Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

In Prozent, 2013

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

Quelle: Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

31.12.2015
Im Jahr 2013 galt jede sechste Person in Deutschland als armutsgefährdet: 16,7 Prozent der Bevölkerung bezogen ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Ohne die umverteilende Wirkung von Sozialleistungen wäre sogar jede vierte Person in Deutschland armutsgefährdet. Überdurchschnittlich häufig sind Arbeitslose betroffen – gut zwei Drittel von ihnen waren armutsgefährdet. Ebenso besteht bei Alleinlebenden und Alleinerziehenden ein erhöhtes Armutsrisiko – jeweils etwa ein Drittel der Personen galten 2013 als armutsgefährdet.

Fakten



Im Einkommensbezugsjahr 2013 waren in Deutschland 16,7 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet (2005: 12,7 Prozent). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bzw. Ergebnissen der Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) lag dabei der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland für Alleinlebende bei 11.840 Euro pro Jahr. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren waren armutsgefährdet, wenn sie zusammen und nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 24.864 Euro pro Jahr zur Verfügung hatten.

Wie in den vorangehenden Jahren war die Armutsgefährdungsquote der Männer auch im Jahr 2013 niedriger als die der Frauen (15,9 gegenüber 17,4 Prozent). Waren 2007 und 2008 die Unterschiede zwischen den Altersgruppen nicht auffallend groß, bestand 2009 ein klarer Abstand (wobei die Armutsgefährdungsquote umso höher war, je jünger die Altersgruppe war). Im Jahr 2013 lagen die Quoten – wie schon 2010 bis 2012 – wieder näher beieinander: Die Armutsgefährdungsquote der unter 18-Jährigen lag mit 15,1 Prozent lediglich 1,2 Prozentpunkte unter der der 65-Jährigen und Älteren (16,3 Prozent). Am höchsten war mit 17,2 Prozent die Quote der 18- bis unter 65-Jährigen.

Am stärksten erhöht Arbeitslosigkeit die Armutsgefährdung. 2013 waren wie schon 2011/2012 mehr als zwei Drittel aller Arbeitslosen in Deutschland armutsgefährdet (67,4 Prozent). 2007 lag der entsprechende Wert noch bei 56,8 und 2008 bei 62,0 Prozent. Bei den Erwerbstätigen waren im Jahr 2013 9,9 Prozent von Armut betroffen – also knapp jeder Zehnte. Die Armutsgefährdung von Personen im Ruhestand entsprach mit 16,7 Prozent genau dem Durchschnitt der Bevölkerung.

Auch der Bildungsabschluss hat Auswirkungen auf die Armutsgefährdung. So lebten im Jahr 2013 lediglich 10,5 Prozent der Personen mit einem hohen Bildungsstand in Armut (Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED – International Standard Classification of Education). Bei Personen mit einem mittleren Bildungsstand waren es im selben Jahr 16,0 Prozent. Schließlich lag die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem Bildungsstand bei 29,1 Prozent. Der Zusammenhang zwischen niedrigem Bildungsstand und hohem Armutsrisiko wurde bisher in allen Erhebungsjahren festgestellt.

In Haushalten von Alleinerziehenden lag im Jahr 2013 bei 29,4 Prozent aller Personen eine Armutsgefährdung vor. In den Jahren 2007 bis 2012 schwankte der Wert zwischen 35,2 Prozent (2012) und 43,0 Prozent (2009). Und auch bei Alleinlebenden ist das Armutsrisiko auffallend hoch. Von den Alleinlebenden unter 65 Jahren war im Einkommensbezugsjahr 2010 deutlich mehr als jeder Dritte armutsgefährdet (36,1 Prozent), bei den 65-Jährigen und Älteren lag das Einkommen 2012 bei jeder vierten alleinlebenden Person unterhalb des Schwellenwertes (25,0 Prozent / 2010: 24,1 Prozent). Dagegen waren im Jahr 2013 in Haushalten von zwei Erwachsenen mit zwei Kindern 10,9 Prozent der Personen armutsgefährdet (2010: 8,7 Prozent / 2012: 8,5 Prozent).

