Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.
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Hitlers Jugendpropaganda

Nationalsozialistische Jugendzeitschriften als eine ideologische Wurzel rechtsextremer Jugendkultur


26.4.2007
Gezielt missbrauchten die Nationalsozialisten die Medien. Zahlreiche Jugendzeitschriften sorgten dafür, dass das nationalsozialistische Gedankengut bis in die Kinderzimmer hineingetragen wurde. Jungen sollten so zu brauchbaren Soldaten und Mädchen zu "Reinhalterinnen des Volkes" erzogen werden.

In modernen Neonazimedien finden sich Sprache, Stil und Ideologie von Hitlers Propagandablättchen wieder. Foto: KulickIn modernen Neonazimedien finden sich Sprache, Stil und Ideologie von Hitlers Propagandablättchen wieder. (© H.Kulick)

Im Dritten Reich besaßen Printprodukte einen deutlich höheren Stellenwert als heute, da das Internet immer mehr zum Leitmedium der jungen rechts-
extremen Neonazi-
Szene avanciert. Zwar gibt es einzelne braune Fanzines und gelegentlich Schülerzeitungen in gedruckter Form. Deren Auflagen haben aber im Vergleich zu national-
sozialistischen Jugend-
medien im Dritten Reich keine Relevanz. Damals bot sich das Medium der Kinder- und Jugendzeitschriften besonders zur Beeinflussung der Jugendlichen an. Denn seit seiner Entstehung im 18. Jh. war es eine Möglichkeit zum Zeitvertreib für Heranwachsende und vermittelte zugleich gesellschaftliches, praktisches und theoretisches Wissen.

Diese Funktion übernahm die Jugendpresse im Dritten Reich, allerdings unter nationalsozialistischem Vorzeichen. Die ersten nationalsozialistischen Publikationen für Jugendliche erschienen schon in der Weimarer Republik (z.B. "Nationaler Jungsturm", "Der junge Nationalsozialist"). Nach 1933 schwoll das Spektrum der Jugendschriften auf ca. 57 Titel an. Mehrheitlich handelte es sich dabei um Neugründungen, teilweise wurden aber auch bereits bestehende Titel übernommen. Jüdische sowie kommunistische und andere politisch oppositionelle Kinder- und Jugendzeitschriften verbot man dagegen rigoros.

Die nationalsozialistischen Jugendzeitschriften zielten auf verschiedene Gruppen innerhalb der staatlich verordneten Jugendkultur: "Der Feierabend" bzw. die "Jugend am Werk" waren z.B. für die Jungarbeiter und Berufsschüler gedacht, die "Hilf mit!" für Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren, "Das Deutsche Mädel" für die im Bund Deutscher Mädel (BDM) organisierten Mädchen, die "Junge Welt" für die Hitlerjungen und "Die Quelle" für die Gehörlosen in der Hitlerjugend (HJ). Einige Zeitschriften waren in Gebietsausgaben unterteilt, z.B. gab es für die HJ-Illustrierte "Die Fanfare" Unterausgaben für die Gebiete Hessen-Nassau, Kurhessen, Mittelrhein, Ruhr-Niederrhein, Westfalen und Westmark.

Dabei fällt sofort ins Auge, dass man die nationalsozialistischen Jugendschriften sehr aufwändig gestaltete. Die Schrift für die Texte war zwar bis 1942 die Fraktur, doch für die Überschriften und Bildbeschriftungen nutzte man auch andere Schriften, z.B. die Sütterlin-Schrift. Es gab Sonderteile wie Anzeigen und eingefügte Gedichte. Daneben wurden die Zeitschriften auch mit auffällig vielen Fotografien bebildert, statt sie – wie in anderen Zeitschriften damals üblich – hauptsächlich mit Illustrationen anzureichern.

Die Fotografien waren meist inszeniert. Sie zeigten Symbole und Ideale des Nationalsozialismus, z.B. Hakenkreuzfahnen, unbesorgt spielende Kinder, fleißige Bauern, technisch begeisterte Hitlerjungen, würdevolle und volksnahe NS-Politiker, kräftige Arbeiter und kampfbereite Soldaten. Der übergeordnete Eindruck, der durch diese ästhetisch sehr anspruchsvollen Bilder entstand, war der eines gesunden Volkes, vereint in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft.

"Volksgemeinschaft" als roter "Faden"



Diese Volksgemeinschaft zieht sich wie ein roter Faden durch den Inhalt der Zeitschriften. Man idealisierte sie und erklärte den Kindern, dass sie ihr Blut rein und gesund halten müssten, indem man auf die Nutztierzucht verwies, wo ja auch kranke Tiere ausgesondert würden. Im "Feierabend" erläuterte man den Jugendlichen die "Rassenscheidung durch das Blutschutz-
gesetz". In der "Hilf mit!" wurden die Juden immer wieder als Volksfeinde dargestellt, die "das deutsche Volk vergifteten". Man beschrieb sie auch als rastlos umherwandernd und mut-
willig zerstörend, wenn sie Fackeln "an die Strohdächer der Hütten" hielten.

Ansonsten zeichnete sich die NS-Jugendpresse durch wenig ideologiefreie Räume aus. An Themen stellte sie hauptsächlich Geschichtlich-Politisches, Militärisches sowie Nachrichten aus dem Dritten Reich, Berichte aus dem Alltag in HJ und BDM und in kleineren Dosen auch Wissenswertes aus aller Welt bereit. Speziell die Organe der HJ und des BDM traten als aggressive Schulungsblätter auf. Immer wieder forderten sie von den Jugendlichen Disziplin, Leistung und Kameradschaft.

Den Mädchen legte man in "Das Deutsche Mädel" ihre Verant-
wortung als zukünftige Mutter und "Reinerhalterin des Volkes" nahe: Ein deutsches Mädel sei ein gesundes Mädel. Es sei von der Sehnsucht besessen, dereinst die Mutter eines neuen Menschen zu sein, der gesund und schön und voller Anstand sei. Das Augenmerk in Das Deutsche Mädel lag also auf der weltanschaulichen Schulung, was letztlich bedeutete, dass die Mädchen fleißig sein und den Nationalsozialismus befürworten sollten.

Die Rolle, die die Nazis den Jungen zudachte, war die von Soldaten. Um sie dafür fit zu machen, nutzten die Zeitschriften die technische Begeisterung und die Abenteuerlust vieler Jungen. Über Anleitungen für Geländespiele, Segelflugzeugbau oder Funktechnik brachte man den Jungen Kenntnisse bei, die sie später für die strategische Kriegsführung, die Luftwaffe oder andere militärische Bereiche gebrauchen konnten. Den Jungen wurde die Begeisterung für das Soldatentum vorgegeben und das Soldatentum selbst als traditionsreich glorifiziert: Nach der Verabschiedung des Gesetzes über die Wehrhaftigkeit wurde im "Feierabend" beschrieben, dass die Jugend dem Führer dankbar dafür entgegenjubele und die Jungen nun wieder Soldaten würden, genauso wie es ihre Väter einst waren. Jeder, der ein Kerl sei, sehne sich "unendlich danach in Reih und Glied in einer Kolonne zu marschieren".


 

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