Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

28.1.2012
Von 2005 bis 2011 verringerte sich die Arbeitslosigkeit sowohl in West- als auch in Ostdeutschland. 2011 waren zum ersten Mal seit Anfang der 1990er-Jahre weniger als drei Millionen Personen arbeitslos gemeldet.

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Fakten



Seit Ende der 1970er-Jahre, spätestens seit Anfang der 1980er-Jahre, gehört die Arbeitslosigkeit zu den größten sozialen Problemen in Deutschland. Abseits der konjunkturellen Wellenbewegungen haben sich die Arbeitslosenzahlen bis zum Jahr 2005 immer weiter erhöht. Allerdings hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt In den Jahren 2006 bis 2008 entspannt und auch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat nicht zu einer generellen Umkehr dieses Prozesses geführt. 2010 erreichte die Zahl der registrierten Arbeitslosen in etwa das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 und 2011 lag sie sogar unter drei Millionen. Aus der positiven Entwicklung der letzten Jahre lässt sich – aufgrund des kurzen Zeitraums – jedoch noch nicht abschließend ableiten, ob es bereits zu einer andauernden Trendwende am Arbeitsmarkt gekommen ist oder ob sich die Arbeitslosenzahl lediglich auf einem niedrigeren Niveau eingependelt hat.

In einer ersten Phase von 1980 bis 1985 erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in Westdeutschland von 889.000 auf 2,3 Millionen. Nach einem Rückgang bis 1991 auf 1,6 Millionen stieg die Arbeitslosenzahl bis 1997 auf 2,9 Millionen. Der Verringerung der Arbeitslosenzahl auf 2,3 Millionen bis 2001 folgte eine Steigerung auf 2,8 Millionen im Jahr 2004. Die Arbeitslosenquote lag entsprechend bei 3,3 Prozent im Jahr 1980, stieg auf 8,2 Prozent 1985, fiel bis 1990 auf 6,4 Prozent, um dann bis 1997 wieder auf 9,6 Prozent zu steigen. 2004 lag sie schließlich bei 8,5 Prozent. Für Ostdeutschland lässt sich diese Wellenbewegung nicht feststellen. Allerdings ist auch hier sowohl die absolute Zahl der Arbeitslosen als auch die Arbeitslosenquote im Zeitverlauf gestiegen. Zwischen 1991 und 2004 erhöhte sich die Arbeitslosenzahl von einer Million auf 1,6 Millionen bzw. verdoppelte sich die Arbeitslosenquote (bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen) von 10,2 auf 20,1 Prozent.

Eine der auffälligsten Steigerungen der Arbeitslosenzahl fällt in das Jahr 2005. Die Arbeitslosenzahl erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent bzw. um knapp 480.000 Personen auf 4,86 Millionen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung war die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, die zu einer Verschiebung aus der sogenannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit bzw. zu einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot führte. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) lag dieser sogenannte Hartz IV-Effekt bei etwa 380.000 im Jahresdurchschnitt 2005.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2005 wirkte sich die konjunkturelle Besserung auch auf den Arbeitsmarkt aus. Durch zunehmende Arbeitskräftenachfrage und das leicht rückläufige Arbeitskräfteangebot reduzierte sich die Arbeitslosigkeit im Jahr 2006 deutlich: Im Jahresdurchschnitt waren 4,49 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, gut 370.000 weniger als im Vorjahr. Im Jahresverlauf 2006 – also von Jahresanfang bis Jahresende – fiel der Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit mit rund 600.000 noch deutlicher aus.

Von 2006 auf 2007 ging die Zahl der Arbeitslosen um rund 730.000 (minus 16,2 Prozent) auf 3,76 Millionen zurück – das ist der größte absolute Rückgang seit 1950. Und von 2007 auf 2008 reduzierte sich die Zahl Arbeitslosen nochmals um eine halbe Million (minus 13,3 Prozent). Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 2008 7,8 Prozent – das waren 3,9 Prozentpunkte weniger als 2005 und 1,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat lediglich in Westdeutschland zu einer einmaligen Erhöhung der Arbeitslosenzahlen von 2008 auf 2009 geführt (plus 175.000).

Von 2005 bis 2011 verringerte sich die Arbeitslosigkeit sowohl in West- als auch in Ostdeutschland. In Westdeutschland reduzierte sich die Arbeitslosenzahl in diesem Zeitraum um 1,22 Millionen (minus 37,6 Prozent) auf 2.026.000 und in Ostdeutschland um 664.000 (minus 41,2 Prozent) auf 950.000 (Datenstand: 12/2011). Die Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent in Westdeutschland im Jahr 2011 ist die niedrigste seit der Wiedervereinigung und auch in den 1980er-Jahren war sie lediglich 1980 und 1981 noch niedriger. In Ostdeutschland hatte die Arbeitslosenquote im Jahr 2011 mit 11,3 Prozent den niedrigsten Wert seit 1991. In Deutschland lag die Arbeitslosenquote 2011 insgesamt bei 7,1 Prozent – die niedrigste Quote seit 20 Jahren. Zudem waren 2011 zum ersten Mal seit Anfang der 1990er-Jahre weniger als drei Millionen Personen arbeitslos gemeldet (2,98 Mio.) – davon 68,1 Prozent in West- und 31,9 Prozent in Ostdeutschland.

