Akquisos

14.8.2013

Fördermittel und Fundraising gegen Rechtsextremismus

Fördertöpfe für kleinere und größere Projekte und Initiativen gibt es zahlreiche und auf allen Ebenen des politischen Systems. Wir haben den Versuch unternommen, eine umfangreiche Liste möglicher Förderungen zusammenzustellen:






Förderprogramme der Europäischen Union

Aktuell findet sich kein Förderprogramm, das auf europäischer Ebene ausschließlich die Arbeit gegen Rechtsextremismus unterstützt. Zur Stärkung und Entwicklung demokratischer Strukturen, europäischen Verständnisses und persönlicher Entwicklung sei jedoch auf die beiden Förderprogramme „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ und „Jugend in Aktion“ verwiesen.

„Europa für Bürgerinnen und Bürger“

„Europa für Bürgerinnen und Bürger“ fördert Organisationen und Initiativen sowie Projekte und Vorhaben, die Bürgerinnen und Bürger der EU über Grenzen hinweg zusammen bringen, um voneinander zu lernen und gemeinsam die Zukunft der EU mitzugestalten, Debatten und Aktivitäten anregen, die zur Reflexion über die gemeinsamen Werte, die Geschichte und Kultur in Europa anregen, bei den Bürgerinnen und Bürgern das Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der EU wecken, Toleranz und Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen und Lebensstile der Menschen in Europa fördern. Insbesondere die Aktion 4 „Aktive Europäische Erinnerung“ unterstützt die Erinnerungsarbeit von Stätten, Mahnmalen und Archiven, die sich mit Massendeportationen und Massenvernichtung sowohl in der Zeit des Nationalsozialismus als auch des Stalinismus befassen. Gefördert werden beispielsweise Veranstaltungen oder die Produktion von Dokumentationen in der Gedenkstättenarbeit usw. Die Projektförderung ist auf 18 Monate befristet. Sie wird entweder auf der Basis von Pauschalsätzen oder eines Kosten- und Finanzierungsplanes finanziert. Der Zuschuss beträgt maximal 100.000 Euro, bei einem Finanzierungsplan wird eine Kofinanzierung von 30 Prozent erwartet. Anträge für die Aktion 4 sind 2014 wieder möglich.

Weitere Informationen: www.kontaktstelle-efbb.de

Jugend in Aktion

Ziel von „Jugend in Aktion“ ist es, Solidarität und demokratisches Engagement unter jungen Menschen zu stärken und ihnen zu mehr Mobilität und Zusammenarbeit in Europa zu verhelfen. Gefördert werden Projekte der partizipativen Demokratie und Projekte mit benachbarten Partnerländern. Auch Trainings und Vernetzungsmaßnahmen sowie Begegnungen junger Menschen mit Verantwortlichen für Jugendpolitik erhalten Fördermittel.

Wie bei „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ beruht die Förderung auf verschiedenen Aktionen, u.a. der internationalen Jugendbegegnung, dem Europäischen Freiwilligendienst und der Unterstützung von Fachkräften. Projektanträge können für die Aktionen individuell gestellt werden, Antragsverfahren, Fördervolumen und Fristen sind jeweils von der gewählten Aktion abhängig.

Weitere Informationen: www.jugend-in-aktion.de







Bundesprogramme

Förderprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“

Zentral in der Arbeit gegen Rechtsextremismus und für Demokratie ist das Förderprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ unter Federführung des Bundesfamilienministeriums. Seit 2011 führt es die beiden bis dahin einzeln agierenden Förderprogramme „VIELFALT TUT GUT“ und „kompetent. für Demokratie“ unter einem gemeinsamen Dach fort und zielt darauf ab, demokratisches Engagement und Verhalten sowie den Einsatz für Vielfalt und Toleranz zu fördern. Das Fördervolumen umfasst jährlich 24 Mio. Euro in der Laufzeit 2011-2013 und baut auf drei Säulen auf:
  • die Förderung Lokaler Aktionspläne in kommunaler Verantwortung zur Stärkung der Demokratieentwicklung vor Ort,
  • die Förderung von Modellprojekten, die innovative Ansätze zur Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entwickeln und erproben,
  • die Förderung und Unterstützung qualitätsorientierter Beratungsleistungen in den landesweiten Beratungsnetzwerken.
Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums soll das Programm auch über 2013 hinaus fortgeführt werden. Aktuelle Anträge auf Bundesebene sind nicht möglich. Über die lokalen Aktionspläne werden jedoch Bundesmittel auch kommunal verwaltet. Eine Gebietskarte mit den aktuellen lokalen Aktionsplänen ist auf der Website zu finden. Im Rahmen dieses Förderprogramms werden auch die landesweiten Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus gefördert.

