Europäische Schuldenkrise

28.6.2017 | Von:
Till van Treeck

Ist Frankreich das nächste Krisenland?

Das Arbeitsblatt zur gleichnamigen Debatte aus dem Jahr 2015 im Dossier "Europäische Schuldenkrise".

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M1 OECD empfiehlt Strukturreformen für Frankreich

Effekt auf das potenzielle BIP nach 10 Jahren, in Prozent

BIP-Wachstum……durch Wachstum der Beschäftigung…durch Wachstum der Produktivität
Produktmarktreformen 0,3 0,3
Arbeitsmarktreformen 1,31,8-0,5
Steuerreformen0,4 0,4
Reform der öffentlichen Verwaltung1,0 1,0
Gesamt3,01,81,2

Quelle: OECD (2015): France – Structural reforms: Impact on Growth and Options for the Future, Table 1 (Auszug).

Aufgaben
  1. Ermitteln Sie mit Hilfe des Debattenbeitrags von Ulrike Guérot und durch eine ergänzende Internetrecherche (z.B. hier und hier), welche Strukturreformen in Frankreich im Zuge der Krise beschlossen bzw. diskutiert worden sind.
  2. Diskutieren Sie auf Grundlage einer Internetrecherche (z.B: hier, hier und hier): Wie unterschied sich die Reformpolitik der Regierung von Manuel Valls (Premierminister von 2014-2016) von den Wahlkampfversprechen von Francois Hollande vor der Präsidentschaftswahl 2012? Vergleichen Sie die wirtschaftspolitischen Ansätze aus Hollandes Wahlkampf 2012 mit jenen der Regierung Valls im Hinblick auf die ökonomischen Denkschulen Neoklassik und Keynesianismus.

M2 Deutsch-französischer Handel

Rangfolge der Handelspartner im Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland

Jahr 2015

ExporteImporte
LandIn 1000 EuroLandIn 1000 Euro
1Vereinigte Staaten113.990.351Volksrepublik China91.696.826
2Frankreich102.949.505Niederlande87.941.680
3Vereinigtes Königreich89.292.571Frankreich66.923.898
4Niederlande79.475.064Vereinigte Staaten59.641.037
5Volksrepublik China71.385.193Italien49.055.581
6Österreich50.115.156Polen44.621.109
7Italien50.066.338Schweiz42.467.416
8Polen52.111.461Tschechische Republik39.292.165
9Schweiz49.278.933Vereinigtes Königreich38.322.475
10Belgien41.154.705Österreich37.287.133
11Spanien38.783.027Belgien36.841.645
12Tschechische Republik36.524.291Russische Föderation29.761.079
13Schweden23.088.445Spanien26.461.505
14Türkei22.411.519Ungarn23.787.790
15Ungarn21.828.126Japan20.220.439
16Russische Föderation21.768.255Norwegen16.337.057
17Republik Korea17.923.152Türkei14.474.874
18Dänemark17.618.307Schweden14.113.043
19Japan17.030.886Slowakei13.629.506
20Vereinigte Arabische Emirate14.634.423Dänemark11.710.141
Aufgaben
  1. Ermitteln Sie aus M2, wie hoch 2015 der Exportüberschuss Deutschlands gegenüber Frankreich in Milliarden Euro und in Prozent des deutschen und des französischen BIP war? Tipp: Das deutsche BIP betrug 3025,90 Milliarden Euro, das französische BIP betrug 2183,63 Milliarden Euro.
  2. Der deutsche Exportüberschuss betrug 2015 236,1 Milliarden Euro, das französische Exportdefizit betrug 23,22 Milliarden Euro. Wie ist vor diesem Hintergrund die Bedeutung des deutsch-französischen Außenhandels für die beiden größten Volkswirtschaften des Euroraums einzuschätzen?

M3 Ulrike Guérot: Vor der Generalüberholung

Aufgabe

Ulrike Guérot sieht Deutschland und Frankreich gleichermaßen in der Pflicht: "Wo Deutschland seine Binnennachfrage stärken und seine Exportabhängigkeit reduzieren müsste, müsste Frankreich seine Abhängigkeit vom Staatssektor und seine staatlich finanzierte Binnennachfrage senken […]."

Inwiefern könnte es – aus keynesianischer Perspektive – problematisch sein, wenn Frankreich seine Binnennachfrage senkt, ohne dass Deutschland seine Binnennachfrage stärkt? Berücksichtigen bei Ihrer Antwort auch die aus M2 bekannten Größenordnungen.


M4 Reinhard Blomert: Frankreich als Zivilisationsthermometer

Aufgabe

Reinhard Blomert lobt: "Frankreichs Wirtschaftspolitik erwies sich stets als ausgewogen: Nicht so stark exportorientiert und damit verletzlich wie die deutsche, nicht so stark auf die volatilen Finanzmärkte orientiert wie die der Briten und Amerikaner."

Diskutieren Sie, warum die Einschätzung Reinhard Blomerts zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Frankreichs anders ausfällt als die Einschätzungen von Ulrike Guérot und der OECD, welche vermehrte Strukturreformen einfordern. Welcher makroökonomischen Denkschule lässt sich die Analyse von Reinhard Blomert am ehesten zuordnen?

Hintergrundtexte:
Lösungsvorschläge

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Autor: Till van Treeck für bpb.de
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