Zeitarbeit
10.11.2008
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erhöhte sich der Bestand an Leiharbeitnehmern zwischen 1993 und 2007 von 121.400 auf gut 731.000. Das entspricht einem Zuwachs von gut 500 Prozent.
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Arbeitnehmer sind in Leiharbeit beschäftigt, wenn sie von einem Arbeitgeber oder einer Agentur, mit dem bzw. mit der sie den Arbeitsvertrag geschlossen haben, an ein fremdes Unternehmen ausgeliehen werden. Die Nachfrage nach Leiharbeitnehmern durch Entleihbetriebe beruht unter anderem darauf, dass Produktionsspitzen und Personalausfälle zunächst nicht durch reguläre Neueinstellungen, sondern mit Hilfe von Leiharbeitnehmern bewältigt werden. Aus Sicht der Unternehmen kann so der Bestand der Kernbelegschaft konstant gehalten werden, ohne dass die betriebliche Flexibilität eingeschränkt wird.
In den letzten Jahren und insbesondere nach der Neugestaltung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) hat die Arbeitnehmerüberlassung – auch "Zeitarbeit" oder "Leiharbeit" genannt – enorm an Bedeutung gewonnen.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) erhöhte sich der Bestand an Leiharbeitnehmern zwischen 1993 und 2007 von 121.400 auf gut 731.000. Das entspricht einem Zuwachs von gut 500 Prozent. Allein seit 2002 hat sich die Anzahl der Leiharbeitnehmer mehr als verdoppelt. Die Zahl der Verleihbetriebe stieg im selben Zeitraum von 6.978 auf 20.784. Von den knapp 17.200 Verleihbetrieben im Jahr 2006 war bei mehr als 8.400 (49,0 Prozent) der Betriebszweck ausschließlich oder überwiegend die Arbeitnehmerüberlassung.
Die Zunahme der Leiharbeit wird auch bei den Bewegungsgrößen sichtbar. Im ersten Halbjahr 2007 begründeten insgesamt 517.500 Arbeitnehmer erstmalig ein Arbeitsverhältnis mit einem Verleiher – das waren 13,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 55,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2005.
Bemerkenswert ist nach wie vor die wesentlich geringere Beteiligung der Frauen. Sie stellten Ende Juni 2007 nur 25,8 Prozent aller Leiharbeitnehmer. Allerdings hat sich ihr Anteil stetig erhöht: 1993 lag er noch bei unter 20 und im Jahr 2000 bei 22,5 Prozent. Nach wie vor wird Leiharbeit also vor allem von Männern ausgeübt. Dies hängt damit zusammen, dass Entleihtätigkeiten im gewerblichen Bereich und bei Fertigungsberufen überwiegen. Bei den Frauen standen bisher Hilfsarbeiten ohne nähere Tätigkeitsangabe und Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufe im Vordergrund.
Eine Betrachtung der Länge der zwischen Verleihern und Leiharbeitnehmern bestehenden Arbeitsverhältnisse ergibt folgendes Bild: Von den im ersten Halbjahr 2007 ausgelaufenen Arbeitsverhältnissen hatten 12,2 Prozent lediglich bis unter eine Woche gedauert. Bei 42,6 Prozent lag die Dauer der Arbeitsverhältnisse zwischen einer Woche und bis zu unter drei Monaten. 45,1 Prozent bestanden drei Monate oder länger. Der nach wie vor hohe Anteil von kurzen Leiharbeitsverhältnissen deutet darauf hin, dass Verleiher ihren Personalbestand möglichst flexibel ihrer Auftragslage anpassen und dass Leiharbeitsverhältnisse häufig als Übergangslösung angesehen werden.
Der Unstetigkeit der Leiharbeitsverhältnisse und der meistens geringeren Entlohnung der Leiharbeitnehmer ist entgegenzusetzen, dass Leiharbeit den Berufseinstieg vereinfachen kann. Dafür spricht, dass von den rund 517.500 Arbeitnehmern, die im ersten Halbjahr 2007 erstmalig ein Arbeitsverhältnis mit einem Verleiher begründeten, mehr als 306.000 (59,2 Prozent) unmittelbar vorher nicht beschäftigt waren. Bei mehr als 69.400 Arbeitnehmern lag die letzte Beschäftigung sogar ein Jahr oder länger zurück.
Nach Ergebnissen des Mikrozensus 2006 lag der Anteil der Teilzeitbeschäftigten bei den Leiharbeitern – nach Selbsteinschätzung der Befragten – bei 17 Prozent. Der Anteil der befristet Beschäftigten betrug 31 Prozent. Die jüngeren Beschäftigten im Alter von 15 bis 30 Jahren machten 31 Prozent der Zeitarbeiter aus. Der Anteil war damit ungefähr ein Drittel höher, als der Anteil dieser Altersklasse an allen Erwerbstätigen. Der Anteil der 45 bis 60-Jährigen Leiharbeiter lag mit rund 24 Prozent ungefähr 10 Prozentpunkte niedriger als der Anteil dieser Altersgruppe an allen Erwerbstätigen. Personen über Sechzig spielten im Jahr 2006 in der Zeitarbeit keine nennenswerte Rolle.
Der Vergleich nach schulischer und beruflicher Qualifikation zeigt, dass Personaldienstleister eher niedrig qualifizierte Personen beschäftigen. Andererseits ist aber auch eine nicht zu vernachlässigende Zahl höher qualifizierter Beschäftigter als Zeitarbeiter tätig. So besaßen 2006 rund 16 Prozent der Zeitarbeiter eine Fachhochschulreife oder das Abitur. Und immerhin 6 Prozent waren Fach- bzw. Hochschulabsolventen.
Datenquelle
Bundesagentur für Arbeit (BA):
Tabelle: Zeitarbeit – gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung
Leiharbeitnehmer in absoluten Zahlen, Anteile der Geschlechter in Prozent, jeweils Ende Juni, 1993 bis 2007
| Leiharbeitnehmer, in abs. Zahlen |
Anteile der Männer an allen Leiharbeitnehmern, in Prozent |
Anteile der Frauen an allen Leiharbeitnehmern, in Prozent |
|
| 1993 | 121.400 | 80,2 | 19,8 |
| 1994 | 138.451 | 81,8 | 18,2 |
| 1995 | 176.185 | 81,5 | 18,5 |
| 1996 | 177.935 | 81,6 | 18,4 |
| 1997 | 212.664 | 80,9 | 19,1 |
| 1998 | 252.895 | 80,1 | 19,9 |
| 1999 | 286.394 | 79,4 | 20,6 |
| 2000 | 339.022 | 77,5 | 22,5 |
| 2001 | 357.264 | 77,8 | 22,2 |
| 2002 | 326.295 | 78,9 | 21,1 |
| 2003* | 327.331 | 77,5 | 22,5 |
| 2004 | 399.789 | 76,3 | 23,7 |
| 2005 | 453.389 | 75,7 | 24,3 |
| 2006 | 598.284 | 75,1 | 24,9 |
| 2007 | 731.152 | 74,2 | 25,8 |
* Aufgrund einer Falschmeldung eines Arbeitgebers ist der Wert für 2003 untererfasst.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitsstatistik 2006/2007, Jahresbericht 2006, Jahresbericht 2000
