Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Entwicklung der öffentlichen Finanzen

In absoluten Zahlen, 1970 bis 2014

Entwicklung der öffentlichen Finanzen

Quelle: Finanzen und Steuern: Rechnungsergebnisse der öffentlichen Haushalte, Vierteljährliche Kassenergebnisse des Öffentlichen Gesamthaushalts
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27.12.2015
Zwischen 1950 und 2014 sind sowohl die Ausgaben als auch die Einnahmen der öffentlichen Haushalte kontinuierlich gestiegen. In fast allen Jahren seit 1950 übertrafen dabei die Ausgaben die Einnahmen. Im Jahr 2014 lagen die Einnahmen der öffentlichen Haushalte jedoch 6 Milliarden Euro über den Ausgaben. Die zahlreichen Finanzierungsdefizite seit 1950 haben zu einem Anstieg der Schulden der öffentlichen Haushalte geführt – seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 liegen die Schulden bei mehr als zwei Billionen Euro.

Fakten



Die öffentlichen Haushalte in Deutschland gaben im Jahr 2014 – bereinigt um Zahlungen der öffentlichen Haushalte untereinander – für die Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben 1.239,7 Milliarden Euro aus. Die höchsten Ausgaben (nicht bereinigt) entfielen auf den Bereich der Sozialversicherung mit 553,1 Milliarden Euro, gefolgt vom Bund (344,3 Mrd. Euro), den Ländern (341,4 Mrd. Euro) sowie den Gemeinden und Gemeindeverbänden (217,6 Mrd. Euro). Die EU-Anteile lagen bei 29,8 Milliarden Euro.

Das notwendige Geld zur Finanzierung ihrer Aufgaben erhalten die öffentlichen Haushalte aus Steuern, Gebühren, Beiträgen, Erlösen aus dem Verkauf von Vermögen oder – wenn die Einnahmen nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken – über Kredite. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen der öffentlichen Haushalte (ohne Kredite) im Jahr 2014 auf 1.245,6 Milliarden Euro.

Zwischen 1950 und 2014 sind sowohl die Ausgaben als auch die Einnahmen der öffentlichen Haushalte kontinuierlich gestiegen. Allein zwischen 1995 und 2014 erhöhten sich die Ausgaben bzw. Einnahmen um 30,4 bzw. 40,0 Prozent. In fast allen Jahren seit 1950 übertrafen die Ausgaben der öffentlichen Haushalte die Einnahmen. Die hieraus resultierenden Finanzierungsdefizite wurden vor allem über eine Ausweitung der Verschuldung finanziert. Der Schuldenstand stieg dementsprechend von 9,6 Milliarden Euro im Jahr 1950 auf 538,3 Milliarden Euro im Jahr 1990 (Westdeutschland). Am 31. Dezember 2009 lagen die Kreditmarktschulden der öffentlichen Haushalte bei 1.694,4 Milliarden Euro – gegenüber dem Jahr 1991 entspricht das einer Erhöhung des Schuldenstandes um rund 183 Prozent (Deutschland). Nicht zuletzt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 stiegen die Schulden im Jahr 2010 sprunghaft an und lagen erstmals bei mehr als zwei Billionen Euro. 2012 erreichte die Verschuldung mit 2.068,3 Milliarden Euro ihren bisher höchsten Stand. Von den Schulden in Höhe von insgesamt 2.049,2 Milliarden Euro im Jahr 2014 entfielen 1.289,7 Milliarden Euro auf den Bund, 619,5 Milliarden Euro auf die Länder und 139,4 Milliarden Euro auf die Gemeinden/Gemeindeverbände.

Das Finanzierungsdefizit erreichte im Jahr 1993 mit 68,2 Milliarden Euro einen ersten Höchststand. Nach etwas niedrigeren Finanzierungsdefiziten in den Jahren 1994 und 1995 (58,7 und 60,9 Mrd. Euro) sank das Finanzierungsdefizit zwischen 1996 und 1999 von 68,0 auf 22,0 Milliarden Euro. Der Finanzierungsüberschuss im Jahr 2000 (18,6 Mrd. Euro) stellt einen Sonderfall dar, da der Bund einmalige Einnahmen aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen in Höhe von 50,8 Milliarden Euro erzielte. Bei der anschließenden Ausweitung der Finanzierungsdefizite wurde im Jahr 2003 mit 74,0 Milliarden Euro ein weiterer Höhepunkt erreicht. In den Folgejahren sanken durch deutlich höhere Steuereinnahmen und steuerähnliche Abgaben die Finanzierungsdefizite kontinuierlich. Im Jahr 2007 nahmen die öffentlichen Haushalte sogar mehr ein als sie ausgaben: der Finanzierungsüberschuss lag bei 9,0 Milliarden Euro. Im Jahr 2008 wiesen die öffentlichen Haushalte jedoch erneut ein Finanzierungsdefizit von 4,2 Milliarden Euro aus, das im Jahr 2009 – vor allem bedingt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – auf 101,7 Milliarden Euro stieg. Dies ist das bislang höchste Finanzierungsdefizit der öffentlichen Haushalte. 2010 folgte mit einem Minus von 75,0 Milliarden Euro das zweithöchste Finanzierungsdefizit der öffentlichen Haushalte. 2012 und 2013 waren die Defizite mit 11,0 bzw. 7,2 Milliarden Euro wieder deutlich niedriger. Im Jahr 2014 lagen die Einnahmen der öffentlichen Haushalte 6,1 Milliarden Euro über den Ausgaben.

