Zahlen und Fakten: Europa

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21.12.2011

Fremdsprachen

Auf Länderebene lag der Anteil der Personen, die mindestens eine Fremdsprache sprechen, in acht von 29 Staaten bei 90 Prozent oder mehr. In Deutschland galt dies für zwei Drittel der Bevölkerung (67 Prozent).

FremdsprachenKlicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Die Förderung des Sprachenlernens ist Kernbestandteil der Sprachenpolitik der Europäischen Union (EU). Die Europäische Kommission formuliert als Ziel "eine EU, in der sich jeder Bürger neben seiner Muttersprache in mindestens zwei Fremdsprachen ausdrücken kann." Bezogen auf das Jahr 2005 wurde dieses Ziel aber nur bei gut einem Viertel der Bürger in den damals 25 EU-Mitgliedstaaten erreicht. Bei der Eurobarometer-Umfrage Ende 2005 gaben 56 Prozent der EU-Bürger an, dass sie mindestens eine andere Sprache als ihre Muttersprache gut genug sprechen, um sich darin unterhalten zu können (2001: 47 Prozent). 28 Prozent gaben an, dass sie zwei Sprachen außer ihrer Muttersprache ausreichend beherrschen (2001: 26 Prozent). Gut jeder zehnte Befragte hatte sogar in drei Sprachen ausreichende Kenntnisse, um eine Unterhaltung zu führen (11 Prozent / 2001: 8 Prozent). Auf der anderen Seite sprachen 44 Prozent der Bürger der EU-25 neben ihrer Muttersprache keine weitere Sprache (2001: 47 Prozent).

Auf Länderebene (hier: EU-27 plus Kroatien und die Türkei) lag der Anteil der Personen, die mindestens eine Fremdsprache sprechen, in acht Staaten bei 90 Prozent oder mehr: Luxemburg, Slowakei, Lettland, Litauen, Malta, Niederlande, Slowenien und Schweden. In Deutschland galt dies für zwei Drittel der Bevölkerung (67 Prozent). In 9 der 29 erfassten Staaten war mehr als die Hälfte der Befragten in der Lage, sich in mindestens zwei Fremdsprachen zu unterhalten. An der Spitze standen wiederum die Bürger Luxemburgs (92 Prozent). Darauf folgten die Niederlande und Slowenien mit einem entsprechenden Anteil von 75 bzw. 71 Prozent. In Malta (68 Prozent), Belgien (67 Prozent) und Dänemark (66 Prozent) sprachen rund zwei Drittel der befragten Bevölkerung mindestens zwei Fremdsprachen, in Deutschland war es nur gut ein Viertel (27 Prozent). Weiter gab mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Luxemburg (69 Prozent) und Belgien (53 Prozent) an, sich sogar in drei Fremdsprachen unterhalten zu können (Deutschland: 8 Prozent). Laut Eurostat sind die Fremdsprachenkenntnisse in den kleineren Mitgliedstaaten tendenziell höher, in den südeuropäischen und den beiden englischsprachigen Mitgliedstaaten Großbritannien und Irland sind sie hingegen eher geringer.

In acht der hier betrachteten 29 Staaten gab Ende 2005 mehr als die Hälfte der Bevölkerung an, dass sie gar keine Fremdsprache spricht: Türkei (67 Prozent), Irland (66 Prozent), Großbritannien (62 Prozent), Italien (59 Prozent), Portugal und Ungarn (jeweils 58 Prozent), Spanien (56 Prozent) sowie Rumänien (53 Prozent). Aber auch in Frankreich (49 Prozent) lag der entsprechende Anteil klar über dem EU-25-Durchschnitt (44 Prozent). In Deutschland sprachen 33 Prozent der Bürger neben ihrer Muttersprache keine weitere Sprache.

In 19 der 29 Staaten war Englisch Ende 2005 die am häufigsten gesprochene Fremdsprache, in 26 Staaten war Englisch eine der beiden meistgesprochenen Fremdsprachen. 38 Prozent der Bürger der EU-25 gaben an, dass sie ausreichende Englischkenntnisse besitzen, um eine Unterhaltung führen zu können. Französisch und Deutsch nannten jeweils 14 Prozent. Mit der EU-Osterweiterung veränderten sich auch die Anteile der einzelnen Fremdsprachen: In den neuen Mitgliedstaaten sprechen deutlich mehr Bürger Deutsch (23 Prozent gegenüber 12 Prozent in der EU-15) als Französisch oder Spanisch (3 bzw. 1 Prozent gegenüber 16 bzw. 7 Prozent in der EU-15). Zudem ist durch die EU-Osterweiterung Russisch als häufig gesprochene Fremdsprache hinzugekommen.

