Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Wanderungen über die Grenzen Deutschlands

14.6.2008
Von 1991 bis 2006 wurden etwa 15,1 Millionen Zuzüge vom Ausland nach Deutschland registriert. Die Zahl der Fortzüge ins Ausland lag im selben Zeitraum bei 10,9 Millionen.

Wanderung über die Grenzen Deutschlands, 1975 - 2006Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/

Fakten



Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden von 1991 bis 2006 etwa 15,1 Millionen Zuzüge vom Ausland nach Deutschland registriert. Gleichzeitig wurden für denselben Zeitraum 10,9 Millionen Fortzüge ins Ausland verzeichnet. Im Saldo betrachtet ergibt sich somit ein Wanderungsüberschuss von fast 4,2 Millionen.

Vier Faktoren sind für diese hohen Zuzugszahlen maßgeblich verantwortlich. Erstens der – bis Mitte der 1990er Jahre – erhöhte Zuzug von (Spät-)Aussiedlern. Zweitens die bis 1992 gestiegene Zahl von Asylsuchenden, die seitdem jedoch kontinuierlich gesunken ist. Drittens die hohe Zahl der seit 1991/92 aus dem ehemaligen Jugoslawien geflohenen Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge, von denen die meisten bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Und viertens die gestiegene, aber zeitlich begrenzte Arbeitsmigration aus Nicht-EU-Staaten, insbesondere von Werkvertrags- und Saisonarbeitnehmern.

Nach offiziellen Angaben verschiedener Institutionen gab es 2006 folgende Zuwanderungsgruppen: Saisonarbeitnehmer und Schaustellergehilfen (303.429 Personen), Werkvertragsarbeitnehmer (20.001), EU-14-Binnenmigranten (89.788), Familiennachzügler (50.300), Asylbewerber (21.029), (Spät-)Aussiedler (7.747) und jüdische Zuwanderer (1.079). Aufgrund unterschiedlicher Erhebungskriterien können die einzelnen Zuwanderungsgruppen allerdings nicht einfach addiert werden.

Im Jahr 2006 wurde mit 661.855 Zuzügen die niedrigste Zuzugszahl seit der Wiedervereinigung registriert – ein Rückgang um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits von 2004 auf 2005 war die Zuzugszahl um 9,3 Prozent gesunken.

Die höchsten Zuzugszahlen im Jahr 2006 wurden für Nordrhein-Westfalen (128.873 Zuzüge), Bayern (116.298 Zuzüge), Baden-Württemberg (116.032 Zuzüge) und Niedersachsen (69.486 Zuzüge) registriert. Bezogen auf die jeweilige Bevölkerungszahl hatte Hamburg den höchsten Pro-Kopf-Zuzug – vor Berlin, Baden-Württemberg und Hessen. Den niedrigsten hatten Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Mit 558.467 Zuzügen von Ausländern stieg der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an der Gesamtzuwanderung im Jahr 2006 auf 84,4 Prozent. Hierbei stellten die Polen mit 152.733 Personen die größte Gruppe dar. Insgesamt stieg die Zahl der Zuzüge polnischer Staatsangehöriger in den ersten drei Jahren seit dem Beitritt Polens zur EU um fast drei Viertel. Die zweitgrößte Gruppe mit ausländischer Staatsangehörigkeit bildeten die Türken (30.720 Personen). Die Zahl der Zuzüge türkischer Staatsangehöriger hat sich seit dem Jahr 2002 kontinuierlich reduziert. Im Jahr 2005 hielt sich etwa die Hälfte der 579.000 zugezogenen Ausländer nur kurzzeitig – für weniger als ein Jahr – in Deutschland auf.

Der Anteil der Deutschen an der Zuwanderung (2006: 103.388) sank auf 15,6 Prozent. Grund hierfür ist der anhaltende Rückgang des (Spät-)Aussiedlerzuzugs. Der Anteil der Spätaussiedler an den Zuzügen von Deutschen lag im Jahr 2006 bei lediglich 6,9 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 24,0 Prozent und 1992 sogar noch 79,3 Prozent. Alle anderen waren Personen, die nach temporärem Aufenthalt im Ausland nach Deutschland zurückkehrten – wie z.B. Techniker, Manager, Kaufleute, Rentner, Studenten, Wissenschaftler sowie deren Angehörige.

