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Zahlen und Fakten: Globalisierung

Armut

Personen mit weniger als 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent, 1990 bis 2012

Armut

Quelle: The World Bank: World Development Indicators 04/2016 (© 2016 The World Bank Group)

1.7.2017
Menschen sind von extremer Armut betroffen, wenn sie in Haushalten mit Einkommen von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben. 1981 galt dies noch für 44 Prozent der Weltbevölkerung bzw. knapp zwei Milliarden Menschen. Ende 2015 war weltweit weniger als jeder Zehnte von extremer Armut betroffen – rund 700 Millionen Menschen. Am stärksten hat die Region Ostasien und Pazifik zu dieser Entwicklung beigetragen: Zwischen 1981 und 2012 sank die Zahl der Menschen in extremer Armut von 1,1 Milliarden auf 147 Millionen. Gleichzeitig fiel der Anteil der Menschen in extremer Armut an der Gesamtbevölkerung von 80,6 auf 7,2 Prozent. Andererseits lebten im subsaharischen Afrika 2012 mehr Menschen in extremer Armut als 1990 (389 gegenüber 288 Mio.), wobei sich der Anteil der Menschen in extremer Armut an der Gesamtbevölkerung von 56,8 auf 42,7 Prozent reduzierte.

Fakten



Nach Angaben der Weltbank verringerte sich die Zahl der Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf leben, zwischen 1981 und 2012 weltweit um mehr als eine Milliarde – sie sank von 1,98 Milliarden auf 897 Millionen Personen (minus 54,7 Prozent). Der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, an der Gesamtbevölkerung reduzierte sich zwischen 1981 und 2012 von 44,0 auf 12,7 Prozent. Ende 2015 lag der Anteil der Menschen in extremer Armut nach Berechnungen der Weltbank das erste Mal bei weniger als zehn Prozent.

Die Zahl der Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 3,10 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf leben, verringerte sich zwischen 1990 und 2012 von 2,9 auf gut 2,1 Milliarden. Aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums in diesem Zeitraum hat sich der entsprechende Anteil an der Gesamtbevölkerung nahezu halbiert – er fiel von 66 Prozent 1990 auf 35 Prozent 2012.

Allerdings waren die Entwicklungen in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. In der Region Ostasien und Pazifik sank die Zahl der Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, von 1,14 Milliarden 1981 auf 147 Millionen im Jahr 2012. Allein in China reduzierte sich die Zahl der Menschen in extremer Armut zwischen 1981 und 2011 um 753 Millionen. Der Anteil der Menschen in extremer Armut an der Gesamtbevölkerung sank in der Region Ostasien und Pazifik zwischen 1981 und 2012 von 80,6 auf 7,2 Prozent. In Südasien fiel der Anteil von 58,1 auf 18,8 Prozent, in Lateinamerika und Karibik von 19,7 auf 5,6 Prozent. Im subsaharischen Afrika lebten 2012 mehr Menschen in extremer Armut als 1990 (389 gegenüber 288 Mio.). Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in dieser Region reduzierte sich der Anteil der Menschen in extremer Armut an der Gesamtbevölkerung jedoch von 56,8 Prozent 1990 auf 42,7 Prozent 2012.

Von den weltweit 897 Millionen Menschen in extremer Armut im Jahr 2012 lebten gut zwei Fünftel im subsaharischen Afrika (43,4 Prozent). Ein Drittel lebte in Südasien (34,4 Prozent) und ein Sechstel in der Region Ostasien und Pazifik (16,4 Prozent). Die Anteile der Regionen Lateinamerika und Karibik sowie Europa und Zentralasien lagen bei lediglich 3,8 bzw. 1,1 Prozent.

Auch wenn die Grundversorgung der Bevölkerung in den ökonomisch entwickelten Staaten weitgehend gesichert ist, sind sie nicht frei von Armut. In den ökonomisch entwickelten Staaten gelten die Personen als armutsgefährdet bzw. arm, deren Einkommen unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt. So waren beispielsweise in den USA im Jahr 2014 nach Angaben des U.S. Department of Labor bzw. des U.S. Bureau of Labor Statisitics 46,7 Millionen Personen arm (14,8 Prozent der Gesamtbevölkerung). In Deutschland lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2014 bei 16,7 Prozent. Im Gegensatz zu den ökonomisch sich entwickelnden Staaten haben die reicheren Staaten aber die Möglichkeit, die Armut durch Sozialleistungen zu verringern: Beispielsweise lag die Armutsgefährdungsquote in Deutschland vor dem Transfer von Sozialleistungen (außer Renten und Pensionen) im Jahr 2014 bei 25,1 Prozent und damit 8,4 Prozentpunkte höher als nach den Transferleistungen.

