Zahlen und Fakten: Globalisierung

Energiemix

8.10.2010
Regional fällt die Nutzung der verschiedenen Energieträger sehr unterschiedlich aus. Sehr auffällig ist der Mittlere Osten, wo nahezu die komplette Primärenergie-Versorgung auf nur zwei Energieträgern beruht: Öl und Gas.

Energiemix nach Regionen.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© OECD/IEA / bpb)

Fakten



Parallel zur Erhöhung des Welthandels und der Warenproduktion stieg auch die weltweite Versorgung mit Primärenergie. Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) nahm die Versorgung mit Primärenergie zwischen 1973 und 2008 von 6.115 auf 12.267 Millionen Tonnen Öläquivalent zu. Von der Primärenergie-Versorgung des Jahres 2008 entfielen nach Angaben der IEA 33,1 Prozent auf Öl, 27,0 Prozent auf Kohle, 21,1 Prozent auf Gas, 12,8 Prozent auf erneuerbare Energien und 5,8 Prozent auf Kernenergie.

Die einzelnen erneuerbaren Energieträger hatten sehr unterschiedliche Anteile an der weltweiten Versorgung mit Primärenergie. Biomasse und biologisch abbaubare Abfälle hatten einen Anteil von 9,8 Prozent, bei Wasserkraft waren es im Jahr 2008 2,2 Prozent. Die neuen erneuerbaren Energien – also Geothermie, Solar-, Wind- und Meeresenergie – hatten einen Anteil von 0,7 Prozent an der weltweiten Primärenergie-Versorgung.

Auch wenn Öl in den letzten Jahren durchgehend der wichtigste Energieträger war, lag der Anteil an der Primärenergie-Versorgung 1973 noch bei 46,1 Prozent, also rund 13 Prozentpunkte höher. Allerdings sagt der relative Rückgang nichts über die Entwicklung der absolut bereitgestellten Öl-Menge aus: Diese nahm zwischen 1973 und 2008 sogar um rund 45 Prozent zu. Die Anteile von Kohle und Gas an der weltweiten Primärenergie-Versorgung erhöhten sich im selben Zeitraum um 2,5 bzw. 5,1 Prozentpunkte. Die absolut bereitgestellte Menge stieg um rund 120 Prozent (Kohle) bzw. 165 Prozent (Gas).

Am stärksten erhöhten sich zwischen 1973 und 2008 die Anteile der neuen erneuerbaren Energien (von 0,1 auf 0,7 Prozent) und der Kernenergie (von 0,9 auf 5,8 Prozent). Die absolut bereitgestellte Menge stieg dabei um rund 1.300 Prozent (neue erneuerbare Energien) bzw. 1.200 Prozent (Kernenergie). Allerdings ist der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Primärenergie-Versorgung seit 2002 rückläufig und der Anteil der neuen erneuerbaren Energien auch in dieser Zeit gestiegen.

Regional fällt die Nutzung der verschiedenen Energieträger sehr unterschiedlich aus. Sehr auffällig ist der Mittlere Osten, wo nahezu die komplette Primärenergie-Versorgung auf nur zwei Energieträgern beruht: Öl und Gas hatten dort im Jahr 2008 einen Anteil von 51,2 bzw. 46,8 Prozent an der Energieversorgung. Außerdem ist der Mittlere Osten die einzige Region der Welt, in der keine Kernenergie genutzt wird.

Asien deckte 2008 mehr als die Hälfte seiner Energieversorgung mit Kohle ab (51,4 Prozent). In keiner anderen Region war der Anteil eines einzelnen Energieträgers höher. Zudem hatte Asien einen Anteil von 54,9 Prozent an der weltweiten Primärenergie-Versorgung, die auf Kohle beruht. Allein China, wo zwei Drittel der Primärenergie-Versorgung mit Kohle gedeckt werden, hatte einen Anteil von 42,6 Prozent an der weltweiten kohlebasierten Primärenergie-Versorgung.

Die Primärenergie-Versorgung der OECD-Staaten ist stärker auf verschiedene Energieträger verteilt (Diversifikation). Verglichen mit dem weltweiten Energiemix sind die Anteile von Öl, Gas und Kernenergie bei den OECD-Staaten höher, die Anteile von Kohle und den erneuerbaren Energien liegen hingegen unter dem weltweiten Durchschnitt.

