Zahlen und Fakten: Globalisierung

counter
1.9.2017

Fischbestände auf offener See

Nach Befischungsintensität, in Prozent der bewerteten Gesamtbestände, weltweit 1974 bis 2013

Fischbestände auf offener See

Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): The State of World Fisheries and Aquaculture, verschiedene Jahrgänge
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Seit den 1960er-Jahren hat sich der weltweite Fischverbrauch pro Kopf mehr als verdoppelt (2014: 20,1 kg). Insgesamt wurden 2014 weltweit 167 Millionen Tonnen Fisch verbraucht. Während der Verbrauch von gezüchtetem Fisch im Jahr 1950 keine Rolle spielte, stammten 1994 bereits 26 Prozent der vom Menschen konsumierten Fische aus der Fischzucht. 2014 lag der Verbrauch von gezüchtetem Fisch zum ersten Mal leicht über dem auf offener See bzw. in Binnengewässern gefangenem Fisch. Trotz der enormen Ausweitung der Fischzucht hat das Bevölkerungswachstum in Verbindung mit veränderten Konsumstilen und neuen Fangmethoden zu einer intensiven Befischung und teilweise Überfischung der Meere geführt: 2013 waren 31 Prozent der Fischbestände auf offener See überfischt oder bereits erschöpft. 58 Prozent waren am biologischen Limit befischt und lediglich 11 Prozent galten als moderat oder gering befischt.

Fakten

Zwischen 1950 und 2014 erhöhte sich die Menge des weltweit verbrauchten Fisches von rund 19 auf 167,2 Millionen Tonnen pro Jahr – dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von 3,5 Prozent pro Jahr. Von den 167,2 Millionen Tonnen Fischverbrauch des Jahres 2006 wurden 146,3 Millionen Tonnen direkt vom Menschen konsumiert. Die verbleibenden 20,9 Millionen Tonnen entfielen vor allem auf die Produktion von Fischmehl und Ölen (76 Prozent).

In den 1960er-Jahren lag der weltweite Fischverbrauch bei durchschnittlich 9,9 kg pro Kopf. In den 1990er-Jahren stieg der pro Kopf Verbrauch auf 14,4 kg und 2013 lag er bei durchschnittlich 19,7 kg (2014: 20,1 kg). Während der Fischverbrauch in Afrika sowie in Lateinamerika und der Karibik mit 9,8 bzw. 9,4 kg pro Kopf deutlich unter dem Durchschnitt des Jahres 2013 lag, war der Verbrauch in Asien, Europa und Nordamerika mit 23,0, 22,2 bzw. 21,4 kg überdurchschnittlich hoch.

China hat den größten Anteil am pro Kopf Wachstum in den Jahren 1993 bis 2013: Bei einer durchschnittlichen Wachstumsrate des Fischverbrauchs von 5,0 Prozent pro Jahr erhöhte sich der pro Kopf Verbrauch von 14,4 kg im Jahr 1993 auf 37,9 kg im Jahr 2013. Entsprechend hoch ist auch der Anteil Chinas am Gesamtverbrauch: An den 140,8 Millionen Tonnen Fisch, die 2013 direkt vom Menschen konsumiert wurden, hatte China einen Anteil von 37,3 Prozent (Asien: 70,3 Prozent, Europa: 11,7 Prozent, Afrika: 7,7 Prozent).

Die enorme Steigerung des Fischkonsums wäre ohne den massiven Ausbau der Fischzucht nicht möglich gewesen. Während der Verbrauch von gezüchtetem Fisch im Jahr 1950 keine Rolle spielte und der mengenmäßige Anteil 1974 noch bei sieben Prozent lag, stammten 1994 bereits 26 Prozent des Fischverbrauchs aus der Fischzucht (jeweils bezogen auf den direkten Konsum). Bis 2004 erhöhte sich der Anteil weiter auf 39 Prozent und 2014 lag der Verbrauch von gezüchtetem Fisch zum ersten Mal leicht über dem Verbrauch von dem auf offener See bzw. in Binnengewässern gefangenen Fisch (ohne China lag der Anteil des Verbrauchs von gezüchtetem Fisch am Gesamtverbrauch weltweit bei einem Drittel).

Trotz der relativen Abnahme des Fangfisches gegenüber dem Zuchtfisch hat sich die absolute Menge des gefangenen Fisches über Jahrzehnte erhöht. Erst seit Ende der 1980er-Jahre stagniert die Fischfangmenge auf hohem Niveau. Die durch das Bevölkerungswachstum und veränderte Konsumstile gestiegene Nachfrage führt in Verbindung mit neuen Fangmethoden zu einer intensiven Befischung und teilweise Überfischung der Meere.

