Zahlen und Fakten: Globalisierung

WTO – World Trade Organization

30.6.2010
Im Jahr 2007 unterlagen 94 Prozent des weltweiten Warenexports und 95 Prozent des Warenimports den Regelwerken der WTO. 1948 lagen diese Anteile – bezogen auf das GATT – noch bei gut 63 bzw. 58 Prozent.

WTO – World Trade Organization.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Der Vorläufer der Welthandelsorganisation (WTO) war das GATT (General Agreement on Tariffs and Trade). In insgesamt acht Verhandlungsrunden des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zwischen 1947 und 1994 wurden Regeln für den grenzüberschreitenden Handel festgelegt. Die Ziele dieser Verhandlungsrunden waren, wie heute bei der WTO, die Liberalisierung der Märkte, die Senkung von Zöllen und die Schaffung einer Welthandelsordnung.

Bei der letzten Verhandlungsrunde innerhalb des GATT, der so genannten Uruguay-Runde von 1986 bis 1994, wurden die Vereinbarungen zusätzlich zum Warenhandel auf den Bereich der Dienstleistungen (GATS) und des geistigen Eigentums (TRIPs) ausgedehnt und die Gründung der WTO zum 01. Januar 1995 beschlossen. Heute ist das GATT eines der wichtigsten Abkommen innerhalb der WTO.

Wie vorher schon das GATT verfügt auch die WTO über ein Schlichtungsverfahren bei Handelsstreitigkeiten. In der WTO sind alle 153 Mitglieder formell gleichberechtigt, da in den zentralen Organen der WTO jedes Mitglied über eine Stimme verfügt. Allerdings können die politisch und ökonomisch starken Staaten ihre Interessen oft auch ohne formale Privilegien durchsetzen.

Im Jahr 2007 unterlagen 94,1 Prozent des weltweiten Warenexports und 95,0 Prozent des Warenimports den Regelwerken der WTO. 1948 lagen diese Anteile – bezogen auf das GATT – noch bei gut 63 bzw. 58 Prozent. Durch das GATT und die WTO wurden die Zölle in fast allen Marktsegmenten gesenkt.

Die regelmäßig stattfindenden Ministerkonferenzen der WTO haben nach wie vor die Liberalisierung der Märkte zum Ziel. Spätestens seit der Ministerkonferenz in Seattle im Jahr 1999 ist die WTO jedoch zunehmend mit Ansprüchen verschiedener sozialer Gruppen konfrontiert. Gewerkschaften, NGOs und gesellschaftspolitisch aktive Bürger protestierten öffentlich dafür, die Marktliberalisierung nicht über soziale und ökologische Interessen zu stellen. Gleichzeitig forderten die ökonomisch sich entwickelnden Staaten eine Öffnung der Märkte der ökonomisch entwickelten Staaten. Die Konferenz scheiterte inhaltlich an der mangelnden Bereitschaft der ökonomisch entwickelten Staaten, unter anderem ihre subventionierten Agrarmärkte und geschützten Textil- und Kleidungsmärkte zu öffnen.

Spätere Verhandlungen führten dazu, dass Anfang 2005 die Importbeschränkungen für Textilien und Kleidung offiziell aufgehoben wurden. Hier bleibt allerdings abzuwarten, ob die Märkte der ökonomisch entwickelten Staaten nun wirklich offen sind oder ob der Zugang durch nicht-tarifäre Handelshemmnisse (Subventionen, Produktstandards oder Anti-Dumping-Verfahren) erschwert wird. Nach Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) gehörten Textilien und Kleidung zumindest 2006 und 2007 zu den Produkten, die am stärksten von nicht-tarifären Handelshemmnissen betroffen waren.