Weitere Informationen: www.toleranz-foerdern-kompetenz-staerken.de

Förderprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“

Das Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ des Bundesinnenministeriums fördert in ländlichen und strukturschwachen Gegenden (vorwiegend) Ostdeutschlands eine selbstbewusste, lebendige und demokratische Gemeinwesenkultur. Ein Ziel ist es, bestehende Strukturen auf- und auszubauen, damit Verbände darauf zurückgreifen können. Mit der Förderung demokratischer Strukturen sieht sich das Programm auch als ein Präventionsprogramm gegen Rechtsextremismus.

Eine Förderung ist über Projektlaufzeiten von zwei Jahren möglich. Anträge für die laufende Förderrunde sind Anfang 2013 abgeschlossen, ob eine weitere Förderrunde ausgeschrieben wird, ist derzeit nicht bekannt. Neben der Projektförderung ist der Aufbau von Fortbildungsmöglichkeiten für kommunale Akteure/-innen geplant.

Weitere Informationen: www.zusammenhalt-durch-teilhabe.de

Bilaterale Jugendwerke

In Bezug auf die internationale Jugendarbeit und -begegnung sind oft die öffentlichen Jugendwerke ein möglicher Fördermittelgeber. Dies setzt eine Form der internationalen Begegnung voraus. Die einzelnen Jugendwerke sind:
  • das Deutsch-Französische Jugendwerk www.dfjw.org,
  • das Deutsch Polnische Jugendwerk www.dpjw.de,
  • die Organisation „Tandem“ für den Deutsch-Tschechischen Austausch www.tandem-org.de,
  • die Organisation „ConAct“ für den Deutsch-Israelischen Austausch www.conact-org.de,
  • die Stiftung Deutsch-Russischer-Jugendaustausch www.stiftung-drja.de.
Die Förderbedingungen der fünf Organisationen sind recht verschieden und daher individuell zu recherchieren. Wir haben eine kurze Einführung in der Sonderausgabe zu „Fördermöglichkeiten für Fahrten zu Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus“ dargestellt auf www.bpb.de/partner/akquisos/151164/oeffentliche-foerdermoeglichkeiten.





Förderprogramme auf Landesebene

In Baden-Württemberg betreibt die Landeszentrale für politische Bildung ein „Themenportal Rechtsextremismus“: www.lpb-bw.de/rechtsextremismus0.html. Darüber hinaus bietet sie Bildungsveranstaltungen für Jugendliche sowie Multiplikatoren/-innen an. Das soll einen Beitrag dazu leisten, junge Menschen frühzeitig über die Funktion und die Wirkung von Vorurteilen und extremem Denken aufzuklären: www.team-mex.de. Im Bereich der historisch-politischen Bildung fördert die Landeszentrale Fahrten zu Gedenkstätten des Nationalsozialismus: www.gedenkstaetten-bw.de. Angesiedelt beim Landeskriminalamt besteht ein Beratungsangebot für Aussteigewillige aus dem rechtsextremen Milieu: www.lka-bw.de/LKA/Seiten/BigRex.aspx.

In Bayern wurde 2009 ein Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus beschlossen. In der Folge wurde die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) beim Landesamt für Verfassungsschutz angesiedelt. Die Mitarbeiter/-innen rekrutieren sich aus Verfassungsschutz und Polizei. Inhaltlich ist die Website verknüpft mit Veranstaltungen und Angeboten der historisch-politischen Bildung, beispielsweise mit der Förderung von Gedenkstättenfahrten (www.bayern-gegen-rechtsextremismus.bayern.de). Darüber hinaus wird das Bayrische Bündnis für Toleranz aus Landesmitteln unterstützt (www.bayerisches-buendnis-fuer-toleranz.de).

In Berlin ist der neue „Jugend-Demokratiefonds Berlin“ gestartet und fördert Projekte zur Stärkung der Partizipation und des demokratischen Handelns von Kindern und Jugendlichen. Das bisherige Förderprogramm „respectABel’“ wird in den Jugend-Demokratiefonds integriert. Neben der Unterstützung modellhafter Projektarbeit (Förderschwerpunkt 1a) können Sonderschwerpunkte und Vorhaben zur Förderung mit landesweiter Bedeutung festgelegt werden (Förderschwerpunkt 1b). Darüber hinaus wird ein Aktionsfonds zur Kinder- und Jugendbeteiligung in den Bezirken eingerichtet.

Weitere Informationen: www.stark-gemacht.de

Das Handlungskonzept „Tolerantes Brandenburg“ der Landesregierung dient als Leitbild für die Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen. Ziel des Programms ist es, zwischen den zivilgesellschaftlichen und demokratisch orientierten Akteuren/-innen ein abgestimmtes Handeln gegen Rechtsextremismus zu unterstützen. Mit Fördermitteln des „Toleranten Brandenburg“ sollen insbesondere lokale Initiativen unterstützt werden.

Weitere Informationen: www.tolerantes-brandenburg.de

In Bremen hat sich neben dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus (www.pro-aktiv-gegen-rechts.bremen.de) noch eine Initiative „Rote-Bunte-Karte“ gebildet, die Aktionen und Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus organisiert (www.rote-bunte-karte.de). Daneben bietet die Landeszentrale (www.lzpb-bremen.de) verschiedene Veranstaltungen und Workshops in diesem Bereich an.

In Hamburg wird aktuell ein Landesprogramm erarbeitet: „Zur strukturellen Bekämpfung von Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie zur nachhaltigen Förderung von Toleranz und Demokratie erarbeitet die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) derzeit unter Einbeziehung der (Fach-)Öffentlichkeit ein Landesprogramm.

Weitere Informationen: www.hamburg.de/gegen-rechtsextremismus

In Hessen gibt es neben dem bereits genannten Landesberatungsnetzwerk (www.beratungsnetzwerk-hessen.de) verschiedene landesweit arbeitende Programme, z.B. das Projekt „Rote Linie“, das präventiv gegen den Einstieg in das rechtsextreme Milieu beraten soll (www.rote-linie.net) oder „Ikarus“, ein Beratungsangebot für Aussteiger/-innen aus der Szene (http://ikarus-hessen.de). Die Landeszentrale für politische Bildung realisiert Veranstaltungen zu dem Themenfeld und unterstützt Fahrten zu Gedenkstätten des Nationalsozialismus (Referate I, III und V) www.hlz.hessen.de.

In Mecklenburg-Vorpommern verabschiedete der Landtag 2008 die Strategie der Landesregierung zur Umsetzung des Landesprogramms „Demokratie und Toleranz gemeinsam stärken!“. Gefördert werden Projekte zur Stärkung von Demokratie und Toleranz sowie zur politischen Bildung. Hier ist die Landeszentrale für politische Bildung Ansprechpartnerin. Gefördert werden Projekte, die der Aufklärung und Ablehnung menschenverachtender und demokratiefeindlicher Bestrebungen dienen, oder geeignet sind, zum Auf- und Ausbau zivilgesellschaftlicher und demokratiestärkender Prozesse insbesondere in Kommunen, Vereinen, Verbänden und Interessenvertretungen beizutragen. Ziel der Förderung ist daher neben der Stärkung der politischen Urteilsfähigkeit auch der Ausbau von weiteren Demokratie-Kompetenzen. Es gibt drei Förderkategorien: „Kleinstprojekte“ (bis zu 1.000 Euro); „Kleinprojekte“ (bis zu 5.000 Euro mit einer 10 Prozent Ko-Finanzierung) und „Gemeinwesenprojekte“ (maximale Fördersumme von 20.000 Euro).

Darüber hinaus gibt es eine Förderung für Projekte zur Kriminalitätsvorbeugung und spezielle Fördermöglichkeiten für Schulen im Bereich der Gewaltprävention und zur Unterstützung von Gedenkstättenfahrten. Kleinstprojekte können durch die Initiative „WIR – Erfolg braucht Vielfalt“ gefördert werden (www.wir-erfolg-braucht-vielfalt.de).

Weitere Informationen: www.mv-demokratie.de

Niedersachsen fördert auf der Grundlage der Richtlinie „Demokratie und Toleranz“ seit 2009 Maßnahmen, die Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft entgegenwirken und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und für Demokratie und Toleranz setzen. Die maximale Förderhöhe beträgt pro Projekt 5.000 Euro, eine Ko-Finanzierung wird erwartet. Antragsberechtigt sind Gebietskörperschaften oder deren Zusammenschlüsse (www.soziales.niedersachsen.de/soziales_gesundheit/integration_migration/demokratie_und_toleranz/demokratie-und-toleranz-106701.html).

Das Landesberatungsnetzwerk ist in Niedersachsen beim Landespräventionsrat angesiedelt und hier erreichbar: www.lpr.niedersachsen.de/nano.cms/de/Aktivitaeten?XAction=Details&XID=104.

In Nordrhein-Westfalen ist die Koordinierung des Landesberatungsnetzwerks bei der Landeszentrale für politische Bildung angesiedelt und bildet dort – zusammen mit der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung – das Referat Veranstaltungen, Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus. Die Landeszentrale bietet selbst Veranstaltungen zu den Themen Demokratie und Rechtsextremismus an. Ein weiteres Referat fördert die Arbeit der ca. 20 Mahn- und Gedenkstätten.

Weitere Informationen: www.lzpb.nrw.de

In Rheinland-Pfalz informiert das Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen umfangreich über verschiedene landesweite Fördermöglichkeiten gegen Rechtsextremismus, u.a. in einem Aussteigerprogramm, in einer Elterninitiative, mit Veranstaltungen der politischen Bildung usw. Die gebündelten Informationen finden sich hier: http://mifkjf.rlp.de/jugend/rechtsextremismus. Ein weiterer wesentlicher Akteur ist die Landeszentrale für politische Bildung, die verschiedene Veranstaltungen zu diesem Thema anbietet: www.politische-bildung-rlp.de/extremismus.html.

Im Saarland ist die Koordination des Beratungsnetzwerkes im Landesministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie angesiedelt. Ebenfalls beim Ministerium findet sich eine landesweite Beratungsstelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt. Die Kontaktdaten finden sich hier: www.saarland.de/78149.htm. Die Fachberatung des Netzwerkes liegt beim Adolf-Bender-Zentrum, einem Träger der Jugendhilfe, der neben der Beratungsarbeit Projekte und Fortbildungsmöglichkeiten zur Unterstützung demokratischer Entwicklung und gegen Rechtsextremismus für Jugendliche und Multiplikatoren/-innen anbietet: www.adolfbender.de. Veranstaltungen im Bereich historisch-politischer Bildung werden ebenfalls von der Landeszentrale für politische Bildung angeboten: www.lpm.uni-sb.de.

In Sachsen wurde das Programm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ 2005 aufgelegt. Für die Jahre 2013 und 2014 sind im aktuellen Doppelhaushalt jährlich 3 Mio. Euro budgetiert worden. Gefördert werden Projekte, die sich mit den Themen Extremismus, Rassismus und Antisemitismus, Toleranz u. a. auseinandersetzen sowie zum interkulturellen Austausch beitragen. Anträge für das Folgejahr müssen bis spätestens 1. Oktober des laufenden Jahres beim Sächsischen Staatsministerium des Innern eingereicht werden. Für geförderte Maßnahmen und Projekte, die ab dem 1. Mai oder später beginnen sollen, können Anträge bis 1. März des jeweiligen laufenden Jahres eingereicht werden.

Weitere Informationen: www.sachsen.de/wos

In Sachsen Anhalt ist das Ministerium für Gesundheit und Soziales zuständig. Regionale Beratungsteams und Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt bieten fachkompetente Beratung an für Kommunen, Vereine, Verbände etc. und geben Hilfestellung bei rechtsextremen Ereignissen. Die Opferberatungsstellen bieten Unterstützung für Betroffene rechter Gewalt sowie deren Angehörige an.

