Reale Austauschverhältnisse (Terms of Trade)
7.10.2009
Die Terms of Trade der Hauptexporteure von Fertigwaren sanken vor allem aufgrund der hohen Konkurrenzsituation. Insbesondere Chinas Produktionsausweitung beschleunigte den Preisverfall.
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Die Terms of Trade, genauer die Terms of Trade auf Güterbasis (Commodity Terms of Trade), werden berechnet, indem der Preisindex der Exporte durch den Preisindex der Importe in heimischer Währung geteilt wird. Die Terms of Trade geben Auskunft darüber, wie viel von einem konstruierten, ausländischen Warenkorb gegen einen bestimmten Anteil des eigenen Warenkorbs getauscht werden kann.
An der Entwicklung der Terms of Trade kann abgelesen werden, wie sich die Austauschverhältnisse der exportierten und importierten Waren verändern. Steigen die Terms of Trade eines Staates, durch eine Preissteigerung der eigenen Exportgüter und/oder durch eine Preissenkung der Importgüter, verbessert sich die außenwirtschaftliche Position, da sich die Fähigkeit erhöht, mit dem gleichen Exportvolumen mehr Güter zu importieren.
Die Terms of Trade der ökonomisch entwickelten Staaten haben sich von 1980 bis Mitte der 1990er Jahre leicht erhöht und sich seitdem um das erreichte Niveau bewegt. Bei den ökonomisch sich entwickelnden Staaten haben sich die Terms of Trade zwischen 1980 und 2003 stetig verschlechtert. In den drei Folgejahren hat jedoch eine leichte Verbesserung eingesetzt. Die Terms of Trade der Staaten Süd-Osteuropas und der GUS haben sich seit 2001 rasant verbessert.
In der Gruppe der ökonomisch sich entwickelnden Staaten hatten in den Jahren 1980 bis 1999 die ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten, die Hauptexporteure von Öl und die ökonomisch sich entwickelnden, stark verschuldeten Staaten einen dramatischen Rückgang der Terms of Trade zu beklagen. Seit den Jahren 2001/2002 stiegen die Terms of Trade jedoch so steil an, dass bei allen drei Gruppen im Jahr 2006 in etwa das Niveau von 1980 erreicht wurde.
Bei den Hauptexporteuren von Fertigwaren unter den ökonomisch sich entwickelnden Staaten war der Rückgang der Terms of Trade bis 1999 nicht so stark ausgeprägt. Im Gegensatz zu den anderen Staatengruppen setzte er sich allerdings auch in den Folgejahren fort.
Die Terms of Trade der Hauptexporteure von Fertigwaren sanken vor allem aufgrund der hohen Konkurrenzsituation. Da die ökonomisch sich entwickelnden Staaten in ihrer Gesamtheit eher arbeitsintensive und nicht wissensbasierte Fertigwaren produzieren, führt eine Ausweitung der Produktion bzw. eine Angebotserhöhung zu sinkenden Preisen. Insbesondere Chinas Produktionsausweitung beschleunigte den Preisverfall. Da die Importpreise nicht im gleichen Maße sanken, führte der Preisverfall der Exportgüter zu einer Verschlechterung der Terms of Trade.
Die Überproduktion bzw. ein Angebot, das über der Nachfrage lag, führte auch bei den rohstoffexportierenden Staaten lange Zeit zu fallenden Preisen ihrer Güter. Von 1980 bis Mitte/Ende der 1990er verschlechterten sich die Terms of Trade der ökonomisch sich entwickelnden Staaten, die Energierohstoffe (insbesondere Öl) und Mineralien bzw. andere Bergbauprodukte exportieren, stärker als bei jeder anderen Staatengruppe. Auch die Lage der Staaten, die stark vom Export von Agrarrohstoffen abhängen, verschlechterte sich in dieser Zeit deutlich.
Allerdings veränderte sich das Preisniveau seit dem Jahr 2001 für die meisten Agrarrohstoffe deutlich sowie für Industrie- und Energierohstoffe sehr stark. Eine steigende Nachfrage nach Rohstoffen und die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen führten zu einem Anstieg der Preise. Da die Importpreise nicht im gleichen Maße stiegen, entwickelten sich die Terms of Trade zahlreicher rohstoffexportierender, ökonomisch sich entwickelnder Staaten seit 2001 vorteilhaft.
