Zahlen und Fakten: Globalisierung

Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen

Zugang in Prozent der Bevölkerung, Bevölkerung in absoluten Zahlen,
1990 und 2015

Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen

Quelle: WHO, UNICEF: Progress on Sanitation and Drinking Water, 2015 Update and MDG Assessment
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

1.7.2017
Zwischen 1990 und 2015 hat sich die Zahl der Personen mit Zugang zu Sanitäreinrichtungen um 2,1 Milliarden und zu sauberem Trinkwasser um 2,6 Milliarden erhöht. Dennoch hatten 2015 knapp 2,4 Milliarden Menschen nach wie vor keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen und 660 Millionen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser (32 bzw. 9 Prozent der Weltbevölkerung). Am stärksten sind dabei die Menschen in Südasien (953 bzw. 134 Mio.), in Subsahara-Afrika (695 bzw. 319 Mio.) sowie in Ostasien (337 bzw. 65 Millionen) betroffen. Allein an Durchfallerkrankungen, die aus dem fehlenden oder mangelhaften Zugang zu Sanitäreinrichtungen und aus verunreinigten Trinkwasserquellen resultieren, sterben jedes Jahr mehr als 780.000 Menschen.

Fakten



Die Zahl der Personen, die Zugang zu Sanitäreinrichtungen haben, erhöhte sich zwischen 1990 und 2015 um 2,1 Milliarden. Dennoch hatten im Jahr 2015 knapp 2,4 Milliarden Menschen, rund 32 Prozent der Weltbevölkerung, keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen bzw. geregelter Abwasserentsorgung (1990: 46 Prozent). Dabei stand nach Angaben der World Health Organization (WHO) 946 Millionen Menschen keine Toilette zur Verfügung – sie nutzten stattdessen Straßenrinnen und -abläufe, Grünflächen oder offene Gewässer. Die meisten Menschen, die keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen haben, lebten 2015 in Südasien (953 Millionen), im subsaharischen Afrika (695 Millionen) sowie in Ostasien (337 Millionen).

Die regionalen Unterschiede beim Zugang zu Sanitäreinrichtungen sind sehr groß. In den ökonomisch entwickelten Staaten sowie im Kaukasus und Zentralasien lag der Zugang im Jahr 2015 bei 96 Prozent, im subsaharischen Afrika waren es nur 30 Prozent (Stadt: 40 Prozent / Land: 23 Prozent). Mit Ausnahme der Region Kaukasus und Zentralasien hat die Stadtbevölkerung in allen Regionen häufiger Zugang zu Sanitäreinrichtungen als die Landbevölkerung.

Ein nicht ausreichender Zugang zu Sanitäreinrichtungen begünstigt die Verbreitung von zahlreichen Krankheiten. Allein an Durchfallerkrankungen, die aus einem fehlenden oder mangelhaften Zugang zu Sanitäreinrichtungen resultieren, sterben jedes Jahr rund 280.000 Menschen. Zudem ist der fehlende Zugang zu Sanitäreinrichtungen der wichtigste Faktor bei der Verbreitung von tropischen Wurmerkrankungen und Augenerkrankung (Trachom), von denen laut WHO weltweit mehr als 1,5 Milliarden Menschen pro Jahr betroffen sind.

Die Zahl der Personen, die Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, hat sich zwischen 1990 und 2015 um 2,6 Milliarden erhöht. Dennoch hatten im Jahr 2015 etwa 9 Prozent der Weltbevölkerung – rund 660 Millionen Menschen – keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser (2000: 17 Prozent / 1990: 24 Prozent). Die meisten Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser lebten 2015 im subsaharischen Afrika (319 Millionen), in Südasien (134 Millionen) und Ostasien (65 Millionen).

Wie beim Zugang zu Sanitäreinrichtungen bestehen auch bei der Trinkwasserversorgung erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen. Zudem hat die Stadtbevölkerung in allen Regionen häufiger Zugang zu sauberem Trinkwasser als die Landbevölkerung. Lediglich in den ökonomisch entwickelten Staaten erreicht die Trinkwasserversorgung nahezu alle Menschen. Im Jahr 2015 waren in den ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten 31 Prozent der Bevölkerung vom Zugang zu sauberem Trinkwasser ausgeschlossen – auf dem Land lag der entsprechende Anteil sogar bei 38 Prozent (Stadt: 14 Prozent). In drei Staaten – Angola, Äquatorialguinea und Papua-Neuguinea – war 2015 die Mehrheit der Bevölkerung von der Versorgung mit sauberem Trinkwasser ausgeschlossen. Allerdings galt dies 1990 weltweit noch für 23 Staaten.

