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26.6.2015 | Von:
Ninja Hofmann

Putzen gegen Neonazis

Eine Berliner Rentnerin zieht putzend durchs Land, um Schmierereien und Aufkleber von Neonazis zu entfernen. Für ihr Engagement wurde sie Anfang März mit dem Göttinger Friedenspreis geehrt. Die politischen Putzaktionen stoßen allerdings auch auf Widerstand.

Irmela Mensah-Schramm übermalt ein Hakenkreuz in Berlin.Irmela Mensah-Schramm übermalt ein Hakenkreuz in Berlin. (© picture-alliance/AP)

Nagellackentferner, Spachtel, Farbe, Pinsel und Fotokamera: Ohne diese Utensilien verlässt Irmela Mensah-Schramm nie das Haus. Es ist ihr Werkzeug im Kampf gegen Hassparolen und Neonazisymbole. Seit fast 30 Jahren zieht die gelernte Pädagogin durch Deutschland und entfernt rechtsextreme Schmierereien und Aufkleber. Vor dem Überpinseln oder Abschaben hält die Rentnerin ihre Fundstücke mit dem Fotoapparat fest. Auf mehr als 16.000 Fotos hat sie so bis heute die rechtsextreme Propaganda dokumentiert.

Ein Aufkleber vor der eigenen Haustür bewegte sie zum Handeln

Angefangen hat die selbst ernannte "Politputze" mit ihrem Engagement im Sommer 1986. An einer Bushaltestelle direkt vor ihrer Haustür in Berlin Wannsee entdeckte sie morgens einen Aufkleber mit dem Slogan "Freiheit für Rudolf Heß". Weil sie in Eile war, entfernte Irmela Mensah-Schramm den Aufkleber nicht sofort. Schließlich ärgerte sich den ganzen Tag, sich nicht die Zeit dafür genommen zu haben. "Als ich abends nach Hause kam und der Aufkleber noch immer hing, war ich geschockt. Ich konnte nicht glauben, dass keiner der vielen Leute, die im Laufe des Tages an der Haltestelle standen, den Aufkleber abgerissen hatte. Da habe ich beschlossen, dem Nichtstun ein Ende zu bereiten."

Seither ist sie an mehreren Tagen die Woche unterwegs, vor allem in Berlin und Brandenburg, aber auch in anderen Bundesländern. An Häuserwänden, an Laternenpfählen, auf Parkbänken oder U-Bahn-Sitzen: Wo immer die Rentnerin auf Neonazi-Sprüche stößt, wischt sie diese weg, kratzt sie ab oder übermalt sie. "So lange ich diesen Nazidreck finde, ist meine Mission nicht beendet", sagt sie.

Mit Ausstellungen und Workshops klärt sie über Rechtsextremismus auf



Die Fotos der rechtsextremen Parolen hat Irmela Mensah-Schramm für eine Wanderausstellung zusammengetragen. Unter dem Titel "Hass vernichtet" war die Ausstellung schon mehr als 400 Mal in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu sehen – vor allem in Schulen, Rathäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen. Daneben veranstaltet Irmela Mensah-Schramm Workshops für Schüler. in denen diese sich mit den Bildern auseinandersetzen. "Ich bin immer wieder erstaunt und erfreut darüber, wie engagiert sich die Jugendlichen mit dem Thema beschäftigen und wie viele tolle Ideen sie entwickeln, sich gegen rechte Parolen zu wehren".

Ausstellungsbilder:



Die Aktivistin hat viele Fans

Wenn die Aktivistin auf ihren Putztouren unterwegs ist, trifft sie viele Menschen, die sie unterstützen. "Immer wieder danken mir Menschen für mein Engagement oder gehen mir sogar zur Hand, um die Schmierereien zu beseitigen. Selbst ein Polizist sagte einmal zu mir, dass er mir lieber helfen würde, anstatt Streife zu fahren". Besonders gerührt war Irmela Mensah-Schramm, als sie vor Kurzem einen Stapel Fanpost von einer Schulklasse aus Bayern erhielt. Jeder Schüler aus der Klasse hatte einen eigenen Brief geschrieben.

Im März 2015 wurde sie für ihr langjähriges Engagement mit dem Göttinger Friedenspreis geehrt. In der Begründung der Preisjury hieß es: "Irmela Mensah-Schramm hat durch ihre ausdauernden, konsequenten Aktivitäten ein bewundernswertes und vorbildhaftes Zeichen gesetzt."

Von Gegnern lässt sie sich nicht einschüchtern

Erschrocken ist die engagierte Rentnerin allerdings darüber, wie viele Menschen ablehnend auf die Putzaktionen reagieren: "Manche belächeln mich nur, andere beschimpfen mich, drohen mir oder zeigen mich sogar an. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sagen mir: ‚Das dürfen Sie doch nicht‘ oder ‚Sie müssen doch auch andere Meinungen akzeptieren‘. Denen ist es tatsächlich lieber, wenn die Hakenkreuze und SS-Runen oder die rassistischen Parolen stehen bleiben."

Irmela Mensah-Schramm weiß, dass ihre Aktionen rein rechtlich unter Sachbeschädigung und manchmal auch Hausfriedensbruch fallen. Das hält die Rentnerin aber nicht auf. "Fest steht für mich, ich gehe gegen diese Hassparolen vor. Auch wenn ich massive Sachbeschädigung in Kauf nehmen muss, um die menschenverachtenden Sprüche zu beseitigen, entscheide ich mich dafür. Denn beschädigte Gegenstände sind alle ersetzbar und reparabel – eine verletzte Menschenwürde jedoch nicht!"

Mehr Infos zu den Projekten von Irmela Mensah-Schramm sind hier zu finden.


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