Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

In absoluten Zahlen und in Prozent aller zivilen Erwerbspersonen, 1980 bis 2015

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2016
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

9.3.2016
Seit Ende der 1970er-Jahre, spätestens seit Anfang der 1980er-Jahre, gehört die Arbeitslosigkeit zu den größten sozialen Problemen in Deutschland. Abseits der konjunkturellen Wellenbewegungen hat sich die Zahl der Arbeitslosen bis zum Jahr 2005 immer weiter erhöht. Allerdings hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Jahren 2006 bis 2008 entspannt und auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 sowie die Staatsschulden- und Bankenkrisen in Europa haben in Deutschland nicht zu einer generellen Umkehr dieses Prozesses geführt. Bereits 2010 lag die Zahl der registrierten Arbeitslosen leicht unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2008 und in den Jahren 2011 bis 2015 sank sie sogar unter drei Millionen. Im Jahr 2015 lag die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent – die niedrigste Quote seit der Wiedervereinigung.

Fakten



Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich in den ost- und westdeutschen Ländern unterschiedlich. In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in einer ersten Phase von 1980 bis 1985 von 888.900 auf 2,3 Millionen. Nach einem Rückgang bis 1991 auf 1,6 Millionen stieg die Arbeitslosenzahl im Westen bis 1997 auf 2,9 Millionen. Der Verringerung der Arbeitslosenzahl auf 2,3 Millionen bis 2001 folgte eine Steigerung auf 2,8 Millionen im Jahr 2004. Die Arbeitslosenquote lag entsprechend bei 3,3 Prozent im Jahr 1980, stieg auf 8,2 Prozent 1985, fiel bis 1990 auf 6,4 Prozent, um dann bis 1997 wieder auf 9,6 Prozent zu steigen. 2004 lag sie schließlich bei 8,5 Prozent.

In Ostdeutschland ist sowohl die absolute Zahl der Arbeitslosen als auch die Arbeitslosenquote vergleichsweise stetig gestiegen: Zwischen 1991 und 2004 erhöhte sich die Arbeitslosenzahl von einer Million auf 1,6 Millionen beziehungsweise verdoppelte sich die Arbeitslosenquote (bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen) von 10,2 auf 20,1 Prozent.

Eine der auffälligsten Steigerungen der Arbeitslosenzahl fällt in das Jahr 2005. Deutschlandweit erhöhte sich die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent beziehungsweise um knapp 480.000 Personen auf 4,86 Millionen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung war die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, die zu einer Verschiebung aus der sogenannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit beziehungsweise zu einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot führte. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) lag dieser sogenannte Hartz-IV-Effekt bei etwa 380.000 im Jahresdurchschnitt 2005.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2005 wirkte sich die konjunkturelle Besserung auch auf den Arbeitsmarkt aus. Durch zunehmende Arbeitskräftenachfrage und das leicht rückläufige Arbeitskräfteangebot reduzierte sich die Arbeitslosigkeit im Jahr 2006 deutlich: Im Jahresdurchschnitt waren 4,49 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, gut 370.000 weniger als im Vorjahr. Im Jahresverlauf 2006 – also von Jahresanfang bis Jahresende – fiel der Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit mit rund 600.000 noch deutlicher aus.

Von 2006 auf 2007 ging die Zahl der Arbeitslosen um rund 730.000 (minus 16,2 Prozent) auf 3,76 Millionen zurück – das ist der größte absolute Rückgang seit 1950. Und von 2007 auf 2008 reduzierte sich die Zahl Arbeitslosen nochmals um eine halbe Million (minus 13,3 Prozent). Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 2008 7,8 Prozent – das waren 3,9 Prozentpunkte weniger als 2005. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat lediglich in Westdeutschland zu einer einmaligen Erhöhung der Arbeitslosenzahl von 2008 auf 2009 geführt (plus 175.000).

