Zahlen und Fakten: Globalisierung

UN Friedenseinsätze

20.9.2010
Noch nie in der 61-jährigen Geschichte der Friedenseinsätze waren so viele Menschen für friedenserhaltende oder friedensstiftende Maßnahmen der UN im Einsatz wie im Sept. 2009: etwa 116.000 Personen.

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Fakten



Die Friedenseinsätze der Vereinten Nationen (UN) haben sich zu einem wichtigen Instrument des UN Sicherheitsrats bei der Wahrnehmung seiner Verantwortung für den Frieden entwickelt. Noch nie in der 61-jährigen Geschichte der Friedenseinsätze waren so viele Menschen für friedenserhaltende oder friedensstiftende Maßnahmen der UN im Einsatz wie im September 2009: gut 96.000 Uniformierte – also Soldaten, Polizisten und Militärbeobachter – sowie etwa 20.000 Zivilpersonen.

Noch zu Beginn der 1990er-Jahre war das Ziel oft, Frieden zu schaffen. Heute tendiert der Sicherheitsrat vor allem wegen der Rückschläge in Somalia, Ruanda und dem ehemaligen Jugoslawien zum klassischen Mandat der Friedenserhaltung bei dem die Konfliktparteien ihr Einverständnis erteilen. Das Mandat der Friedenstruppen wird durch den Sicherheitsrat in der Regel halbjährlich verlängert.

Seit 1948 wurden 63 friedenserhaltende oder friedensstiftende Maßnahmen beschlossen. Gegenwärtig betreibt das Department of Peacekeeping Operations (DPKO) 15 unterschiedliche Missionen – davon sieben in Afrika, drei im Nahen Osten, jeweils zwei in Europa und der Region Asien-Pazifik und eine in Mittelamerika. Hinzu kommen zwei vom DPKO unterstützte politische Missionen in Afghanistan (UNAMA) und Burundi (BINUB) sowie die UN Assistence Mission for Irak (UNAMI) und die UN Mission in Nepal (UNMIN).

Ende September 2009 stellten 116 verschiedene Staaten das uniformierte Personal der Friedenseinsätze. Die meisten Soldaten, Polizisten und Militärbeobachter stammten dabei aus Pakistan (10.580), Bangladesch (9.458), Indien (8.752), Nigeria (5.985), Nepal (4.211), Ägypten (3.895), Ruanda (3.595), Jordanien (3.545), Ghana (3.154) und Äthiopien (2.686) – allein diese zehn Staaten stellten 58,1 Prozent des uniformierten Personals.

Die Einsätze werden von allen Mitgliedern der Vereinten Nationen (UN) finanziert. Die Generalversammlung legt den genauen Finanzierungsschlüssel fest. Prinzipiell bestimmen ökonomische Faktoren wie zum Beispiel das Bruttonationaleinkommen und die Schuldenlast die Höhe des Beitrags der einzelnen Staaten. Statistisch werden dabei Zeiträume von bis zu sechs Jahren erfasst. Staaten mit einem niedrigen pro Kopf Einkommen erhalten Abschläge und Staaten mit einem hohen pro Kopf Einkommen Zuschläge auf den Beitragssatz. Zudem müssen sich die ständigen Mitglieder des UN Sicherheitsrats, wegen ihrer Gesamtverantwortung im UN System, stärker an der Finanzierung beteiligen.

Nach dem Finanzierungsschlüssel hatten Mitte 2009 die zehn größten Beitragszahler einen Anteil von 82,8 Prozent an den finanziellen Aufwendungen: USA (26,0 Prozent), Japan (16,6 Prozent), Deutschland (8,6 Prozent), Großbritannien (7,8 Prozent), Frankreich (7,4 Prozent), Italien (5,1 Prozent), China (3,1 Prozent), Kanada (3,0 Prozent), Spanien (3,0 Prozent) und Südkorea (2,2 Prozent).

In der Zeit vom 01. Juli 2007 bis zum 30. Juni 2008 betrug das Budget für die Friedenseinsätze rund 7,75 Milliarden US-Dollar. Auch für den Zeitraum Juli 2009 bis Juni 2010 liegen die voraussichtliche Kosten bei mehr als 7,7 Milliarden US-Dollar. Knapp 80 Prozent dieser Kosten entfallen auf Friedensmissionen in Afrika, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, in Liberia und Côte d´Ivoire. Zwischen 1948 und Mitte 2008 wurden insgesamt etwa 61 Milliarden US-Dollar für die Friedenseinsätze ausgegeben.

