Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder

26.9.2012
Bezogen auf das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes hat sich das Alter in Ostdeutschland in 20 Jahren in etwa so stark erhöht, wie in Westdeutschland zwischen 1970 und 2010, also in vierzig Jahren.

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Fakten



Um das Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes zu ermitteln, wurde in Westdeutschland bis vor kurzem lediglich die Geburt des jeweils ersten Kindes in den aktuell bestehenden Ehen erfasst. Solange fast alle Kinder in einer Ehe geboren wurden, führte diese Vorgehensweise zu aussagekräftigen Ergebnissen. Allerdings ist der Anteil außerehelich geborener Kinder in Deutschland seit 1970 um 26 Prozentpunkte gestiegen. 2010 waren die Eltern jedes dritten neugeborenen Kindes nicht verheiratet. Dabei lag der Anteil der Lebendgeborenen von nicht miteinander verheirateten Eltern in Westdeutschland bei 27,0 Prozent und in Ostdeutschland bei 61,2 Prozent (jeweils ohne Berlin). Seit einschließlich 2009 werden auch in Westdeutschland in der Geburtenstatistik die Frauen nach der tatsächlich geborenen Zahl der Kinder erfasst – seitdem kann das Alter der Mütter nach der sogenannten biologischen Geburtenfolge dargestellt werden.

Zwischen 1965 und 1970 nahm das Alter der westdeutschen Frauen bei der ersten Geburt leicht von 25 auf 24 Jahre ab, danach ist es beständig gestiegen. 2010 waren die Mütter beim ersten Kind mit durchschnittlich 29,2 Jahren (biologische Geburtenfolge) fünf Jahre älter als vierzig Jahre zuvor. Beim zweiten Kind lag das durchschnittliche Alter der Mütter im Jahr 2010 bei 31,5 Jahren und beim dritten Kind bei 32,9 Jahren.

In Ostdeutschland wurden bereits seit Ende der 1960er-Jahre viele Kinder außerhalb der Ehe geboren. Die Aussagen des Statistischen Bundesamtes beziehen sich deshalb auf die Angaben zur biologischen Geburtenfolge, die für Ostdeutschland für den Zeitraum 1954 bis 1989 sowie für die Jahre 2009 und 2010 vorliegen. Das Alter der Mütter bei der ersten Geburt schwankte hier bis Ende der 1980er-Jahre nur leicht zwischen 22 und 23 Jahren. Nach der Wiedervereinigung veränderte sich das Geburtenverhalten deutlich: Zwischen 1989 und 2010 stieg das Alter beim ersten Kind von 22,9 auf 27,4 Jahre, also um knapp fünf Jahre. Beim zweiten Kind lag das durchschnittliche Alter der Mütter im Jahr 2010 bei 30,6 Jahren und beim dritten Kind bei 32,4 Jahren.

Bezogen auf das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes hat sich das Alter in Ostdeutschland in 20 Jahren in etwa so stark erhöht, wie in Westdeutschland zwischen 1970 und 2010, also in vierzig Jahren. Diese Entwicklung ist sicherlich von den Veränderungen der Lebensverhältnisse seit der Wiedervereinigung beeinflusst. Das Statistische Bundesamt nennt in diesem Zusammenhang die unsichere Arbeitsmarktsituation, den Wegfall von Familienförderungsprogrammen, die Notwendigkeit der Neuorientierung in der Gesellschaft sowie zum Teil längere Ausbildungszeiten und ausgedehnte Phasen der beruflichen Etablierung bei der jüngeren Frauengeneration.

Unabhängig vom Familienstand ihrer Mutter waren im Jahr 2010 etwa 307.000 der insgesamt 678.000 Neugeborenen das zweite (34 Prozent) oder dritte Kind (11 Prozent). Weitere 35.000 waren das vierte oder weitere Kind (5 Prozent). Die 2010 geborenen zweiten Kinder waren im Durchschnitt vier Jahre jünger als ihre erstgeborenen Geschwister. Die dritten Kinder kamen durchschnittlich fünf Jahre nach der Geburt des zweiten Kindes zur Welt. Allerdings betrug bei 45 Prozent der zweiten Geburten und bei 36 Prozent der dritten Geburten der Abstand zum vorangegangenen Kind weniger als drei Jahre (Westdeutschland: 48 bzw. 37 Prozent, Ostdeutschland: 29 bzw. 31Prozent).

Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland galt im Jahr 2010, dass mit zunehmenden Alter der Mütter auch der Abstand zwischen den Geburten größer wird – und zwar sowohl der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Kind als auch zwischen dem zweiten und dritten Kind (in einer Ehe). Bei den unter 25-jährigen Müttern lag der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Kind im Jahr 2010 deutschlandweit bei zweieinhalb Jahren (West: 2,5 Jahre / Ost: 2,6 Jahre). Bei den 30 bis 34 Jahre alten Müttern waren es schon 3,7 Jahre (West: 3,5 Jahre / Ost: 4,5 Jahre) und bei den 40- bis 49-jährigen Müttern steigt der Abstand schließlich auf 5,1 Jahre (West: 4,9 Jahre / Ost: 7,5 Jahre).

Der Abstand zwischen dem zweiten und dritten Kind lag im Jahr 2010 bei den unter 25-jährigen Müttern in Deutschland bei 2,3 Jahren (West: 2,3 Jahre / Ost: 2,2 Jahre). Bei den 30 bis 34 Jahre alten Müttern steigt der Abstand auf 4,4 Jahre (West: 4,4 Jahre / Ost: 4,5 Jahre). Am größten ist der Abstand zwischen der Geburt des zweiten und dritten Kindes bei der Gruppe der 40- bis 49-jährigen Mütter – 2010 lag er deutschlandweit bei sechs Jahren und acht Monaten (West: 6,5 Jahre / Ost: 8,1 Jahre).

2010 entfiel die höchste Geburtenhäufigkeit in Deutschland auf die Gruppe der 30- bis 34-jährigen Frauen. An zweiter Stelle standen die 25- bis 29-Jährigen. In Westdeutschland ging die Geburtenhäufigkeit der 20- bis 24-Jährigen in den 1970er-Jahren besonders stark zurück. Von 1974 bis 2001 brachten die 25- bis 29-Jährigen die meisten Kinder zur Welt. 2002 wurden sie durch die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen abgelöst, deren Geburtenhäufigkeit im Vergleich zu den 1970er-Jahren sehr stark angestiegen ist. In Ostdeutschland war die Geburtenhäufigkeit der 20- bis 24-jährigen Frauen bis Anfang der 1990er-Jahre am höchsten. Erst nach der Wiedervereinigung traten deutliche Verschiebungen zwischen den einzelnen Altersgruppen auf. Der Wiederanstieg der Geburtenhäufigkeit ab Mitte der 1990er-Jahre ging hier vor allem auf die Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren zurück, wobei die Geburtenhäufigkeit der 30- bis 34-Jährigen auch nach dem Jahr 2000 noch weiter gestiegen ist und 2010 über der der 25- bis 29-Jährigen lag.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Durchschnittliches Alter der Mütter bei der Geburt ihrer ehelich lebendgeborenen Kinder (Geburtsjahrmethode), Bevölkerung und Erwerbstätigkeit: Natürliche Bevölkerungsbewegung, Pressemitteilung Nr. 005/2012, Pressemitteilung Nr. 294/2011, Geburten in Deutschland, 2012

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen zum Thema "Außereheliche Lebendgeburten in Europa" erhalten Sie hier...

Tabelle: Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder



Durchschnitt in Jahren, 1965 bis 2010*

  Westdeutschland
insgesamt in bestehender Ehe
1. Kind 2. Kind 3. Kind 1. Kind 2. Kind 3. Kind
1965 24,9 27,5 29,9
1970 24,3 27,7 30,5
1975 24,8 27,4 30,1
1980 25,2 27,7 30,0
1985 26,2 28,3 30,4
1989 26,8 28,8 30,6
1995 28,2 29,8 31,3
2000 29,0 30,7 32,1
2005 29,7 31,4 32,7
2009 29,1 31,5 32,9 30,2 31,9 33,2
2010 29,2 31,5 32,9 30,2 31,9 33,3
 
  Ostdeutschland
insgesamt in bestehender Ehe
1. Kind 2. Kind 3. Kind 1. Kind 2. Kind 3. Kind
1965 23,2 26,0 28,4
1970 22,4 26,3 29,0
1975 22,3 25,8 28,9
1980 22,1 25,8 28,4
1985 22,3 25,8 28,6
1989 22,9 26,3 29,3
1995 26,9 28,5 30,9
2000 28,4 30,3 32,5
2005 29,1 31,0 33,0
2009 27,2 30,5 32,4 29,8 31,7 33,3
2010 27,4 30,6 32,4 29,9 31,7 33,4

* seit 2005 Westdeutschland ohne Berlin-West und Ostdeutschland ohne Berlin-Ost

Quelle: Statistisches Bundesamt


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