Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Aussteiger

Viele Jugendliche, die sich in Neonazikreisen bewegen, begreifen erst spät, auf was sie sich eingelassen haben. Wenn sie umkehren wollen, scheitern sie oft am Gruppendruck, am Verlust der Freunde und an den sektenähnlichen Strukturen in der organisierten Szene. Staatliche und unabhängige Aussteigerinitiativen versuchen nicht nur Betroffenen zu helfen, sondern auch Eltern. Aber das Ringen um den Ausstieg ist ein zäher Prozess, der sich über Jahre erstrecken kann. Und nicht immer ist er von Erfolg gekrönt.

Der Ausstieg ist nicht leicht: Ein ehemaliger Skinhead aus den USA ließ sich in aufwändigen Prozeduren seine Gesichtstätowierungen entfernen.
Es sind sechs Portraitfotos zu sehen (zwei Reihen untereinander mit je drei Bildern). Alle Fotos zeigen das Gesicht desselben Mannes. Ganz links ist sein Gesicht mit Tätowierungen übersät, die rechtsextreme Symbole zeigen, zum Beispiel Runen oder einen Pfeil auf der Stirn, der nach oben zeigt. Auf seinem Hals steht "Blood and Honour". Bei dem Bild oben in der Mitte sind sind die Tätowierungen weniger, und bei dem Bild ganz unten rechts sind keine Tätowierungen mehr zu sehen. Der Mann trägt einen Dreitagebart.

Kurt Möller

Warum und wie steigen Rechtsextreme aus?

Es gibt unterschiedliche Gründe, die Rechtsextreme dazu bringen, ihre politische Haltung aufzugeben und die Szene zu verlassen. Der Ausstieg erfolgt meist schleichend, und während manche sich nur zurückziehen, brechen andere komplett mit ihrem Umfeld und ihrer vormaligen politischen Position. Wie so ein Ausstieg abläuft und wie er bewältigt werden kann, erklärt der Erziehungswissenschaftler Kurt Möller. Weiter...

Fabian Wichmann hat Erziehungswissenschaft studiert, lebt in Berlin und ist seit 2007 beim Zentrum Demokratische Kultur tätig. Dort betreut er seit 2010 Neonazi-Aussteiger im Rahmen der Initiative Exit-Deutschland. Man sieht Fabian Wichmann von vorne im Portrait. Er trägt eine dunkelblaue Adidasjacke, hat kurze, blonde Haare und blickt in die Kamera.

Johannes Radke

… und du bist raus. Wann ein Ausstieg ein Ausstieg ist

Ein Thema, zwei Ansichten. Fabian Wichmann aus Berlin hilft Neonazis beim Ausstieg. Andrea Hübler aus Dresden betreut Opfer rechter Gewalt und trifft vor Gericht regelmäßig Täter, die vermeintlich oder tatsächlich ausgestiegen sind. Die beiden Experten diskutieren, wann ein Ausstieg ein echter Ausstieg ist und ob ehemalige Neonazis in der Bildungsarbeit tätig sein dürfen. Weiter...

Stefan Rochow am Rednerpult, spricht in ein Mikrofon und gestikuliert mit der rechten Hand. Ein NPD-Schild im Vordergrund.

Interview mit Stefan Rochow

"Ich konnte das nicht mehr vertreten" – Wie Stefan Rochow aus der rechtsextremen Szene ausstieg

Stefan Rochow war mitten drin im rechtsextremen Sumpf – bis er 2008 die NPD verließ und aus der Szene ausstieg. Liane von Billerbeck hat den einstigen Hoffnungsträger der Rechtsextremen interviewt. Weiter...

Logo des Aussteigerprogramms Linksextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Eine Reihe von schwarzen Menschen als Piktogrammen, die alle stehen. Ein Männchen in der Mitte ist rot und schert aus der Reihe aus.

Kai Dietrich

Radikalisierungsprävention und Deradikalisierung als pädagogische Arbeitsfelder

Wie kann verhindert werden, dass Menschen sich radikalisieren? Was ist der Unterschied zwischen Radikalität, Radikalismus und Radikalisierung? Und verläuft der Prozess der Radikalisierung bei Rechtsextremen und Salafisten ähnlich oder unterschiedlich? Kai Dietrich gibt einen Überblick über Begriffe und stellt präventive und deradikalisierende Ansätze vor. Weiter...

Logo der Aussteigerhilfe Rechts. Zeichnung. Vierzehn Menschen verschiedenen Alters, teilweise mit Sonnenbrillen. Ihre Portraits sind in eine Landkarte von Niedersachsen eingebettet. In der Mitte steht der Schriftzug: Aussteigerhilfe Rechts.

Stefan Schölermann

Den Ausstieg wagen

Die meisten Rechtsextremisten, die der Szene den Rücken kehren, verabschieden sich offenbar in aller Stille von ehemaligen Gesinnungsgenossen. Wer sich aber einen Ausstieg alleine nicht zutraut, kann in Norddeutschland auf ein engmaschig geknüpftes Netz von Ausstiegshilfen zurückgreifen, das mittlerweile bundesweit als vorbildlich gilt. Weiter...

