Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Aussteiger

Viele Jugendliche, die sich in Neonazikreisen bewegen, begreifen erst spät, auf was sie sich eingelassen haben. Wenn sie umkehren wollen, scheitern sie oft am Gruppendruck, am Verlust der Freunde und an den sektenähnlichen Strukturen in der organisierten Szene. Staatliche und unabhängige Aussteigerinitiativen versuchen nicht nur Betroffenen zu helfen, sondern auch Eltern. Aber das Ringen um den Ausstieg ist ein zäher Prozess, der sich über Jahre erstrecken kann. Und nicht immer ist er von Erfolg gekrönt.

Ein Teilnehmer einer Demonstration von Rechtsextremen fasst sich vor dem Justizpalast in Nürnberg an seinen Pullover (Foto vom 14.10.06). Am Freitag (18.11.11) treffen sich die Innen- und Justizminister von Bund und Ländern in Berlin zu einer Sonderkonferenz zum Rechtsterrorismus. Anlass ist die jüngst bekannt gewordene Neonazi-Mordserie. Unter anderem soll beraten werden, wie die Erkenntnisse der verschiedenen Behörden über die rechte Szene zusammengeführt und besser ausgewertet werden können. Dazu ist eine sogenannte Verbunddatei ähnlich der Anti-Terror-Datei über islamitische Gewalttäter im Gespräch.

Stefan Schölermann

Der Weg aus der Szene ist steinig

Das Ganze erinnert an die Karriere eines süchtigen Rauchers: Mit ein paar Zigaretten fängt es an, und schon ist Wahrheit geworden, was als Warnung auf der Schachtel steht: ''Rauchen kann sehr schnell zur Abhängigkeit führen''. Wer hilft, wenn sich Neonazis von ihrer Ideologie und Gruppe trennen wollen? Weiter...

Ex-Neonazi Matthias Adrian zeigt seinen ehemaligen Personalausweis, auf dem er einen Hitlerbart trägt. Berlin, 24.10.2006. Heute versucht er in der Berliner Initiative Exit-Deutschland auch andere Neonazis zum Ausstieg zu bewegen.

Matthias Adrian

"Rechtsextremismus ist der große Aberglaube unserer Zeit"

Der Lebenslauf von Matthias Adrian ist gespalten: In seinem alten Leben war er aktives Mitglied der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD. Heute engagiert er sich gegen Rechtsextremismus, betreibt ausstiegsorientierte Jugendarbeit bei der Aussteigerinitiative EXIT. Ein Gespräch über Ideologien, Irrwege und Initiativen gegen Rechts. Weiter...

Stacheldraht der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Halberstadt, Sachsen-Anhalt, am Dienstag, 5. Dez. 2006. Bei der Überfuehrung vom offenen in den geschlossenen Vollzug ist ein Strafgefangener aus der Justizvollzugsanstalt Halberstadt geflohen. Der 25-jährige Mann flüchtete am Dienstag gegen 07.50 Uhr, wie die Sprecherin des Justizministerium von Sachsen-Anhalt, Ute Albersmann, mitteilte. Sie widersprach einer früheren Polizeimitteilung, wonach der Mann besonders gewalttätig sei.

Interview mit Ulrich Dovermann

Am Ende einer Straße

Seit sieben Jahren organisiert die Bundeszentrale für politische Bildung ein Modellprojekt in neun deutschen Jugendstrafanstalten. Gewalttäter mit rechtsextremem Weltbild können sich an einem Aussteigerprojekt beteiligen. Rund 350 Jugendliche nehmen bereits teil - und die Nachfrage ist groß. Initiator ist Ulrich Dovermann im Gespräch. Weiter...

Ex-Neonazi Matthias Adrian zeigt seinen ehemaligen Personalausweis, auf dem er einen Hitlerbart trägt. Berlin, 24.10.2006. Heute versucht er in der Berliner Initiative Exit-Deutschland auch andere Neonazis zum Ausstieg zu bewegen.

Birgit Rommelspacher

Warum steigen Aussteiger aus?

Nur wenige Rechtsextreme steigen wirklich aus. Was wie ein Ausstieg aussieht, ist bei vielen nur die Änderung der Erscheinungsform, warnt die Wissenschaftlerin Birgit Rommelspacher. Welche Beweggründe führen zum Ausstieg? Weiter...

Website der Exit-Familienhilfe. Screenshot, 05. Dezember 2011, http://www.exit-deutschland.de/

Holger Kulick

Hilfe zur Selbsthilfe

Aussteigen? Doch wie und wo? Manche versuchen es laut über die Medien, andere leise mit der Hilfe von Aussteiger-Initiativen. Federführend gehört seit acht Jahren das Projekt EXIT dazu: Rund 300 Neonazis hat die Initiative seitdem in einem oft jahrelangen Prozess erfolgreich betreut. Weiter...

Unsere Kinder. Gesehen in Rostock bei einem NPD-Aufmarsch.

Dierk Borstel

Über die Familie zum Ausstieg

Auch Eltern von Kindern, die in rechtsextreme Milieus abgerutscht sind, können helfen - und auch ihnen kann dabei geholfen werden. Dierk Borstel über die EXIT-Familienhilfe. Weiter...

Gefängniswärter Hans-Jürgen Joachim läuft den Korridor im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim  entlang. (15.10.2002).In diesem Gefängnis waren einst die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe untergebracht worden, die dann in ihren jeweiligen Zellen im Gefängnis Selbstmord begangen.

Christine Kröger und Stefan Schölermann

Schocktherapie in der Zelle

Rechtsextreme nennen sich gern ''Kameraden''. Doch in der Szene wird gelogen und betrogen, geschlagen und hintergangen. Viele Aussteiger berichten, dass sie lange brauchen, bis sie begreifen, wie sehr sie unter der falschen ''Kameradschaft'' gelitten haben. Ein Besuch von Schülern bei einem Ex-Neonazi in der Haftanstalt Celle. Weiter...