Parallel zu den sinkenden Arbeitslosenzahlen hat sich auch die Arbeitskräftenachfrage am Arbeitsmarkt erhöht: Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X) ist ein Indikator, bei dem die Nachfrage nach Arbeitskräften in Beziehung zum Jahresdurchschnitt 2004 (= 100) gesetzt wird. Im Dezember 2011 stieg der Index auf 180 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit Berechnung des Index (Dezember 2010: 156, Dezember 2009: 116).

Datenquelle



Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 12/2011, Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X); Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 04/2011

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Arbeitslos sind nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das 15 Wochenstunden und mehr umfasst, eine versicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit bzw. der Träger der Grundsicherung zur Verfügung stehen und sich dort persönlich arbeitslos gemeldet haben. Arbeitslose sind Arbeitsuchende bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres. Schüler, Studenten oder Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Je nach Definition werden die Arbeitslosen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen oder auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen. Soweit es nicht anders erwähnt ist, werden im Text die Arbeitslosen auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen.

Tabelle: Arbeitslose und Arbeitslosenquote



In absoluten Zahlen und in Prozent der Erwerbspersonen, 1980 bis 2011 (Datenstand: 12/2011)

  Arbeitslose, in Tsd.
Deutschland Westdt.* Ostdt.**
1980 888,9
1981 1.271,6
1982 1.833,2
1983 2.258,2
1984 2.265,6
1985 2.304,0
1986 2.228,0
1987 2.228,8
1988 2.241,6
1989 2.037,8
1990 1.883,1
1991 2.602,2 1.596,5 1.005,7
1992 2.978,6 1.699,3 1.279,3
1993 3.419,1 2.149,5 1.269,7
1994 3.698,1 2.426,3 1.271,8
1995 3.611,9 2.427,1 1.184,8
1996 3.965,1 2.646,4 1.318,6
1997 4.384,5 2.870,0 1.514,4
1998 4.280,6 2.751,5 1.529,1
1999 4.100,5 2.604,7 1.495,8
2000 3.889,7 2.381,0 1.508,7
2001 3.852,6 2.320,5 1.532,1
2002 4.061,3 2.498,4 1.563,0
2003 4.376,8 2.753,2 1.623,6
2004 4.381,3 2.782,8 1.598,5
2005 4.860,9 3.246,8 1.614,2
2006 4.487,3 3.007,2 1.480,1
2007 3.760,1 2.474,9 1.285,1
2008 3.258,5 2.138,3 1.120,1
2009 3.414,5 2.313,8 1.100,8
2010 3.238,4 2.227,0 1.011,4
2011 2.975,8 2.026,0 949,8
 

  Anteile der Arbeitslosen
an allen zivilen Erwerbspersonen,
in Prozent
Deutschland Westdt.* Ostdt.**
1980 3,3
1981 4,8
1982 6,7
1983 8,1
1984 8,1
1985 8,2
1986 7,9
1987 7,9
1988 7,7
1989 7,1
1990 6,4
1991
1992 7,7
1993 8,9
1994 9,6 8,1 14,8
1995 9,4 8,1 13,9
1996 10,4 8,9 15,5
1997 11,4 9,6 17,7
1998 11,1 9,2 17,8
1999 10,5 8,6 17,3
2000 9,6 7,6 17,1
2001 9,4 7,2 17,3
2002 9,8 7,6 17,7
2003 10,5 8,4 18,5
2004 10,5 8,5 18,4
2005 11,7 9,9 18,7
2006 10,8 9,1 17,3
2007 9,0 7,4 15,0
2008 7,8 6,4 13,1
2009 8,1 6,9 13,0
2010 7,7 6,6 12,0
2011 7,1 6,0 11,3
 

  Anteile der Arbeitslosen
an den abhängigen zivilen Erwerbspersonen,
in Prozent
Deutschland Westdt.* Ostdt.**
1980 3,8
1981 5,5
1982 7,5
1983 9,1
1984 9,1
1985 9,3
1986 9,0
1987 8,9
1988 8,7
1989 7,9
1990 7,2
1991 7,3 6,2 10,2
1992 8,5 6,4 14,4
1993 9,8 8,0 15,4
1994 10,6 9,0 15,7
1995 10,4 9,1 14,8
1996 11,5 9,9 16,6
1997 12,7 10,8 19,1
1998 12,3 10,3 19,2
1999 11,7 9,6 18,7
2000 10,7 8,4 18,5
2001 10,3 8,0 18,8
2002 10,8 8,5 19,2
2003 11,6 9,3 20,1
2004 11,7 9,4 20,1
2005 13,0 11,0 20,6
2006 12,0 10,2 19,2
2007 10,1 8,3 16,7
2008 8,7 7,2 14,6
2009 9,1 7,7 14,5
2010 8,6 7,4 13,4
2011 7,9 6,7 12,6

* bis 1990 mit Berlin-West, ab 1991 ohne Berlin
** mit Berlin


Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 12/2011


 
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