Europäische Schuldenkrise

28.6.2017 | Von:
Till van Treeck

Droht der Eurozone die Gefahr einer Deflation?

Das Arbeitsblatt zur gleichnamigen Debatte im Dossier "Europäische Schuldenkrise".

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M1 Deflation und Verschuldung

012345
Einkommen (nominal)50.00047.50045.12542.868,7540.725,3138.689,05
Preisniveau 100 95 90,25 85,7481,4577,38
Verschuldung100.000100.000100.000100.000100.000100.000
Zinsen0,050,050,050,050,050,05
Aufgaben

Stellen Sie sich vor, Sie nehmen im Jahr 0 einen Kredit von 100.000 Euro auf. Der Kreditvertrag sieht vor, dass Sie in den ersten fünf Jahren keine Tilgungen vornehmen, sondern lediglich Zinsen in Höhe von 5 Prozent zahlen. Ihr Einkommen in diesem Jahr beträgt 50.000 Euro. In den folgenden fünf Jahren herrscht eine Deflation von 5 Prozent pro Jahr, d.h. die Preise der Güter, die Sie kaufen, fällt um durchschnittlich fünf Prozent. Ihre Gewerkschaft akzeptiert daher in jedem Jahr geringere Nominallöhne, und Ihr Nominaleinkommen fällt daher ebenfalls um fünf Prozent pro Jahr.
  1. Wie hoch ist Ihr Realeinkommen in den Jahren 0-5?
  2. Wie entwickelt sich Ihre Schuldenquote (Verschuldung/Einkommen) in den Jahren 0-5?
  3. Wie entwickelt sich Ihre Zinslastquote (Zinszahlungen/Einkommen) in den Jahren 0-5?
  4. Wie hoch sind die Realzinsen in den Jahren 1-5?
  5. Erklären Sie mit eigenen Worten, warum Deflation eine Belastung für verschuldete Haushalte darstellt.
  6. Erläutern Sie, welche gesamtwirtschaftlichen Effekte von einer Deflation ausgelöst werden können.

M2 Peter Bofinger: Schon "Lowflation" ist problematisch

Aufgaben

Peter Bofinger argumentiert: "Allerdings sollte man bei der Deflationsvermeidung nicht nur auf die Geldpolitik setzen. Diese verfügt schon jetzt kaum noch über nennenswerte Handlungsspielräume. Zielführender wäre es, wenn es zu einer symmetrischeren Fiskalpolitik im Euroraum kommen würde. Insbesondere Deutschland sollte sehr viel mehr die Möglichkeiten für zusätzliche Staatsausgaben in den Bereichen Infrastruktur, Umweltschutz, erneuerbare Energien und Bildung nutzen. In Anbetracht der extrem niedrigen Zinsen spräche nichts dagegen, diese Investitionen über öffentliche Kredite zu finanzieren."
  1. Erörtern Sie, inwieweit die Geldpolitik bei Deflationsgefahr "kaum noch über nennenswerte Spielräume" verfügt.
  2. Erläutern Sie, wie höhere Staatsausgaben in Deutschland zu einem Anstieg der Inflation führen könnten. Warum sollte aus Bofingers Sicht gerade Deutschland die Staatsausgaben erhöhen und staatliche Defizite in Kauf nehmen?
  3. Nehmen Sie Stellung zu Bofingers These, dass "nichts dagegen (spräche), diese Investitionen über öffentliche Kredite zu finanzieren."

M3 Thomas Mayer: Eine negative Inflationsrate ist noch lange keine Deflation

Aufgaben

Thomas Mayer sieht auch positive Wirkungen fallender Preise für Güter und Dienstleistungen: "Für Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, also Länder mit Anpassungsprogrammen, betrug die durchschnittliche Inflationsrate im Juli 2014 minus 0,4 Prozent. Dadurch erreichen diese Länder eine Abwertung ihres sogenannten ‘inneren Wechselkurses‘ gegenüber anderen Ländern."
  1. Stellen Sie den Zusammenhang zwischen Inflationsraten und "inneren Wechselkursen" in einer Währungsunion dar.
  2. Vergleichen Sie die Vorschläge von Thomas Mayer und Peter Bofinger zur Anpassung der "inneren Wechselkurse" innerhalb des Euroraums. Wie bewerten Sie die beiden Positionen aus ökonomischer und aus politischer Sicht?
Hintergrundtexte:
Lösungsvorschläge

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Autor: Till van Treeck für bpb.de
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