Nach Angaben der IEA war im Jahr 2008 in keiner Region der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Primärenergie-Versorgung höher als in Afrika mit 49,4 Prozent. Hierfür ist allerdings maßgeblich die Nutzung von Biomasse und biologisch abbaubaren Abfällen verantwortlich. Die neuen erneuerbaren Energien, die in Bezug auf die Nachhaltigkeit am besten bewertet werden, hatten lediglich einen Anteil von 0,2 Prozent an der Primärenergie-Versorgung Afrikas. In Lateinamerika hat die Wasserkraft eine einmalig hohe Bedeutung: 10,1 Prozent der Primärenergie-Versorgung basierten im Jahr 2008 auf der Nutzung von Wasserkraft.

Datenquelle



International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 2010, © OECD/IEA

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergieträger sind zum Beispiel Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Wasser, Wind, Kernbrennstoffe, Solarstrahlung und so weiter. Aus der Primärenergie wird durch Aufbereitung zum Beispiel in Kraftwerken oder Raffinerien die Endenergie (Sekundärenergie). Die Form der Energie, in der sie tatsächlich vom Anwender verwendet wird, wird Nutzenergie genannt. Ein Beispiel: Rohöl (Primärenergie) wird zu Heizöl (Endenergie/Sekundärenergie) wird zu Wärme (Nutzenergie).

Nach der IEA entspricht die Primärenergie-Versorgung der Primärenergie-Produktion zuzüglich der Importe und abzüglich der Exporte; zudem wird die Veränderung der Lagerbestände – bei Produzenten, Importeuren, großen Konsumenten etc. – eingerechnet.

Bei den Angaben zum Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung mit Primärenergie ist zu berücksichtigen, dass die traditionelle Nutzung von Biomasse über weite Strecken nicht nachhaltig ist. So weist das Bundesumweltministerium darauf hin, dass einfache Formen des Kochens und Heizens vielfach die irreversible Abholzung der Wälder zur Folge haben. Und auch die Nutzung der Wasserkraft ist nicht immer nachhaltig. Vor allem große Staudammprojekte gehen häufig mit negativen sozialen und ökologischen Folgen einher. Das Gleiche gilt für Teile der Produktion von Biokraftstoffen.

Weitere Informationen zur regionalen Nutzung erneuerbarer Energien finden Sie »hier...«

Unter Meeresenergie wird beispielsweise die Stromerzeugung in Gezeiten-, Strömungs- und Wellenkraftwerken verstanden.

Übergangsländer: Staaten der ehemaligen UdSSR und europäische Staaten, die nicht Mitglied der OECD sind.

Tabelle: Energiemix nach Regionen



Primärenergie-Versorgung* in absoluten Zahlen und Anteile der Energieträger in Prozent, 2008

  Primärenergie-
Versorgung,
in Mio. Tonnen
Öläquivalent
Anteile der Energieträger, in Prozent
Öl Kohle** Gas erneuerbare Energien*** Kern-
energie
sonstige
****
Welt* 12.267,4 33,1 27,0 21,1 12,8 5,8 0,2
OECD 5.422,4 37,5 20,8 23,4 6,9 10,9 0,4
Asien 3.541,0 21,5 51,4 7,8 18,3 0,9 0,0
Übergangsländer* 1.145,0 20,2 19,8 49,4 3,5 6,8 0,2
Afrika 655,4 21,3 15,9 12,8 49,4 0,5 0,1
Mittlerer Osten 593,6 51,2 1,6 46,8 0,5 0,0 0,0
Lateinamerika 575,4 43,9 4,2 20,3 30,8 1,0

* Primärenergie ist die von noch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergie-Versorgung = Primärenergie-Produktion + Importe - Exporte +/- Veränderung der Lagerbestände / Welt einschließlich internationaler See- und Luftverkehr; Übergangsländer: Staaten der ehemaligen UdSSR und europäische Staaten, die nicht Mitglied der OECD sind.
** einschließlich Torf
*** Biomasse, biologisch abbaubare Abfälle (ohne Industrieabfälle), Wasserkraft, geothermische Energie, Solarenergie, Windenergie, Meeresenergie
**** Industrieabfälle und brennbare Abfälle, die der Energieerzeugung dienen und die nicht biologisch abbaubar sind


Quelle: International Energy Agency (IEA): Energy Statistics Division 2010, © OECD/IEA


 
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