Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

(Spät-)Aussiedler

28.11.2012
2011 gaben 3,2 Millionen zugewanderte Deutsche an, mit dem Aussiedler- bzw. Spätaussiedlerstatus nach Deutschland eingereist zu sein. Damit hielten sich 2011 noch gut 71 Prozent aller 4,5 Millionen insgesamt seit 1950 zugewanderten Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland auf.

Zuzug von (Spät-)Aussiedlern und ihren FamilienangehörigenKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Spätaussiedler sind deutsche Volkszugehörige aus der ehemaligen Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten, die im Wege eines speziellen Aufnahmeverfahrens ihren Aufenthalt in Deutschland begründet haben. Die statistische Erfassung der (Spät-)Aussiedleraufnahme findet personenbezogen beim Bundesverwaltungsamt statt. Im Zeitraum von 1990 bis 2011 wanderten zweieinhalb Millionen Menschen im Rahmen des (Spät-)Aussiedlerzuzugs nach Deutschland ein (2.507.950). Die Mehrheit von ihnen bleibt dauerhaft in Deutschland: Im Mikrozensus 2011 gaben 3,2 Millionen zugewanderte Deutsche (einschließlich zeitgleich eingereister Ehegatten und Kinder) an, mit dem Aussiedler- bzw. Spätaussiedlerstatus nach Deutschland eingereist zu sein. Damit hielten sich 2011 noch gut 71 Prozent aller 4,5 Millionen insgesamt seit 1950 zugewanderten Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland auf. Die meisten (Spät-)Aussiedler kommen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (1,45 Mio.) – darunter vor allem aus Russland (612.000) und aus Kasachstan (575.000). Daneben sind Polen (579.000) und Rumänien (213.000) wichtige Herkunftsländer.

Nachdem die Zuwanderung von Personen, die entweder als Aussiedler oder Spätaussiedler einschließlich ihrer Angehörigen nach Deutschland kamen, im Jahr 1990 ihren Höhepunkt erreichte (397.073), sind die Zuzugszahlen stetig zurückgegangen. Im Jahr 2000 sank der Zuzug erstmals auf unter 100.000 Personen. 2011 wurde mit 2.148 Personen der niedrigste (Spät-)Aussiedlerzuzug seit Beginn der Aussiedleraufnahme im Jahr 1950 registriert. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nennt mehrere Gründe für den stetigen Rückgang der (Spät-)Aussiedlerzahlen seit Mitte der 1990er-Jahre: Die Abnahme des Zuzugspotenzials, die Änderung der Aufnahmevoraussetzungen (zuletzt die Einführung der Sprachstandstests) sowie die zunehmende Beseitigung der Ursachen für die Auswanderung. In diesem Zusammenhang vermutet das BAMF, dass auch die von der Bundesregierung für die deutschen Minderheiten gewährten Hilfen Wirkung zeigen.

Nach Angaben des BAMF sinkt seit 1999 auch die Anzahl der neu gestellten Aufnahmeanträge kontinuierlich (lediglich von 2005 auf 2006 gab es eine leichte Steigerung von rund 21.300 auf 23.800 Aufnahmeanträge). Im Jahr 2010 wurden nur noch 3.908 Aufnahmeanträge gestellt, gegenüber rund 34.600 im Jahr 2004 oder 117.000 im Jahr 1999. Insgesamt wurden zwischen 1990 und 2010 etwa 2,77 Millionen Aufnahmeanträge gestellt.

Nicht nur die Größenordnung, sondern auch die Zusammensetzung des (Spät-) Aussiedlerzuzuges nach Herkunftsgebieten hat sich seit Beginn der 1990er-Jahre stark verändert. Kam im Jahr 1990 noch etwa ein Drittel aller Aussiedler aus Polen (33,7 Prozent / 133.872 Personen) und deutlich mehr als ein Viertel aller Aussiedler aus Rumänien (28,0 Prozent / 111.150), so lag der Anteil der (Spät-)Aussiedler aus diesen beiden Ländern im Jahr 2000 zusammen bei lediglich 1,1 Prozent. In den Jahren 1985 bis 1989 stellten Personen aus Polen die zahlenmäßig stärkste Gruppe. Seit 1990 wurden sie von Personen aus der ehemaligen Sowjetunion abgelöst – ihr Anteil am gesamten (Spät-)Aussiedlerzuzug stieg von 37,3 Prozent 1990 auf 94,7 Prozent 1993, seit 1994 ist der Anteil nicht unter 95 Prozent gefallen. Bezogen auf den Zeitraum 1990 bis 2011 kamen die meisten Personen aus Kasachstan (926.367 Personen), Russland (699.395), Polen (206.846), Rumänien (187.925), Kirgisistan (73.807) sowie der Ukraine (41.198). Die größten Herkunftsgebiete im Jahr 2011 waren Russland (1.257 Personen), Kasachstan (616), die Ukraine (90) und Kirgisistan (65).

