Zahlen und Fakten: Globalisierung

Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs)

30.6.2010
Parallel zur steigenden Bedeutung durch Mitarbeit, Expertise und Lobbytätigkeit erhöhte sich die Anzahl der NGOs von 1991 bis 2007 kontinuierlich von 4.620 auf gut 7.600.

Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs).Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© UIA / bpb)

Fakten



Die ersten Vorläufer der sogenannten Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs – Non-Governmental Organizations) finden sich im 19. Jahrhundert. 1839 wurde die erste Menschenrechtsorganisation, die Foreign Anti-Slavery Society (Anti-Sklaverei-Gesellschaft), gegründet. Mit dem Roten Kreuz gründete sich 1863 die erste humanitäre Organisation der Welt. Die Bezeichnung NGO hat sich jedoch erst seit 1945 durchgesetzt.

Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu Beginn der 1980er-Jahre stieg die Zahl der NGOs kontinuierlich. Während die Union of International Associations (UIA) im Jahr 1951 lediglich 832 NGOs registrierte, waren es 1972 bereits knapp 2.200. In den 1980er Jahren stagnierte die Zahl der NGOs und lag bei rund 4.500.

Das Ende der Blockkonfrontation und die damit einhergehende Neugestaltung der internationalen Politik ließ die Zahl der NGOs schließlich rasant ansteigen. Insbesondere die Weltkonferenzen der Vereinten Nationen (UN), beginnend mit der Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) im Jahre 1992 in Rio de Janeiro, führten zu einer neuen Stellung und Akzeptanz der NGOs. Parallel zu ihrer steigenden Bedeutung durch Mitarbeit, Expertise und Lobbytätigkeit erhöhte sich die Anzahl der NGOs von 1991 bis 2007 kontinuierlich von 4.620 auf gut 7.600. Heute sind die NGOs ein fester Bestandteil aller Global Governance Ansätze. NGOs sollen das Gewicht der Zivilgesellschaft auf globaler Ebene erhöhen und Themen wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte zur Sprache bringen.

Auch wenn NGOs keiner politischen Partei zuzuordnen sind und sie für sich in Anspruch nehmen, allgemeine und universelle Gesellschaftsinteressen zu vertreten, gibt es dennoch Kritik an einer zu starken Stellung der NGOs: So kann die fehlende öffentliche Legitimation transnationaler Politik nicht durch NGOs ausgeglichen werden, da diese ebenfalls nicht demokratisch legitimiert sind. Selbst die NGOs, die sich für mehr Demokratie auf globaler Ebene einsetzen, sind nicht gewählt und damit nicht ermächtigt, im Namen des Volkes zu agieren. Zudem sind NGOs auch intern nicht immer demokratisch strukturiert und ihre Spendenabhängigkeit kann in Widerspruch zu ihrer Glaubwürdigkeit stehen.

Datenquelle



Union of International Associations (UIA), Yearbook of International Organizations: Statistics on international organizations: »www.uia.be/stats«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Bisher konnte sich weder in der öffentlichen Diskussion noch in der Fachwelt eine einheitliche Definition des NGO-Begriffs durchsetzen. Generell sind unter dem Begriff alle internationalen Organisationen zu verstehen, die nicht durch ein öffentliches Mandat legitimiert sind. Wird der Begriff 'NGO' breiter gefasst und werden alle privaten Akteure und Interessengruppen – also internationale Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände, Verbände von wissenschaftlichen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbände, Hilfsorganisationen, Stiftungen, Kirchen, Selbsthilfegruppen und Bürgerinitiativen – mit einbezogen, steigt die Zahl der NGOs auf mehr als 21.000 im Jahr 2007.

Während beispielsweise die UN eine breite Definition verwendet, richten sich die hier gemachten Angaben nach der Definition der Union of International Associations (UIA), die einen umfassenden Kriterienkatalog für die von ihr registrierten NGOs erstellt hat. Danach müssen NGOs
  • auf private Initiative gegründet werden,
  • unabhängig – vor allem von staatlicher Einflussnahme – sein,
  • eine internationale Mitgliedschaft vorweisen,
  • ihre finanziellen Mittel aus mindestens drei Ländern beziehen,
  • in mindestens drei Staaten tätig sein,
  • über einen Wahlmechanismus für das Leistungsgremium verfügen sowie
  • einen Hauptsitz und einen festen Mitarbeiterstab nachweisen.


Tabelle: Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs)



Anzahl in absoluten Zahlen, weltweit 1909 bis 2007

1909 176
1951 832
1956 973
1964 1.470
1972 2.173
1978 2.420
1985 4.676
1987 4.235
1989 4.621
1991 4.620
1993 4.830
1995 5.121
1997 5.585
1998 5.766
1999 5.825
2000 6.357
2001 6.398
2002 6.584
2003 7.261
2004 7.306
2007 7.628

Quelle: Union of International Associations (UIA), Yearbook of International Organizations: Statistics on international organizations


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