Zahlen und Fakten: Globalisierung

Verteilung der nachgewiesenen Erdöl-Reserven

8.10.2010
Angesichts der absoluten Erhöhung der Erdöl-Reserven kann schnell übersehen werden, dass die Neufunde abnehmen und die ursprünglichen Reserven durch Neubewertungen nach oben korrigiert werden.

Verteilung der nachgewiesenen Erdöl-Reserven.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Die weltweit nachgewiesenen Erdöl-Reserven haben sich von 910 Milliarden Barrel im Jahr 1987 über 1.069 Milliarden Barrel 1997 auf 1.238 Milliarden Barrel im Jahr 2007 erhöht. Dabei verfügt keine Region der Welt über so große Erdöl-Reserven wie der Nahe Osten – im Jahr 2007 lag der Anteil an den weltweiten Reserven bei mehr als 60 Prozent. Mit weitem Abstand folgten Europa und Eurasien mit einem Anteil von 11,6 Prozent, Afrika mit 9,5 sowie Mittel- und Südamerika mit 9,0 Prozent. Bezogen auf die einzelnen Staaten hatten Saudi-Arabien (21,3 Prozent), Iran (11,2 Prozent) und Irak (9,3 Prozent) die höchsten Anteile an den weltweiten Erdöl-Reserven.

Angesichts der absoluten Erhöhung der Erdöl-Reserven in der Vergangenheit kann schnell übersehen werden, dass die Neufunde abnehmen und die ursprünglichen Reserven von Erdölfunden – auch aus weiter zurückliegenden Jahren – durch Neubewertungen jährlich nach oben korrigiert werden. Zudem ist parallel der Ölverbrauch beständig gestiegen – zwischen 1965 und 2007 um gut 157 Prozent auf rund 31 Milliarden Barrel pro Jahr. Allerdings hat sich der Ölverbrauch seit 2007 stabilisiert – dies nicht zuletzt wegen der Erhöhung des Anteils von Gas und Kohle am Energieverbrauch.

Nach Berechnungen des Energiekonzerns British Petroleum (BP), bei denen die Erdöl-Reserven des Jahres 2007 in Beziehung zur Produktion gesetzt werden, dauert es unter sonst gleichbleibenden Bedingungen und ohne Neufunde bzw. Neubewertungen nur noch 41,6 Jahre bis die Reserven komplett aufgebraucht sind. 1981 lag dieser Wert noch zehn Jahre niedriger. Zusätzliche Ölfunde sowie technische und wirtschaftliche Neubewertungen haben den Wert bis Ende der 1980er-Jahre auf mehr als 40 Jahre steigen lassen – diese Marke wurde seitdem nur einmal unterschritten (1998: 39,8 Jahre).

Könnten die einzelnen Regionen ausschließlich auf die eigenen Reserven des Jahres 2007 zurückgreifen, würde es – ausgehend von dem Verbrauch des Jahres 2007 – keine 8 Jahre dauern, bis ganz Nordamerika ohne Öl auskommen müsste. Im asiatisch-pazifischen Raum wären es sogar nur viereinhalb Jahre, in der Region Europa und Eurasien knapp 20 Jahre – die EU käme dabei allerdings nur ein gutes Jahr mit ihren Reserven aus. Lediglich der ölreiche Nahe Osten müsste erst in rund 334 Jahren unabhängig vom Öl sein.

Werden nur die Ölreserven aus Neuentdeckungen dem jeweils aktuellen Jahr zugeschrieben und die Zuwächse bei bereits entdeckten Lagerstätten auf das jeweilige Fundjahr zurückdatiert ('Back Dating'), dann nehmen die Meldungen von Neufunden seit Anfang der 1960er-Jahre ab. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) legt in diesem Zusammenhang die Interpretation nahe, dass seit den 1980er-Jahren mehr Erdöl verbraucht als neu gefunden wird.

Kritische Stimmen, wie beispielsweise der Politikwissenschaftler Elmar Altvater, weisen zudem darauf hin, dass die Zahlen der Energiekonzerne als zu optimistisch angesehen werden können. Da sich die Höhe der Reserven positiv auf die Bilanzen und damit den Börsenwert der Unternehmen auswirkt, sei die Versuchung groß, im Zweifelsfall von höheren Reserven auszugehen.

Weiter hätten auch die Förderländer von Erdöl ein Interesse an hohen Reserven: Während die Staaten der OPEC das Vordringen alternativer Energien eindämmen wollen, möchten die Förderländer außerhalb der OPEC als ölreiche Alternative zu den OPEC-Staaten in Erscheinung treten. Das Fazit der Kritiker lautet, dass objektive Daten über die Ölreserven fehlen, da die vorhandenen Angaben in einem Umfeld ökonomischer und politischer Interessen gemacht werden.

Datenquelle



British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Zu den nachgewiesenen Erdöl-Reserven zählen im Allgemeinen Mengen, die nach geologischen und ingenieurtechnischen Informationen aller Wahrscheinlichkeit nach aus den heute bekannten Vorkommen und unter den derzeitigen wirtschaftlichen und technischen Bedingungen künftig gefördert werden können.

Von den Reserven sind grundsätzlich die Ressourcen zu unterscheiden. Ressourcen sind zum einen die nachgewiesenen, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbaren Mengen an Energierohstoffen, zum anderen die nicht nachgewiesenen, aber geologisch möglichen, künftig gewinnbaren Mengen an Energierohstoffen.

Informationen zur Knappheit erschöpfbarer Ressourcen finden Sie »hier...«

OPEC – Organization of the Petroleum Exporting Countries (Organisation erdölexportierender Länder)

Eine (metrische) Tonne Rohöl entspricht 7,33 Barrel.

Tabelle: Verteilung der nachgewiesenen Erdöl-Reserven



In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 1987, 1997 und 2007*

  Erdöl-Reserven, in Mrd. Barrel
1987 1997 2007
Welt 910,2 1.069,3 1.237,9
Naher Osten 566,6 683,2 755,3
Europa und Eurasien 75,8 88,0 143,7
Afrika 58,7 75,3 117,5
Mittel- und Südamerika 68,1 93,4 111,2
Nordamerika 101,2 89,0 69,3
asiatisch-pazifischer Raum 39,8 40,4 40,8

 

  Anteile an den weltweiten Reserven,
in Prozent
1987 1997 2007
Welt** 100,0 100,0 100,0
Naher Osten 62,2 63,9 61,0
Europa und Eurasien 8,3 8,2 11,6
Afrika 6,4 7,0 9,5
Mittel- und Südamerika 7,5 8,7 9,0
Nordamerika 11,1 8,3 5,6
asiatisch-pazifischer Raum 4,4 3,8 3,3

* jeweils Jahresende
** Abweichungen rundungsbedingt

Quelle: British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy 2008


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