Globale Finanz- und Wirtschaftskrise
25.9.2010
Die globale Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise auf dem Subprime-Markt in den USA begann, hat fast überall auf der Welt zu einem deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstum oder zur Rezession geführt.
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Die globale Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise auf dem Subprime-Markt in den USA begann, hat fast überall auf der Welt zu einem deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstum oder zur Rezession geführt. Die zusammengefasste Wirtschaftsleistung der ökonomisch hochentwickelten Staaten ist nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IMF – International Monetary Fund) im Jahr 2009 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg geschrumpft und zwar um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nur in wenigen ökonomisch sich entwickelnden Staaten erhöhte sich das Wachstum trotz der Finanzkrise bis 2009 ungebrochen.
Die Finanzkrise wurde dadurch ausgelöst, dass die jahrelang steigenden Immobilienpreise in den USA, die sich zu einer Immobilienblase entwickelt hatten, stagnierten und gebietsweise fielen. Bei steigenden Kreditzinsen und fallenden Wiederverkaufswerten konnten viele Kreditnehmer ihre Kreditschuld nicht begleichen. Zuvor waren die Kreditrisiken in Wertpapieren gebündelt (Verbriefung) und weltweit gehandelt worden. Die Spekulation mit Kreditderivaten hatte die Investitionsrisiken zusätzlich potenziert. Die verbrieften Immobilienkredite waren zunächst von Rating-Agenturen als "mit geringem Risiko behaftet" bewertet worden – im Verlauf der Immobilienkrise wurden die Papiere jedoch zunehmend schlechter bewertet.
Mehrere große amerikanische Finanzunternehmen, die entweder direkt oder indirekt über die Verbriefung auf dem Immobiliensektor aktiv waren, mussten im Zuge der Krise Insolvenz anmelden oder von der Regierung gerettet werden (Lehman Brothers, Merrill Lynch, AIG, Bear Stearns, Fannie Mae, Freddie Mac). Rasante Kurseinbrüche an den globalen Aktienmärkten verschärften die Krise und der Interbankenmarkt kam weltweit nahezu vollständig zum Erliegen. Die Verknappung der Liquidität von Banken und die allgemeine Verunsicherung führten letztlich auch zu einem Überspringen der Krise auf den Nicht-Finanzbereich.
Bei den Finanzunternehmen in den USA, Europa und Asien werden sich die Verluste infolge der Finanzkrise laut Schätzungen des IMF auf insgesamt rund 2,28 Billionen US-Dollar summieren. Für die USA wird mit Kredit- und Wertpapierverlusten in Höhe von 885 Milliarden US-Dollar gerechnet. Für Großbritannien werden Verluste in Höhe von 455 Milliarden US-Dollar prognostiziert, für die Eurozone 665 Milliarden US-Dollar und für Asien 115 Milliarden US-Dollar.
Datenquelle
International Monetary Fund (IMF): World Economic Outlook Database, Global Financial Stability Report, April 2010, World Economic Outlook Update – Restoring Confidence without Harming Recovery, Juli 2010, World Economic Outlook Update – Global Economic Slump Challenges Policies, Januar 2009
Die aktuellen Werte zur prozentualen Veränderung des Bruttoinlandsprodukts der einzelnen Staaten finden Sie in der '»World Economic Outlook Database«' des IMF.
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistung für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.
Auf dem Subprime-Markt erhalten auch Kreditnehmer mit geringer Bonität ein Hypothekendarlehen.