Weitere Informationen: www.sachsen-anhalt.de/index.php?id=42692

In Schleswig-Holstein soll die Arbeit gegen Rechtsextremismus zukünftig mit einem neuen Landesprogramm gestärkt werden. Aus einer Pressemitteilung des Innenministeriums vom 17.01.2013: „Mit einem flächendeckenden Beratungsangebot will die Landesregierung ihre Aktivitäten im Kampf gegen den Rechtsextremismus weiter verstärken. (…) Die Landesregierung stellt dafür in diesem Jahr erstmals 300.000 Euro zur Verfügung.“ (www.schleswig-holstein.de/IM/DE/Service/Presse/PI/2013/130117_im_rechtsextremismus.html).

In Thüringen wurde im Dezember 2010 die Einrichtung eines Landesprogramms „für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit“ verabschiedet. Damit werden Strukturen wie die Mobile Beratung, die Opferberatung sowie die Aussteiger- und Elternberatung gefördert und Lokale Aktionspläne zur Weiterentwicklung demokratischer Strukturen in den Landkreisen und kreisfreien Städten unterstützt. Daneben können (Modell-)Projekte der Prävention von antidemokratischem Denken und Handeln finanziert werden. Für kurzfristige intervenierende Aktionen gibt es den „Interventionsfonds“, der schnelle Aktionen gegen Rechtsextremismus mit Festbeträgen (max. bis zu 1.000 Euro) unterstützt. Im Landeshaushalt 2013/14 sind für das Programm ca. 2,4 Mio. Euro bewilligt.

Weitere Informationen: www.thueringen.de/denkbunt/willkommen





Kommunale Fördermöglichkeiten

Da die kommunale Förderung von Aktivitäten und Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus sehr verschieden organisiert ist, konzentriert sich dieser Abschnitt auf strukturelle Möglichkeiten, mit denen die öffentliche Hand kommunale Vorhaben unterstützt.

Lokale Aktionspläne

Im Rahmen des oben bereits dargestellten bundesweiten Förderprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ werden aktuell ca. 174 lokale Aktionspläne bundesweit gefördert. In den entsprechenden Gebieten ist es möglich, eine Förderung im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes zu beantragen. Mögliche Fristen, inhaltliche Schwerpunkte und andere Rahmenbedingungen werden in jedem lokalen Aktionsplan individuell gestaltet und sind daher zu recherchieren. Eine Liste der Lokalen Aktionspläne findet sich hier: www.toleranz-foerdern-kompetenz-staerken.de/tfks_lokale_aktionsplaene.html.

Soziale Stadt

Im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“ gibt es für die betreffenden Gebiete ebenfalls die Möglichkeit, über einen Aktionsfonds lokale Aktivitäten zu unterstützen. Auch hier sind die Bedingungen in den Gebieten unterschiedlich gestaltet. Eine Liste der Programmgebiete findet sich hier: www.staedtebaufoerderung.info/cln_033/nn_512334/StBauF/DE/SozialeStadt/Programmgebiete/programm__node.html?__nnn=true.

Jugendämter, Kulturämter, Sozialämter

Selbstverständlich sollte auch die „klassische“ Förderung, die der herrschenden föderalen Systematik folgt (also Kommune vor Land oder Bund) bei lokalen Fundraising-Vorhaben nicht außer Acht gelassen werden. Die interessantesten Ansprechpartner/-innen auf der lokalen Ebene sind in der Regel das lokale Jugendamt, das lokale Sozialamt oder das lokale Kulturamt. Wie bei allen Anträgen ist auch hier zu beachten, dass das Vorhaben auch tatsächlich den Aufgabenbereich der jeweiligen Behörde widerspiegelt. Insofern kann auch eine Kontaktaufnahme mit der lokalen Wirtschaftsförderung hilfreich sein, wenn es um eine Verbindung arbeitsmarktbezogener Zielstellungen mit dem Thema Rechtsextremismus geht.

Auf Landes-, Kreis- und Stadtebene sind darüber hinaus die Träger der Jugendarbeit in entsprechenden „Jugendringen“ zusammengeschlossen. Diese Jugendringe können ein politisches Unterstützungsgremium für das Projektlobbying sein. Manche Jugendringe finanzieren auch selbst Projekte oder führen sie in eigener Regie durch. Eine Liste der Landesjugendringe findet sich hier: Eine Liste der Landesjugendringe findet sich hier: www.landesjugendring.de/Landesjugendringe_in_Deutschland/LJRe.html.





Stiftungen

Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) setzt sich in Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischen Unrechts für die Stärkung der Menschenrechte und für Völkerverständigung ein. Gegründet wurde die Stiftung EVZ vor allem, um Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu leisten. Die Stiftung organisiert außerdem zahlreiche Förderprogramme in den Feldern „Auseinandersetzung mit der Geschichte“, „Handeln für Menschenrechte“ und „Engagement für Opfer des Nationalsozialismus“. Beispielhaft seien hier genannt:
  • Leo Baeck Programm: Das Programm fördert Projekte, die differenzierte und vielfältige Bilder deutsch-jüdischer Geschichte zeigen und zur Wissensvermittlung über jüdische Kultur beitragen.
  • Geschichtswerkstatt Europa: In dem Förderprogramm werden Projekte und Veranstaltungen unterstützt, die sich mit der europäischen Erinnerungskultur auseinandersetzen.
  • Europeans for Peace: Gefördert werden internationale Schul- und Jugendprojekte zwischen Deutschland und den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie Israel.
Weitere Informationen: www.stiftung-evz.de

Robert Bosch Stiftung

Die Robert Bosch Stiftung, eine der größten Unternehmensstiftungen Deutschlands, unterstützt unterschiedliche Projekte beispielsweise in den Themenfeldern Wissenschaft, Kultur, Bildung, Gesundheit oder Gesellschaft. Neben der Fördertätigkeit bietet die Robert Bosch Stiftung auch eigenständig Förderprogramme oder -projekte an, die im Detail ebenfalls für mögliche Fördernehmer interessant sein können. Das Antragsverfahren bei der Stiftung startet mit einer unverbindlichen Anfrage (Projektskizze, 2 Seiten). Hinweise dazu finden sich unter: www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/8171.asp.

Weitere Informationen: www.bosch-stiftung.de

Friedrich Christian Flick Stiftung

Die Aufgabe der „Friedrich Christian Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“ ist die Förderung der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens, um so dem Rechtsextremismus und der Gewalt von Jugendlichen entgegenzuwirken. Die Stiftung sieht den Schwerpunkt ihrer Arbeit besonders in der Förderung kleiner Projekte in den neuen Bundesländern und Berlin. Gedenkstättenfahrten können Bestandteil der Förderung von internationalen Jugendaustauschprogrammen sein, die sich auf die Mittel- und Osteuropäischen Staaten konzentrieren. Weitere Kriterien der Förderung sind:
  • Zugelassene Träger: schulisch, freie Jugendarbeit
  • Alter: 5-20 Jahre
  • Förderung: Teilfinanzierung von Projekten
  • Abgabefristen: Formloser Antrag jederzeit möglich, Bearbeitungszeit ca. 10-12 Wochen
Weitere Informationen: www.stiftung-toleranz.de/stiftung/friedrich-christian-flick

Amadeu Antonio Stiftung

Mit ihren Projekten unterstützt die Amadeu Antonio Stiftung Initiativen und Projekte, die sich für eine demokratische Zivilgesellschaft einsetzen und sich aktiv mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus beschäftigen. Gefördert werden Projekte vor allem auch im ländlichen Raum oder dort, wo es Lücken staatlichen Handelns gibt. Besonderes Interesse hat die Stiftung an der Förderung von Initiativen und Projekten, die auf anderem Wege wenige Chancen auf finanzielle Unterstützung haben. Der Stiftungsrat der Amadeu Antonio Stiftung entscheidet zweimal jährlich über die eingegangenen Anträge, die mehr als 2.500 Euro an Förderung beantragen. Antragsschluss ist jeweils zum 30.06. und 31.12. des Jahres. Über Anträge bis zu einer Summe von 2.500 Euro wird laufend von einem kleineren Gremium entschieden, wobei eine Bearbeitungszeit von 6 bis 8 Wochen bei der Antragstellung eingerechnet werden sollte.