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Ein Teilnehmer einer Demonstration von Rechtsextremen fasst sich vor dem Justizpalast in Nürnberg an seinen Pullover (Foto vom 14.10.06). Am Freitag (18.11.11) treffen sich die Innen- und Justizminister von Bund und Ländern in Berlin zu einer Sonderkonferenz zum Rechtsterrorismus. Anlass ist die jüngst bekannt gewordene Neonazi-Mordserie. Unter anderem soll beraten werden, wie die Erkenntnisse der verschiedenen Behörden über die rechte Szene zusammengeführt und besser ausgewertet werden können. Dazu ist eine sogenannte Verbunddatei ähnlich der Anti-Terror-Datei über islamitische Gewalttäter im Gespräch.

Stefan Schölermann

Der Weg aus der Szene ist steinig

Das Ganze erinnert an die Karriere eines süchtigen Rauchers: Mit ein paar Zigaretten fängt es an, und schon ist Wahrheit geworden, was als Warnung auf der Schachtel steht: ''Rauchen kann sehr schnell zur Abhängigkeit führen''. Wer hilft, wenn sich Neonazis von ihrer Ideologie und Gruppe trennen wollen? Weiter...

Ex-Neonazi Matthias Adrian zeigt seinen ehemaligen Personalausweis, auf dem er einen Hitlerbart trägt. Berlin, 24.10.2006. Heute versucht er in der Berliner Initiative Exit-Deutschland auch andere Neonazis zum Ausstieg zu bewegen.

Matthias Adrian

"Rechtsextremismus ist der große Aberglaube unserer Zeit"

Der Lebenslauf von Matthias Adrian ist gespalten: In seinem alten Leben war er aktives Mitglied der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD. Heute engagiert er sich gegen Rechtsextremismus, betreibt ausstiegsorientierte Jugendarbeit bei der Aussteigerinitiative EXIT. Ein Gespräch über Ideologien, Irrwege und Initiativen gegen Rechts. Weiter...

Stacheldraht der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Halberstadt, Sachsen-Anhalt, am Dienstag, 5. Dez. 2006. Bei der Überfuehrung vom offenen in den geschlossenen Vollzug ist ein Strafgefangener aus der Justizvollzugsanstalt Halberstadt geflohen. Der 25-jährige Mann flüchtete am Dienstag gegen 07.50 Uhr, wie die Sprecherin des Justizministerium von Sachsen-Anhalt, Ute Albersmann, mitteilte. Sie widersprach einer früheren Polizeimitteilung, wonach der Mann besonders gewalttätig sei.

Interview mit Ulrich Dovermann

Am Ende einer Straße

Seit sieben Jahren organisiert die Bundeszentrale für politische Bildung ein Modellprojekt in neun deutschen Jugendstrafanstalten. Gewalttäter mit rechtsextremem Weltbild können sich an einem Aussteigerprojekt beteiligen. Rund 350 Jugendliche nehmen bereits teil - und die Nachfrage ist groß. Initiator ist Ulrich Dovermann im Gespräch. Weiter...

Ex-Neonazi Matthias Adrian zeigt seinen ehemaligen Personalausweis, auf dem er einen Hitlerbart trägt. Berlin, 24.10.2006. Heute versucht er in der Berliner Initiative Exit-Deutschland auch andere Neonazis zum Ausstieg zu bewegen.

Birgit Rommelspacher

Warum steigen Aussteiger aus?

Nur wenige Rechtsextreme steigen wirklich aus. Was wie ein Ausstieg aussieht, ist bei vielen nur die Änderung der Erscheinungsform, warnt die Wissenschaftlerin Birgit Rommelspacher. Welche Beweggründe führen zum Ausstieg? Weiter...

Website der Exit-Familienhilfe. Screenshot, 05. Dezember 2011, http://www.exit-deutschland.de/

Holger Kulick

Hilfe zur Selbsthilfe

Aussteigen? Doch wie und wo? Manche versuchen es laut über die Medien, andere leise mit der Hilfe von Aussteiger-Initiativen. Federführend gehört seit acht Jahren das Projekt EXIT dazu: Rund 300 Neonazis hat die Initiative seitdem in einem oft jahrelangen Prozess erfolgreich betreut. Weiter...

Unsere Kinder. Gesehen in Rostock bei einem NPD-Aufmarsch.

Dierk Borstel

Über die Familie zum Ausstieg

Auch Eltern von Kindern, die in rechtsextreme Milieus abgerutscht sind, können helfen - und auch ihnen kann dabei geholfen werden. Dierk Borstel über die EXIT-Familienhilfe. Weiter...

Gefängniswärter Hans-Jürgen Joachim läuft den Korridor im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim  entlang. (15.10.2002).In diesem Gefängnis waren einst die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe untergebracht worden, die dann in ihren jeweiligen Zellen im Gefängnis Selbstmord begangen.

Christine Kröger und Stefan Schölermann

Schocktherapie in der Zelle

Rechtsextreme nennen sich gern ''Kameraden''. Doch in der Szene wird gelogen und betrogen, geschlagen und hintergangen. Viele Aussteiger berichten, dass sie lange brauchen, bis sie begreifen, wie sehr sie unter der falschen ''Kameradschaft'' gelitten haben. Ein Besuch von Schülern bei einem Ex-Neonazi in der Haftanstalt Celle. Weiter...