Von 2005 bis 2015 verringerte sich die Arbeitslosigkeit sowohl in West- als auch in Ostdeutschland erheblich. In Westdeutschland reduzierte sich die Arbeitslosenzahl in diesem Zeitraum um 1,23 Millionen auf 2.020.503 (minus 37,8 Prozent) und in Ostdeutschland um rund 840.000 auf 774.162 (minus 52,0 Prozent). In Westdeutschland erreichte die Arbeitslosenquote im Jahr 2015 mit 5,7 Prozent den niedrigsten Stand seit 1981. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote zehn Jahre in Folge gefallen und hatte im Jahr 2015 mit 9,2 Prozent den niedrigsten Wert seit Ermittlung der Arbeitslosenquote von allen zivilen Erwerbspersonen. In Deutschland lag die Arbeitslosenquote 2015 bei 6,4 Prozent – die niedrigste Quote seit der Wiedervereinigung. Zudem waren in den Jahren 2011 bis 2015 zum ersten Mal seit Anfang der 1990er-Jahre weniger als drei Millionen Personen arbeitslos gemeldet – davon im Jahr 2015 72,3 Prozent in West- und 27,7 Prozent in Ostdeutschland.

Parallel zu den sinkenden Arbeitslosenzahlen hat sich auch die Arbeitskräftenachfrage am Arbeitsmarkt erhöht: Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X) ist ein Indikator, bei dem die Nachfrage nach Arbeitskräften in Beziehung zum Jahresdurchschnitt 2004 (= 100) gesetzt wird. Im Dezember 2011 stieg der Index auf 180 Punkte und damit auf den bis dahin höchsten Wert seit seiner Berechnung (Dezember 2010: 155 Punkte, Dezember 2009: 116 Punkte). Zwar sank der BA-X bis zum Mai 2013 auf 147 Punkte, jedoch stieg er in den Folgemonaten wieder kontinuierlich an – auf zuletzt 211 Punkte im Januar 2016.

Datenquelle



Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2016, Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Arbeitslose sind nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das 15 Wochenstunden und mehr umfasst, eine versicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden suchen, dabei den Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen und sich dort persönlich arbeitslos gemeldet haben. Zudem müssen sie in der Bundesrepublik Deutschland wohnen, nicht jünger als 15 Jahre sein und die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben. Schüler, Studenten oder Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Je nach Definition werden die Arbeitslosen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen (sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte, Beamte und Arbeitslose) oder auf alle zivilen Erwerbspersonen (abhängige zivile Erwerbspersonen, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige) bezogen. Soweit es nicht anders erwähnt ist, werden im Text die Arbeitslosen auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen.

Hinweis zum Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X): Da die saisonbereinigten Werte monatlich neu berechnet werden und damit die Zeitreihe neu erstellt wird, kann es zu Abweichungen von den früher veröffentlichten Monatsversionen des BA-X kommen. Zudem werden seit dem Berichtsmonat Juli 2014 – rückwirkend ab Januar 2013 – auch sogenannte Kooperationspartnerstellen berücksichtigt. Die Grundgesamtheit für die Berechnung des BA-X hat sich damit leicht erhöht, entsprechend kommt es zu Abweichungen gegenüber früheren Veröffentlichungen.

Weitere Informationen zum Thema "Arbeitslosenquote" erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zur Stillen Reserve erhalten Sie hier...

