Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Wanderungen über die Grenzen Deutschlands

28.11.2012
Von 1991 bis 2010 wurden 18,0 Millionen Zuzüge vom Ausland nach Deutschland registriert. Gleichzeitig wurden 13,7 Millionen Fortzüge verzeichnet. Daraus ergibt sich ein Wanderungsüberschuss von 4,3 Millionen.

Wanderung über die Grenzen DeutschlandsKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden von 1991 bis 2010 etwa 18,0 Millionen Zuzüge vom Ausland nach Deutschland registriert. Gleichzeitig wurden für denselben Zeitraum 13,7 Millionen Fortzüge ins Ausland verzeichnet. Im Saldo betrachtet ergibt sich somit ein Wanderungsüberschuss von etwa 4,3 Millionen.

Vier Faktoren sind für diese hohen Zuzugszahlen maßgeblich verantwortlich. Erstens der – bis Mitte der 1990er-Jahre – erhöhte Zuzug von (Spät-)Aussiedlern. Zweitens die bis 1992 gestiegene Zahl von Asylsuchenden, die seitdem jedoch auf ein niedriges Niveau gesunken ist. Drittens die hohe Zahl der seit 1991/92 aus dem ehemaligen Jugoslawien geflohenen Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge, von denen die meisten bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Und viertens die gestiegene, aber zeitlich begrenzte Arbeitsmigration (insbesondere Werkvertrags- und Saisonarbeitnehmer).

Nachdem im Jahr 2006 mit rund 662.000 Zuzügen die niedrigste Zuwanderungszahl seit der Wiedervereinigung registriert wurde, war in den Folgejahren wieder ein Anstieg der Zugangszahlen festzustellen. Von 2009 auf 2010 wurde ein Anstieg um 10,7 Prozent auf 798.282 Zuzüge registriert. Nach vorläufigen Ergebnissen hat sich dieser Trend von 2010 auf 2011 noch einmal verstärkt: mit gut 958.000 Zuzügen wurde der höchste Wert seit 1996 ermittelt – eine Steigerung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die höchsten Zuzugszahlen im Jahr 2010 wurden für Nordrhein-Westfalen (162.808 Zuzüge), Bayern (139.820), Baden-Württemberg (136.216), Hessen (77.039) und Niedersachsen (76.783) registriert – knapp drei Viertel aller Zuzüge entfielen auf diese fünf Bundesländer (74,2 Prozent). Bezogen auf die jeweilige Bevölkerungszahl hatte im Jahr 2010 Berlin den höchsten Zuzug pro Kopf (17,3 Zuzüge pro 1.000 Einwohner) – vor Hamburg (14,8), Bremen (13,4), Baden-Württemberg und Hessen (jeweils 12,7). Die niedrigsten Zuzüge pro Kopf hatten im Jahr 2010 Thüringen (3,6 Zuzüge pro 1.000 Einwohner), Sachsen-Anhalt (3,7) und Mecklenburg-Vorpommern (4,1). Deutschlandweit sind im selben Jahr 9,8 Personen pro 1.000 Einwohner zugezogen.

Trotz der hohen Zuwanderung pro Kopf war Berlin 2010 das einzige Bundesland mit einem negativen Wanderungssaldo (minus 1.172 Personen). Die höchsten Wanderungsüberschüsse entfielen im selben Jahr auf Bayern (34.869), Nordrhein-Westfalen (27.449 Zuzüge) und Baden-Württemberg (18.879).

Nach Angaben verschiedener offizieller Institutionen gab es 2010 folgende Zuwanderungsgruppen: Saisonarbeitnehmer und Schaustellergehilfen (293.711 Personen), EU-14-Binnenmigranten (107.008), Bildungsausländer/Studienanfänger (66.413), Asylbewerber (41.332), Familiennachzügler (40.210), Werkvertragsarbeitnehmer (17.983), (Spät-)Aussiedler und ihre Familienangehörigen (2.350), IT-Fachkräfte (2.347) und jüdische Zuwanderer (1.015). Aufgrund unterschiedlicher Erhebungskriterien können die einzelnen Zuwanderungsgruppen allerdings nicht einfach addiert werden.

Mit 683.530 Zuzügen von Ausländern stieg der Anteil der ausländischen Staatsangehörigen an der Gesamtzuwanderung im Jahr 2010 auf 85,6 Prozent (1995: 72,3 Prozent). Der Anteil der Deutschen an der Zuwanderung (2010: 114.752) sank entsprechend auf 14,4 Prozent. Grund hierfür ist vor allem der anhaltende Rückgang des (Spät-)Aussiedlerzuzugs. Der Anteil der Spätaussiedler an den Zuzügen von Deutschen lag im Jahr 2010 bei lediglich 2,0 Prozent. Im Jahr 2005 waren es noch 24,0 Prozent und 1992 sogar noch 79,3 Prozent. Alle anderen waren Personen, die nach temporärem Aufenthalt im Ausland nach Deutschland zurückkehrten – wie zum Beispiel Techniker, Manager, Kaufleute, Rentner, Studenten, Wissenschaftler sowie deren Angehörige.