In Bezug auf die Agrarmärkte sind bisher nur geringfügige Veränderungen festzustellen. Die Zölle für Agrarprodukte liegen deutlich höher als die Zölle für nicht-agrarische Produkte. Nach Angaben der UNCTAD (ausgehend von den im Jahr 2008 zur Verfügung stehenden Daten) erhoben die ökonomisch entwickelten Staaten bei Agrarprodukten einen durchschnittlichen handelsgewichteten Importzoll von 12,6 Prozent (nicht-agrarische Produkte: 1,5 Prozent). Bei den ökonomisch sich entwickelnden Staaten lagen die entsprechenden Werte bei 15,5 bzw. 4,3 Prozent.

Neben den Zöllen verzerren Subventionen im Agrarsektor den Wettbewerb zusätzlich. Durch Agrarprotektionismus und -subventionen der ökonomisch entwickelten Staaten gingen den ökonomisch sich entwickelnden Staaten nach Schätzungen des United Nations Development Programme (UNDP) und der Weltbank im Jahr 2005 zwischen 60 und 70 Milliarden US-Dollar verloren. Um die Verluste zumindest für die ärmsten Staaten zu verringern, etablierte die EU 2001 die sogenannte "Everything but Arms-Initiative". Diese Initiative ermöglicht den ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten (LDC – Least Developed Countries) den quoten- und zollfreien Marktzugang für alle Waren. Die zunächst für Bananen, Zucker und Reis geltenden Übergangsfristen liefen 2006 bzw. 2009 aus.

Im Rahmen der sogenannten "Doha-Runde" der WTO sollen die Zölle für Agrarprodukte massiv gesenkt werden, die Agrarsubventionen bis 2013 auslaufen und der quoten- und zollfreie Marktzugang der LDCs – mit Übergangsfristen für einzelne Produkte – auf alle ökonomisch entwickelten Staaten ausgeweitet werden. Aufgrund unterschiedlicher Interessen in anderen Verhandlungsbereichen konnte die "Doha-Runde" bisher nicht zu einem Abschluss gebracht werden. Uneinigkeit besteht zum Beispiel bei der Höhe der Importzölle der ökonomisch sich entwickelnden Staaten für Industrieprodukte sowie bei der weiteren Ausgestaltung der 'special agricultural safeguards', mit denen sich Schwellen- und Entwicklungsländer durch temporär höhere Zölle vor unerwarteten Agrarimportschüben schützen können. Die Verhandlungen werden Ende 2009 bei der Ministerkonferenz in Genf weitergeführt.

Datenquelle



World Trade Organization (WTO): »www.wto.org«

Tabelle: WTO – World Trade Organization



Mitglieder und Beobachter, Stand: 2009

Mitglieder Beitritt
Ägypten Juni 1995
Albanien September 2000
Angola November 1996
Antigua und Barbuda Januar 1995
Argentinien Januar 1995
Armenien Februar 2003
Australien Januar 1995
Bahrain Januar 1995
Bangladesch Januar 1995
Barbados Januar 1995
Belgien Januar 1995
Belize Januar 1995
Benin Februar 1996
Bolivien September 1995
Botsuana Mai 1995
Brasilien Januar 1995
Brunei Darussalam Januar 1995
Bulgarien Dezember 1996
Burkina Faso Juni 1995
Burundi Juli 1995
Chile Januar 1995
China Dezember 2001
Costa Rica Januar 1995
Côte d'Ivoire Januar 1995
Dänemark Januar 1995
Demokratische Republik Kongo Januar 1997
Deutschland Januar 1995
Dominica Januar 1995
Dominikanische Republik März 1995
Dschibuti Mai 1995
Ecuador Januar 1996
EG Januar 1995
El Salvador Mai 1995
Estland November 1999
Fidschi Januar 1996
Finnland Januar 1995
Frankreich Januar 1995
Gabun Januar 1995
Gambia Oktober 1996
Georgien Juni 2000
Ghana Januar 1995
Grenada Februar 1996
Griechenland Januar 1995
Großbritannien Januar 1995
Guatemala Juli 1995
Guinea Oktober 1995
Guinea-Bissau Mai 1995
Guyana Januar 1995
Haiti Januar 1996
Honduras Januar 1995
Hongkong, China Januar 1995
Indien Januar 1995
Indonesien Januar 1995
Irland Januar 1995
Island Januar 1995
Israel April 1995
Italien Januar 1995
Jamaica März 1995
Japan Januar 1995
Jordanien April 2000
Kambodscha Oktober 2004
Kamerun Dezember 1995
Kanada Januar 1995
Kap Verde Juli 2008
Katar Januar 1996
Kenia Januar 1995
Kirgisistan Dezember 1998
Kolumbien April 1995
Kongo März 1997
Kroatien November 2000
Kuba April 1995
Kuwait Januar 1995
Lesotho Mai 1995
Lettland Februar 1999
Liechtenstein September 1995
Litauen Mai 2001
Luxemburg Januar 1995
Macau, China Januar 1995
Madagaskar November 1995
Malawi Mai 1995
Malaysia Januar 1995
Malediven Mai 1995
Mali Mai 1995
Malta Januar 1995
Marokko Januar 1995
Mauretanien Mai 1995
Mauritius Januar 1995
ehemalige jugoslawische