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

In absoluten Zahlen und in Prozent der Erwerbspersonen, 1980 bis 2015

Arbeitslose
Deutschland West­deutschland 1 Ost-
deutschland 2
2015 2.794.664 2.020.503 774.162
2014 2.898.388 2.074.553 823.835
2013 2.950.338 2.080.342 869.995
2012 2.897.126 1.999.918 897.209
2011 2.976.488 2.026.545 949.943
2010 3.238.965 2.227.473 1.011.492
2009 3.414.992 2.314.215 1.100.777
2008 3.258.954 2.138.778 1.120.175
2007 3.760.586 2.475.528 1.285.058
2006 4.487.305 3.007.158 1.480.146
2005 4.860.909 3.246.755 1.614.154
2004 4.381.281 2.782.759 1.598.522
2003 4.376.795 2.753.181 1.623.614
2002 4.061.345 2.498.392 1.562.953
2001 3.852.564 2.320.500 1.532.064
2000 3.889.695 2.380.987 1.508.707
1999 4.100.499 2.604.720 1.495.779
1998 4.280.630 2.751.535 1.529.095
1997 4.384.456 2.870.021 1.514.435
1996 3.965.064 2.646.442 1.318.622
1995 3.611.921 2.427.083 1.184.838
1994 3.698.057 2.426.276 1.271.781
1993 3.419.141 2.149.465 1.269.676
1992 2.978.570 1.699.273 1.279.297
1991 2.602.203 1.596.457 1.005.745
1990 1.883.147
1989 2.037.781
1988 2.241.556
1987 2.228.788
1986 2.228.004
1985 2.304.014
1984 2.265.559
1983 2.258.235
1982 1.833.244
1981 1.271.574
1980 888.900

Anteil der Arbeitslosen an allen zivilen Erwerbspersonen, in Prozent
Deutschland West­deutschland 1 Ost-
deutschland 2
2015 6,4 5,7 9,2
2014 6,7 5,9 9,8
2013 6,9 6,0 10,3
2012 6,8 5,9 10,7
2011 7,1 6,0 11,3
2010 7,7 6,6 12,0
2009 8,1 6,9 13,0
2008 7,8 6,4 13,1
2007 9,0 7,4 15,0
2006 10,8 9,1 17,3
2005 11,7 9,9 18,7
2004 10,5 8,5 18,4
2003 10,5 8,4 18,5
2002 9,8 7,6 17,7
2001 9,4 7,2 17,3
2000 9,6 7,6 17,1
1999 10,5 8,6 17,3
1998 11,1 9,2 17,8
1997 11,4 9,6 17,7
1996 10,4 8,9 15,5
1995 9,4 8,1 13,9
1994 9,6 8,1 14,8
1993 8,9
1992 7,7
1991
1990 6,4
1989 7,1
1988 7,7
1987 7,9
1986 7,9
1985 8,2
1984 8,1
1983 8,1
1982 6,7
1981 4,8
1980 3,3

Anteil der Arbeitslosen an den abhängigen zivilen Erwerbspersonen, in Prozent
Deutschland West­deutschland 1 Ost-
deutschland 2
2015 7,1 6,4 10,3
2014 7,5 6,7 11,0
2013 7,7 6,7 11,6
2012 7,6 6,6 11,9
2011 7,9 6,7 12,6
2010 8,6 7,4 13,4
2009 9,1 7,8 14,5
2008 8,7 7,2 14,6
2007 10,1 8,3 16,7
2006 12,0 10,2 19,2
2005 13,0 11,0 20,6
2004 11,7 9,4 20,1
2003 11,6 9,3 20,1
2002 10,8 8,5 19,2
2001 10,3 8,0 18,8
2000 10,7 8,4 18,5
1999 11,7 9,6 18,7
1998 12,3 10,3 19,2
1997 12,7 10,8 19,1
1996 11,5 9,9 16,6
1995 10,4 9,1 14,8
1994 10,6 9,0 15,7
1993 9,8 8,0 15,4
1992 8,5 6,4 14,4
1991 7,3 6,2 10,2
1990 7,2
1989 7,9
1988 8,7
1987 8,9
1986 9,0
1985 9,3
1984 9,1
1983 9,1
1982 7,5
1981 5,5
1980 3,8

1 bis 1990 mit Berlin-West, ab 1991 ohne Berlin
2 mit Berlin


Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2016



Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter
 

Dossier

Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Sie ist einerseits "wahlentscheidend" und greift andererseits tief in die individuellen Belange der Bürger ein. Das Dossier stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik, die Ziele und die Akteure, die gesetzlichen Grundlagen und die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor. Weiter... 

Europa

Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit

Ob und wie viele Stunden eine Person arbeitet und wie groß das Risiko ist, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, hängt auch von dem Bildungsstand, dem Geschlecht und dem Alter sowie von der Staatsangehörigkeit und der Anzahl der Kinder ab. Weiter...