Im Jahr 2010 stammten 57,9 Prozent aller zugewanderten Personen aus der EU – 19,9 Prozent aus den alten EU-Mitgliedstaaten (EU-14) und 38,0 Prozent aus den zwölf seit 2004 beigetretenen neuen EU-Mitgliedstaaten. Wie in den Jahren zuvor war Polen erneut das Hauptherkunftsland (und auch Hauptzielland) – 2010 wurden knapp 126.000 Zuzüge registriert (15,8 Prozent aller Zuzüge). Allerdings ist der Anteil der Zuzüge aus Polen seit einigen Jahren rückläufig. Weiter angestiegen ist hingegen die Zahl der Zuzüge aus Rumänien (2010: 74.585 Zuzüge / 9,3 Prozent) und Bulgarien (2010: 39.387 Zuzüge / 4,9 Prozent). Im Falle Rumäniens hat sich die Zahl der Zuzüge im Vergleich zu 2006, also dem Jahr vor dem EU-Beitritt, etwa verdreifacht, im Falle Bulgariens etwa verfünffacht. Gegenüber diesen beiden Ländern wurden deshalb auch deutliche Wanderungsgewinne registriert.

Die wichtigsten Herkunftsländer außerhalb der EU waren 2010 die Türkei (3,8 Prozent aller Zuzüge), die USA (3,7 Prozent) und Russland (2,3 Prozent). Gegenüber der Türkei ist seit 2006 ein jährlicher Wanderungsverlust festzustellen, der allerdings 2010 geringer ausfiel als im Vorjahr. Bezogen auf die einzelnen Weltregionen stammten im Jahr 2010 73,3 Prozent der Zuwanderer aus Europa, 13,8 Prozent aus Asien, 7,3 Prozent aus Amerika sowie 3,8 Prozent aus Afrika.

Im Gegensatz zu den Zuzügen blieb die Zahl der Fortzüge relativ konstant – sie schwankte zwischen 1995 und 2011 zwischen 600.000 und 760.000. Im Jahr 2010 wurden 670.605 Fortzüge gezählt und nach vorläufigen Ergebnissen lag die Zahl auch 2011 mit 679.000 nur wenig höher. Der Anteil der deutschen Staatsangehörigen an der Abwanderung im Jahr 2010 betrug 21,0 Prozent (141.000), der der ausländischen Staatsangehörigen lag entsprechend bei 79,0 Prozent.

Während der Wanderungsüberschuss zwischen 2001 und 2007 tendenziell gesunken ist und der Wanderungssaldo 2008 und 2009 – nicht zuletzt aufgrund der Bereinigung der Melderegister – negativ war, wurde für 2010 der höchste Wanderungsüberschuss seit 2003 registriert (plus 127.677). Der nach vorläufigen Ergebnissen ermittelte Wanderungsüberschuss des Jahres 2011 – 279.000 Personen – ist sogar der höchste seit 1996.

Der insgesamt positive Wanderungssaldo im Jahr 2010 setzt sich aus einem Wanderungsverlust bei den Deutschen (minus 26.248) und einem Wanderungsüberschuss bei den Ausländern (plus 153.925) zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Wanderungsüberschuss bei den Ausländern 5,6-fach höher. Hingegen ist bei den Deutschen seit 2005 ein Wanderungsverlust zu verzeichnen (2009: minus 40.288).

Ein Vergleich der Wanderungsbewegungen auf europäischer Ebene zeigt, dass Deutschland weiterhin ein Hauptziel ist und im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten in den letzten beiden Jahren an Attraktivität gewonnen hat. Dagegen ist die Zuwanderung nach Spanien, primäres Aufnahmeland in den Jahren von 2006 bis 2008 deutlich rückläufig. Hohe Zuwanderungszahlen haben auch Großbritannien und Italien aufzuweisen.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Wanderungen 2010 und 2011, www.destatis.de; Bundesverwaltungsamt: www.bva.bund.de; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2010, www.bamf.de; Auswärtiges Amt; Bundesagentur für Arbeit

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Eine hier nicht betrachtete Gruppe ist die der illegal Zugewanderten. In der öffentlichen Diskussion werden zwar immer wieder Schätzungen zur Größenordnung der sich illegal in Deutschland aufhaltenden Ausländer genannt. Diese sind aber oft wenig fundiert und daher als Grundlage ungeeignet. Hinzu kommt, dass der Umfang dieser (mobilen) Gruppe ständig von Zu- und Fortzügen, Geburten und Sterbefällen, dem Zugang in die Illegalität oder der Erlangung eines legalen Status abhängt. Zudem ist Deutschland in den letzten Jahren verstärkt Transitland illegaler Migration geworden. Entsprechend fehlt eine aussagekräftige Statistik, die illegale Migration umfassend abbildet.

Ausländer, die beim Versuch der unerlaubten Einreise aufgegriffen werden, gehen in die Statistik der Bundespolizei ein. Demnach wurden 2010 insgesamt 17.831 unerlaubt eingereiste Personen registriert und 3.559 beim Versuch der unerlaubten Einreise zurückgewiesen. Seit dem Jahr 2003 liegt die Zahl der Feststellungen unter 20.000 pro Jahr und damit deutlich niedriger als im Durchschnitt der 1990er-Jahre (33.000 Feststellungen pro Jahr).

Weitere Informationen zu den "Wanderungsbewegungen auf europäischer Ebene" erhalten Sie hier...

Tabelle: Wanderungen über die Grenzen Deutschlands



Nach ausgewählten Zuwanderungsgruppen, in absoluten Zahlen, 1975 bis 2011 1

  Personen insgesamt davon:
Deutsche Ausländer
insgesamt darunter: Aussiedler3 Aussiedler, in Prozent aller Deutschen insgesamt darunter: Asyl-
suchende
4
Asyl
suchende, in Prozent aller Ausländer
Zuzüge
1984 410.387 79.247 331.140
1987 591.765 119.429 472.336
1990 1.256.250 420.548 835.702
1992 1.502.198 290.850 230.565 2 79,3 1.211.348 438.191 36,2
1995 1.096.048 303.347 211.601 69,8 792.701 127.937 16,1
1998 802.456 196.956 97.331 49,4 605.500 98.644 16,3
2001 879.217 193.958 86.637 44,7 685.259 88.287 12,9
2004 780.175 177.993 49.815 28,0 602.182 35.607 5,9
2005 707.352 128.051 30.779 24,0 579.301 28.914 5,0
2006 661.855 103.388 7.113 6,9 558.467 21.029 3,8
2007 680.766 106.014 5.792 5,5 574.752 19.164 3,3
2008 682.146 108.331 4.362 4,0 573.815 22.085 3,8
2009 721.014 114.700 3.360 2,9 606.314 27.649 4,6
2010 798.282 114.752 2.350 2,0 683.530 41.332 6,0
2011 6 958.156 116.474 2.148 1,8 841.682 45.741 5,4
  Fortzüge
1984 604.832 59.764 545.068
1987 398.518 64.534 333.984
1990 574.378 108.908 465.470
1992 720.127 105.171 614.956
1995 698.113 130.672 567.441
1998 755.358 116.403 638.955
2001 606.494 109.507 496.987
2004 697.633 150.667 546.966
2005 628.399 144.815 483.584
2006 639.064 155.290 483.774
2007 636.854 161.105 475.749
2008 5 737.889 174.759 563.130
2009 5 733.796 154.988 578.808
2010 5 670.605 141.000 529.605
2011 6 678.949 140.122 538.827
  Saldo
1975 -223.902
1978 100.851
1981 135.104
1984 -194.445 19.483 -213.928
1987 193.247 54.895 138.352
1990 681.872 311.640 370.232
1992 782.071 185.679 596.392
1995 397.935 172.675 225.260
1998 47.098 80.553 -33.455
2001 272.723 84.451 188.272
2004 82.542 27.326 55.216
2005 78.953 -16.764 95.717
2006 22.791 -51.902 74.693
2007 43.912 -55.091 99.003
2008 -55.743 -66.428 10.685
2009 -12.782 -40.288 27.506
2010 127.677 -26.248 153.925
2011 6 279.207 -23.648 302.855

1 bis 1990 Westdeutschland, ab 1991 Gesamtdeutschland
2 einschließlich nichtdeutsche Angehörige von Spätaussiedlern i. S.v.§ 8 Abs.2 BVFG
3 Angaben des Bundesverwaltungsamtes, Köln
4 Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg. Ab 1995 Erstanträge.
5 die den Wanderungsdaten zugrunde liegenden Meldungen der Meldebehörden enthalten zahlreiche Melderegisterbereinigungen, die infolge der Einführung der persönlichen Steuer-Identifikationsnummer durchgeführt worden sind. Die Ergebnisse sind mit dem jeweiligen Vorjahr nur eingeschränkt vergleichbar.
6 vorläufige Ergebnisse, außer Angaben zu "Aussiedler" und "Asylsuchende"


Quelle: Statistisches Bundesamt: Wanderungen 2010 und 2011, www.destatis.de


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