Weitere Informationen: www.amadeu-antonio-stiftung.de

Politische Stiftungen

Bei passenden Veranstaltungen ist es durchaus möglich, eine politische Stiftung als Partner, evtl. offiziellen Veranstalter oder Unterstützer für die Umsetzung zu gewinnen. Bei einer Recherche sollte darauf geachtet werden, dass es neben den bundesweiten Stiftungen Landesverbände oder -büros gibt, die oft selbst über eine Fördermittelvergabe entscheiden. Hier eine Auswahl der größten politischen Stiftungen: Otto-Brenner-Stiftung

Die Otto Brenner Stiftung ist die Wissenschaftsstiftung der IG Metall. Sie verfolgt das Ziel, sowohl grundlegende Konzepte zur Verwirklichung einer sozial integrativen Gesellschaft in die Diskussion einzuspeisen, als auch Hilfestellung in ganz konkreten Sachfragen zu leisten. Dabei setzt die Stiftung auf den engen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Einer ihrer Schwerpunkte ist die soziale Integration und Diversity Management (hierunter fallen z. B. Rechtsextremismus, Armut, Migration, Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt etc.). Eine Einreichung eines Projektantrages ist jederzeit möglich.

Weitere Informationen: www.otto-brenner-stiftung.de

Bürgerstiftungen

Bundesweit gibt es mittlerweile ca. 300 Bürgerstiftungen mit einem gesamten Stiftungskapital von über 200 Mio. Euro. Eine Bürgerstiftung ist eine unabhängige Stiftung, die Bürgerinnen und Bürger für ihr Umfeld gestalten. Der Stiftungszweck ist in einem geographisch begrenzten Raum möglichst breit beschrieben. Nicht wenige Bürgerstiftungen unterstützen auch Projekte, Initiativen oder Netzwerke für Demokratie und gegen Rechtsextremismus.

Eine Einführung in die Bürgerstiftungen findet sich hier: www.die-deutschen-buergerstiftungen.de

Weitere Stiftungen finden sich beispielsweise unter www.stiftungsindex.de oder in der „Praxishilfe Fundraising“ auf: www.lap-herrenberg.de/fileadmin/Downloadcenter/Merkblaetter/111108_Praxishilfe_Fundraising_09.11.pdf.





Wettbewerbe

Wettbewerbe – ausgeschrieben von der öffentlichen Hand oder einem privaten Geldgeber – gewinnen an Bedeutung im Fundraising. Auch wenn hier für 2013 schon einige Fristen abgelaufen sind, listen wir ein paar für das Themenfeld Rechtsextremismus relevante wiederkehrende Wettbewerbe hier auf.

Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“

Jedes Jahr schreibt das Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) den Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ aus. Den Gewinnern/-innen winken Geldpreise in Höhe von 2.000 – 5.000 Euro und eine verstärkte Präsenz in der Öffentlichkeit. Damit will das von der Bundesregierung gegründete BfDT zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Bereich der praktischen Demokratie- und Toleranzförderung unterstützen.In diesem Jahr werden insbesondere Wettbewerbsbeiträge zur Rechtsextremismusprävention gesucht. Prämiert werden erfolgreiche Projekte, die überwiegend durch ehrenamtliches Engagement getragen werden. Bewerbungen können bis zum 27. September 2013 eingereicht werden.

Weitere Informationen: www.buendnis-toleranz.de

Julius Hirsch Preis

Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Julius Hirsch Preis des Deutschen Fußball Bunds (DFB) wird jährlich verliehen. Eine Verleihung an mehrere Preisträger/-innen ist möglich. Ausgezeichnet werden Projekte und Initiativen, die sich in öffentlich wahrnehmbarer Form für Demokratie und Menschenrechte und gegen Antisemitismus, Rassismus, Extremismus und Gewalt wenden. Die Aktivitäten sollten in, um oder durch den Fußball ihr Wirkungsfeld haben. Bewerben können sich Einzelpersonen, Initiativen und Vereine. Die Einreichfrist ist für 2013 bereits abgelaufen.