Der Armut steht ein extremer Reichtum gegenüber: Nach Angaben des World Ultra Wealth Report gab es im Jahr 2014 rund 211.000 Personen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar. Die Gruppe der "Superreichen" hat einen Anteil von 0,004 Prozent an der Weltbevölkerung, verfügt aber über 12,8 Prozent des globalen Vermögens (29,7 von 232,5 Billionen US-Dollar). Von den 211.275 Superreichen waren 2.325 Milliardäre mit einem Vermögen von zusammen 7,3 Billionen US-Dollar. Laut der Studie gibt die Gruppe der Superreichen jedes Jahr 234 Milliarden Dollar für Luxusgüter aus (z.B. Autos: 40 Mrd. USD / Kunst und Schmuck: jeweils 25 Mrd. USD / private Luftfahrt: 23 Mrd. USD / Jachten: 22 Mrd. USD / Getränke: 8 Mrd. USD). Die meisten Superreichen leben in den USA (69.560), gefolgt von Deutschland (19.095). Dabei fällt auf, dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Menschen ihren Reichtum erben: Laut der Studie haben rund 28 Prozent der deutschen Multimillionäre ihren Wohlstand allein dem Erbe zu verdanken. Das ist – neben der Schweiz – der höchste Wert aller untersuchten Länder. Bei 31 Prozent geht der Reichtum auf eine Mischung aus Erbe und selbsterwirtschaftetem Vermögen zurück. Lediglich 41 Prozent haben es ohne Erbe zu Reichtum gebracht. Hingegen beträgt der Anteil der Self-Made-Multimillionäre in den USA rund drei Viertel (76 Prozent).

Datenquelle



The World Bank: World Development Indicators 04/2016 (© 2016 The World Bank Group); U.S. Department of Labor, U.S. Bureau of Labor Statistics: A Profile of the Working Poor, 2014; Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Grundsätzlich wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden: Verallgemeinert bezeichnet die absolute Armut einen Zustand, in dem die Grundversorgung nicht gegeben ist. Dies betrifft alle Haushalte, in denen das gewichtete Einkommen unter 3,10 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf liegt. Von extremer Armut wird gesprochen, wenn das gewichtete Haushaltseinkommen weniger als 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf beträgt.

Von relativer Armut sind Personen betroffen, deren Einkommen unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt – beispielsweise liegt diese Schwelle in Deutschland bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet. Weitergehende Informationen zur Ermittlung des verfügbaren Einkommens bzw. des sogenannten Äquivalenzeinkommens sowie zur Armut in Deutschland erhalten Sie hier…

Armut

Personen mit weniger als 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent,
1981 bis 2012

Personen in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,90 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf, in Mio.
1981 1990 1996 2002 2005 2008 2012
Welt 1.982 1.959 1.716 1.645 1.401 1.254 897
ökonomisch sich entwickelnde Staaten 1.982 1.959 1.716 1.645 1.401 1.254 897
davon:
Ostasien und Pazifik 1.143 996 699 553 367 297 147
Europa und Zentralasien 9 33 29 26 15 10
Lateinamerika und Karibik 72 78 69 70 56 41 34
Mittlerer Osten und Nordafrika 14 16 10 9
Südasien 538 575 550 583 539 501 309
subsaharisches Afrika 288 349 399 402 392 389
Anteil an der Bevölkerung, in Prozent
1981 1990 1996 2002 2005 2008 2012
Welt 44,0 37,1 29,7 26,3 21,6 18,7 12,7
ökonomisch sich entwickelnde Staaten 53,5 44,4 35,2 31,0 24,7 21,9 14,9
davon:
Ostasien und Pazifik 80,6 60,6 39,3 29,2 18,6 15,0 7,2
darunter: China 88,3 66,6 42,1 32,0 18,8 14,7
Europa und Zentralasien 1,9 7,0 6,2 5,5 3,1 2,1
Lateinamerika und Karibik 19,7 17,8 14,1 13,2 9,9 7,1 5,6
Mittlerer Osten und Nordafrika 6,0 6,1 3,3 2,7
Südasien 58,1 50,6 42,8 40,8 35,0 32,1 18,8
darunter: Indien1 52,6 38,4 31,4
subsaharisches Afrika 56,8 58,5 57,1 50,5 47,8 42,7

1 Indien: 2004 statt 2005, 2009 statt 2008


Quelle: The World Bank: World Development Indicators 04/2016 (© 2016 The World Bank Group)




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