Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Grauzonen

In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland waren Parteien und Gruppierungen am rechten Rand des politischen Systems wenig präsent. In den letzten beiden Jahren hat sich allerdings eine Gewichtsverlagerung vom Rechtsextremismus hin zum Rechtskonservatismus vollzogen. In der Grauzone dazwischen tummelen sich verschiedene Kräfte mit teils sehr unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie die Prinzipien einer liberalen Demokratie ablehnen und eine autoritär-etatische Gesellschaft mit einem starken Staat befürworten. Einen Staat, der sich auf eine möglichst homogene (Volks-)Gemeinschaft stützt.

"Wir sind das Volk" steht auf der Wand am Stand der rechtskonservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit" am 17.03.2016 auf der Buchmesse in Leipzig (Sachsen).

Gideon Botsch

Die Junge Freiheit – Sprachrohr einer radikal-nationalistischen Opposition

Seit ihrer Gründung vor 30 Jahren versucht die Wochenzeitung Junge Freiheit den Begriff "Konservatismus" zu vereinnahmen, meint Gideon Botsch. Zwar habe sie sich im Laufe ihrer Geschichte inhaltlich gemäßigt, aber noch immer wünsche sie sich eine fundamentale Veränderung der heutigen Bundesrepublik. Weiter...

Maren Brandenburger (r), Präsidentin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, und der Kriminaldirektor Wolfgang Rösemann posieren am 26.01.2016 während einer Veranstaltung des niedersächsischen Verfassungsschutzes in Hannover (Niedersachsen) vor Medienvertretern.

Toralf Staud

"Die Nichtbeobachtung durch den Verfassungsschutz ist kein demokratisches Gütesiegel"

Der Begriff "Rechtsextremismus" ist umstritten, in Wissenschaft und bei Sicherheitsbehörden gibt es unterschiedliche Definitionen. Einen relativ engen Blick haben die Verfassungsschutzämter in Bund und Ländern. Die Präsidentin des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, Maren Brandenburger, erklärt im Interview, was ihre Behörde macht – und was sie nicht macht. Weiter...

Ein Delegierter des Thüringer Landesparteitages der Partei Alternative für Deutschland (AfD) trägt am 09.04.2016 in der Stadthalle in Arnstadt (Thüringen) ein T-Shirt mit der Aufschrift "Wir unterstützen Björn Höcke! Patriotische Plattform".

Richard Stöss

Der rechte Rand des politischen Systems der Bundesrepublik

Der rechte Rand des politischen Systems der Bundesrepublik besteht aus Organisationen und Gruppierungen, die ideologisch-programmatisch rechts von den Unionsparteien angesiedelt sind. Das Spektrum reicht vom Rechtskonservatismus bis hin zum Rechtsextremismus. Es ist weltanschaulich sehr komplex und organisatorisch stark zersplittert. Der Beitrag zeichnet die großen Linien nach. Weiter...

Ausschnitt aus einem Wahlplakat des Völkisch-Nationalen Blocks für die zweite Reichstagswahl 1924.

Uwe Puschner

Die völkische Bewegung

Weder der Nationalsozialismus noch die heutige extreme Rechte wären ohne die völkische Bewegung denkbar, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstand. Die Geschichte, Ziele und Protagonisten der "Völkischen" sind heute nahezu unbekannt, obwohl sich viele Rechtsextreme auf die völkische Bewegung beziehen. Weiter...

Der rechte Verleger Götz Kubitschek in seinem Arbeitszimmer in Schnellroda.

Helmut Kellershohn

"Es geht um Einfluss auf die Köpfe" – Das Institut für Staatspolitik

Das Institut für Staatspolitik (IfS) gilt als der wichtigste "Think Tank" der Neuen Rechten in Deutschland, sein Ziel ist die Bildung "geistiger Eliten". Dafür setzt das IfS gezielt auf "konservative Bildungsarbeit" und knüpft geschickt Verbindungen zwischen verschiedenen rechten Strömungen. Weiter...

Mitglieder des des Deutschen Jungvolkes (DJ), einer Organisation der Hitler-Jugend (HJ), werden 1944 während einer Fahrt im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz im Klettern unterrichtet.

Jesko Wrede

... nicht bloß harmlose Pfadfinder: Völkische Jugendbünde

Völkische Jugendgruppen wie die verbotene Wiking-Jugend oder aktuell der Freibund schöpfen aus einer rund hundertjährigen Geschichte. Äußerlich wirken sie eher harmlos und ähneln den aus Großbritannien stammenden Pfadfindern. Doch ein genauer Blick zeigt, dass die völkischen Jugendbünde eine extrem rechte Ideologie verbreiten. Weiter...

Udo Ulfkotte (r.) und Melanie Dittmer bei einer Rede in Bonn vor Anhängern von Bogida Anhänger (Bonner gegen die Islamisierung des Abendlandes).

Richard Stöss

Die "Neue Rechte" in der Bundesrepublik

Ursprünglich bezog sich der Begriff "Neue Rechte" auf Gruppierungen innerhalb des organisierten Rechtsextremismus, die sich gegen die am Nationalsozialismus oder am Deutschnationalismus orientierte "Alte Rechte" richten. Mittlerweile werden damit allerdings in erster Linie die an der Konservativen Revolution der Weimarer Republik orientierten intellektuellen Vordenker der extremen Rechten bezeichnet. Weiter...

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"Opas Faschismus ist heute tot"

Der Politologe Richard Stöss im Interview über die "Neue Rechte"

Sie schreien nicht - und werden trotzdem gehört. Die "Neue Rechte" pflegt einen intellektuellen Habitus und gilt als Ideengeber für rechtsextreme Parteien und Gruppen. Statt eines biologistischen Rassismus vertreten sie einen "Ethnopluralismus" – fordern "Deutschland den Deutschen" und warnen vor ethnischer Überfremdung. Weiter...

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Vermeintlich harmlos

Die Argumentationslogik des Ethnopluralismus

Ein nur scheinbarer Widerspruch: Sie sind gegen Flüchtlinge und Einwanderung - und für kulturelle Völkervielfalt! Ethnopluralisten grenzen sich bewusst vom Vokabular des klassischen Rassismus ab. Statt Rassen heißt es Völker und Kulturen. Und die sind für Ethnopluralisten je besser, desto homogener sie sind. Weiter...