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Frauen
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Folgerungen für die Politik: Frauen im rechtsextremen Spektrum |
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| Von Monika Lazar |
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Rechte Zuhörerin bei einer NPD-Veranstaltung in Berlin 2006. Foto: Kulick
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Rechtsextremismus wird meist mit gewalttätigen Männern in Verbindung gebracht. Doch die
scheinbar männerdominierte Szene verfügt über einen nicht zu unterschätzenden, wachsenden Anteil an weiblichen Mitgliedern. Die Gewaltbereitschaft ist bei den Kameradinnen nicht so hoch wie bei den Männern, allerdings fallen sie stark durch Propagandadelikte auf und agieren im
Hintergrund.
Was häufig verkannt bleibt: Frauen sind für rechtsextreme Einstellungen nicht weniger anfällig als Männer. Ich halte einen Dialog darüber für notwendig. Dieser Beitrag soll zu einer solchen Debatte anregen. Die Politik muss Antworten darauf finden, dass Frauen sich von rechtsextremen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Gedankeninhalten angesprochen fühlen. Im Folgenden werden deshalb aktuelle Entwicklungen im rechtsextremen Spektrum geschlechterspezifisch beschrieben.
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Zur Person |
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Monika Lazar, geb. 1967 in Leipzig, ist seit Dezember 2004 für BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN im Bundestag. Sie ist ist u.a. Mitglied beim Netzwerk für Demokratie und Courage, im Netzwerk für Demokratische Kultur Wurzen e.V. und in der Aktion Zivilcourage Pirna e.V.
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 |  | Das rechtsextreme Frauenbild
Im ihrem Parteiprogramm von 2005 befürwortet die NPD zwar eine Frauenpolitik, die den
"Frauen und Mädchen volle Gleichberechtigung einräumt", doch sollte die Frau nicht "aus
finanziellen Gründen außerhäuslich arbeiten müssen, da der Beruf in der Familie sie voll
auslastet".(1). Das rückwärtsgewandte Frauenbild wurde insbesondere durch die
Formulierungen von NPD-Spitzenkandidat Pastörs nach der Landtagswahl in Mecklenburg-
Vorpommern deutlich, der ausführte, seine Frau habe ihn so hervorragend bekocht, seine
Wäsche gewaschen und ihm geholfen, die Kraft aufzubringen, dass er diesen Wahlkampf
überstehen konnte. Später sagt er noch, es seien diese "stillen, treuen, schaffenden Frauen",
die der NPD so gut täten.(2) In der Praxis der Kameradschaftskreise zeigt sich oft, dass
Frauen, obwohl sie dafür kämpfen, nicht als gleichrangig akzeptiert werden. Berichten von
Aussteigerinnen zufolge werden Frauen bei Sauforgien unter den Kameraden regelrecht
"weitergereicht". Ein Teil der Frauen passt sich auch den Männern und deren Aggressionen
an. (3)
Auf der anderen Seite wehrt sich ein Großteil rechtsradikaler Anhängerinnen gegen eine
untergeordnete Rolle. Eva Braun, die stille Frau an Hitlers Seite, ist für viele junge Frauen in
der Nazi-Szene längst kein Vorbild mehr. Sie wollen nicht "nur Freundin eines Neonazis
sein", sondern selbst als aktive Kämpferin gesehen werden. So klagt beispielsweise eine
Aktivistin der Mädelschar Deutschland in der Postille Feuer und Sturm, dass es um das
Frauenbild in der Bewegung nicht gerade gut bestellt sei. Weiter schreibt sie, die rechte
Szene sei eine reine Männerdomäne, in der sich Frauen nur schwer behaupten könnten.(4)
Das Auftreten rechtsextremer Frauen ist sehr unterschiedlich. In der NPD treten Frauen
tendenziell eher traditionell, in einer Frauenrolle der Mutter, in der freien
Kameradschaftsszene eher modern und auch emanzipierter auf. Eine allgemeine Regel lässt
sich daraus allerdings nicht ableiten.
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Rechtsextreme Demonstrantinnen einer freien Kameradschaft in Erfurt 2006. Foto: Kulick
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Der rechtsextreme Frauenanteil
Wissenschaftlich belastbare, nachprüfbare Zahlen über die qualitative und quantitative
Partizipation von Frauen in der rechtsextremen Szene existieren kaum.
