Europäische Schuldenkrise

9.6.2017 | Von:
Till van Treeck

Kann Italien wieder auf die Beine kommen?

Das Arbeitsblatt zur gleichnamigen Debatte aus dem Jahr 2015 im Dossier "Europäische Schuldenkrise".

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M1 OECD empfiehlt Strukturreformen für Italien

Italiens Strukturreformen werden das potenzielle BIP in den nächsten 10 Jahren um mehr als sechs Prozent erhöhen

Effekt auf das potenzielle BIP nach 10 Jahren, in Prozent

BIP-Wachstum……durch Wachstum der Beschäftigung…durch Wachstum der Produktivität
Produktmarktreformen
(u.a. Reformen in Branchen wie Telekommunikation, Gas, Energie, Eisenbahn, Einzelhandel)
2,6 2,6
Arbeitsmarktreformen
(u.a. Senkung der Sozialversicherungsabgaben, Lockerung des Kündigungsschutzes, rechtliche Beschränkungen von Streiks)
2,42,7-0,3
Steuerreformen
(u.a. Mehrwertsteuer, Konsolidierung der Staatsfinanzen)
0,4 0,4
Reform der öffentlichen Verwaltung
(u.a. erleichterter Zugang für ausländische Wettbewerber)
0,9 0,9
Gesamt6,32,73,6

Quelle: OECD (2015): Structural Reforms in Italy: Impact on Growth and Employment, Table 2 (Auszug).



Aufgaben
  1. Erläutern Sie auf Grundlage der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der obigen Tabelle, wie eine Veränderung des Bruttoinlandsprodukts angebotsseitig über die Beschäftigung und die Arbeitsproduktivität erklärt werden können.
  2. Ermitteln Sie mit Hilfe der beiden Debattenbeiträge des Online-Dossiers und durch eine ergänzende Internetrecherche (z.B. hier und hier), welche Strukturreformen (Produktmärkte, Arbeitsmärkte, Steuern, öffentliche Verwaltung) in Italien unter Premierminister Matteo Renzi beschlossen bzw. diskutiert worden sind.
  3. Nach Schätzungen der OECD wäre das potenzielle BIP in Italien zehn Jahre nach der Umsetzung der Strukturreformen um 6,3 Prozent höher als ohne die Reformen. Davon sollen 2,7 Prozentpunkte durch mehr Beschäftigung, und 3,6 Prozentpunkte durch eine höhere Arbeitsproduktivität realisiert werden. Setzen Sie sich mit der Frage auseinander, wie die einzelnen Reformvorschläge zu mehr Beschäftigung und mehr Produktivität führen könnten.
  4. Woran könnte es liegen, dass die OECD von einem negativen Effekt der Arbeitsmarktreformen auf die durchschnittliche Produktivität der Beschäftigten ausgeht?
  5. Ordnen Sie die Reformvorschläge der OECD in den Ideenstreit zwischen den konkurrierenden makroökonomischen Denkschulen ein: Sind die Reformvorschläge eher angebotsorientiert oder nachfrageorientiert?

M2 Udo Gümpel: Je südlicher, desto schlimmer

M3 Tobias Bayer: Solider als viele denken

Aufgabe
  1. Udo Gümpel mutmaßt: "Die wichtigste Reform war seitdem sicher die Rentenreform "Elsa Fornero": Sie allein bewahrte Italien vor dem finanziellem Kollaps, indem die Regierung von Mario Monti jährliche Ausgaben in der Höhe von drei Prozent der Wirtschaftsleistung einsparte. Ohne diese Reform hätte Italien heute einen Schuldenstand von über 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), womit wahrscheinlich das mutmaßliche Ende der Fahnenstange erreicht gewesen wäre." Tobias Bayer empfiehlt hingegen, die Ruhe zu bewahren: "Heute kann sich Cannata (Direktorin für die Schuldenverwaltung im italienischen Finanzministerium) entspannt zurücklehnen. Sie hat momentan nämlich keinerlei Probleme, genügend Geld für Italien zu akzeptablen Zinsen aufzutreiben." Problematisieren Sie in diesem Zusammenhang das von Udo Gümpel angeführte Konzept von einem "Ende der Fahnenstange."
Hintergrundtexte:
Lösungsvorschläge
    Lösungsvorschläge für Arbeitsblatt 6: Kann Italien wieder auf die Beine kommen?

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Autor: Till van Treeck für bpb.de
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