Werden die Ausgaben der öffentlichen Haushalte in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesetzt, ergibt sich die sogenannte Staatsquote (Ausgaben des Staates in der Abgrenzung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen). Die Staatsquote stieg zwischen 1991 und 1996 von 46,0 auf 48,8 Prozent. Mit Ausnahme der Jahre 2002/2003 war die Staatsquote in den Folgejahren tendenziell rückläufig. In dem Zeitraum von 1991 bis 2014 war die Staatsquote in den Jahren 2007 und 2008 mit 42,7 bzw. 43,5 Prozent am niedrigsten. Erst 2009 und 2010 erhöhte sich die Staatsquote wieder deutlich auf 47,4 bzw. 47,2 Prozent. 2013 bzw. 2014 lag sie nach vorläufigen Ergebnissen bei 44,3 bzw. 44,0 Prozent.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Finanzen und Steuern: Rechnungsergebnisse der öffentlichen Haushalte, Vierteljährliche Kassenergebnisse des Öffentlichen Gesamthaushalts, Schulden der öffentlichen Haushalte; Bundesministerium der Finanzen (BMF): Entwicklung der Staatsquote

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die öffentlichen Haushalte umfassen den Bund, die Länder, die Gemeinden und Gemeindeverbände, die Sozialversicherung, die Finanzanteile der Europäischen Union (EU-Anteile), die kommunalen Zweckverbände sowie Sondervermögen des Bundes und der Länder. Die EU-Anteile sind die aus Deutschland direkt an die EU abgeführten Einnahmen (Mehrwertsteuer-Eigenmittel der EU, Bruttonationaleinkommen-Eigenmittel der EU, Zölle, Abschöpfungen) sowie die Marktordnungsausgaben der EU an Inländer. Je nach Erhebung sind die öffentlichen Haushalte unterschiedlich abgegrenzt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Die Nettokreditaufnahme entspricht der Differenz von Schuldenaufnahme und Schuldentilgung am Kreditmarkt.

Entwicklung der öffentlichen Finanzen

In absoluten Zahlen, 1950 bis 2014

Bereinigte Ausgaben 1 Bereinigte Einnahmen 1 Finanzierungs-
Saldo 2
Nettokredit­aufnahme Schulden­stand 3
in Mio. Euro
1950 14.388 13.520 -868 310 9.574
1955 26.196 27.506 1.314 690 21.357
1965 71.878 66.625 -5.253 4.003 44.697
1970 100.382 96.279 -4.081 3.222 64.210
1975 269.574 235.558 -33.961 27.731 130.008
1980 379.188 352.796 -26.505 27.659 238.897
1985 463.807 444.788 -18.871 20.738 388.436
1990 585.228 557.977 -27.147 37.120 538.334
1995 950.523 889.492 -60.931 48.970 1.018.767
2000 960.788 979.322 18.552 19.763 1.210.918
2005 1.002.244 946.460 -55.787 53.325 1.489.853
2006 1.004.943 990.134 -14.705 39.309 1.545.364
2007 1.017.532 1.026.688 8.954 14.946 1.552.371
2008 1.055.965 1.051.605 -4.213 20.477 1.577.881
2009 1.113.124 1.011.429 -101.714 89.739 1.694.368
2010 1.105.876 1.030.908 -74.989 63.955 2.011.677
2011 1.110.165 1.103.862 -6.418 24.467 2.025.438
2012 1.174.449 1.163.357 -11.031 20.962 2.068.289
2013 1.208.297 1.201.058 -7.179 21.102 2.043.344
2014 1.239.689 1.245.605 6.064 -6.760 2.049.171
2014 4 Ausgaben Einnahmen
in Mio. Euro
Bund 344.273 346.572
EU-Anteile 29.768 29.768
Länder 341.413 342.694
Gemeinden/ Gemeindeverbände 217.616 216.960
Sozialversicherung 553.129 556.122


1 Bis einschließlich 1990: Früheres Bundesgebiet. 1950 Bundesgebiet ohne Berlin. Bis einschließlich 1959 ohne Saarland. Ab 1974 erweiterter Berichtskreis. Ab 1998 ohne Krankenhäuser und Hochschulkliniken mit kaufmännischem Rechnungswesen und ohne Zusatzversorgungskassen der Sozialversicherung. Ab 2012 vierteljährliche Kassenergebnisse (Kern- und Extrahaushalte, 2012: ohne kommunale Zweckverbände), 2012 und 2013 revidierte Ergebnisse; aufgrund der unterschiedlichen Berichtskreise sind die Ergebnisse mit den Vorjahren nur eingeschränkt vergleichbar.
2 Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen einschließlich interner Verrechnungen (- = Finanzierungsdefizit,+ = Finanzierungsüberschuss); nicht identisch mit dem Staatsdefizit nach den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.
3 jeweils zum 31.12.; ab 2006 einschließlich ausgewählter öffentlicher Fonds, Einrichtungen und Unternehmen (Extrahaushalte), die nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung zum Sektor Staat zählen; ab 2010 einschließlich aller Extrahaushalte. Bis 2009 Kreditmarktschulden einschließlich Kassenkredite; ab 2010 Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich: Wertpapierschulden, Kredite und Kassenkredite.
4 Ergebnisse der vierteljährlichen Kassenstatistik, nicht addierbar.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Finanzen und Steuern: Rechnungsergebnisse der öffentlichen Haushalte, Vierteljährliche Kassenergebnisse des Öffentlichen Gesamthaushalts, Schulden der öffentlichen Haushalte



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