Zahlen und Fakten: Europa

Einkommensverteilung

18.12.2011
Werden die 27 Staaten EU als ein Land betrachtet, entfielen im Jahr 2008 auf das Zehntel der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen 26,7 Prozent des gewichteten Gesamtnettoeinkommens. Auf das Zehntel der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen entfielen im selben Jahr hingegen nur 1,2 Prozent des Einkommens.

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Fakten



Werden die 27 Staaten der Europäischen Union (EU) als ein Land betrachtet, entfielen im Jahr 2008 auf das Zehntel der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen 26,7 Prozent des nach Haushaltsgröße gewichteten Gesamtnettoeinkommens. Auf das Zehntel der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen entfielen im selben Jahr hingegen nur 1,2 Prozent des Einkommens. Die Hälfte der EU-Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen hatte mit 23,4 Prozent einen niedrigeren Anteil am Gesamteinkommen als das oberste Zehntel der Einkommensverteilung.

Auch auf der Ebene der einzelnen europäischen Staaten sind die Einkommen ungleich verteilt: In allen EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und der Schweiz lag der Einkommensanteil des Zehntels der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen im Jahr 2008 klar unter fünf Prozent. Am höchsten war der entsprechende Anteil noch in der Tschechischen Republik mit 4,2 Prozent sowie in Slowenien und Ungarn mit jeweils 4,1 Prozent. Die niedrigsten Anteile am Gesamteinkommen hatte das jeweils einkommensschwächste Zehntel in Dänemark (1,4 Prozent) und Spanien (1,7 Prozent) sowie in Lettland und Rumänien (jeweils 2,1 Prozent). In Deutschland entfielen im Jahr 2008 auf das Zehntel der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen 3,3 Prozent des Gesamteinkommens.

Auf der anderen Seite hatte im Jahr 2008 das jeweils einkommensstärkste Zehntel der Bevölkerung in Portugal (28,0 Prozent), Lettland (27,6 Prozent) und Litauen (27,1 Prozent) den höchsten Anteil am jeweiligen Gesamteinkommen. In Slowenien (19,3 Prozent), Schweden (20,2 Prozent) und Norwegen (20,4 Prozent) fiel der jeweilige Einkommensanteil des einkommensstärksten Zehntels am niedrigsten aus. In Deutschland lag der Einkommensanteil des obersten Zehntels bei 23,4 Prozent – bezogen auf die 30 hier betrachteten Staaten bewegte sich Deutschland damit im Mittelfeld (15. Rang).

Um Aussagen zur Einkommensungleichheit machen zu können, müssen die Einkommensanteile der einzelnen Einkommensgruppen miteinander verglichen werden. Eurostat vergleicht hierbei das Einkommen des Fünftels der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen (10. und 9. Zehntel) mit dem Einkommen des Fünftels der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen (1. und 2. Zehntel). Wird die EU als ein großes Land betrachtet war das Einkommen der einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2008 10,0-mal höher als das der einkommensschwächsten 20 Prozent. In den 12 neuen Mitgliedstaaten, die der EU seit 2004 beigetreten sind, lag der entsprechende Faktor bei 7,7, in der EU-15 bei 5,3.

Bezogen auf die einzelnen europäischen Staaten war die Einkommensungleichheit im Jahr 2008 in Lettland (Faktor 7,3), Rumänien (6,7), Litauen (6,3) sowie in Portugal und Spanien (jeweils 6,0) am stärksten ausgeprägt. Hingegen hatten Slowenien (Faktor 3,2), Norwegen, die Tschechische Republik und Ungarn (jeweils 3,5), die Slowakei (3,6) sowie Finnland, Österreich und Schweden (3,7) die niedrigsten Werte bei der Einkommensungleichheit. In Deutschland war das Einkommen der einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung 4,5-mal so hoch wie das der einkommensschwächsten 20 Prozent.

Laut Eurostat gibt es eine Verbindung zwischen dem Ausmaß der Einkommensungleichheit und der Anzahl der Personen, die armutsgefährdet sind. Beispielsweise weist kein EU-Staat, in dem mittlere oder große Einkommensungleichheit herrscht, gleichzeitig eine niedrige Armutsgefährdungsquote auf. Auch für Deutschland ist diese Korrelation festzustellen: In den Jahren 2004/2005 war das Einkommen des Fünftels der Bevölkerung Deutschlands mit den höchsten Einkommen 3,8- bzw. 4,1-mal höher als das des Fünftels der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen. Bis 2006/2007 stieg der entsprechende Faktor auf 4,9 bzw. 4,8. Parallel zu dieser Erhöhung der Einkommensungleichheit stieg die Armutsgefährdungsquote von 12,2/12,5 Prozent in den Jahren 2004/2005 auf 15,2 Prozent 2006/2007.

Auch daraus schließt Eurostat, dass zu einer erfolgreichen Reduzierung der Einkommensarmut eine Reduzierung der Einkommensungleichheit gehört. Zumindest verfolgt kein EU-Mitglied eine Strategie, bei der versucht wird, eine geringe Armutsgefährdung mit einer hohen Einkommensungleichheit zu kombinieren.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Einkommensverteilung nach Quantilen (Stand: 09/2011), Einkommensquintilverhältnis (S80/S20) (Stand: 07/2011); Eurostat: Income and living conditions in Europe, 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Unter Einkommen wird hier das verfügbare Äquivalenzeinkommen verstanden. Informationen zur "Berechnung des Äquivalenzeinkommens" erhalten Sie hier...


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