Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Armutsgefährdungsquoten von Migranten

23.4.2013
Im Jahr 2011 lag bei den Personen mit Migrationshintergrund der Anteil der armutsgefährdeten Personen mit 26,6 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den Personen ohne Migrationshintergrund (12,3 Prozent).

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Fakten



Im Jahr 2011 hatten 15,96 Millionen der insgesamt 81,75 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen). Von den 15,96 Millionen Personen mit Migrationshintergrund waren 8,77 Millionen Deutsche und 7,19 Millionen Ausländer. Zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund – 10,69 Millionen – waren 2011 selbst Migranten (erste Generation), ein Drittel wurde bereits in Deutschland geboren (zweite oder dritte Generation).

Nach den Daten des Mikrozensus 2011 haben Personen mit Migrationshintergrund insgesamt ein höheres Armutsrisiko als Personen ohne Migrationshintergrund. Bei den Personen mit Migrationshintergrund lag der Anteil der armutsgefährdeten Personen mit 26,6 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den Personen ohne Migrationshintergrund (12,3 Prozent). Die Armutsgefährdung der Personen mit Migrationshintergrund ist dabei sowohl bei den Männern und Frauen als auch bei allen hier betrachteten Altersgruppen höher als bei den Personen ohne Migrationshintergrund. Allerdings ist der Unterschied zwischen den Quoten der Personen mit beziehungsweise ohne Migrationshintergrund bei den 18- bis 24-Jährigen deutlich kleiner (28,9 gegenüber 21,7 Prozent) und bei den 65-Jährigen und Älteren deutlich größer (31,4 gegenüber 11,5 Prozent) als bei den anderen Altersgruppen.

Innerhalb der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund sind die Ausländer häufiger von Armut betroffen als die Deutschen. Bei den Personen mit eigener Migrationserfahrung lag die Armutsgefährdungsquote 2011 bei den Ausländern bei 32,4 Prozent und bei den Deutschen bei 20,2 Prozent. Bei den Personen mit Migrationshintergrund aber ohne eigene Migrationserfahrung lag die Quote bei den Ausländern bei 30,4 Prozent und bei den Deutschen bei 24,9 Prozent.

Wie bei den Personen ohne Migrationshintergrund sind auch bei den Personen mit Migrationshintergrund insbesondere Alleinerziehende und ihre Kinder einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt – 2011 war mehr als die Hälfte der Familienmitglieder in Haushalten von Alleinerziehenden armutsgefährdet (52,7 Prozent). Bei den Paaren mit Kindern lag die Armutsgefährdungsquote im selben Jahr bei 26,2 Prozent, bei Paaren ohne Kinder bei 20,6 Prozent. Bei den Personen mit Migrationshintergrund, die keinen Schulabschluss haben (ohne Personen in schulischer Ausbildung), waren 44,5 Prozent armutsgefährdet. Bei den Erwerbslosen lag die Armutsgefährdungsquote mit 62,3 Prozent noch höher (Erwerbstätige: 14,1 Prozent).

Die Armutsgefährdungsquote der Personen mit einem europäischen Migrationshintergrund lag 2011 mit 25,3 Prozent nur leicht unter der Quote aller Personen mit Migrationshintergrund (26,6 Prozent). Allerdings bestehen dabei große Unterschiede zwischen der EU (17,6 Prozent) und dem sonstigen Europa (31,5 Prozent). Von den Personen mit amerikanischen Wurzeln waren 14,8 Prozent armutsgefährdet (darunter Nordamerika: 12,4 Prozent). Personen mit einem afrikanischen Migrationshintergrund waren mit 41,9 Prozent überdurchschnittlich oft von Armut betroffen. Schließlich lag die Armutsgefährdungsquote bei den Personen, die aus Asien, Australien oder Ozeanien stammten, im Jahr 2011 bei 34,9 Prozent.

Für das höhere Armutsrisiko von Personen mit Migrationshintergrund sind mehrere Faktoren verantwortlich. Darunter die im Durchschnitt geringere schulische und berufliche Qualifikation, der höhere Anteil an Personen mit fehlendem Schul- bzw. Berufsabschluss, die eingeschränkte Anerkennung von Abschlüssen, Sprachbarrieren, der zum Teil eingeschränkte Zugang zum Arbeitsmarkt und zu speziellen Hilfen zur beruflichen Eingliederung, eine oftmals zeitlich begrenzte Aufenthaltsdauer sowie die häufigere Ausübung von befristeten und/oder schlechter bezahlten Tätigkeiten. Natürlich sind nicht alle Personen mit Migrationshintergrund gleichermaßen von diesen Faktoren betroffen.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Bei der Einkommensberechnung werden sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte berücksichtigt, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Bezugsgröße ist hier der Bundesmedian. Berücksichtigt ist nur die Bevölkerung in Privathaushalten am Hauptwohnsitz mit gültigen Einkommensangaben.

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Tabelle: Armutsgefährdungsquoten von Migranten



Nach Personen mit und ohne Migrationshintergrund, in Prozent, 2011

Bevölkerung
insgesamt 15,1
Männer 14,5
Frauen 15,7
unter 18 Jahre 18,9
18 bis 24 Jahre 23,4
25 bis 49 Jahre 13,8
50 bis 64 Jahre 12,9
65 Jahre und mehr 13,3
  Personen ohne Migrationshintergrund
insgesamt 12,3
Männer 11,5
Frauen 13,0
unter 18 Jahre 13,7
18 bis 24 Jahre 21,7
25 bis 49 Jahre 11,0
50 bis 64 Jahre 10,8
65 Jahre und mehr 11,5
  Personen mit Migrationshintergrund
insgesamt 26,6
Männer 26,0
Frauen 27,2
unter 18 Jahre 30,3
18 bis 24 Jahre 28,9
25 bis 49 Jahre 23,6
50 bis 64 Jahre 23,8
65 Jahre und mehr 31,4
mit eigener Migrationserfahrung 26,6
davon:  
Ausländer 32,4
Deutsche 20,2
ohne eigene Migrationserfahrung 26,5
davon:
Ausländer 30,4
Deutsche 24,9

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus


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