Nach Angaben der WHO nutzten im Jahr 2015 weltweit mindestens 1,8 Milliarden Menschen eine durch Fäkalien verunreinigte Trinkwasserquelle. Über verunreinigte Trinkwasserquellen können zum Beispiel Durchfallerkrankungen, Cholera, Ruhr, Typhus oder Polio übertragen werden. Schätzungsweise sterben an Durchfallerkrankungen, die durch verunreinigte Trinkwasserquellen übertragen werden, jedes Jahr mehr als eine halbe Million Menschen.

Die Trinkwasserversorgung wird nicht nur durch die natürliche Verfügbarkeit, sondern auch durch die finanziellen Ressourcen bestimmt: Die Anlage von Stauseen, die Abwasserreinigung, die Entwicklung von produktionsbezogenen Wasserkreisläufen oder die Nutzung von Grundwasserpumpen sind kapitalintensiv. Zudem können die ökonomisch entwickelten Staaten auf die Wasserressourcen anderer Länder zurückgreifen, indem sie Produkte importieren, zu deren Produktion Wasser im Exportland verbraucht wurde. Die UNESCO geht davon aus, dass 80 Prozent dieses sogenannten 'virtuellen Wassers' auf den Handel mit Agrarprodukten und 20 Prozent auf Industrieprodukte entfallen.

Datenquelle



World Health Organization (WHO), United Nations Children's Fund (UNICEF): Progress on Sanitation and Drinking Water, 2015 Update and MDG Assessment; World Health Organization (WHO): http://www.who.int; United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO): The United Nations World Water Development Report 2016 – Water and Jobs, World Water Assessment Programme (WWAP), http://www.unesco.org

Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen

Zugang in Prozent der Bevölkerung, Bevölkerung in absoluten Zahlen, 1990 und 2015

1

Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Sanitäreinrichtungen,
in Prozent
Gesamt- bevölkerung, in Tsd.
Stadt Land insgesamt
Welt 1990 79 35 54 5.300.534
2015 82 51 68 7.301.319
ökonomisch
sich entwickelnde Staaten
1990 69 29 43 4.147.024
2015 77 47 62 6.032.677
ökonomisch am wenigsten entwickelte Staaten 1990 37 15 20 509.191
2015 47 33 38 939.932
ökonomisch
entwickelte Staaten
1990 96 90 94 1.153.510
2015 97 91 96 1.268.643

subsaharisches Afrika 1990 39 18 24 510.118
2015 40 23 30 988.784
Ozeanien 1990 75 22 35 6.461
2015 76 23 35 10.863
Südasien 1990 54 11 22 1.191.647
2015 67 36 47 1.793.616
Südasien ohne Indien 1990 66 26 37 322.757
2015 77 57 65 511.225
Süd-Ostasien 1990 69 38 48 443.735
2015 81 64 72 633.031
Ostasien 1990 71 41 50 1.236.934
2015 87 64 77 1.487.313
Ostasien ohne China 1990 x x x 71.505
2015 82 51 68 85.727
Lateinamerika und Karibik 1990 80 36 67 445.206
2015 88 64 83 630.065
Nordafrika 1990 90 54 71 119.863
2015 92 86 89 177.451
Westasien 1990 94 58 80 126.752
2015 96 89 94 228.476
Kaukasus und Zentralasien 1990 95 86 90 66.308
2015 95 96 96 83.078

Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sauberem Trinkwasser,
in Prozent
Gesamt- bevölkerung, in Tsd.
Stadt Land insgesamt
Welt 1990 95 62 76 5.300.534
2015 96 84 91 7.301.319
ökonomisch
sich entwickelnde Staaten
1990 93 59 70 4.147.024
2015 95 83 89 6.032.677
ökonomisch am wenigsten entwickelte Staaten 1990 80 43 51 509.191
2015 86 62 69 939.932
ökonomisch
entwickelte Staaten
1990 99 93 98 1.153.510
2015 100 98 99 1.268.643

subsaharisches Afrika 1990 83 34 48 510.118
2015 87 56 68 988.784
Ozeanien 1990 92 37 50 6.461
2015 94 44 56 10.863
Südasien 1990 90 66 73 1.191.647
2015 96 91 93 1.793.616
Südasien ohne Indien 1990 93 73 79 322.757
2015 92 86 89 511.225
Süd-Ostasien 1990 90 63 72 443.735
2015 95 86 90 633.031
Ostasien 1990 97 56 68 1.236.934
2015 98 93 96 1.487.313
Ostasien ohne China 1990 97 92 96 71.505
2015 99 96 98 85.727
Lateinamerika und Karibik 1990 94 63 85 445.206
2015 97 84 95 630.065
Nordafrika 1990 95 80 87 119.863
2015 95 90 93 177.451
Westasien 1990 95 70 85 126.752
2015 96 90 95 228.476
Kaukasus und Zentralasien 1990 95 79 87 66.308
2015 98 81 89 83.078

Quelle: World Health Organization (WHO), United Nations Children's Fund (UNICEF): Progress on Sanitation and Drinking Water, 2015 Update and MDG Assessment



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