Akquisos

7.12.2012

„Fördermöglichkeiten sollten früh beantragt und voll ausgeschöpft werden."

Akquisos hat weitere erfahrene Praktiker der politischen Bildungsarbeit nach Ihren Erfahrungen mit der Akquise von Fördermitteln befragt. Hier ihre Statements:

Friedemann Bringt ist Diplomsozialpädagoge M.A. und Fachreferent im Kulturbüro Sachsen e.V., das sich mit für demokratische Kultur und gegen Rechtsextremismus engagiert. Ehrenamtlich arbeitet er im Förderverein Jugendbegegnung in Theresienstadt (www.jugendbegegnung.de).
„Eine circa einjährige Vorbereitung der Fahrt ermöglicht sowohl die umfassende Suche nach Finanzquellen, als auch eine adäquate Vorbereitung auf den zu besuchenden Ort. Es gibt nicht einen Weg zum Erfolg, sondern unterschiedliche Fördermöglichkeiten: Es sind Anträge bei öffentlichen Fördertöpfen der EU, des Bundes, der Länder und Kommunen, privaten Stiftungen und Spenden- und Sponsoring-Aktionen möglich. Das Sprichwort „Wer schreibt, bleibt“ gilt auch hier: Sie sollten ihre Projektidee mit allen Rahmenangaben auf 3-5 Seiten festhalten. Dann informieren Sie sich bei mehreren Förderstellen online über deren Bedingungen und reichen dementsprechend einen formlosen oder formalisierten Projektantrag ein. Hierfür benötigen Sie eine juristische Person (Verein, Schule, Kirchengemeinde oder Jugendverband) mit einem Konto als Organisationsbasis. Der Trend geht immer mehr hin zu Projekten, wie Geschichtswerkstätten, in denen die konkrete Fahrt einen wichtigen Aspekt bildet.“

Lothar Schnepp ist Religionslehrer an der Liebig-Schule in Berlin. Unter dem Titel „Erzählt es Euren Kindern“ organisiert die Schule seit 1985 Gedenkstättenfahrten und Projekttage in Berlin und Lublin / Polen (www.liebig-schule.cidsnet.de).
„Fördermöglichkeiten sollten früh beantragt und voll ausgeschöpft werden. Oft fördert auch die kommunale und Landesebene. Auch die Teilnahme an Wettbewerben ist sinnvoll, weil man ein Produkt erstellt (Wettbewerbsbeitrag) und somit die Fahrt einen „fassbaren“ Abschluss erhält. Die Preise - oft Geldpreise - können die Finanzierung späterer Fahrten ermöglichen.“

Sabine Krüger, Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft, ist wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiterin im bereits genannten Projekt „Europeans for Peace“ (www.europeans-for-peace.de).
„Eine Förderung durch das Programm „Europeans for Peace“ ist immer an ein Ausschreibungsthema gebunden. Die Frage bzw. der Gegenstand der Projektarbeit sollten somit einen unmittelbaren Bezug zu diesem Thema herstellen. Innerhalb der gewählten Aufgabenstellung erarbeiten die Jugendlichen aus Deutschland und anderen Staaten gemeinsame Projektergebnisse und sind zudem an der Planung und Durchführung des Projektes aktiv beteiligt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Perspektiven und Erfahrungen aller Projektpartner in das Konzept einfließen. Durch die Partizipation der Beteiligten und die interkulturelle Form der Projektarbeit sollte eine Reflexion der Lernprozesse und Erfahrungen sichtbar werden, welche zudem in das Projektergebnis einfließen. Ziel ist es dabei, dieses „Produkt“ einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um diese für die behandelte Problematik zu sensibilisieren und eine Wirkung über den Teilnehmerkreis hinaus zu fördern. Ein wichtiges Merkmal stellt die Stärkung der demokratischen Werteorientierung der Teilnehmer/innen dar, wobei der generationsübergreifende Dialog sowie Begegnungen mit Zeitzeugen zur Herstellung eines direkten historischen Bezuges ausdrücklich erwünscht sind.“

Dr. Helmut Rook ist Leiter der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Buchenwald (www.buchenwald.de) und benennt aus dieser Perspektive einige Hinweise zur Vorbereitung und Finanzierung eines Gedenkstättenbesuches.
„Generell empfiehlt es sich, etwa ein Jahr vor dem geplanten Gedenkstättenbesuch mit den Vorbereitungen zu beginnen. Damit steht genügend Zeit zur inhaltlichen Vorbereitung, zur Entwicklung des Programms, für die Organisation sowie zur Ausschöpfung aller Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben einem Eigenbeitrag der Teilnehmer/innen können häufig Fördervereine von Schulen als Sponsoren gewonnen werden. Geeignete Ansprechpartner/innen sind auch Kirchengemeinden, Jugendämter, Landesjugendringe, Vereine wie der Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e.V. sowie politische und gemeinnützige Stiftungen. Außerdem bieten verschiedene Landesprogramme Finanzierungsmöglichkeiten.
Zugunsten der inhaltlichen Vorbereitung des Gedenkstättenbesuches wie zur Beantragung von Fördergeldern ist es erforderlich, das geplante Projekt schriftlich zu skizzieren. Dem Projektantrag an den Geldgeber ist in der Regel auch das mit der Gedenkstätte abgestimmte pädagogische Programm beizufügen. Bei entsprechend langfristiger und sorgfältiger Vorbereitung sollte dem Besuch eines ganz besonderen außerschulischen Lernortes nichts mehr im Wege stehen. Nach Abschluss des Projekts ist der Geldgeber in der Regel über dessen Verlauf noch mit einem Sachbericht zu informieren.
Das Spektrum der pädagogischen Angebote, die die Gedenkstätte Buchenwald für Schulklassen und Jugendgruppen bereit hält, ist breit. Es reicht von Überblicksführungen und Multimediaguides über spezielle Projekttage und mehrtägige Seminare, die thematische Führungen ebenso beinhalten können, wie Recherchen in Archiv, Bibliothek und Sammlungen, archäologische Grabungen und die Restaurierung von Fundstücken, bis hin zu transnationalen Jugendbegegnungen und zweiwöchigen sogenannten Workcamps. Während die Besichtigung der Außenanlagen und Ausstellungen kostenlos ist, fallen für die Realisierung eines gedenkstättenpädagogischen Programms Gebühren an. Detaillierte Informationen finden sich unter www.buchenwald.de.“