Wird die Umverteilungswirkung von Sozialleistungen nicht berücksichtigt, erhöht sich die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung auf 25,0 Prozent im Jahr 2013. Bei den unter 18-Jährigen war die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen dabei doppelt so hoch wie danach (30,2 gegenüber 15,1 Prozent). Bei Personen, die 65 Jahre oder älter waren, lag die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen hingegen nur 1,0 Prozentpunkte höher als die Quote nach Sozialleistungen (17,3 gegenüber 16,3 Prozent).

Bei allen Armutsrisikoquoten ist zu beachten, dass diese keine Erkenntnis darüber liefern, wie weit das Einkommen der armutsgefährdeten Bevölkerung unter der Armutsrisikoschwelle liegt. Diesen Aspekt berücksichtigt die sogenannte relative Armutslücke: Nach der Statistik EU-SILC lag der Median der Nettoäquivalenzeinkommen der armutsgefährdeten Personen im Jahr 2013 23,2 Prozent unter dem Schwellenwert für die Armutsgefährdung.

Wird die finanzielle Situation der privaten Haushalte in Deutschland betrachtet, so wurde für das Jahr 2013 von 17,2 Prozent der Haushalte angegeben, dass die Wohnkosten eine große Belastung sind. Unerwartete Ausgaben (mindestens 952 Euro) stellten für knapp ein Drittel aller Haushalte ein Problem dar (32,6 Prozent), das sie nicht allein lösen können. Insgesamt kamen 2,8 bzw. 5,7 Prozent der Haushalte "sehr schlecht" bzw. "schlecht" mit ihrem monatlichen Einkommen zurecht. Weitere 11,3 Prozent gaben an, "relativ schlecht" zurechtzukommen.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben – durch gemeinsam genutzten Wohnraum, beim Energieverbrauch pro Kopf oder bei Haushaltsanschaffungen – entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtetet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

In Prozent, 20131

nach Sozialleistungen
(außer Renten
und Pensionen)
Bevölkerung insgesamt 16,7
Männer 15,9
Frauen 17,4
unter 18-Jährige 15,1
18- bis unter 65-Jährige 17,2
65-Jährige und Ältere 16,3
Erwerbstätige2 9,9
Arbeitslose2 67,4
Personen im Ruhestand2 16,7
niedriger Bildungsstand3 29,1
mittlerer Bildungsstand3 16,0
hoher Bildungsstand3 10,5
Alleinlebende 32,9
Alleinlebende (< 65 Jahre)4 36,1
Alleinlebende (≥ 65 Jahre)5 25,0
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen (< 65 Jahre), ohne Kinder6
11,6
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen und 2 Kindern6
10,9
Personen in Haushalten von Alleinerziehenden6 29,4
Eigentümer5 8,5
Mieter5 25,6
vor Sozialleistungen (außer Renten
und Pensionen)
Bevölkerung insgesamt 25,0
unter 18-Jährige 30,2
18- bis unter 65-Jährige 26,0
65-Jährige und Ältere 17,3


1 Berechnungsgrundlagen: 60%-Median, modifizierte OECD-Skala / Einkommensbezugsjahr: 2013, Erhebungsjahr: 2014, Veröffentlichung: Ende 2015/Anfang 2016
2 Personen ab 18 Jahren. Erwerbsstatus, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten im Einkommensbezugsjahr (2013) galt.
3 Personen ab 18 Jahren. Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED (International Standard Classification of Education).
4 Einkommensbezugsjahr: 2010
5 Einkommensbezugsjahr: 2012
6 als Kind zählen alle abhängigen Kinder, das heißt Kinder unter 18 Jahren sowie Kinder zwischen 18 und 24 Jahren, sofern sie nicht erwerbstätig oder arbeitsuchend sind und mit mindestens einem Elternteil zusammenleben.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)



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