Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Autonome Nationalisten

Berlin, zu Beginn der Nullerjahre: Hier begann die Geschichte der Autonomen Nationalisten. Äußerlich nur nach genauem Hinsehen als Rechtsextremisten zu erkennen, gehen sie so aggressiv wie kaum ein Teil der extremen Rechten vor. Der neue Schwerpunkt zum Thema erklärt die Geschichte der Gruppierung, zeigt in einer interaktiven Grafik ihre Symbole und lässt einen Aussteiger zu Wort kommen: "Der alternative Lifestyle wirkt auf Jugendliche einfach anziehender als dieses uralte Nazi-Skinhead-Ding."

Kurz & knapp: Toralf Staud über die AN (© Bundeszentrale für politische Bildung)

Zwei junge Männer und eine junge Frau posieren am Rande eines Neonazi-Aufmarsches.

Toralf Staud, Johannes Radke

Turnschuhe statt Springerstiefel

Die militante Neonazi-Szene hat sich tiefgreifend gewandelt. Mit den "Autonomen Nationalisten" ist eine Strömung entstanden, die kaum noch als rechtsextrem zu erkennen ist. Bei der linken Szene kopieren sie Ästhetik, Aktionsformen und Sprüche – aber ideologisch sind sie noch rückwärtsgewandter als die NPD. Mit Sorge blicken die Sicherheitsbehörden auf die Gewaltbereitschaft der Autonomen Nationalisten. Weiter...

Interaktiver Webtalk der bpb

Andreas Speit, Toralf Staud, Hadija Haruna

Interaktiver Webtalk: Autonome Nationalisten

Autonome Nationalisten: Sind sie der dynamischste Teil der extremen Rechten? Am 22. August sprachen wir per interaktivem Live-Webtalk mit den Journalisten Toralf Staud und Andreas Speit, moderiert von der Journalistin Hadija Haruna. Hier findet ihr nun die Aufzeichnung des Videostreams. Weiter...

Infografik: Autonome Nationalisten


Autonome Nationalisten: So sehen sie aus Glatze und Springerstiefel? Fehlanzeige! Die sogenannten Autonomen Nationalisten (AN) geben sich hip und modern. Anders als früher rechte Skinheads sind sie nur noch an wenigen Symbolen und Kleidungsstücken eindeutig zu erkennen. Viele ihrer Styles haben sie aus anderen Jugendkulturen übernommen und so zurechtgebogen, dass sie zu ihrer rechtsextremen Ideologie passen. Diese interaktive Grafik zeigt einige der eindeutigen und uneindeutigen Codes der Szene.
Handschuhe Uneindeutig: Quarz-Handschuh Die Gewaltbereitschaft der Autonomen Nationalisten ist enorm hoch. Neben Waffen wie Pfefferspray und Teleskopschlagstöcken benutzen sie bei Überfällen oft mit Quarzsand gepolsterte Handschuhe, die auch von anderen gewaltbereiten Gruppen getragen werden. Faustschläge damit führen zu erheblichen Verletzungen. Die Handschuhe sind frei käuflich, das Mitführen bei Demonstrationen ist jedoch verboten. Pali-Tuch Uneindeutig: Pali-Tuch Das sogenannte Palästinenser-Tuch stammt aus der arabischen Welt und wird dort von Männern - nicht nur Palästinensern - getragen, um sich vor der Sonne zu schützen. Die Kopfbedeckung wurde im Nahost-Konflikt zum Symbol der Palästinenser, auf dem Kopf des PLO-Führer Jassir Arafat erlangte es Berühmtheit und wurde weltweit von linken Aktivisten als Zeichen der Solidarität getragen. Frei nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ ergreifen Neonazis bisweilen Partei für befreiungsnationalistische Bewegungen im Ausland, so auch für jene in Palästina. Wie ein Teil dieser Bewegung sind die Autonomen Nationalisten klar antisemitisch: Sie sehen sich als „völkische Freiheitskämpfer“ gegen „das Weltjudentum“. Pali-Tuch Uneindeutig: Sonnenbrille Während viele andere Rechtsextreme, etwa von der NPD, ein bürgernahes Auftreten versuchen, geben sich Autonome Nationalisten gern anonym, militant und aggressiv. Bei AN-Aufmärschen dominieren deshalb schwarze Kapuzenjacken und Sonnenbrillen wie eine Uniformierung. Das eigentlich unpolitische Modeaccessoire Sonnenbrille ist für die Szene ein beliebtes Mittel, um in der Öffentlichkeit das Gesicht zu vermummen. Basecap Uneindeutig: Basecap Schwarze Baseball-Mützen gehören fest in das modische Repertoire der Autonomen Nationalisten. Natürlich tragen auch viele unpolitische oder linke Jugendliche die Baseball-Mützen, ein Cap allein sagt daher wenig aus. Viele AN-Anhänger verzieren ihre Basecaps aber mit eindeutigen Ansteckern (siehe dort). Turnschuhe Uneindeutig: New Balance-Turnschuhe Die US-amerikanische Turnschuh-Firma „New Balance“ ist unter Autonomen Nationalisten ziemlich beliebt. Die Szene bevorzugt einen sportlichen Stil, und das Markenzeichen „N“ lässt sich als Abkürzung für „Nationalsozialist" deuten. „New Balance“ ist aber keineswegs eine rechtsextreme Marke, im Gegenteil: das Unternehmen wehrt sich gegen die Vereinnahmung der Marke durch Neonazis. Beispielsweise stoppte „New Balance" die Belieferung von Kleidungsgeschäften, die eindeutig zur rechten Szene gehören. Thor-Steinar-Hose Eindeutig: Thor-Steinar-Hose Die Modemarke „Thor Steinar" aus Brandenburg ist seit Jahren in der Neonaziszene äußerst beliebt. Die Motive spielen mit völkischen Runen und Anspielungen auf das „Dritte Reich" und die Wehrmacht. Genau das gefällt den meist jugendlichen Autonomen Nationalisten. Button „I love NS" Eindeutig: Button „I love NS" aufnaeherWas in der Kunst und in linken Protestbewegungen schon lange üblich ist, versuchen nun auch die Autonomen Nationalisten: Sie kapern markante Layouts bekannter Marken und füllen sie mit eigenen Inhalten. Ein Beispiel ist das weltweit bekannte Motiv „I love New York", welches sie kurzerhand in „I love NS" geändert haben: „Ich liebe den Nationalsozialismus“. Fahne Eindeutig: Fahne antifaschistische-aktionDie Autonomen Nationalisten kopieren und persiflieren viele Symbole der linken Szene, sogar das klassische Logo der Antifagruppen haben sie leicht verändert übernommen. Es zeigt (wie das Original) eine rote und eine schwarze Fahne in einem Kreis, die Worte „Antifaschistische Aktion" wurden einfach durch „Autonome Nationalisten - Bundesweite Aktion" ersetzt. Eine gezielte Provokation gegen alle, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Aufnäher Eindeutig: Aufnäher „Fuck Israel" aufnaeherEnglischsprachige Parolen galten früher in der rechten Szene als undeutsch und damit tabu. Die Autonomen Nationalisten jedoch haben trotz ihrer antiamerikanischen Ideologie keine Berührungsängste mit Anglizismen. Ihren Antisemitismus verbreiten sie deshalb auch auf Englisch. Der Schriftzug „Fuck Israel" ist unverkennbar an das Coca-Cola-Logo angelehnt. Das soll die plumpe Hetze cooler wirken lassen. Playlist Eindeutig: Playlist Musik ist eines der wichtigsten Propagandamittel der rechtsextremen Szene. Das Spektrum reicht von recht moderatem Rock bis zu offen nationalsozialistischem Hardcore. Beliebt unter Autonomen Nationalisten sind zum Beispiel die Bands:
- Aggravated Assault
- Path of Resistance
- Strength thru Blood
- Brainwash
- Blue Eyed Devils
- Moshpit
- Landser
- Makss Damage
Szene-Shirt Eindeutig: Szene-Shirt Frakturschrift war gestern, die Neonazis von heute lieben oft auch bunte Logos und Buchstaben im Graffiti- oder Tattoo-Stil. Die unter Autonomen Nationalisten beliebte Marke „Ansgar Aryan" bietet NS-Begriffe wie „Volksgemeinschaft" im Surfer-Look an. Für flüchtige Betrachter ist der Schriftzug nur noch schwer zu entziffern. Button-gnls Eindeutig: Button „Good night left side" Good night white pride "Good night white pride" ist das Symbol einer Kampagne gegen rechtsextreme Tendenzen in der Hardcore-Musikszene. Die Autonomen Nationalisten verkehrten das Motiv mit „Good night left side" ins Gegenteil.

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Demonstration von Neonazis in Dortmund. (Roland Geisheimer/attenzione)

Toralf Staud, Johannes Radke

"Dortmund ist unsere Stadt"

Die Ruhrgebietsmetropole Dortmund gilt seit Jahren als Hochburg der Autonomen Nationalisten (AN), etliche Kader haben sich dort angesiedelt, ein Stadtviertel sehen sie gar als "National Befreite Zone". Im Sommer 2012 wurde die örtliche AN-Gruppe verboten – doch der Spuk ist noch immer nicht vorbei. Weiter...

Gruppe von Teilnehmern und Teilnehmerinnen eines Aufmarsches von Neonazis. Das Gesicht der Person im Vordergrund wird von einer schwarzen Fahne verdeckt.

Toralf Staud, Johannes Radke

Aussteigerinterview: "Diesen extremen Rassismus konnte ich nicht mehr ertragen"

Jonas* war einmal ein Neonazi. Acht Jahre lang war er in der Szene aktiv, anfangs als rechter Skinhead, doch die längste Zeit als Autonomer Nationalist (AN). Er war an Dutzenden Aufmärschen beteiligt, nahm an konspirativen Treffen teil und an brutalen Gewalttaten. Weiter...

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Autonome Nationalisten (Teil 2)

Andreas Speit über Aussteiger

Schnell rein, schnell raus: Relativ viele Jugendliche kehren den Autonomen Nationalisten nach kurzer Zeit wieder den Rücken. Allerdings ist der Ausstieg schwierig... Weiter...

Mediathek

Autonome Nationalisten (Teil 3)

Toralf Staud über Dortmund

Dorstfeld ist ein Stadtteil von Dortmund und eine Hochburg der Autonomen Nationalisten. Hier zeigt sich, dass Rechtsextremismus nicht nur ein Problem Ostdeutschlands ist. Weiter...

 
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