Zahlen und Fakten: Globalisierung

Migration

8.6.2010
Nach Angaben des UN/DESA lebten Mitte 2010 weltweit 213,9 Millionen Menschen in Staaten, in denen sie nicht geboren sind. Zwanzig Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 155,5 Millionen.

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Fakten



Nach Angaben des UN/DESA lebten Mitte 2010 weltweit 213,9 Millionen Menschen in Staaten, in denen sie nicht geboren sind. Zehn bzw. zwanzig Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 178,5 bzw. 155,5 Millionen. Die Anzahl der Staaten, in denen mehr als eine halbe Million Migranten leben, hat sich zwischen 1990 und 2010 von 57 auf 64 erhöht. 51,7 Prozent aller Migranten lebten im Jahr 2010 in nur zehn Staaten – allein in den USA (42,8 Mio.), Russland (12,3 Mio.) und Deutschland (10,8 Mio.) lebten zusammen 30,8 Prozent aller Migranten.

Allerdings sind die Staaten, in denen absolut die meisten Migranten leben, nur selten auch die Staaten, in denen der Anteil der Migranten an der Bevölkerung am höchsten ist. Lediglich Saudi-Arabien war Mitte 2010 in beiden Gruppen unter den Top 10 – die 7,3 Millionen Migranten (4. Rang) entsprachen 27,8 Prozent der Bevölkerung (10. Rang). In drei Staaten lag der Anteil der Migranten an der Bevölkerung bei mehr als der Hälfte: Katar (86,5 Prozent), Vereinigte Arabische Emirate (70,0 Prozent) und Kuwait (68,8 Prozent).

Weltweit hatten die Migranten Mitte 2010 einen Anteil von 3,1 Prozent an der Bevölkerung (1990: 2,9 Prozent). In den ökonomisch entwickelten Staaten erhöhte sich der Anteil der Migranten an der Bevölkerung zwischen 1990 und 2010 von 7,2 auf 10,3 Prozent. In den ökonomisch sich entwickelnden Staaten sank der entsprechende Anteil im selben Zeitraum von 1,8 auf 1,5 Prozent. Dabei ging der Anteil der Migranten an der Bevölkerung in den ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten noch etwas stärker zurück: von 2,1 Prozent im Jahr 1990 auf 1,3 Prozent Mitte 2010.

Von den weltweit 213,9 Millionen Migranten im Jahr 2010 entfielen 32,6 Prozent auf Europa (69,8 Mio. Migranten), 28,7 Prozent auf Asien (61,3 Mio.), 23,4 Prozent auf Nordamerika (50,0 Mio.), 9,0 Prozent auf Afrika (19,3 Mio.), 3,5 Prozent auf Lateinamerika und die Karibik (7,5 Mio.) sowie 2,8 Prozent auf Ozeanien (6,0 Mio.). Die absolute Zahl der Migranten erhöhte sich in den Jahren 2000 bis 2010 am stärksten in Nordamerika (plus 24 Prozent) und Europa (plus 21 Prozent).

Nach Prognosen des UN/DESA wird die Nettozuwanderung in die ökonomisch entwickelten Staaten in den Jahren 2010 bis 2050 bei insgesamt 96 Millionen liegen – das sind durchschnittlich 2,4 Millionen Migranten pro Jahr. Von diesen 2,4 Millionen Migranten werden schätzungsweise 1,1 Millionen auf die USA, 214.000 auf Kanada, 174.000 auf Großbritannien, 170.000 auf Spanien, 159.000 auf Italien, 110.000 auf Deutschland sowie jeweils 100.000 auf Australien und Frankreich entfallen. Auf der anderen Seite werden die meisten Migranten aus Mexiko (-334.000), China (-309.000), Indien (-253.000), den Philippinen (-175.000), Pakistan (-161.000), Indonesien (-156.000) sowie Bangladesch (-148.000) stammen.

Eine besondere Variante der Migration findet sich bei hochqualifizierten Personen aus ökonomisch sich entwickelnden Staaten, die das eigene Land verlassen oder nach entsprechender Ausbildung im Ausland nicht wieder zurückkehren. Dieser sogenannte 'brain-drain' gefährdet die ökonomischen Entwicklungschancen der betroffenen Staaten. Nach Angaben der International Labour Organization (ILO) verliert beispielsweise Afrika jedes Jahr 20.000 Hochqualifizierte an das Ausland. Der wirtschaftliche Schaden wird dabei auf 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt.