Geschlechtsspezifische Analysen gehören bisher nicht zu den Prioritäten der
Rechtsextremismus-Forschung. Sofern vorhanden, handelt es sich um Schätzungen, die
deutlich voneinander abweichen. Der Vergleich verschiedener Messungen ergibt einen
Frauenanteil zwischen 10 und 20 Prozent. Die NPD verfügt beispielsweise auf ihren
Funktionärsebenen (Landes- und Bundesvorstand) über einen Frauenanteil von knapp neun
Prozent (5). Der Verfassungsschutz schätzt den Anteil der Frauen in der Kameradschaftsszene
auf 10 Prozent. In Bayern ist er auf 16 Prozent gestiegen, in Niedersachsen geht man von 20
und in Thüringen von fast 30 Prozent aus.(6) Frauen betätigen sich überwiegend auf der
Organisationsebene im Hintergrund, führen beispielsweise die Kassen, verwalten Adressen
und verschicken Propagandamaterial. Zu den eigentlichen Führungskadern der "Freien
Kameradschaften" gehören nur sehr wenige Frauen.
Frauen sind ebenso wie Männer in verschiedenen Bereichen des Rechtsextremismus aktiv.
Neuere Forschungsergebnisse weisen einen Anteil von Mädchen und Frauen an
rechtsextrem bzw. fremdenfeindlich motivierten Straf- und Gewalttaten von 5 bis 10 Prozent
aus. Rassistische und rechtsextreme Einstellungen gibt es laut Analyse des "Thüringen Monitors" bei 28 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer.(7)
Bei Propagandadelikten sind Frauen anteilsmäßig öfter an Volksverhetzungen beteiligt als Männer. Es wird vermutet, dass die WählerInnenschaft rechtsextremer Parteien sich durchschnittlich zu einem Drittel aus Frauen und zwei Dritteln aus Männern zusammensetzt (8). In manchen Regionen stellen sie sogar die Hälfte aller WählerInnen.
Durch das wachsende Engagement von Frauen im rechtsextremen Milieu verankern sich
auch rechte Männer stärker in der Szene, und es kommt zur Gründung von "nationalen
Familien". Während früher Familiengründung bei Männern häufig die Bereitschaft zum
Ausstieg verstärkt hat, werden sie heute zunehmend durch Bindung an rechte Frauen fester
in der Szene gehalten. Das bedeutet, dass Frauen aktiv zur Verfestigung und zum Ausbau
von Neonazi-Strukturen beitragen.
Organisationsgrad von Frauen in der rechtsextremen Szene
Seit Ende der 90er Jahre steigt die Zahl rechtsextremer Frauengruppen. Meist gründen sich
so genannte "Mädelgruppen" als Sektion oder Arbeitsgruppe regionaler Kameradschaften.
Selbstständig organisierte Frauengruppen sind die Ausnahme. 1999 wurde von "Nationalen
Aktivistinnen" die Mädelschar Deutschland gegründet, die sich allerdings später in den etwas
bescheideneren Arbeitskreis Mädelschar umbenannte. Die Website des Arbeitskreis
Mädelschar ist auch nur über die Website des Widerstand Nord zu erreichen.
Das bekannteste Frauenmagazin in der rechtsextremen Szene ist die "Triskele" (die Triskele
ist ein heidnisches Symbol und ähnelt in eckiger Form einem dreiarmigen Hakenkreuz). Es
erscheint seit 2000 vierteljährlich als Hochglanz-Heft und wurde früher über den ehemaligen
Skingirl-Freundeskreis Deutschland, heute über ein Postfach in Essen, vertrieben.
Zwischen den Frauen in Ost und West gibt es auch kleine Unterschiede. So werden Frauen in
Westdeutschland eher in einer rechtsextremen Szene aktiv, in der ein traditionelles
Frauenbild vorherrscht, wohingegen die Frauen in den neuen Bundesländern auch den
Anspruch haben, politischen Einfluss (u.a. in der NPD) zu gewinnen. Ostdeutsche Frauen
sind auch viel stärker durch einen Anti-Globalisierungskurs geprägt. Als Ursache hierfür wird
die stärkere Emanzipation der Frauen im Osten genannt.(9)
11. Oktober 2007 |
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jugendschutz.net
jugendschutz.net ist die Zentralstelle der Länder für den Jugendschutz im
Internet. Das von der bpb geförderte Rechtsextremismus-Projekt geht mit einem mehrdimensionalen Ansatz aus Kontrollen, Maßnahmen und medienpädagogischen Aktivitäten erfolgreich gegen rechtsextreme Propagandaplattformen im Internet vor. |
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