Werden Fremd- und Muttersprachler zusammengefasst, sprachen Ende 2005 etwas mehr als die Hälfte aller Bürger der EU-25 Englisch (51 Prozent). Und auch in den folgenden Jahren wird Englisch die am meisten verwendete Sprache in der EU bleiben. Denn 77 Prozent der EU-Bürger waren Ende 2005 der Ansicht, dass Kinder Englisch lernen sollten (wenn maximal zwei Fremdsprachen ausgewählt werden dürfen). Französisch folgte mit 33 Prozent und Deutsch mit 28 Prozent. Außer in Luxemburg wurde Englisch dabei in allen Staaten am häufigsten als Fremdsprache genannt.

Der häufigste Grund für das Erlernen einer Fremdsprache war Ende 2005 die Nutzung im Urlaub (35 Prozent / 2001: 47 Prozent). Darauf folgte die Nutzung der Fremdsprachenkenntnisse für die Arbeit (32 Prozent / 2001: 26 Prozent) und der Grund "um im Ausland arbeiten zu können" (27 Prozent / 2001: 18 Prozent) bzw. das Erlernen für die eigene Zufriedenheit (27 Prozent / 2001: 37 Prozent). Generell besteht innerhalb der EU Einigkeit darüber, dass es von Vorteil ist, mehrere Sprachen sprechen zu können. 83 Prozent der Bürger der EU-25 waren Ende 2005 der Ansicht, dass Fremdsprachenkenntnisse für sie nützlich sind oder wären (2001: 72 Prozent). Mehr als die Hälfte (53 Prozent) schätzte Fremdsprachenkenntnisse dabei sogar als "sehr nützlich" ein. Lediglich 16 Prozent der Befragten sehen keine Vorteile in der Mehrsprachigkeit (je 8 Prozent antworteten mit "nicht sehr nützlich" bzw. "überhaupt nicht nützlich"). Sogar in den Ländern, in denen die Zustimmung zum Erlernen von Fremdsprachen im Vergleich am geringsten war – Portugal und Griechenland –, halten drei von vier Bürgern Fremdsprachenkenntnisse für nützlich.

Datenquelle

Europäische Kommission: Eurobarometer Spezial 243: Die Europäer und ihre Sprachen, Februar 2006; Europäische Kommission: http://ec.europa.eu/languages

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

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Tabelle: Fremdsprachen

Eurobarometer-Umfrage, Angaben in Prozent der Bevölkerung*, Europäische Union und ausgewählte europäische Staaten, Ende 2005

  Eurobarometer-Frage: Wie viele Sprachen können Sie – abgesehen von Ihrer Muttersprache – gut genug sprechen, um sich darin zu unterhalten?
mindestens eine Fremdsprache mindestens zwei Fremdsprachen mindestens drei Fremdsprachen keine
EU-25 56 28 11 44
Belgien 74 67 53 26
Bulgarien 59 31 8 41
Dänemark 88 66 30 12
Deutschland 67 27 8 33
Estland 89 58 24 11
Finnland 69 47 23 31
Frankreich 51 21 4 49
Griechenland 57 19 4 43
Großbritannien 38 18 6 62
Irland 34 13 2 66
Italien 41 16 7 59
Kroatien 71 36 11 29
Lettland 95 51 14 5
Litauen 92 51 16 8
Luxemburg 99 92 69 1
Malta 92 68 23 8
Niederlande 91 75 34 9
Österreich 62 32 21 38
Polen 57 32 4 43
Portugal 42 23 6 58
Rumänien 47 27 6 53
Schweden 90 48 17 10
Slowakei 97 48 22 3
Slowenien 91 71 40 9
Spanien 44 17 6 56
Tschechische Republik 61 29 10 39
Türkei 33 5 1 67
Ungarn 42 27 20 58
Zypern 78 22 6 22

* 15 Jahre oder älter

Quelle: Europäische Kommission: Eurobarometer Spezial 243: Die Europäer und ihre Sprachen, Februar 2006

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