Zahlen und Fakten: Globalisierung
4.4.2018

Deutschland: Entwicklung des Außenhandels

Export, Import und Exportüberschuss in absoluten Zahlen, 1994 bis 2017

Entwicklung des deutschen Außenhandels

Quelle: Statistisches Bundesamt: Außenhandel
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Die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße exportorientiert und damit auch exportabhängig. Fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Export ab. Gleichzeitig ist Deutschland als rohstoffarmes Land auch auf Importe angewiesen – vor allem im Energiebereich. Trotz dieser Import-Abhängigkeit liegen in Deutschland die Warenausfuhren seit Jahrzehnten über den Wareneinfuhren. Und in den Jahren 2015 bis 2017 wurden neue Rekordüberschüsse bei der Handelsbilanz erzielt: Der Wert der exportierten Waren lag in allen drei Jahren um mehr als 240 Milliarden Euro über dem Wert der importieren Waren.

Fakten

Im Jahr 2016 wurden – bezogen auf alle Waren – 33,0 Prozent der Inlandsnachfrage Deutschlands durch Importe abgedeckt. Wie hoch die Bedeutung des Außenhandels für Deutschland ist, zeigt auch die Außenhandelsquote. Die Außenhandelsquote entspricht dem prozentualen Anteil des Warenexports und -imports eines Staates/einer Region am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Nach Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) stieg die Außenhandelsquote Deutschlands von 44,0 Prozent im Jahr 1990 auf 70,1 Prozent im Jahr 2008. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise führte zu einem deutlichen Rückgang der Außenhandelsquote auf 59,9 Prozent im Jahr 2009. Allerdings wurde mit 72,6 Prozent bereits 2011 das Vorkrisenniveau übertroffen. Im Jahr 2016 lag die Außenhandelsquote Deutschlands bei 68,8 Prozent.

Im Jahr 2017 exportierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 1.279 Milliarden Euro und importierte im Gegenzug Waren im Wert von 1.034 Milliarden Euro – nie zuvor war der Wert der Ex- und Importe höher. Insgesamt erhöhte sich der Warenexport beziehungsweise der Warenimport in den Jahren 1980 bis 2017 jährlich um 5,5 beziehungsweise 4,9 Prozent. Krisenbedingt verringerten sich die Einfuhren von 2008 auf 2009 um 17,5 Prozent. Der Rückgang bei den Ausfuhren fiel mit einem Minus von 18,4 Prozent sogar noch etwas höher aus. Zwischen 2009 und 2010 nahmen sowohl die Importe (plus 19,9 Prozent) als auch die Exporte (plus 18,5 Prozent) sehr stark zu und durch das erneut überdurchschnittliche Wachstum der Im- und Exporte von 2010 auf 2011 (plus 13,2 bzw. 11,5 Prozent) wurden 2011 neue Höchstwerte bei den Im- und Exporten erzielt. In den Jahren 2011 bis 2016 waren die Veränderungen nicht so ausgeprägt – im gesamten Zeitraum nahmen die Importe um 5,8 Prozent und die Exporte um 13,4 Prozent zu. Von 2016 auf 2017 war insbesondere das Plus der Warenimporte auffällig hoch (8,3 Prozent), aber auch die Warenexporte nahmen mit 6,2 Prozent deutlich zu.

Im Jahr 2008 konnte Deutschland seinen Titel als "Exportweltmeister" noch knapp gegen China verteidigen – sechsmal in Folge exportierte Deutschland mehr Waren als jedes andere Land. 2009 wurde Deutschland jedoch klar von China abgelöst. Nach Angaben der UNCTAD konnte China seinen Vorsprung gegenüber Deutschland im Jahr 2016 auf rund 760 Milliarden US-Dollar vergrößern. Zudem lagen in den Jahren 2010 bis 2016 auch die USA wieder vor Deutschland.

Eine ganz andere Rangfolge ergibt sich, wenn der Warenexport pro Kopf verglichen wird: Bei dieser Betrachtungsweise lagen im Jahr 2016 die Handelsdrehscheiben Hongkong und Singapur an vorderster Stelle. Innerhalb Europas nahmen die Schweiz, Belgien, die Niederlande und Luxemburg Spitzenpositionen ein. Deutschland kam nach dieser Rechnung noch in die Top 20 von 200 Staaten/Gebieten mit mehr als 50.000 Einwohnern (Rang 13) und lag damit weit vor den USA (Rang 49) und China (Rang 82). Entsprechend entfielen auf Deutschland von den weltweit getätigten Warenexporten des Jahres 2016 überdurchschnittliche 8,4 Prozent – bei einem Anteil von 1,1 Prozent an der Weltbevölkerung.

In allen Jahren seit 1952 wurden mehr Waren aus Deutschland ausgeführt als eingeführt. In den vierzehn Jahren 2004 bis 2017 lag der Handelsbilanzüberschuss dabei dreizehnmal bei mehr als 150 Milliarden Euro. Und auch 2009 war die Handelsbilanz trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise und der hohen Exportabhängigkeit Deutschlands positiv (138,7 Mrd. Euro). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde 2016 mit 248,9 Milliarden Euro der bisher höchste Handelsbilanzüberschuss erzielt. Auf die Jahre 2017 und 2015 entfielen der zweit- und dritthöchste Überschuss (2017: 244,7 Mrd. Euro / 2015: 244,3 Mrd. Euro).

