Zahlen und Fakten: Globalisierung

WTO – World Trade Organization

Mitglieder und Beobachter, Stand: März 2017

Quelle: World Trade Organization (WTO): www.wto.org
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

1.10.2017
Die Ziele der Welthandelsorganisation (WTO) sind – wie schon beim Vorläufer GATT – die Liberalisierung der Märkte, die Senkung von Zöllen und die Schaffung einer Welthandelsordnung. Anfang 2017 hatte die WTO 164 Mitglieder, auf die rund 98 Prozent des weltweiten Warenhandels entfallen. Auch wenn die Zölle insgesamt einen historischen Tiefstand erreicht haben, sind einzelne Handelsbereiche – wie z.B. der Agrarsektor – nach wie vor geschützt. Entsprechend haben die regelmäßig stattfindenden Ministerkonferenzen der WTO weiter die Liberalisierung der Märkte zum Ziel. Die Forderung verschiedener Gruppen, die Marktliberalisierung nicht über soziale und ökologische Interessen zu stellen, ist zum Teil in die Verhandlungen im Rahmen der sogenannten Doha-Runde (seit 2001) eingeflossen. Erste Vereinbarungen wurden in diesem Zusammenhang allerdings erst 2013/2015 geschlossen. Zudem bestehen die widersprechenden Vorstellungen der Mitgliedstaaten über das künftige Vorgehen in der WTO fort.

Fakten



Der Vorläufer der Welthandelsorganisation (WTO – World Trade Organization) war das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT – General Agreement on Tariffs and Trade). In insgesamt acht Verhandlungsrunden des GATT zwischen 1947 und 1994 wurden Regeln für den grenzüberschreitenden Handel festgelegt. Die Ziele dieser Verhandlungsrunden waren, wie heute bei der WTO, die Liberalisierung der Märkte, die Senkung von Zöllen und die Schaffung einer Welthandelsordnung.

Bei der letzten Verhandlungsrunde innerhalb des GATT, der sogenannten Uruguay-Runde von 1986 bis 1994, wurden die Vereinbarungen und Ziele neben dem Warenhandel auf die Bereiche Dienstleistungen (GATS) und geistiges Eigentum (TRIPS) ausgedehnt und die Gründung der WTO zum 1. Januar 1995 beschlossen. Heute ist das GATT eines der wichtigsten Abkommen innerhalb der WTO. Im Jahr 2015 wurden 98,3 Prozent des weltweiten Warenexports und 97,9 Prozent des Warenimports zwischen Staaten gehandelt, die Mitglied der WTO sind. 1948 lagen diese Anteile – bezogen auf das GATT – noch bei 63,4 bzw. 58,6 Prozent.

Sowohl die Zölle der ökonomisch entwickelten Staaten als auch die der ökonomisch sich entwickelnden Staaten haben insgesamt einen historischen Tiefstand erreicht: Nach Angaben der Weltbank sanken die tatsächlich erhobenen Zölle (handelsgewichtet und bezogen auf alle Produkte) kontinuierlich von 14,1 Prozent 1990 auf 4,6 Prozent 2015. Allerdings ist diese Entwicklung nicht unumkehrbar: Wenn wichtige Marktteilnehmer – wie aktuell die USA – über Protektionismus nachdenken, kann eine Neuverhandlung von bestehenden Verträgen auch zu steigenden Zöllen führen. Zudem führt die Reduzierung von Zöllen nicht in allen Fällen zu einer Marktliberalisierung, da zahlreiche Produkte von nicht-tarifären Handelshemmnissen betroffen sind. Zu den nicht-tarifären Handelshemmnissen gehören Produktstandards, Quotenregelungen, Marktzugangsgenehmigungen, Subventionen, Selbstbeschränkungsabkommen, Anti-Dumping-Verfahren und andere Zugangsregelungen.

Wie vorher schon das GATT verfügt auch die WTO über ein Schlichtungsverfahren bei Handelsstreitigkeiten. Bezogen auf die Stimmengewichtung sind in der WTO alle 164 Mitglieder (Stand: März 2017) gleichberechtigt, da in den zentralen Organen der WTO jedes Mitglied über eine Stimme verfügt. Allerdings haben die politisch und ökonomisch starken Staaten ihre Interessen oft auch ohne formale Privilegien durchsetzen können.