Zusätzlich zu den finanziellen Aufwendungen unterstützen viele Staaten die Friedenseinsätze auch mit Leistungen, die über ihre festgelegten Verpflichtungen hinausgehen (zum Beispiel Transportleistungen, Materialaufwendungen und Personal).

Datenquelle



United Nations peacekeeping: »www.un.org/Depts/dpko/dpko/index.asp«; General Assembly: Committee on Contributions: »www.un.org/ga«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der UN sind: China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA.

Das Bruttonationaleinkommen (BNE, früher BSP) wird berechnet, indem vom Bruttoinlandsprodukt die an das Ausland fließenden Löhne und Gewinne (Faktoreinkommen) abgezogen und entsprechend die vom Ausland ans Inland fließenden Faktoreinkommen addiert werden.

Tabelle: UN Friedenseinsätze



Vergangene und laufende Einsätze, uniformiertes Personal in absoluten Zahlen, Stand: Sept. 2009

laufende Einsätze uniformiertes Personal davon: Soldaten
Afrika  
Burundi – BINUB* 17 0
Côte d'Ivoire – UNOCI 8.402 7.026
Demokratische Republik Kongo – MONUC 18.606 16.826
Liberia – UNMIL 11.519 10.033
Sudan – UNMIS 9.961 8.793
Sudan (Darfur) – UNAMID 18.775 14.638
westliche Sahara – MINURSO 231 20
Zentralafrikanische Republik/Tschad – MINURCAT 2.940 2.675
 
Nord-, Süd- und Mittelamerika  
Haiti – MINUSTAH 9.117 7.051
 
Asien-Pazifik  
Afghanistan – UNAMA* 23 0
Indien/Pakistan – UNMOGIP 43 0
Timor-Leste – UNMIT 1.590 0
 
Europa  
Kosovo – UNMIK 17 0
Zypern – UNFICYP 909 842
 
Naher Osten  
Israel/Syrien (Golan-Höhen) – UNDOF 1.045 1.045
Libanon – UNIFIL 12.425 12.425
Naher Osten – UNTSO 151 0
 
* politische Mission, die vom Department of Peacekeeping Operations (DPKO) geleitet wird
 
vergangene Einsätze  
Afrika
Angola – MONUA
Angola – UNAVEM I
Angola – UNAVEM II
Angola – UNAVEM III
Äthiopien/Eritrea – UNMEE
Burundi – ONUB
Kongo – ONUC
Liberia – UNOMIL
Libyen/Tschad – UNASOG
Mosambik – ONUMOZ
Namibia – UNTAG
Ruanda – UNAMIR
Sierra Leone – UNOMSIL
Sierra Leone – UNAMSIL
Somalia – UNOSOM I
Somalia – UNOSOM II
Uganda/Ruanda – UNOMUR
Zentralafrikanische Republik – MINURCA
 
Nord-, Süd- und Mittelamerika
Dominikanische Republik – DOMREP
El Salvador – ONUSAL
Guatemala – MINUGUA
Haiti – MIPONUH
Haiti – UNTMIH
Haiti – UNSMIH
Haiti – UNMIH
Zentralamerika – ONUCA
 
Asien-Pazifik
Afghanistan/Pakistan – UNGOMAP
Indien/Pakistan – UNIPOM
Kambodscha – UNTAC
Kambodscha – UNAMIC
Tadschikistan – UNMOT
Timor-Leste – UNTAET
Timor-Leste – UNMISET
West Neuguinea – UNSF
 
Europa
Bosnien und Herzegowina – UNMIBH
Georgien – UNOMIG
Jugoslawien – UNPROFOR
Kroatien – UNPSG
Kroatien – UNTAES
Kroatien – UNCRO
Kroatien/Jugoslawien (Prevlaka) – UNMOP
ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien – UNPREDEP
 
Naher Osten
Irak/Kuwait – UNIKOM
Iran/Irak – UNIIMOG
Jemen – UNYOM
Libanon – UNOGIL
Naher Osten – UNEF I
Naher Osten – UNEF II

Quelle: United Nations peacekeeping: www.un.org/Depts/dpko/dpko/index.asp


 
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