Datenquelle
United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics, verschiedene Jahrgänge
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Nach der Definition der UNCTAD fällt ein ökonomisch sich entwickelnder Staat dann in die Gruppe der Hauptexporteure von Öl (unter den ökonomisch sich entwickelnden Staaten), wenn der Anteil von Öl und ölbasierten Produkten an den Exporten bei nicht weniger als 50 Prozent liegt und der Wert dieses Exportanteils, im Durchschnitt der Jahre 2003-2005, bei mindestens 2 Milliarden US-Dollar lag. Dieses Kriterium erfüllen alle zwölf Mitglieder der OPEC und zehn weitere Staaten.
In die Gruppe der Hauptexporteure von Fertigwaren fällt ein ökonomisch sich entwickelnder Staat dann, wenn der Anteil von Fertigwaren an den Exporten bei nicht weniger als 50 Prozent liegt und der Wert dieses Exportanteils, im Durchschnitt der Jahre 2003-2005, bei mindestens 22 Milliarden US-Dollar lag. In der Gruppe der Hauptexporteure von Fertigwaren sind die zwölf Staaten Brasilien, China, Hongkong (als Teil von China), Indien, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Singapur, Südkorea, Taiwan, Thailand, Türkei.
OPEC – Organization of the Petroleum Exporting Countries (Organisation erdölexportierender Länder)
Tabelle: Reale Austauschverhältnisse (Terms of Trade)
Index (2000 = 100), 1980 bis 2006
| Terms of Trade, Index (2000 = 100) | |||||||
| 1980 | 1990 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | |
| ökonomisch entwickelte Staaten | 97 | 103 | 105 | 103 | 104 | 105 | 105 |
| Süd-Osteuropa und GUS* | – | – | – | – | – | – | – |
| ökonomisch sich entwickelnde Staaten | 117 | 101 | 102 | 102 | 103 | 100 | 99 |
| darunter: | |||||||
| Hauptexporteure von Fertigwaren | 109 | 104 | 106 | 105 | 107 | 105 | 104 |
| Hauptexporteure von Öl | 168 | 86 | 61 | 74 | 69 | 50 | 65 |
| mit hohem BIP pro-Kopf (2000) | 131 | 105 | 101 | 101 | 101 | 98 | 99 |
| mit mittlerem BIP pro-Kopf (2000) | 118 | 98 | 107 | 107 | 108 | 104 | 102 |
| mit niedrigem BIP pro-Kopf (2000) | 107 | 95 | 99 | 100 | 103 | 102 | 97 |
| ökonomisch am wenigsten entwickelte Staaten | 152 | 120 | 116 | 102 | 98 | 100 | 95 |
| ökonomisch sich entwickelnde, stark verschuldete Staaten | 134 | 116 | 114 | 105 | 107 | 104 | 102 |
| Terms of Trade, Index (2000 = 100) | |||||||
| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | |
| ökonomisch entwickelte Staaten | 100 | 101 | 102 | 103 | 103 | 102 | 100 |
| Süd-Osteuropa und GUS* | 100 | 97 | 95 | 106 | 118 | 140 | 150 |
| ökonomisch sich entwickelnde Staaten | 100 | 98 | 98 | 98 | 100 | 105 | 107 |
| darunter: | |||||||
| Hauptexporteure von Fertigwaren | 100 | 99 | 99 | 96 | 94 | 90 | 87 |
| Hauptexporteure von Öl | 100 | 93 | 92 | 104 | 121 | 156 | 171 |
| mit hohem BIP pro-Kopf (2000) | 100 | 98 | 98 | 99 | 102 | 112 | 118 |
| mit mittlerem BIP pro-Kopf (2000) | 100 | 97 | 96 | 98 | 102 | 110 | 112 |
| mit niedrigem BIP pro-Kopf (2000) | 100 | 100 | 100 | 98 | 96 | 94 | 92 |
| ökonomisch am wenigsten entwickelte Staaten | 100 | 95 | 94 | 99 | 109 | 129 | 143 |
| ökonomisch sich entwickelnde, stark verschuldete Staaten | 100 | 98 | 106 | 109 | 112 | 124 | 140 |
* GUS – Gemeinschaft unabhängiger Staaten / CIS – Commonwealth of Independent States
Quelle: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics, verschiedene Jahrgänge
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