Weitere Informationen: www.dfb.de/index.php?id=501071

Wettbewerb „Die Gelbe Hand“

Der Verein „Mach meinen Kumpel nicht an“ tritt für gleiche Rechte für alle ein und engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus. Im Rahmen des Wettbewerbs werden Beiträge gegen Ausgrenzung, Rassismus und für die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt gesucht. Sie sollen andere dazu ermuntern, selbst gegen Rassismus und für Gleichberechtigung aktiv zu werden. Die Darstellungsform ist frei wählbar. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen und alle Jugendliche, die sich derzeit in einer beruflichen Ausbildung befinden – aus dem ganzen Bundesgebiet. Ebenfalls teilnehmen können Beschäftigte aus Betrieben und Verwaltungen. Der Wettbewerb findet jährlich statt, die letzte Ausschreibung war mit insgesamt 2.800 Euro dotiert.

Weitere Informationen: www.gelbehand.de/wettbewerb

Wettbewerb „Demokratisch Handeln“

Der Wettbewerb „Demokratisch Handeln“ wird seit 1990 für alle allgemeinbildenden Schulen in Deutschland ausgeschrieben. Gesucht werden Projekte, Initiativen und Ideen, in denen das Lernen für Demokratie und Politik um Erfahrungsmöglichkeiten erweitert wird sowie Themen und Aufgaben des Gemeinwesens in den Mittelpunkt eines verstehenden und handelnden Lernens kommen.

Weitere Informationen: www.demokratisch-handeln.de





Spenden und andere Fundraising-Möglichkeiten

Neben der Akquise von Fördermitteln durch Projektanträge ist die Spendenakquise ein wesentliches weiteres Feld für die mögliche Projektunterstützung. Besonders lokale Projekte und kleinere Initiativen können hier über die direkte Ansprache ihrer Bekannten, ihrer Freunde/-innen oder Arbeitskollegen/-innen eine relevante Summe akquirieren.

Ein Beispiel: Für das Projekt „Demokratisch Lernen“ braucht die Initiative „Wir im Kiez“ 3.000 Euro. 2.000 Euro erhält sie über den Lokalen Aktionsplan. Um die noch offenen 1.000 Euro zu akquirieren wird eine Soli-Party organisiert. Das Ergebnis: Die Initiative kam in die lokalen Medien (bevor das Projekt überhaupt begonnen hat), es waren 350 Gäste bei der Party und es gab sogar noch einen „Überschuss“ von 130 Euro.

Suchen Sie beim direkten Fundraising Kontakte, die Sie bereits kennen. Untersuchungen zeigen, dass die „warme“ Akquise bei Bekannten signifikant erfolgreicher ist, als die „Kaltakquise“. Und Sie können sich besser „einüben“.

Fundraising läuft immer besser mit einer unterstützenden Öffentlichkeitsarbeit. Vielleicht gibt es eine pfiffige Aktion, einen passenden Jahrestag oder eine andere Veranstaltung an die Sie sich „dranhängen“ können und so ebenfalls in den Medien erscheinen. Netzwerke sind alles. In dem Fall können sie beispielsweise ein Türöffner für Sie sein, oder eine politische Unterstützung beim Ortsbürgermeister (um das Vereinshaus für die o.g. Party zu bekommen), oder die Abkürzung, um in die Medien zu kommen, oder… Pflegen Sie diese Netzwerke. Gehen Sie ruhig auch an andere Institutionen. Kirchengemeinden sind beispielsweise häufig Mitglied in Initiativen und lokalen Netzwerken gegen Rechtsextremismus und haben dann auch hin und wieder finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten oder Räume für Veranstaltungen.

Auch lokale Unternehmen wollen sich vielleicht beteiligen. Hier gilt: Unternehmen geben vielleicht lieber eine „Sachspende“ (also die Brötchen für die Party) als Geld – Flexibilität hilft da beiden Seiten weiter. Oder es hat jemand kein Geld, will aber mitmachen – dann gleich zur nächsten Planungsrunde einladen.

Alles setzt natürlich voraus: Sie haben einen klaren Plan Ihres Vorhabens und der entsprechenden Kosten und können das auch vermitteln. Denn das Vertrauen in Ihr Tun ist die Voraussetzung dafür, dass Sie Unterstützer/innen finden können.

Die Akquisos-Ausgabe 3/2012 hat sich intensiv mit dem Thema „Spenden“ auseinander gesetzt.