Die Zahl der gesamten Fortzüge (Deutsche und Ausländer) stieg im Jahr 2006 leicht gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent auf 639.064. Der Anteil deutscher Staatsangehöriger an der Abwanderung betrug 24,3 Prozent (155.290), nachdem er bis zum Jahr 2002 jährlich bei unter 20 Prozent lag.

Im Jahr 2006 wurde mit 22.791 Personen der niedrigste Gesamtwanderungsüberschuss seit 1984 registriert. Während sich der Wanderungsüberschuss der Ausländer von 2005 auf 2006 von 95.717 auf 74.693 Personen reduzierte, war der Wanderungssaldo bei den Deutschen sogar negativ (minus 51.902).

Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes sind im Jahr 2007 683.000 Personen nach Deutschland zugezogen und 635.000 Personen aus Deutschland fortgezogen. Daraus ergibt sich ein Wanderungsüberschuss von 48.000 Personen. Der Wanderungsüberschuss ausländischer Personen stieg im Jahr 2007 auf 102.000. Bei den Deutschen blieb der Wanderungsverlust mit 54.000 Personen nahezu konstant.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: PDF-Icon Bevölkerung und Erwerbstätigkeit (PDF-Version: 1.870 KB); Bundesverwaltungsamt; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Ausländerzentralregister, PDF-Icon Migrationsbericht 2006 (PDF-Version: 7.430 KB)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Eine hier nicht betrachtete Gruppe ist die der illegal Zugewanderten. In der öffentlichen Diskussion werden zwar immer wieder Schätzungen zur Größenordnung der sich illegal in Deutschland aufhaltenden Ausländer genannt. Diese sind aber oft wenig fundiert und daher als Grundlage ungeeignet. Hinzu kommt, dass der Umfang dieser (mobilen) Gruppe ständig von Zu- und Fortzügen, Geburten und Sterbefällen, dem Zugang in die Illegalität oder der Erlangung eines legalen Status abhängt. Zudem ist Deutschland in den letzten Jahren verstärkt Transitland illegaler Migration geworden. Entsprechend fehlt eine aussagekräftige Statistik, die illegale Migration umfassend abbilden könnte.

Tabelle: Wanderungen über die Grenzen Deutschlands



Nach ausgewählten Zuwanderungsgruppen, in absoluten Zahlen, 1975 bis 2006

  Personen insgesamt davon:
Deutsche Ausländer
insgesamt davon: Aussiedler insgesamt davon: Asylsuchende
Zuzüge
1992 1.502.198 290.850 230.565* 1.211.348 438.191
1995 1.096.048 303.347 211.601 792.701 127.937
1998 802.456 196.956 97.331 605.500 98.644
2001 879.217 193.958 86.637 685.259 88.287
2004 780.175 177.993 49.815 602.182 35.607
2005 707.352 128.051 30.779 579.301 28.914
2006 661.855 103.388 7.113 558.467 21.029
  Fortzüge
1992 720.127 105.171 614.956
1995 698.113 130.672 567.441
1998 755.358 116.403 638.955
2001 606.494 109.507 496.987
2004 697.633 150.667 546.966
2005 628.399 144.815 483.584
2006 639.064 155.290 483.774
  Saldo
1975 -223.902
1978 100.851
1981 135.104
1984 -194.445
1987 193.247
1990 681.863
1992 782.071 185.679 596.392
1995 397.935 172.675 225.260
1998 47.098 80.553 -33.455
2001 272.723 84.451 188.272
2004 82.542 27.326 55.216
2005 78.953 -16.764 95.717
2006 22.791 -51.902 74.693

* einschl. nichtdeutsche Angehörige von Spätaussiedlern i. S.v.§ 8 Abs.2 BVFG

Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit; Bundesverwaltungsamt; Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)


 
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