Informationen zu den größeren Finanzkrisen seit 1970 finden Sie »hier...«
Tabelle I: Globale Finanz- und Wirtschaftskrise
Prozentuale Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr (in konstanten Preisen), Stand: Oktober 2010
| 2007 | 2008 | 2009 | 2010* | 2011* | |
| Welt | 5,3 | 2,8 | -0,6 | 4,8 | 4,2 |
| hochentwickelte Ökonomien | 2,7 | 0,2 | -3,2 | 2,7 | 2,2 |
| darunter: | |||||
| USA | 1,9 | 0,0 | -2,6 | 2,6 | 2,3 |
| Eurozone | 2,9 | 0,5 | -4,1 | 1,7 | 1,5 |
| Deutschland | 2,7 | 1,0 | -4,7 | 3,3 | 2,0 |
| Frankreich | 2,3 | 0,1 | -2,5 | 1,6 | 1,6 |
| Italien | 1,5 | -1,3 | -5,0 | 1,0 | 1,0 |
| Spanien | 3,6 | 0,9 | -3,7 | -0,3 | 0,7 |
| Japan | 2,4 | -1,2 | -5,2 | 2,8 | 1,5 |
| Großbritannien | 2,7 | -0,1 | -4,9 | 1,7 | 2,0 |
| Kanada | 2,2 | 0,5 | -2,5 | 3,1 | 2,7 |
| neue industrialisierte Ökonomien Asiens | 5,8 | 1,8 | -0,9 | 7,8 | 4,5 |
| sich entwickelnde Ökonomien | 8,7 | 6,0 | 2,5 | 7,1 | 6,4 |
| darunter: | |||||
| Mittel- und Osteuropa | 5,5 | 3,0 | -3,6 | 3,7 | 3,1 |
| CIS-Staaten** | 9,0 | 5,3 | -6,5 | 4,3 | 4,6 |
| Russland | 8,5 | 5,2 | -7,9 | 4,0 | 4,3 |
| CIS** ohne Russland | 10,0 | 5,4 | -3,2 | 5,3 | 5,2 |
| Asien | 11,4 | 7,7 | 6,9 | 9,4 | 8,4 |
| China | 14,2 | 9,6 | 9,1 | 10,5 | 9,6 |
| Indien | 9,9 | 6,4 | 5,7 | 9,7 | 8,4 |
| Indonesien | 6,3 | 6,0 | 4,5 | 6,0 | 6,2 |
| Lateinamerika und Karibik | 5,7 | 4,3 | -1,7 | 5,7 | 4,0 |
| Brasilien | 6,1 | 5,1 | -0,2 | 7,5 | 4,1 |
| Mexiko | 3,3 | 1,5 | -6,5 | 5,0 | 3,9 |
| Mittlerer Osten, Nordafrika | 6,0 | 5,0 | 2,0 | 4,1 | 5,1 |
| subsaharisches Afrika | 7,0 | 5,5 | 2,6 | 5,0 | 5,5 |
* Schätzungen des International Monetary Fund (IMF), Oktober 2010
** CIS – Commonwealth of Independent States / GUS – Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Quelle: International Monetary Fund (IMF): World Economic Outlook (WEO) – Recovery, Risk, and Rebalancing, Oktober 2010
Tabelle II: Globale Finanz- und Wirtschaftskrise
Abschreibungssummen von Banken und anderen Finanzinstitutionen in absoluten Zahlen, 2007 bis 2010
| Realisierte und erwartbare Abschreibungssummen, in Bill. US-Dollar |
|
| USA | |
| Kredite | 0,588 |
| Wertpapiere | 0,296 |
| insgesamt | 0,885 |
| Großbritannien | |
| Kredite | 0,398 |
| Wertpapiere | 0,057 |
| insgesamt | 0,455 |
| Eurozone | |
| Kredite | 0,442 |
| Wertpapiere | 0,224 |
| insgesamt | 0,665 |
| sonstiges Europa | |
| Kredite | 0,134 |
| Wertpapiere | 0,022 |
| insgesamt | 0,156 |
| Asien | |
| Kredite | 0,084 |
| Wertpapiere | 0,030 |
| insgesamt | 0,115 |
| insgesamt | |
| Kredite | 1,647 |
| Wertpapiere | 0,629 |
| insgesamt | 2,276 |
Quelle: International Monetary Fund (IMF): Global Financial Stability Report, April 2010
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