Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Religionszugehörigkeit

27.9.2012
Die größte Gruppe unter den nichtchristlichen religiösen Menschen sind die Muslime. Je nach Datengrundlage machen die Muslime zusammen zwischen 4,6 und 5,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus.

ReligionszugehörigkeitKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Im Jahr 2010 gehörten 59,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland der Katholischen oder Evangelischen Kirche an. 24,65 Millionen Menschen waren dabei Mitglied der Katholischen Kirche und die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder lag bei 23,90 Millionen. Die größte Gruppe unter den nichtchristlichen religiösen Menschen sind die Muslime. Von den 3,8 bis 4,3 Millionen Muslimen stammen laut der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" knapp drei Viertel aus sunnitischen Traditionen (74 Prozent), 13 Prozent werden der alevitischen und 7 Prozent der schiitischen Glaubensrichtung zugerechnet. Je nach Datengrundlage machen die Muslime zusammen zwischen 4,6 und 5,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus. Der Anteil der religiösen Personen unter den Muslimen ist hoch: Insgesamt 36 Prozent schätzen sich selbst als "sehr stark gläubig" ein. Weitere 50 Prozent geben an, "eher gläubig" zu sein. Allerdings bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Herkunftsgruppen.

Die türkischstämmigen Migranten bilden die weitaus größte Gruppe unter den Muslimen. Insgesamt leben in Deutschland etwa 2,5 Millionen Muslime mit türkischem Migrationshintergrund. Mit deutlichem Abstand folgen 550.000 Muslime aus Südosteuropa und 330.000 Muslime aus dem Nahen Osten. Weitere Herkunftsregionen sind Süd-/Südostasien, Nordafrika, Iran, Zentralasien/GUS und Afrika südlich der Sahara. Die Zusammensetzung der Muslime ist damit sehr heterogen. Zudem gilt, dass von der religiösen Zusammensetzung im Herkunftsland keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die hier lebenden Zuwanderergruppen gezogen werden können.

Nach Angaben der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" ist fast die Hälfte der in Deutschland lebenden Muslime inzwischen eingebürgert (45 Prozent). In Deutschland leben damit insgesamt 1,7 bis 2,0 Millionen muslimische Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit und 2,1 bis 2,3 Millionen Muslime mit ausländischer Staatsangehörigkeit. 98 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime wohnen in den alten Bundesländern.

Im Jahr 2011 gehörten in Deutschland 102.797 Menschen einer jüdischen Gemeinde an. Zwischen 1990 und 2006 war die Zahl noch von 29.089 auf 107.794 gestiegen, seitdem ist sie rückläufig. Hinzu kommen etwa 90.000 Juden ohne Gemeindezugehörigkeit, die häufig aus Osteuropa zugewandert sind. Vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten waren im Deutschen Reich 1933 mehr als eine halbe Million Juden ansässig. Die größten jüdischen Gemeinden befinden sich in Berlin, Frankfurt am Main und München.

Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatten 2010 die Muslime einen Anteil von 4,89 Prozent an der Bevölkerung in Deutschland. Die 1.268.500 Angehörigen der orthodoxen Kirchen hatten einen Anteil von 1,55 Prozent. Bei den evangelischen Freikirchen (0,40 Prozent), den Angehörigen anderer christlicher Kirchen (0,04 Prozent), den Buddhisten (0,30 Prozent), Juden (0,24 Prozent) sowie den Hindus (0,12 Prozent) lag der Anteil an der Bevölkerung bei weniger als einem halben Prozent. Die Konfessionslosen hatten mit 33,06 Prozent den größten Anteil an der Bevölkerung Deutschlands – noch vor den Katholiken (30,15 Prozent) und den Mitgliedern der EKD (29,23 Prozent). Andere Quellen – beispielsweise der Verein "Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst (REMID)" – zählen auch Gemeinschaften zum Christentum (insbesondere zu den Freikirchen), die die EKD nicht erfasst. Der Anteil der Konfessionslosen liegt bei REMID rund zwei Prozent niedriger als bei der EKD.

Bei den Angaben zur Religionszugehörigkeit ist zu bedenken, dass die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft für die einzelnen Menschen eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben kann. Im Extremfall ist für die einen die Zugehörigkeit lebensbestimmend, andere sind Mitglieder einer Religionsgemeinschaft ohne überhaupt an einen Gott oder eine spirituelle Kraft zu glauben.

Laut einer Meinungsumfrage im Rahmen des Eurobarometers glaubten in Deutschland Anfang 2005 47 Prozent der befragten Bürger an einen Gott. 25 Prozent glaubten an eine andere spirituelle Kraft, ebenfalls 25 Prozent glaubten weder an einen Gott noch an eine andere spirituelle Kraft, 3 Prozent machten keine Angaben. Weiter gab Ende 2006 gut die Hälfte der Befragten an, dass Religion nicht wichtig für ihr eigenes Leben sei (52 Prozent). In Westdeutschland lag der entsprechende Wert bei 47 Prozent, in Ostdeutschland bei 74 Prozent.

Und auch wenn die Wichtigkeit von Religion ins Verhältnis zu anderen Werten gesetzt wird, schneidet sie bei den in Deutschland Befragten sehr schlecht ab: Laut einer Eurobaromter-Umfrage vom Frühjahr 2008 bei der die Befragten drei von zwölf Werten auswählen sollten, die für sie persönlich am wichtigsten sind bzw. die am besten die Europäische Union repräsentieren, entschieden sich nur 5 bzw. 3 Prozent der Befragten für "Religion". Am häufigsten wurde in Deutschland in beiden Fällen "Frieden" genannt.

Datenquelle



Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Statistik über die Äußerungen des kirchlichen Lebens in den Gliedkirchen der EKD im Jahr 2010; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Katholische Kirche in Deutschland: Zahlen und Fakten 2010/11; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Deutsche Islam Konferenz: Muslimisches Leben in Deutschland; Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST): Mitgliederstatistik 2011; Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst (REMID): www.remid.de; Europäische Kommission: Special Eurobarometer: Social values, Science and Technology, June 2005, Special Eurobarometer: European Social Reality, February 2007, Eurobarometer 69: 1. Values of Europeans, November 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Weitere Informationen zum Thema "Kirchenmitglieder, Kirchenaustritte, Kirchernsteuern" erhalten Sie hier...

Informationen zum Thema "Religionszugehörigkeit in den Staaten Europas" erhalten Sie hier...

GUS – Gemeinschaft unabhängiger Staaten

Tabelle: Religionszugehörigkeit



Anteile in Prozent der Gesamtbevölkerung, 2010

Römisch-Katholische Kirche 30,15
Evangelische Kirche (EKD) 29,23
Muslime 4,89
Orthodoxe 1,55
Freikirchen 0,40
Buddhisten 0,30
Juden 0,24
Hindus 0,12
andere christliche Kirchen 0,04
Konfessionslose 33,06

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Statistik über die Äußerungen des kirchlichen Lebens in den Gliedkirchen der EKD im Jahr 2010


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter
 

Zahlen und Fakten 3D

Bevölkerung

Nach Vorausberechnungen der UN werden im Jahr 2050 mehr als 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. 100 Jahre zuvor waren es nur 2,5 Milliarden. Aber die Bevölkerungsentwicklung verläuft nicht in allen Regionen und Staaten gleich. Mit dem interaktiven Angebot "Zahlen und Fakten 3D" können Sie Regionen und Staaten der Welt miteinander vergleichen, Entwicklung über mehrere Jahre oder Jahrzehnte hinweg verfolgen und so Infografiken nach Ihren eigenen Vorgaben erstellen. Weiter... 

zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10-12 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.