Die regelmäßig stattfindenden Ministerkonferenzen der WTO haben nach wie vor die Liberalisierung der Märkte zum Ziel. Spätestens seit der Ministerkonferenz in Seattle im Jahr 1999 ist die WTO jedoch mit Ansprüchen verschiedener sozialer Gruppen konfrontiert. Gewerkschaften, NGOs und gesellschaftspolitisch aktive Bürger protestierten öffentlich dafür, die Marktliberalisierung nicht über soziale und ökologische Interessen zu stellen. Gleichzeitig forderten die ökonomisch sich entwickelnden Staaten eine Öffnung der Märkte der ökonomisch entwickelten Staaten. Die Konferenz scheiterte inhaltlich unter anderem an der mangelnden Bereitschaft der ökonomisch entwickelten Staaten, ihre subventionierten Agrarmärkte und geschützten Textil- und Kleidungsmärkte zu öffnen.

Im Rahmen der sogenannten Doha-Runde, die nach der Ministerkonferenz der WTO in Doha/Katar 2001 begann, sollten die Zölle für Agrarprodukte massiv gesenkt werden, die Agrarsubventionen bis 2013 vollständig auslaufen und die ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten für 97 Prozent ihrer Produkte – mit schrittweiser Annäherung an 100 Prozent – bis 2008 einen weitgehend zoll- und quotenfreien Zugang zum Weltmarkt erhalten. Jedoch führte keine der folgenden Ministerkonferenzen in Cancún/Mexiko (2003), Hongkong (2005) und Genf/Schweiz (2009 und 2011) zu einer Einigung.

Auch bei den Ministerkonferenzen in Bali/Indonesien (2013) und Nairobi/Afrika (2015) wurde die Doha-Runde nicht zum Abschluss gebracht. Aber während die vorangehenden Konferenzen als gescheitert gelten, gibt es zu den Konferenzen in den Jahren 2013 und 2015 zumindest gegensätzliche Stimmen: Während beispielsweise das Entwicklungswerk der evangelischen Kirchen "Brot für die Welt" oder auch das Politiknetzwerk Attac in den Verhandlungen den Anfang vom Ende der Doha-Entwicklungsagenda der WTO sehen, bezeichnet die WTO die getroffenen Vereinbarungen als "historisch". Ein für die Stiftung Wissenschaft und Politik verfasster Aufsatz stellt zusammenfassend fest, dass "in Nairobi einige wichtige Beschlüsse gefasst wurden, doch ein Großteil der strittigen Fragen gar nicht auf der Agenda stand."

Datenquelle



World Trade Organization (WTO): www.wto.org; The World Bank: http://wits.worldbank.org; Stiftung Wissenschaft und Politik: Die Zukunft der WTO nach der Ministerkonferenz in Nairobi (PDF-Icon PDF-Version)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Handelsgewichtete Zollbelastung: Um Verzerrungen zu vermeiden, wird bei der Bestimmung der Zollbelastung der jeweilige Anteil, den die einzelnen Waren am Handel haben, berücksichtigt. Waren, die selten gehandelt werden, fallen so weniger stark ins Gewicht. Waren, die in großen Mengen umgesetzt werden, werden entsprechend stärker gewichtet. Weitere Informationen erhalten Sie hier...