Die hohen Handelsbilanzüberschüsse tragen maßgeblich dazu bei, dass auch die Leistungsbilanz Deutschlands seit einschließlich 2002 durchgehend positiv ist. Die Leistungsbilanz fasst verschiedene Bilanzen zusammen – unter anderem die Handels- und die Dienstleistungsbilanz. Der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands stieg zwischen 2003 und 2007 von 31,3 auf 169,6 Milliarden Euro. Auch in den Krisenjahren 2008 und 2009 konnten mit 143,3 beziehungsweise 141,2 Milliarden Euro hohe Überschüsse erzielt werden. Bis 2012/2013 erhöhte sich der Leistungsbilanzüberschuss wiederum auf 193,6 beziehungsweise 189,6 Milliarden Euro.

2014 lag der Leistungsbilanzüberschuss erstmalig bei mehr als 200 Milliarden Euro (218,0 Mrd. Euro). Im Jahr 2015 wurde mit einem Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 260,0 Milliarden Euro der bisherige Höchstwert erreicht, 2017 lag der Überschuss bei 257,1 Milliarden Euro. Dabei betrug der Überschuss der Warenhandelsbilanz nach Angaben der Deutschen Bundesbank 266,7 Milliarden Euro. Die Bilanz der Primäreinkommen war im Jahr 2017 ebenfalls positiv (plus 60,6 Mrd. Euro). Negativ waren hingegen erneut die Dienstleistungsbilanz (minus 18,0 Mrd. Euro) und die Bilanz der Sekundäreinkommen (minus 52,3 Mrd. Euro).

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Außenhandel, Deutscher Außenhandel; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Online-Datenbank: UNCTADstat; Deutsche Bundesbank: Zahlungsbilanzstatistik

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

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Die Importabhängigkeitsquote zeigt, bis zu welchem Grad die inländische Nachfrage durch Importe abgedeckt wird. Die Quote entspricht dem Verhältnis der Importe zu dem um den Außenhandelssaldo – die Differenz zwischen Exporten und Importen – bereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Die Handelsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt den Saldo der Warenausfuhren und -einfuhren eines Staates oder einer Staatengruppe an. Bei einem Handelsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Da die Handelsbilanz eine Teilbilanz der Leistungsbilanz ist, kann ein Ungleichgewicht der Handelsbilanz durch die Salden anderer Teilbilanzen ausgeglichen werden.

Die Leistungsbilanz fasst die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz (Saldo der Dienstleistungsexporte und -importe) sowie die Bilanz der Primär- und Sekundäreinkommen zusammen. Die Teilbilanz der Primäreinkommen umfasst grenzüberschreitende Zahlungen aus Erwerbstätigkeit und Vermögensanlagen, darunter Zins- und Dividendenzahlungen. Unter den Sekundäreinkommen werden regelmäßige Zahlungen verstanden, denen keine unmittelbare Leistung der anderen Seite gegenübersteht – so zum Beispiel die Überweisungen der in Deutschland beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer in ihre Heimatländer, die Zahlungen des Staates an internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder Leistungen im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Deutschland: Entwicklung des Außenhandels

Import, Export und Exportüberschuss in absoluten Zahlen, Veränderung in Prozent, 1980 bis 2017

1

Warenexport Warenimport Export-
überschuss
Warenexport Warenimport
in Mio. Euro Veränderung gegenüber
dem Vorjahr, in Prozent
2017 1.279.066 1.034.323 244.743 6,2 8,3
2016 1.203.833 954.917 248.916 0,9 0,6
2015 1.193.555 949.245 244.310 6,2 4,3
2014 1.123.746 910.145 213.601 3,3 2,2
2013 1.088.025 890.393 197.632 -0,4 -1,0
2012 1.092.627 899.405 193.222 3,0 -0,3
2011 1.061.225 902.523 158.702 11,5 13,2
2010 951.959 797.097 154.863 18,5 19,9
2009 803.312 664.615 138.697 -18,4 -17,5
2008 984.140 805.842 178.298 2,0 4,7
2007 965.236 769.887 195.349 8,1 4,9
2006 893.042 733.994 159.048 13,6 16,9
2005 786.266 628.087 158.179 7,5 9,1
2004 731.544 575.448 156.096 10,1 7,7
2003 664.455 534.534 129.921 2,0 3,1
2002 651.320 518.532 132.788 2,0 -4,5
2001 638.268 542.774 95.494 6,8 0,8
2000 597.440 538.311 59.129 17,1 21,0
1999 510.008 444.797 65.211 4,4 5,0
1998 488.371 423.452 64.919 7,5 7,3
1997 454.342 394.794 59.548 12,6 11,8
1996 403.377 352.995 50.382 5,3 3,9
1995 383.232 339.617 43.615 8,5 7,7
1994 353.084 315.444 37.640 9,9 8,9
1993 321.289 289.644 31.645 -6,4 -11,1
1992 343.089 325.972 17.117 0,8 -1,0
1991 340.425 329.228 11.197 -2,2 12,3
1990 348.117 293.215 54.902 6,2 13,2
1989 1 327.759 258.951 68.808 12,9 15,2
1988 290.237 224.769 65.468 7,6 7,3
1987 269.644 209.446 60.198 0,2 -1,0
1986 269.125 211.544 57.581 -2,0 -10,8
1985 274.648 237.143 37.505 10,0 6,8
1984 249.624 222.032 27.592 12,9 11,3
1983 221.022 199.502 21.520 1,1 3,6
1982 218.701 192.483 26.218 7,8 2,0
1981 202.931 188.758 14.173 13,3 8,1
1980 179.120 174.545 4.575 11,4 16,9

1 bis einschließlich 1989 früheres Bundesgebiet


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