliert wird in diesen drei Staaten das relativ hohe Äquivalenzeinkommen durch ein überdurchschnittlich hohes Preisniveau deutlich verringert. Auf der anderen Seite verbesserte im Vergleich zu den anderen Staaten vor allem Zypern seine Einkommensposition (von Rang 14 auf Rang 5). Deutschland belegte im Jahr 2008 unter Berücksichtigung der Kaufkraft den 6. Rang innerhalb der EU und nicht – wie oben – den 10. Rang.

Wenn das kaufkraftgewichtete Median-Nettoäquivalenzeinkommen Deutschlands bei einer Index-Darstellung den Wert "100" erhält, ist schnell zu sehen, dass das entsprechende Einkommen Luxemburgs (Indexwert: 151) im Jahr 2008 gut eineinhalbmal so hoch war. Auch in Norwegen (134), der Schweiz (126), Island (120), Zypern (109), den Niederlanden (107), Österreich und Schweden (je 105) war das jeweilige kaufkraftgewichtete Median-Nettoäquivalenzeinkommen höher als in Deutschland. Auf der anderen Seite war das entsprechende Einkommen im selben Jahr in Estland (45), der Slowakei (44), Polen, Lettland und Litauen (je 41) sowie in Ungarn (38) weniger als halb so hoch. In Bulgarien (32) entsprach das kaufkraftgewichtete Einkommen nur knapp einem Drittel des Einkommens in Deutschland. In Rumänien (19) war es ein knappes Fünftel.

Generell ist bei den genannten Werten zu beachten, dass es sich um Mittelwerte handelt. Innerhalb der einzelnen Staaten und auch auf EU-Ebene sind die Einkommen sehr unterschiedlich verteilt. So war in der EU im Jahr 2008 das Einkommen des Fünftels der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen 4,9-mal höher als das des Fünftels der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen. In Deutschland war das Einkommen der einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung 4,5-mal so hoch wie das der einkommensschwächsten 20 Prozent.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Durchschnittliches und Median-Einkommen nach Alter und Geschlecht (Stand: 09/2011), Einkommensquintilverhältnis (S80/S20), Stand: 07/2011

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtetet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5 und Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.

Zur Berechnung des Median (Zentralwert) werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen.

Hingegen wird zur Berechnung des Durchschnittseinkommens (arithmetisches Mittel) die Summe aller gewichteten Einkommen durch die Anzahl aller gewichteten Einkommen geteilt.

Das Einkommensquintilverhältnis ist das Verhältnis des Gesamteinkommens von den 20 Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen (oberstes Quintil) zum Gesamteinkommen von den 20 Prozent der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen (unterstes Quintil). Unter Einkommen wird auch hier das verfügbare Äquivalenzeinkommen verstanden. Das Einkommensquintilverhältnis für die EU-27 wird durch den nach der Bevölkerung gewichteten Mittelwert berechnet.

Weitere Informationen zur "Einkommensungleichheit" erhalten Sie »hier...«

Mitglieder des Euroraums Mitte 2011: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

Informationen zu dem Thema "Mitgliedstaaten und Erweiterung der EU" erhalten Sie »hier...«

Tabelle: Einkommen



Medianes Nettoäquivalenzeinkommen* in Euro und Kaufkraftstandards (KKS),
Index KKS (Deutschland = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2008

  Euro Kaufkraft-
standards (KKS)**
Index KKS (Dt. = 100)
Europäische Union
(27 Länder)
14.630
Euroraum
(17 Länder)
16.946
Europäische Union
(15 Länder)
17.293
Neue Mitgliedstaaten
(12 Länder)
4.557
Luxemburg 31.764 27.043 151
Norwegen 33.737 24.143 134
Schweiz 29.310 22.683 126
Island 22.362 21.576 120
Zypern 17.432 19.641 109
Niederlande 20.156 19.232 107
Österreich 19.886 18.863 105
Schweden 21.248 18.768 105
Deutschland 18.586 17.959 100
Dänemark 24.933 17.848 99
Frankreich 19.760 17.656 98
Irland 22.445 17.599 98
Belgien 19.313 17.495 97
Finnland 20.962 17.282 96
Großbritannien 16.276 17.106 95
Italien 15.637 15.203 85
Slowenien 11.864 14.410 80
Spanien 13.300 13.978 78
Malta 9.933 12.855 72
Griechenland 11.496 12.629 70
Tschechische Rep. 7.295 10.107 56
Portugal 8.282 9.410 52
Estland 6.209 7.992 45
Slowakei 5.671 7.855 44
Polen 5.097 7.376 41
Lettland 5.474 7.325 41
Litauen 4.815 7.306 41
Ungarn 4.739 6.838 38
Bulgarien 2.828 5.753 32
Rumänien 2.162 3.443 19

* einschließlich Sozialtransfers. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen.
** Der Kaufkraftstandard (KKS) ist eine künstliche Währung, mit deren Hilfe Preisniveauunterschiede zwischen den EU-Staaten ausgeglichen werden. Mit 1 KKS kann in allen EU-Staaten dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen erworben werden. Die Kaufkraft von einem KKS entspricht der durchschnittlichen Kaufkraft von einem Euro in der Europäischen Union.


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Durchschnittliches und Median-Einkommen nach Alter und Geschlecht (Stand: 09/2011)


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter