Akquisos

7.12.2012

Private Fördermittel

Stiftungen fördern Projekte die einen Rahmen für Gedenkstättenfahrten bieten können - beispielsweise im Kontext der historisch-politischen Bildung oder aktuellen Menschenrechtsdiskursen. Bei der Stiftungssuche lohnt auch der Kontakt zu kleineren Stiftungen in der Region.

Förderung durch Stiftungen

Neben dem öffentlichen Fördermittelgeber fördern Stiftungen Projekte die (auch) einen Rahmen für Gedenkstättenfahrten bieten können. Insbesondere im internationalen Austausch – ähnlich wie bei den bilateralen Jugendwerken - können beispielsweise Besuche von Gedenkstätten in Projekte (Geschichtswerkstätten, Menschenrechtsdiskurse usw.) integriert werden und sind dann durchaus förderungswürdig. Einige größere Stiftungen sind hier dargestellt, interessant kann aber auch hier die Kontaktaufnahme mit lokalen Stiftungen sein – hilfreich ist beispielsweise eine Recherche bei www.stiftungsindex.de.

Die Aufgabe der Friedrich Christian Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz ist die Förderung der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens, um so dem Rechtsextremismus und der Gewalt von Jugendlichen entgegenzuwirken. Die Stiftung sieht den Schwerpunkt ihrer Arbeit besonders in der Förderung kleiner Projekte in den neuen Bundesländern und Berlin. Gedenkstättenfahrten können Bestandteil der Förderung von internationalen Jugendaustauschprogrammen sein, die sich auf die Mittel- und Osteuropäischen Staaten konzentrieren.
Weitere Kriterien der Förderung sind:
  • Zugelassene Träger: Schulisch, freie Jugendarbeit
  • Alter: 5-20 Jahre
  • Förderung: Teilfinanzierung von Projekten
  • Abgabefristen: Formloser Antrag jederzeit möglich, Bearbeitungszeit ca. 10-12 Wochen
Weitere Informationen: www.stiftung-toleranz.de/foerderung/

Die Stiftung West-Östliche Begegnungen fördert die Völkerverständigung durch Vertiefung und Ausweitung von gutnachbarlichen Beziehungen und Kontakten zwischen den Menschen der Bundesrepublik Deutschland und den Menschen in den neuen unabhängigen Staaten auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion. Der Besuch von Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus kann im Rahmen dieser Begegnungen ein Programmpunkt und damit Teil der Förderung sein. Darüber hinaus können Themenprojekte oder Kooperationsvorhaben gefördert werden. Eine gleichgewichtige Begegnung zwischen den teilnehmenden Gruppen (beispielsweise über gegenseitige Besuche, gemeinsame Projektentwicklung) ist ein wichtiges Förderkriterium. Der Aufenthalt im Gastland sollte zwischen vier und 14 Tagen liegen. Hin- und Rückbegegnung sollten in einem Zeitraum von maximal zwei aufeinander folgenden Jahren stattfinden. Gefördert werden die anfallenden Fahrtkosten sowie die Aufenthaltstage im Gastland mit einer Tagespauschale pro Teilnehmer/in. Von den Teilnehmer/innen wird eine Eigenbeteiligung erwartet, ebenso wird die Akquise von Ko-Finanzierung.
Weitere Informationen: www.stiftung-woeb.de

Die Robert Bosch Stiftung, eine der größten Unternehmensstiftungen Deutschlands, unterstützt sehr unterschiedliche Projekte beispielsweise in den Themenfeldern Wissenschaft, Kultur, Bildung, Gesundheit oder Gesellschaft. Unter dem Stichwort der Völkerverständigung fördert sie Projekte der internationalen Begegnung und kann – wiederum eingebettet in die entsprechenden Projektvorhaben – auch den Besuch von Gedenkstätten finanziell unterstützen. Neben der Fördertätigkeit führt die Robert Bosch Stiftung auch eigenständig Förderprogramme oder -projekte durch, die im Detail ebenfalls für mögliche Fördernehmer interessant sein können. Das Antragsverfahren bei der Stiftung startet mit einer unverbindlichen Anfrage (Projektskizze, 2 Seiten). Hinweise dazu finden sich unter: www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/8171.asp
Weitere Informationen über die Robert Bosch Stiftung und ihre Fördertätigkeiten: www.boschstiftung.de

Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) setzt sich in Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischen Unrechts für die Stärkung der Menschenrechte und fürVölkerverständigung ein. Gegründet wurde die Stiftung EVZ im Jahr 2000 vor allem, um Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu leisten. Heute engagiert sie sich u.a. in der historisch-politischen Bildung, im internationalen Jugendaustausch und im Handeln für Menschenrechte.
In ihrem Förderprogramm Europeans for Peace fördert die Stiftung internationale Projektpartnerschaften zwischen Schulen und Jugendgruppen aus Deutschland, Mittel-, Ost- und Südosteuropa oder Israel, die sich grenzüberschreitend mit historischen oder aktuellen Menschenrechtsfragen beschäftigen. Historischer Bezugspunkt ist die Geschichte des Nationalsozialismus, des Holocaust, des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Menschen weniger für Ideologien der Ungleichheit wie Antisemitismus und Rassismus anfällig werden, und die Freiheits- und Gleichheitsidee der Menschenrechte verdeutlichen. Jährlich wird mit der Fortschreibung des Programms ein neuer Schwerpunkt festgelegt.
Weitere Kriterien der Förderung sind:
  • Zugelassene Träger: Schulen und/oder außerschulischen Bildungseinrichtungen aus Mittel-, Ost-und Südosteuropa (einschließlich GUS-Staaten) oder Israel. Bei trinationalen Projekten kann der dritte Partner aus weiteren Mitgliedsländern des Europarates (z.B. Türkei, Frankreich etc.) kommen.
  • Alter: Jugendliche (14 bis 21 Jahre) gemeinsam mir ihren Pädagogen / Projektleitern (keine Förderung von universitären Gruppen)
  • Förderung: für Reisekosten, Unterbringungs- und Verpflegungskosten, Sachmittel für die Erarbeitung eines Projektproduktes, Honorare für Fachkräfte und Dolmetscher. Die Förderung erfolgt als Festbetrag abhängig von der Zahl der Teilnehmer/innen und der geplanten Begegnungen.
  • Besonderheit: Es ist wünschenswert, Zeitzeug/innen in die Projektarbeit einzubeziehen. Dies kann zu jedem Zeitpunkt der Projektarbeit geschehen, sowohl in der Vorbereitung und Durchführung als auch bei der Ergebnispräsentation.
  • Abgabefrist: jährlich jeweils zum 15. Januar
Weitere Informationen: www.europeans-for-peace.de

Auch in anderen Programmen der Stiftung kann der Besuch von Gedenkstätten sinnvoll integriert werden. Weitere Informationen zu aktuellen Fördervorhaben der Stiftung finden sich unter: www.stiftung-evz.de

Die erst 2010 gegründete STIFTUNG Erinnern ermöglichen fördert die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und möchte allen Schülerinnen und Schülern aus Nordrhein-Westfalen einen Studienaufenthalt in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ermöglichen. Die STIFTUNG fördert Studienfahrten nach Auschwitz sowie zu anderen Orten im In- und Ausland, die für die Auseinandersetzung mit dem Holocaust von allgemeiner und zentraler Bedeutung sind. Im Förderjahr 2012 konzentrieren sich die Fördermaßnahmen der STIFTUNG auf Studienfahrten zur Gedenkstätte Auschwitz und zu Gedenkstätten anderer Vernichtungslager.
  • Förderungsfähig sind Studienfahrten von Schülern der weiterführenden Schulen und Berufsschulen in Nordrhein- Westfalen, in beschränktem Umfang auch Studienfahrten von Studierenden an Hoch- und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen.
  • Frist: Eine Antragstellung ist jederzeit möglich. Es wird geraten, Anträge möglichst frühzeitig einzureichen.
  • Förderung: je Institution (Schule, Verein, Verband etc.) kann pro Jahr ein Zuschuss von maximal 10.000 € bewilligt werden (mehrfache Antragstellung innerhalb eines Jahres ist möglich). Anrechnungsfähig sind Fahrt-, Unterbringungs-, Verpflegungs- und Materialkosten.
  • Besonderheiten: Der Antrag erfordert Ausführungen über die inhaltliche Vor- und Nachbereitung der Studienfahrt im Unterricht, den geplanten Verlauf und die geplante Art der Dokumentation der Studienfahrt. Die Aufenthaltsdauer vor Ort muss mindestens 2 Tage betragen.
Die STIFTUNG vermittelt auch Kontakte zu Pädagogen, Wissenschaftlern und weiteren Experten, die besondere Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust besitzen und die für Unterrichtseinheiten oder Gespräche zur Verfügung stehen.
Weitere Informationen unterwww.erinnern-ermoeglichen.de

Spendenakquise für Gedenkstättenfahrten

Neben antragsbasierten Mitteln lohnt auch die Suche nach Sponsoren oder direkten Spenden. Diese lassen sich beispielsweise im Rahmen eines Schulfestes (Tombola, Snack-Verkauf etc.,), durch den Aufbau eines „Förder- oder Freundeskreises e.V.“ oder durch die gezielte Ansprache von (meistens kleineren) Unternehmen am Ort akquirieren. Ein solcher „Finanzierungsmix“ aus öffentlichen und privaten Fördermitteln, Spenden und Sponsorengeldern ist zwar mit einigem Aufwand verbunden – bietet jedoch auch klare Vorteile: Bei einem Finanzierungsmix lässt sich der Wegfall einer Finanzierungsquelle leichter ausgleichen, außerdem sind private Mittel oder Spenden oft flexibler einsetzbar.
Häufig ist der Finanzierungsmix jedoch schon deshalb unabdingbar, weil ein angemessener Eigenanteil bei der Beantragung von Fördermitteln – egal ob öffentlich oder privat – in der Regel erwartet wird. Eine Vollförderung ist nur in den seltensten Fällen möglich. Kann die nötige Kofinanzierung nicht über Spenden akquiriert werden, wird bei Gedenkstättenfahrten häufig auch ein Teilnahmebeitrag erhoben. Weiterführende Literatur zur Spendenakquise und zum Aufbau eines systematischen Fundraisings findet sich in den Webtipps Fördermittel in diesem Dossier.