Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
16.12.2018

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

In Prozent, 2016

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

Quelle: Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Im Jahr 2016 galt rund jede sechste Person in Deutschland als armutsgefährdet: 16,1 Prozent der Bevölkerung bezogen ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Ohne die umverteilende Wirkung von Sozialleistungen wäre sogar knapp jede vierte Person in Deutschland armutsgefährdet. Überdurchschnittlich häufig sind Arbeitslose betroffen – sieben von zehn waren 2016 armutsgefährdet. Ebenso besteht bei Alleinlebenden und Alleinerziehenden ein erhöhtes Armutsrisiko – jeweils etwa ein Drittel dieser Personen galten 2016 als armutsgefährdet.

Fakten

Im Einkommensbezugsjahr 2016 waren in Deutschland 16,1 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet (2007: 15,2 Prozent). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bzw. Ergebnissen der Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) lag dabei der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland für Alleinlebende bei 13.152 Euro pro Jahr. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren waren armutsgefährdet, wenn sie zusammen und nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 27.620 Euro pro Jahr zur Verfügung hatten.

Wie in den vorangehenden Jahren war die Armutsgefährdungsquote der Männer auch im Jahr 2016 leicht niedriger als die der Frauen (15,0 gegenüber 17,1 Prozent). Mit Ausnahme des Jahres 2009 sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen seit 2007 nicht auffallend groß. Im Jahr 2016 lag die Armutsgefährdungsquote der unter 18-Jährigen mit 15,2 Prozent lediglich 1,8 Prozentpunkte unter der der 65-Jährigen und Älteren (17,0 Prozent). Die Quote der 18- bis unter 65-Jährigen lag bei 16,0 Prozent.

Am stärksten erhöht Arbeitslosigkeit die Armutsgefährdung. 2016 waren wie schon 2009 bis 2015 mehr als zwei Drittel aller Arbeitslosen in Deutschland armutsgefährdet (70,6 Prozent). 2007 lag der entsprechende Wert noch bei 56,8 und 2008 bei 61,9 Prozent. Bei den Erwerbstätigen waren im Jahr 2016 lediglich 9,1 Prozent von Armut betroffen – also jeder Elfte. Die Armutsgefährdung von Personen im Ruhestand lag mit 17,5 Prozent leicht über dem Wert der Gesamtbevölkerung.

Auch der Bildungsabschluss hat Auswirkungen auf die Armutsgefährdung. So lebten im Jahr 2016 lediglich 10,8 Prozent der Personen mit einem hohen Bildungsstand in Armut (Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED – International Standard Classification of Education). Bei Personen mit einem mittleren Bildungsstand waren es im selben Jahr 15,9 Prozent. Schließlich lag die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem Bildungsstand bei 30,6 Prozent. Der Zusammenhang zwischen niedrigem Bildungsstand und hohem Armutsrisiko wurde bisher in allen Erhebungsjahren festgestellt.

Im Jahr 2016 waren 33,2 Prozent aller Personen in Haushalten von Alleinerziehenden armutsgefährdet. In den Jahren 2007 bis 2014 lag der Wert zwischen 29,4 Prozent (2013) und 43,0 Prozent (2009). Und auch bei Alleinlebenden ist das Armutsrisiko – mit 32,1 Prozent im Jahr 2016 – auffallend hoch. Hingegen waren im Jahr 2016 in Haushalten von zwei Erwachsenen mit zwei Kindern lediglich 8,4 Prozent der Personen armutsgefährdet.

Wird die Umverteilungswirkung von Sozialleistungen nicht berücksichtigt, erhöht sich die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung auf 24,1 Prozent im Jahr 2016. Bei den unter 18-Jährigen war die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen dabei mehr als doppelt so hoch wie danach (30,8 gegenüber 15,2 Prozent). Bei Personen, die 65 Jahre oder älter waren, lag die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen hingegen nur 1,1 Prozentpunkte höher als die Quote nach Sozialleistungen (18,1 gegenüber 17,0 Prozent).

Bei allen Armutsrisikoquoten ist zu beachten, dass diese keine Erkenntnis darüber liefern, wie weit das Einkommen der armutsgefährdeten Bevölkerung unter der Armutsrisikoschwelle liegt. Diesen Aspekt berücksichtigt die sogenannte relative Armutslücke: Nach der Statistik EU-SILC lag im Einkommensbezugsjahr 2016 der Median der Nettoäquivalenzeinkommen der armutsgefährdeten Personen 20,9 Prozent unter dem Schwellenwert für die Armutsgefährdung.

Wird die finanzielle Situation der privaten Haushalte in Deutschland betrachtet, so wurde für das Jahr 2016 von 13,3 Prozent der Haushalte angegeben, dass die Wohnkosten eine große Belastung sind (2007: 23,8 Prozent / 2011: 19,2 Prozent). Unerwartete Ausgaben (mindestens 985 Euro im Jahr 2015) aus eigenen Mitteln zu bestreiten, stellte für etwas weniger als ein Drittel aller Haushalte ein Problem dar (29,3 Prozent). Insgesamt kamen 2,1 bzw. 4,0 Prozent der Haushalte "sehr schlecht" bzw. "schlecht" mit ihrem monatlichen Einkommen zurecht. Weitere 9,5 Prozent gaben an, "relativ schlecht" zurechtzukommen.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben – durch gemeinsam genutzten Wohnraum, beim Energieverbrauch pro Kopf oder bei Haushaltsanschaffungen – entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtetet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

In Prozent, 2016 1

nach Sozialleistungen
(außer Renten
und Pensionen)
Bevölkerung insgesamt 16,1
Männer 15,0
Frauen 17,1
unter 18-Jährige 15,2
18- bis unter 65-Jährige 16,0
65-Jährige und Ältere 17,0
Erwerbstätige 2 9,1
Arbeitslose 2 70,6
Personen im Ruhestand 2 17,5
niedriger Bildungsstand 3 30,6
mittlerer Bildungsstand 3 15,9
hoher Bildungsstand 3 10,8
Alleinlebende 32,1
Alleinlebende ( < 65 Jahre)4 36,1
Alleinlebende (≥ 65 Jahre) 5 25,0
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen ( < 65 Jahre), ohne Kinder 6
11,2
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen und 2 Kindern 6
8,4
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen und 1 Kind 6
8,3
Personen in Haushalten von
Alleinerziehenden 6
33,2
Eigentümer 7 9,0
Mieter 7 25,3
vor Sozialleistungen
(außer Renten und
Pensionen)
Bevölkerung insgesamt 24,1
unter 18-Jährige 30,8
18- bis unter 65-Jährige 24,3
65-Jährige und Ältere 18,1

1 Berechnungsgrundlagen: 60%-Median, modifizierte OECD-Skala / Einkommensbezugsjahr: 2016, Erhebungsjahr: 2017, Veröffentlichung: Ende 2018

2 Personen ab 18 Jahren. Erwerbsstatus, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten im Einkommensbezugsjahr (2016) galt.

3 Personen ab 18 Jahren. Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED (International Standard Classification of Education).

4 Einkommensbezugsjahr: 2010

5 Einkommensbezugsjahr: 2012

6 Kind(er) bis 18 Jahre. Eine Person zwischen 18 und 24 Jahren zählt dann als Kind, wenn sie nicht erwerbstätig beziehungsweise arbeitsuchend ist und mit mindestens einem Elternteil zusammen lebt.

7 Einkommensbezugsjahr: 2015 / Eigentümer: In Wohneigentum und mietfrei; Mieter: Zur Miete und reduzierte Miete


Quelle: Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.



counter