Zahlen und Fakten: Globalisierung

Transport- und Kommunikationskosten

3.3.2010
Erst die relativ sinkenden Kosten für Transport- und Kommunikation ermöglichen neue Produktions-, Vermarktungs- und Absatzstrategien.

Transport- und Kommunikationskosten, in konstanten Preisen 1930-2005.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Obwohl einzelne Güter schon früh über große Entfernungen transportiert wurden, hat sich das ökonomische Handeln den größten Teil der Menschheitsgeschichte auf die lokale Ebene bezogen. Auch heute spielt die lokale Ebene eine wichtige Rolle. Aber seit etwa 200 Jahren und noch einmal verstärkt in den vergangenen 50 Jahren hat der grenzüberschreitende Handel stetig an Bedeutung gewonnen. Neben expansiven Unternehmensstrategien ermöglichen vor allem sinkende Transport- und Kommunikationskosten die Ausweitung des grenzüberschreitenden Handels.

Seit 1930 sind sowohl die Kosten für den See- und Lufttransport als auch die Telekommunikationskosten massiv gesunken. Die Kosten für Seefracht und Lufttransport verringerten sich innerhalb von 70 Jahren um 65 bzw. 88 Prozent. Bei den Kommunikationskosten – etwa bei den Gebühren für ein dreiminütiges Telefongespräch von New York nach London – ist der Trend noch deutlicher: In Preisen von 1990 kostete dieses Gespräch 1930 knapp 245 US-Dollar, 1970 noch mehr als 30 US-Dollar und 2005 nur noch 30 US-Cent – eine Kostenreduzierung von 99,88 Prozent. Auch deshalb hat sich allein vom Ende der siebziger bis zum Ende der neunziger Jahre die Zahl der aus den USA ins Ausland telefonierten Minuten auf etwa 28 Milliarden verneunfacht.

Während die Kommunikationskosten vor allem aufgrund technischer Entwicklungen und der Entstehung eines Massenmarktes gesunken sind, profitierte der Transportsektor zusätzlich von relativ sinkenden Rohölpreisen seit Anfang der 1980er-Jahre bis zum Ende der 1990er-Jahre. Marktliberalisierungen wirkten sich in beiden Bereichen kostensenkend aus.

Erst die relativ sinkenden Kosten für Transport und Kommunikation und die parallele Verbreitung globaler Transport- und Kommunikationsnetze haben neue Produktions-, Vermarktungs- und Absatzstrategien sowie einen allgemeinen globalen Austausch ermöglicht.

Dabei sind sinkende Transport- und Kommunikationskosten nicht nur eine Voraussetzung für die Globalisierung, sondern werden ihrerseits von ihr beeinflusst: Durch eine größere Nachfrage von Dienstleistungen im Kommunikationsbereich, wachsende Gütermengen im Transportwesen und schnellere Verbreitung technischer Entwicklungen können logistische Leistungen günstiger angeboten – und im nächsten Schritt wiederum stärker nachgefragt – werden. Erst wenn das Angebot langsamer wächst als die Nachfrage, steigen die Preise.

Während die Kommunikationskosten auch in den letzten Jahren weiter gesunken sind, haben vor allem die seit etwa zehn Jahren steigenden Energiekosten in vielen Bereichen zu einer Erhöhung der Transportkosten geführt. Genauso wie sinkende Transport- und Kommunikationskosten die Globalisierung beschleunigen, führen steigende Kosten zu einer Entschleunigung des grenzüberschreitenden Handels.

Allerdings ist der Anteil der Transportkosten bei vielen Produkten gegenwärtig so gering, dass sich auch deutliche Preissteigerungen kaum auf die Endverbraucherpreise auswirken müssen. So kostet etwa der Transport eines TEU-Containers mit mehr als 20 Tonnen Fracht von Asien nach Europa nicht mehr als ein Flug in der Economy-Class für einen Flugpassagier auf derselben Strecke. Der Transport einer Tonne Eisenerz von Australien nach Europa kostet durchschnittlich etwa 12 US-Dollar. Und bei einem Transport von Asien nach Europa liegt der Anteil der Seefrachtkosten bei einem Fernseher bei etwa 1,4 Prozent, bei einem Kilo Kaffee sogar nur bei einem Prozent.

Datenquelle



Busse, Matthias: HWWA Discussion Paper Nr. 116; Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): Außenwirtschafts-Report 04/2002; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Maritime Transport Review 2009

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die hier aufgeführten Indikatoren zur Messung der Kostenentwicklung in den Bereichen Seefracht, Lufttransport und Telekommunikation sind exemplarisch, da auf internationaler Ebene eine zentrale statistische Datenerfassung fehlt. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Kommunikations- und Transportnetze nicht alle Regionen der Welt gleichermaßen umspannen und somit auch hohe Kostenunterschiede bestehen. Weitere Informationen zum 'Digital Devide' finden Sie »hier...«

ISO-Container sind weltweit genormte Großraumbehälter. Die gängigen ISO-Container haben eine Breite von 8 Fuß (2,44 m) und sind entweder 20 Fuß (6,10 m) oder 40 Fuß (12,19 m) lang. Daraus ergeben sich auch die Abkürzungen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) und FEU (Fourty-foot Equivalent Unit).

Tabelle: Transport- und Kommunikationskosten



Index (1930 = 100) und in absoluten Zahlen, in konstanten Preisen (US-Dollar 1990), 1920 bis 2005

Telekommunikation* Seefracht* Lufttransport*
Index
(1930 = 100)
in US-Dollar Index
(1930 = 100)
in US-Dollar Index
(1930 = 100)
in US-Dollar
1920 158,3 95
1930 100,00 244,65 100,0 60 100,0 0,68
1940 77,05 188,51 105,0 63 67,7 0,46
1950 21,75 53,20 56,7 34 44,1 0,30
1960 18,75 45,86 45,0 27 35,3 0,24
1970 12,91 31,58 45,0 27 23,5 0,16
1980 1,96 4,80 40,0 24 14,7 0,10
1990 1,36 3,32 48,3 29 16,2 0,11
2000** 0,35 0,86 35,0 21 11,8 0,08
2005 0,12 0,30

* Kosten eines 3-minütigen Telefongespräches von New York nach London / durchschnittliche Seetransportkosten und Hafengebühren für Import- und Exportfracht pro short ton (907,17 kg) / durchschnittlicher Lufttransportumsatz pro Passagier und Meile
** 1998 bei Seefracht und Lufttransport


Quelle: Busse, Matthias: HWWA Discussion Paper Nr. 116; Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): Außenwirtschafts-Report 04/2002


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