In der Vergangenheit hat die Zuwanderung von (Spät-)Aussiedlern – ebenso wie die Zuwanderung von Ausländern – die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland beeinflusst, da bei beiden Bevölkerungsgruppen die jüngeren Altersgruppen einen größeren Anteil haben als bei den Personen ohne Migrationshintergrund. Von den Spätaussiedlern und ihren Angehörigen im Jahr 2011 waren 36,5 Prozent 24 Jahre oder jünger, weitere 33,2 Prozent waren 25 bis 44 Jahre alt. Inzwischen sind die jährlichen Zuzugszahlen jedoch so niedrig (2011: 2.148 Personen), dass der Einfluss auf die Altersstruktur vernachlässigt werden kann.

Datenquelle



Bundesverwaltungsamt: www.bva.bund.de; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2006 und 2010; Statistisches Bundesamt: Mikrozensus

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Spätaussiedler sind nach § 4 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) deutsche Volkszugehörige, die unter einem Kriegsfolgenschicksal gelitten haben und die im Bundesvertriebenengesetz benannten Aussiedlungsgebiete nach dem 31. Dezember 1992 im Wege des Aufnahmeverfahrens verlassen und innerhalb von sechs Monaten einen ständigen Aufenthalt im Bundesgebiet begründet haben. Wer erst nach dem 31. Dezember 1992 geboren wurde, ist kein Spätaussiedler mehr (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 BVFG).

Tabelle: Zuzug von (Spät-)Aussiedlern und ihren Familienangehörigen



Nach Herkunftsgebieten, in absoluten Zahlen, 1990 bis 2011

  1990* 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
insgesamt 397.073 221.995 230.565 218.888 222.591 217.898 177.751 134.419
davon:  
ehem. Sowjetunion** 147.950 147.333 195.629 207.347 213.214 209.409 172.181 131.895
darunter:  
Russland 55.882 67.365 68.397 71.685 63.311 47.055
Kasachstan 114.426 113.288 121.517 117.148 92.125 73.967
Ukraine 2.700 2.711 3.139 3.650 3.460 3.153
Kirgisistan 12.620 12.373 10.847 8.858 7.467 4.010
Usbekistan 3.946 3.882 3.757 3.468 2.797 1.885
Tadschikistan 3.305 4.801 2.804 1.834 870 415
Polen 133.872 40.131 17.749 5.431 2.440 1.677 1.175 687
Rumänien 111.150 32.184 16.154 5.811 6.615 6.519 4.284 1.777
sonstige 4.101 2.347 3.783 3.226 3.075 3.059 2.262 1.470

 

  1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
insgesamt 103.080 104.916 95.615 98.484 91.416 72.885 59.093 35.522
davon:  
ehem. Sowjetunion** 101.550 103.599 94.558 97.434 90.587 72.289 58.728 35.396
darunter:  
Russland 41.054 45.951 41.478 43.885 44.493 39.404 33.358 21.113
Kasachstan 51.132 49.391 45.657 46.178 38.653 26.391 19.828 11.206
Ukraine 2.983 2.762 2.773 3.176 3.179 2.711 2.299 1.306
Kirgisistan 3.253 2.742 2.317 2.020 2.047 2.040 1.634 840
Usbekistan 1.528 1.193 920 990 844 714 646 307
Tadschikistan 203 112 62 56 32 26 27 15
Polen 488 428 484 623 553 444 278 80
Rumänien 1.005 855 547 380 256 137 76 39
sonstige 1.434 1.482 1.377 1.176 1.359 1.018 947 616

 

  2006 2007 2008 2009 2010 2011
insgesamt 7.747 5.792 4.362 3.360 2.350 2.148
davon:  
ehem. Sowjetunion** 7.626 5.695 4.301 3.292 2.297 2.092
darunter:  
Russland 5.189 3.735 2.660 1.918 1.462 1257
Kasachstan 1.760 1.279 1.062 851 508 616
Ukraine 314 244 210 268 160 90
Kirgisistan 183 211 128 122 95 65
Usbekistan 62 96 123 44 12 9
Tadschikistan 6 10 11 1 6 8
Polen 80 70 44 45 34 33
Rumänien 40 21 16 23 15 21
sonstige 113 126 108 88 58 2

* Westdeutschland, ab 1991 Gesamtdeutschland
** Gebiet der ehemaligen Sowjetunion: Armenien, Aserbaidschan, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Republik Moldau, Russische Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Weißrussland (Belarus)


Quelle: Bundesverwaltungsamt: www.bva.bund.de; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2010


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