Republik Mazedonien
April 2003
Mexiko Januar 1995
Mongolei Januar 1997
Mosambik August 1995
Myanmar Januar 1995
Namibia Januar 1995
Nepal April 2004
Neuseeland Januar 1995
Nicaragua September 1995
Niederlande (plus Antillen) Januar 1995
Niger Dezember 1996
Nigeria Januar 1995
Norwegen Januar 1995
Oman November 2000
Österreich Januar 1995
Pakistan Januar 1995
Panama September 1997
Papua-Neuguinea Juni 1996
Paraguay Januar 1995
Peru Januar 1995
Philippinen Januar 1995
Polen Juli 1995
Portugal Januar 1995
Republik Moldau Juli 2001
Ruanda Mai 1996
Rumänien Januar 1995
Salomonen Juli 1996
Sambia Januar 1995
Saudi-Arabien Dezember 2005
Schweden Januar 1995
Schweiz Juli 1995
Senegal Januar 1995
Sierra Leone Juli 1995
Simbabwe März 1995
Singapur Januar 1995
Slowakei Januar 1995
Slowenien Juli 1995
Spanien Januar 1995
Sri Lanka Januar 1995
St. Kitts und Nevis Februar 1996
St. Lucia Januar 1995
St. Vincent und die Grenadinen Januar 1995
Südafrika Januar 1995
Südkorea Januar 1995
Suriname Januar 1995
Swasiland Januar 1995
Taiwan Januar 2002
Tansania Januar 1995
Thailand Januar 1995
Togo Mai 1995
Tonga Juli 2007
Trinidad und Tobago März 1995
Tschad Oktober 1996
Tschechische Republik Januar 1995
Tunesien März 1995
Türkei März 1995
Uganda Januar 1995
Ukraine Mai 2008
Ungarn Januar 1995
Uruguay Januar 1995
USA Januar 1995
Venezuela Januar 1995
Vereinigte Arabische Emirate April 1996
Vietnam Januar 2007
Zentralafrikanische Republik Mai 1995
Zypern Juli 1995

 

Beobachter*
Afghanistan Algerien
Andorra Äquatorialguinea
Aserbaidschan Äthiopien
Bahamas Belarus
Bhutan Bosnien und Herzegowina
Irak Iran
Jemen Kasachstan
Komoren Laos
Libanon Liberia
Libyen Montenegro
Russland Samoa
São Tomé und Príncipe Serbien
Seychellen Sudan
Tadschikistan Usbekistan
Vanuatu Vatikan

* mit Ausnahme des Vatikans müssen Beobachter innerhalb von fünf Jahren mit Beitrittsverhandlungen beginnen

Quelle: World Trade Organization (WTO): www.wto.org


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

counter