WTO – World Trade Organization

Mitglieder und Beobachter, Stand: März 2017

Mitglieder Beitritt
Afghanistan Juli 2016
Ägypten Juni 1995
Albanien September 2000
Angola November 1996
Antigua und Barbuda Januar 1995
Argentinien Januar 1995
Armenien Februar 2003
Australien Januar 1995
Bahrain Januar 1995
Bangladesch Januar 1995
Barbados Januar 1995
Belgien Januar 1995
Belize Januar 1995
Benin Februar 1996
Bolivien September 1995
Botsuana Mai 1995
Brasilien Januar 1995
Brunei Darussalam Januar 1995
Bulgarien Dezember 1996
Burkina Faso Juni 1995
Burundi Juli 1995
Chile Januar 1995
China Dezember 2001
Costa Rica Januar 1995
Côte d'Ivoire Januar 1995
Dänemark Januar 1995
Demokratische Republik Kongo Januar 1997
Deutschland Januar 1995
Dominica Januar 1995
Dominikanische Republik März 1995
Dschibuti Mai 1995
Ecuador Januar 1996
El Salvador Mai 1995
Estland November 1999
Europäische Union (EU) Januar 1995
Fidschi Januar 1996
Finnland Januar 1995
Frankreich Januar 1995
Gabun Januar 1995
Gambia Oktober 1996
Georgien Juni 2000
Ghana Januar 1995
Grenada Februar 1996
Griechenland Januar 1995
Guatemala Juli 1995
Guinea Oktober 1995
Guinea-Bissau Mai 1995
Guyana Januar 1995
Haiti Januar 1996
Honduras Januar 1995
Hongkong, China Januar 1995
Indien Januar 1995
Indonesien Januar 1995
Irland Januar 1995
Island Januar 1995
Israel April 1995
Italien Januar 1995
Jamaica März 1995
Japan Januar 1995
Jemen Juni 2014
Jordanien April 2000
Kambodscha Oktober 2004
Kamerun Dezember 1995
Kanada Januar 1995
Cabo Verde Juli 2008
Kasachstan November 2015
Katar Januar 1996
Kenia Januar 1995
Kirgisistan Dezember 1998
Kolumbien April 1995
Kongo März 1997
Kroatien November 2000
Kuba April 1995
Kuwait Januar 1995
Laos Februar 2013
Lesotho Mai 1995
Lettland Februar 1999
Liberia Juli 2016
Liechtenstein September 1995
Litauen Mai 2001
Luxemburg Januar 1995
Macau, China Januar 1995
Madagaskar November 1995
Malawi Mai 1995
Malaysia Januar 1995
Malediven Mai 1995
Mali Mai 1995
Malta Januar 1995
Marokko Januar 1995
Mauretanien Mai 1995
Mauritius Januar 1995
Mazedonien, ehem. jug. Rep. April 2003
Mexiko Januar 1995
Mongolei Januar 1997
Montenegro April 2012
Mosambik August 1995
Myanmar Januar 1995
Namibia Januar 1995
Nepal April 2004
Neuseeland Januar 1995
Nicaragua September 1995
Niederlande (plus Antillen) Januar 1995
Niger Dezember 1996
Nigeria Januar 1995
Norwegen Januar 1995
Oman November 2000
Österreich Januar 1995
Pakistan Januar 1995
Panama September 1997
Papua-Neuguinea Juni 1996
Paraguay Januar 1995
Peru Januar 1995
Philippinen Januar 1995
Polen Juli 1995
Portugal Januar 1995
Republik Moldau Juli 2001
Ruanda Mai 1996
Rumänien Januar 1995
Russland August 2012
Salomonen Juli 1996
Sambia Januar 1995
Samoa Mai 2012
Saudi-Arabien Dezember 2005
Schweden Januar 1995
Schweiz Juli 1995
Senegal Januar 1995
Seychellen April 2015
Sierra Leone Juli 1995
Simbabwe März 1995
Singapur Januar 1995
Slowakei Januar 1995
Slowenien Juli 1995
Spanien Januar 1995
Sri Lanka Januar 1995
St. Kitts und Nevis Februar 1996
St. Lucia Januar 1995
St. Vincent und die Grenadinen Januar 1995
Südafrika Januar 1995
Südkorea Januar 1995
Suriname Januar 1995
Swasiland Januar 1995
Tadschikistan März 2013
Taiwan Januar 2002
Tansania Januar 1995
Thailand Januar 1995
Togo Mai 1995
Tonga Juli 2007
Trinidad und Tobago März 1995
Tschad Oktober 1996
Tschechische Republik Januar 1995
Tunesien März 1995
Türkei März 1995
Uganda Januar 1995
Ukraine Mai 2008
Ungarn Januar 1995
Uruguay Januar 1995
USA Januar 1995
Vanuatu August 2012
Venezuela Januar 1995
Vereinigte Arabische Emirate April 1996
Vereinigtes Königreich Januar 1995
Vietnam Januar 2007
Zentralafrikanische Republik Mai 1995
Zypern Juli 1995
Beobachter1
Algerien
Andorra
Äquatorialguinea
Aserbaidschan
Äthiopien
Bahamas
Belarus
Bhutan
Bosnien und Herzegowina
Irak
Iran
Komoren
Libanon
Libyen
São Tomé und Príncipe
Serbien
Somalia
Sudan
Syrien
Timor-Leste
Usbekistan
Vatikan

1 mit Ausnahme des Vatikans müssen Beobachter innerhalb von fünf Jahren mit Beitrittsverhandlungen beginnen


Quelle: World Trade Organization (WTO): www.wto.org


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