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Schriftenreihe (Bd. 386)

5.4 Echelon


Inhalt

Einleitung

Das UKUSA-Abkommen

Das globale System

Die Aufdeckung von ECHELON

Hauptstationen des ECHELON-Systems

Die Partner der UKUSA-Abkommen

US-Spionage-Satelliten

Anti-ECHELON-Aktivismus

Zusammenfassung

Das globale System
Vor 1971 wurde noch ein Großteil der eingehenden Information manuell ausgewertet. Zu jener Zeit baute die NSA unter dem Codenamen PLATFORM ein gewaltiges Computer-Netzwerk auf, das 52 Systeme, die sich im Besitz der um den Erdball verstreuten Mitglieder befanden, miteinander verknüpfte. Das Software-Paket, das die SIGINT-Operationen der einzelnen Partner zusammenführte, trug den Codenamen ECHELON. Die Ressourcen und die Prioritäten haben sich seit seiner Einrichtung stark erweitert.

In den späten 80er Jahren, während des Siegeszuges relativ billiger Kommunikations-Satelliten, gab es kaum einen Winkel auf der Erde, der nicht durch eine Abhöranlage oder eine Satellitenüberwachungsstation aus dem Besitz eines der UKUSA-Mitglieder kontrolliert war. Damit ist es ECHELON möglich, jegliche Art von unverschlüsselter und einige Arten von verschlüsselter Kommunikation, insbesondere solche, die in standardisierten Verfahren verschlüsselt wird, auf der ganzen Welt abzuhören und zu verarbeiten. ECHELON soll täglich bis zu 3 Milliarden Kommunikationsverbindungen abhören und dabei sowohl Telefon- und Faxverbindungen, E-Mail-Verkehr, Internet-Chats, Newsgroups und ähnliches erfassen.

Das ECHELON-System erfasst all diese Verbindungen wahllos über verschiedene "Schnüffel"-Einrichtungen. Diese "Schnüffler" (ähnlich wie das berüchtigte CARNIVORE, das vom FBI speziell für das Abhören von Kommunikation über E-Mail verwendet wird) sammeln Informationen über Datenpakete, wenn sie das Internet über verschiedene Knotenpunkte durchwandern. Dann filtert das System mit Hilfe von Spracherkennungstechnologie und künstlicher Intelligenz die Information heraus, die von Interesse ist – ähnlich wie es Suchmaschinen wie Google oder Altavista tun, aber auf wesentlich höherem Niveau. Die NSA hält in diesem Technologie-Bereich mehrere Patente, wie z. B. das berühmte "Semantic-Forest"-Patent zur Themenanalyse (US-Patent-Nummer: 5937422). Einige Stimmen behaupten, dass ECHELON ca. 90 Prozent der täglichen Kommunikation im Internet durchsiebt.

Das ECHELON-System kann Daten über eine Reihe verschiedener Schnittstellen sammeln. Es gibt riesige landgestützte Empfangsstationen, um Satellitenübermittlungen abzufangen. Zusätzlich können angeblich an einigen Orten Hoch- oder Höchstfrequenz-Fernmeldeübermittlungen, die via Kabel über Land erfolgen, angezapft werden. Die Stationen dienen als Bodenstationen für Spionagesatelliten, die "Überlauf"-Daten von Übermittlungen zwischen Städten abfangen. Diese Satelliten übertragen die Information dann zu geheimen Auswertungszentren am Boden. Die Hauptzentren liegen in den Vereinigten Staaten, in England, Australien, Japan und Deutschland.

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ECHELON-Abhörstation Menwith Hill, UK
© Federation of American Scientists

Des weiteren gehören zu ECHELON spezielle Unterwasser-Vorrichtungen, die die Kabel anzapfen, die transkontinentale Telefongespräche übermitteln. In der Ära der Kupferkabel begannen die Vereinigten Staaten mit speziell ausgerüsteten U-Booten, etwa Halibut und Parche, diese Kabel abzuhören. Spulen und Hochleistungs-Verstärker wurden neben den Kabeln platziert, sodass man auf elektromagnetischem Wege die gewünschten Daten erhielt. Durch die modernen Glasfaserkabel dringen hingegen keine Fernmeldesignale nach außen; sie können deshalb nur schwer angezapft werden. Es wird berichtet, dass die USA bereits mit optoelektronischen Verstärkern, einer neuen Fasertechnologie, Experimente durchführen, deren Verwendung als Abhöranlage offiziell noch nicht möglich ist.

Die Hauptmethoden zur Übermittlung von großen Mengen öffentlicher, Geschäfts- und Regierungs-Kommunikation bestehen immer noch aus der Kombination von Unterseekabeln im Bereich der Ozeane und Höchstfrequenz-Netzwerken über Land. Da Unterseekabel im Wasser leicht sichtbar sind, sind sie besonders anfällig für Abhöroperationen.

Falls die oben genannten Methoden zur Erfassung der gewünschten Daten nicht ausreichen sollten, kann auf die Alternativen der Human Intelligence (HUMINT) zurückgegriffen werden. Eines der vielen Systeme, die das klassische Spionage-Business elektronisch aufrüsten, heißt TEMPEST (Transient Electromagnetic Pulse Emanation Standard) und ist in der Lage, durch Wände hindurch von benachbarten Gebäuden aus die von Computern ausgehenden elektromagnetischen Strahlungen abzufangen, etwa Tastenanschläge oder Monitorstrahlung. Auf diese Weise können Daten von Rechnern aufgefangen werden, ohne dass in deren Netzwerk eingedrungen werden müsste.

Eine weitere Methode zur Datenkontrolle besteht darin, das Abhörsystem entweder direkt in die Hardware oder in die Normen und Protokolle der Kommunikationstechnologien einzubinden, was aber nur mit der Unterstützung der lokalen Regierungen möglich ist. Tatsächlich vollzieht sich dies gerade in der Europäischen Union unter dem Codenamen Lawful Interception ("rechtmäßiges Abhören") oder ENFOPOL. In den USA laufen diese Maßnahmen unter dem Gesetz Communications Assistance for Law Enforcement Act (CALEA), das Telekommunikationsgesellschaften dazu verpflichtet, ihre bestehenden Netzwerke so zu modifizieren, dass die Abhörtätigkeit der Behörden ermöglicht bzw. erleichtert wird. Insbesondere seit dem Terroranschlag vom 11. September 2001 kann man solche Bestrebungen überall auf der Welt beobachten, die die ECHELON-Idee nun auf eine regionale Ebene übertragen. Entsprechende nationale Gesetzesentwürfe werden verabschiedet, und überstaatliche Kräfte kooperieren, um nebulöse Feinde, Terroristen und Cyberkriminalität zu bekämpfen.
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07. Februar 2012
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Die Politik der Infosphäre
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V. Globale Sicherheit
5.1 Überwachung
5.2 Kryptografie
5.3 Biometrie
5.4 Echelon
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