Von den weltweit 200 wichtigsten Fischarten, auf die etwa zwei Drittel des Fischfangs auf offener See entfallen, galten nach Aussagen der Food and Agriculture Organization (FAO) Anfang der 1950er-Jahre noch deutlich mehr als 60 Prozent als gering befischt. Bis Mitte der 1960er-Jahre schrumpfte der entsprechende Anteil auf ein Drittel und Anfang der 1970er-Jahre rutschte er unter zehn Prozent. Seit Ende der 1970er-Jahre gilt keine der 200 wichtigsten Fischarten als gering befischt.

Im Jahr 1974 waren 39 Prozent der Fischbestände auf offener See moderat oder gering befischt, 51 Prozent waren am biologischen Limit befischt und lediglich 10 Prozent waren überfischt oder bereits erschöpft. 2007 bewertete die FAO nur noch 20 Prozent der Fischbestände als moderat (18 Prozent) oder gering (2 Prozent) befischt. 52 Prozent waren 2007 am biologischen Limit befischt und bereits 28 Prozent der Fischbestände galten als überfischt oder erschöpft. Von den überfischten/erschöpften Fischbeständen des Jahres 2007 waren 19 Prozent überfischt, acht Prozent bereits erschöpft und ein Prozent erholte sich auf niedrigstem Niveau. Bis zum Jahr 2013 hat sich die Situation nochmals deutlich verschlechtert: Lediglich 10,5 Prozent der Fischbestände auf offener See galten als moderat oder gering befischt, 58,1 Prozent waren am biologischen Limit befischt und 31,4 Prozent waren überfischt oder bereits erschöpft.

An den 81,5 Millionen Tonnen Fisch, die 2014 auf offener See gefangen wurden, hatten die 25 größten Fischfangnationen einen Anteil von 82,1 Prozent. An erster Stelle stand China mit einem Anteil von 18,2 Prozent. Darauf folgten Indonesien (7,4 Prozent), die USA (6,1 Prozent), Russland (4,9 Prozent) und Japan (4,5 Prozent).

An den 11,9 Millionen Tonnen Fisch, die 2014 in Binnengewässern gefangen wurden, hatten die 16 größten Fischfangnationen einen Anteil von 80,2 Prozent. An erster Stelle stand wiederum China mit einem Anteil von 19,3 Prozent. Darauf folgten Myanmar (11,6 Prozent), Indien (10,9 Prozent), Bangladesch (8,4 Prozent) sowie Kambodscha (4,2 Prozent).

Noch sehr viel größer als beim Fangfisch ist der Anteil Chinas im Bereich der Fischzucht. Von den 73,8 Millionen Tonnen Fisch, die 2014 im Aquakultur-Sektor produziert wurden (47,1 Mio. t in Binnengewässern und 26,7 Mio. t auf offener See) entfielen 61,6 Prozent auf China. Mit weitem Abstand folgten Indien (6,6 Prozent), Indonesien (5,8 Prozent), Vietnam (4,6 Prozent) und Bangladesch (2,7 Prozent). Im Jahr 2014 entfielen 96,3 Prozent der Aquakultur-Produktion auf nur 25 Staaten.

Der Erstverkaufswert der Aquakultur-Produktion lag 2014 bei 160,2 Milliarden US-Dollar. In den ökonomisch sich entwickelnden Staaten lag der Wert des Fischexports im Jahr 2014 bei 80 Milliarden US-Dollar und der des Fischimports bei 38 Milliarden US-Dollar. Der Handel mit Fisch ist demnach eine wichtige Einnahmequelle für die ökonomisch sich entwickelnden Staaten.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization (FAO): The State of World Fisheries and Aquaculture, verschiedene Jahrgänge

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Um Aussagen über die Intensität der Befischung auf offener See machen zu können, trägt die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) die Beobachtungen von mehr als 580 Fischbeständen bzw. wichtigsten Arten zusammen.

Fischbestände auf offener See

Nach Befischungsintensität, in Prozent der bewerteten Gesamtbestände, weltweit 1974 bis 2013

überfischt oder bereits erschöpft am biologischen Limit befischt moderat oder gering befischt
2013 31,4 58,1 10,5
2011 28,8 61,3 9,9
2007 28 52 20
2004 25 52 23
2003 24 52 24
2000 28 47 25
1997 24 50 26
1995 27 44 29
1992 25 46 29
1990 19 50 31
1989 27 43 30
1987 25 44 31
1985 18 51 31
1983 16 53 31
1981 13 49 38
1979 13 50 37
1978 8 51 41
1974 10 51 39

Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): The State of World Fisheries and Aquaculture, verschiedene Jahrgänge


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Mediathek

Fischerei: Schluss mit dem Überfluss?

Die einst als unerschöpflich geltenden Fischbestände der Weltmeere gehen immer weiter zurück. Die Industrialisierung des Fischfangs nimmt zu genauso wie der Verbrauch. Welche Lösungen gibt es?

Jetzt ansehen

Wie hoch sind die Waldverluste in Brasilien? Wird es wirklich wärmer auf der Erde? Werden weltweit zu viele Ressourcen verbraucht? Und was sind die Gründe für das Artensterben? Testen Sie Ihr Wissen!

Jetzt spielen