Parallel zum Anstieg der Zahl an Migranten sind die Auslandsüberweisungen der Migranten zu einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor für die Heimatstaaten geworden. Die Überweisungen in die ökonomisch sich entwickelnden Staaten haben sich von unter 50 Milliarden US-Dollar Anfang der 1990er-Jahre über 116 Milliarden 2002 auf 336 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 erhöht. Krisenbedingt fielen die Auslandsüberweisungen im Jahr 2009 auf 316 Milliarden US-Dollar. Dabei entfiel nach Schätzungen der Weltbank knapp ein Drittel der Auslandsüberweisungen auf Indien (49 Mrd. US-Dollar) und China (48 Mrd. US-Dollar) sowie ein weiteres Sechstel auf Mexiko (22 Mrd. US-Dollar), die Philippinen (20 Mrd. US-Dollar) und Bangladesch (11 Mrd. US-Dollar). Die Auslandsüberweisungen in die ökonomisch entwickelten Staaten lagen in den Jahren 2007 bis 2009 bei jeweils rund 100 Milliarden US-Dollar. Dabei hatten 2009 Frankreich (15 Mrd. US-Dollar), Spanien, Deutschland und Belgien (jeweils 10 Mrd. US-Dollar) die größten Anteile.

Die Staaten die absolut die höchsten Auslandsüberweisungen erhalten, sind jedoch nicht zwangsläufig die Staaten, für die sie ökonomisch am bedeutendsten sind: Werden die Auslandsüberweisungen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachtet, sind die empfangenen Auslandsüberweisungen für Tadschikistan (50 Prozent des BIP), Tonga (38 Prozent), die Republik Moldau (31 Prozent), Kirgisistan (28 Prozent) und Lesotho (27 Prozent) am wichtigsten. Von den zehn Staaten, auf die im Jahr 2009 absolut die höchsten Auslandsüberweisungen entfielen, war der relative Anteil am BIP bei Bangladesch und den Philippinen auffallend hoch (jeweils 11 Prozent des BIP / 19. und 20. Rang).

Datenquelle



United Nations – Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA): International Migrant Stock: The 2008 Revision (Stand: Mai 2010), Trends in International Migrant Stock: The 2008 Revision; © The World Bank: Migration and Development Brief

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Tabelle: Migration



Nach Aufnahmestaaten, Migranten in absoluten Zahlen und Anteil an der Bevölkerung in Prozent, 2010*

  Staaten mit der höchsten
Anzahl an Migranten
Migranten,
in abs. Zahlen
Anteil der Migranten
an der Bevölkerung,
in Prozent
USA 42.813.281 13,5
Russland 12.270.388 8,7
Deutschland 10.758.061 13,1
Saudi-Arabien 7.288.900 27,8
Kanada 7.202.340 21,3
Frankreich 6.684.842 10,7
Großbritannien 6.451.711 10,4
Spanien 6.377.524 14,1
Indien 5.436.012 0,4
Ukraine 5.257.527 11,6
 
 
  Staaten mit dem höchsten
Anteil der Migranten
an der Bevölkerung**
Migranten,
in abs. Zahlen
Anteil der Migranten
an der Bevölkerung,
in Prozent
Katar 1.305.428 86,5
Vereinigte Arabische Emirate 3.293.264 70,0
Kuwait 2.097.527 68,8
Jordanien 2.972.983 45,9
besetzte palästinensische Gebiete 1.923.808 43,6
Singapur 1.966.865 40,7
Israel 2.940.494 40,4
Hongkong, China 2.741.800 38,8
Oman 826.074 28,4
Saudi-Arabien 7.288.900 27,8

* Schätzungen auf Basis der im Jahr 2008 zur Verfügung stehenden Daten
** ausschließlich Staaten mit mindestens einer Million Einwohnern


Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA): International Migrant Stock: The 2008 Revision (Stand: Mai 2010)


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