Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Geschiedene Ehen nach Ehedauer

24.10.2012
Das Risiko, dass eine Ehe geschieden wird, ist auch abhängig von der Dauer der Ehe. Im Jahr 2010 wiesen die Ehen, die seit drei bis acht Jahren bestanden, die höchsten ehedauerspezifischen Scheidungsziffern auf.

Geschiedene Ehen nach EhedauerKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Von den 532.792 Ehelösungen des Jahres 2010 erfolgten 243.113 durch den Tod des Ehemannes, 102.431 durch den Tod der Ehefrau, 221 durch Aufhebung der Ehe und 187.027 durch Scheidung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Ehescheidungen von 1992 bis 2003 kontinuierlich von 135.010 auf 213.975 pro Jahr. In den Folgejahren verringerte sich die absolute Zahl der Ehescheidungen. 2009 ließen sich 185.817 Paare scheiden, 2010 waren es 187.027 und 2011 dann 187.640. Wurden 1991/1992 von 1.000 bestehenden Ehen etwa sieben geschieden, waren es 2003/2004 mehr als elf von 1.000 (11,4 bzw. 11,5). Im Jahr 2011 lag dieser Wert etwas niedriger bei 10,7. Insgesamt wurden zwischen 1950 und 2011 in Deutschland 8,64 Millionen Ehen geschieden.

Bei 10.518 der 187.027 Ehescheidungen des Jahres 2010 belief sich die Ehedauer auf sechs Jahre, 47 Ehepaare ließen sich noch im Jahr der Trauung scheiden und 6.006 nach 15 Jahren Ehe. Die durchschnittliche Dauer der im Jahr 2011 geschiedenen Ehen betrug 14 Jahre und 6 Monate. Damit setzte sich 2011 der Trend der vergangenen Jahre fort, dass sich Paare erst nach einer längeren Ehedauer scheiden lassen – im Jahr 1992 waren es noch 11 Jahre und 6 Monate.

Das Risiko, dass eine Ehe geschieden wird, ist auch abhängig von der Dauer der Ehe. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wiesen im Berichtsjahr 2010 die Ehen, die seit drei bis acht Jahren bestanden, die höchsten ehedauerspezifischen Scheidungsziffern auf – das Scheidungsrisiko ist demnach eher in einem Zeitraum besonders hoch und nicht in einem bestimmten Ehejahr. Am höchsten war die ehedauerspezifische Scheidungsziffer in Westdeutschland (einschließlich Berlin) bei einer Ehedauer von fünf Jahren. In Ostdeutschland war der Wert bei der Ehedauer von sieben Jahren am höchsten. Bis zu diesen Höchstwerten nimmt das Scheidungsrisiko tendenziell zu, danach nimmt es tendenziell ab.

Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Mehrzahl der Geschiedenen zum Zeitpunkt der Scheidung zumindest ein Jahr getrennt lebten: 151.108 Ehen (80,8 Prozent) wurden im Jahr 2010 nach einjähriger Trennung geschieden. Bei 3.093 Scheidungen waren die Partner noch kein ganzes Jahr getrennt. Die Zahl der Scheidungen nach dreijähriger Trennung betrug 31.589. Die restlichen 1.237 Ehen wurden aufgrund anderer Vorschriften geschieden.

Die Frage nach dem generellen Risiko, dass Ehen durch Gerichtsurteil gelöst werden, ist mit den Daten, die der amtlichen Statistik zur Verfügung stehen, nur eingeschränkt zu beantworten. Mit Hilfe verschiedener Ansätze lassen sich aber Ober- und Untergrenzen bestimmen. Wird davon ausgegangen, dass "sich die Höhe des Risikos der Ehelösung durch Scheidung [...] mittelfristig zwischen diesen Werten bewegt", dann "muss aus heutiger Sicht damit gerechnet werden, dass in Deutschland mehr als ein Drittel aller Ehen früher oder später geschieden wird" (Statistisches Bundesamt: Wirtschaft und Statistik 2/2005: 108).

Im Jahr 2010 wurde der Scheidungsantrag in 98.973 Fällen von der Frau (52,9 Prozent) und in 72.701 Fällen vom Mann (38,9 Prozent) gestellt. In den übrigen Fällen beantragten beide Ehegatten die Scheidung. Im selben Jahr hatte knapp die Hälfte der geschiedenen Ehepaare Kinder unter 18 Jahren (48,9 Prozent). Insgesamt waren 145.146 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffenen. Zwischen 1990 und 2010 waren bei 50,8 Prozent aller Scheidungen minderjährige Kinder betroffen – durchschnittlich 144.019 Kinder pro Jahr, mehr als drei Millionen minderjährige Kinder insgesamt.

Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 382.047 Ehen geschlossen (2011: 377.816) – davon 246.052 Erst-Ehen und 62.010 Wiederverheiratungen. Bezogen auf die Einwohnerzahl waren das 4,7 Eheschließungen je 1.000 Einwohner (2011: 4,6). 1950 lag die Zahl der Eheschließungen noch bei rund 750.500 – das entsprach 10,8 Eheschließungen je 1.000 Einwohner. Abgesehen von kleineren Schwankungen verringerte sich die Zahl der Eheschließungen je 1.000 Einwohner zwischen 1961 und 1978 stetig von 9,5 auf 6,0. Nach einem leichten Anstieg der Eheschließungen auf 6,8 je 1.000 Einwohner bis zum Jahr 1988, ist die Zahl in den Folgejahren wieder stetig gesunken.

Das durchschnittliche Heiratsalter stieg bei den Männern zwischen 1991 und 2010 von 31,8 auf 37,3 Jahre. Bei den vor der Eheschließung ledigen Männern stieg es im selben Zeitraum von 28,5 auf 33,2 Jahre (Westdeutschland 1980: 26,1 Jahre). Das Heiratsalter der Frauen hat sich ebenfalls kontinuierlich erhöht. Heirateten die Frauen 1991 noch im Alter von 28,9 Jahren, heirateten sie im Jahr 2010 im Durchschnitt 5,2 Jahre später. Bei den vor der Eheschließung ledigen Frauen lag das Heiratsalter 1991 bei 26,1 und 2010 bei 30,3 Jahren (Westdeutschland 1980: 23,4 Jahre).

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Lange Reihen: Eheschließungen und Ehescheidungen, Statistik der rechtskräftigen Beschlüsse in Eheauflösungssachen, Pressemitteilung Nr. 241, Natürliche Bevölkerungsbewegung 2010, Ehescheidungen 2009, Wirtschaft und Statistik 2/2005

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Für die Berechnung der ehedauerspezifischen Scheidungsziffer werden die in einem Berichtsjahr geschiedenen Ehen, die eine bestimmte Ehedauer aufweisen, auf 1.000 Ehen desselben Eheschließungsjahres bezogen.

Tabelle: Geschiedene Ehen nach Ehedauer, Antragsteller und Kinderzahl



In absoluten Zahlen, Ehedauer in Jahren, 2010

Ehedauer 1 geschiedene Ehen
insgesamt Antragsteller je 10.000 geschlossene Ehen
Mann Frau beide
0 47 19 20 8 1
1 1.261 460 693 108 33
2 5.641 1.953 3.259 429 150
3 8.550 3.043 4.811 696 232
4 9.112 3.234 5.152 726 244
5 10.331 3.751 5.758 822 266
6 10.518 3.888 5.800 830 266
7 9.946 3.652 5.524 770 260
8 9.342 3.399 5.164 779 238
9 8.423 3.113 4.613 697 216
10 8.138 3.114 4.352 672 194
11 7.776 2.964 4.148 664 181
12 6.905 2.596 3.759 550 165
13 6.575 2.560 3.439 576 156
14 6.252 2.410 3.279 563 146
15 6.006 2.439 3.022 545 140
16 bis 20 26.953 10.938 13.732 2.283 586
21 bis 25 21.701 8.911 11.030 1.760 417
26 und mehr 23.550 10.257 11.418 1.875 x
insgesamt 187.027 72.701 98.973 15.353 3.890 2
 
Westdeutschland 3 162.701 63.550 85.424 13.727 4.000
Ostdeutschland 24.326 9.151 13.549 1.626 3.288
 
Ehedauer 1 geschiedene Ehen insgesamt davon:
ohne mit 1 mit 2 mit 3 und mehr
minderjährige(n) Kind(er/n) 4
0 47 43 4 - 0
1 1.261 1.049 176 33 3
2 5.641 4.230 1.148 226 37
3 8.550 5.835 2.163 461 115
4 9.112 5.785 2.595 624 129
5 10.331 6.174 2.985 999 196
6 10.518 5.938 3.119 1.228 294
7 9.946 5.367 2.867 1.460 296
8 9.342 4.533 2.846 1.628 448
9 8.423 3.670 2.584 1.781 469
10 8.138 3.273 2.451 1.985 503
11 7.776 2.818 2.402 2.089 559
12 6.905 2.325 2.071 2.011 606
13 6.575 2.020 1.946 2.061 662
14 6.252 1.797 1.778 2.111 681
15 6.006 1.581 1.795 2.017 774
16 bis 20 26.953 7.347 7.733 8.982 3.476
21 bis 25 21.701 11.625 6.035 3.099 1.173
26 und mehr 23.550 20.162 2.391 744 351
insgesamt 187.027 95.572 49.089 33.539 10.772
 
Westdeutschland 3 162.701 81.620 42.555 30.386 9.865
Ostdeutschland 24.326 13.952 6.534 3.153 907

1 ermittelt als Differenz zwischen Eheschließungsjahr und Berichtsjahr; zum Beispiel 2010: Ehedauer 0 = Eheschließung 2010, 1 = Eheschließung 2009, usw.
2 Summe der 2010 geschiedenen Ehen, die eine Ehedauer von 0 bis 25 Jahren verzeichneten, bezogen auf jeweils 10 000 geschlossene Ehen gleicher Ehedauer.
3 einschließlich Berlin
4 Zeitpunkt der Urteilsverkündung


Quelle: Statistisches Bundesamt


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter
 
zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10-12 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.