PDF Version (175 KB) Fakten
Im Jahr 2005 waren in Deutschland 12,7 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und Ergebnissen der Statistik EU-SILC waren dabei in Ostdeutschland 15,4 Prozent und in Westdeutschland 11,8 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland lag für einen Alleinlebenden bei 9.370 Euro pro Jahr. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag der Wert bei 19.677 Euro pro Jahr.
Die Armutsgefährdungsquote der Männer war mit 12,3 Prozent im Jahr 2005 etwas niedriger als die der Frauen (13,2 Prozent). Und auch die Unterschiede zwischen den Altersgruppen waren bei der vorliegenden Unterteilung nicht auffallend groß: Die Armutsgefährdungsquote der unter 18-Jährigen lag mit 12,4 Prozent nur geringfügig unter der Quote der 18 bis unter 65-Jährigen bzw. der 65-Jährigen und Älteren. Allerdings kann eine weitere Differenzierung Unterschiede hervorbringen: So lebten beispielsweise 15 Prozent der 18 bis 24-Jährigen unter der Armutsschwelle. Und während die ältere Generation (65-Jährige und Ältere) in Westdeutschland mit 14,4 Prozent überdurchschnittlich oft von Armut betroffen war, lag die entsprechende Armutsgefährdungsquote in Ostdeutschland mit 8,9 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt der Bevölkerung.
Am stärksten wird die Armutsgefährdung durch Arbeitslosigkeit erhöht. 2005 waren in Deutschland 43 Prozent der Arbeitslosen armutsgefährdet. Bei den Erwerbstätigen waren es im selben Jahr lediglich 5 Prozent – also jeder Zwanzigste. Vollzeitbeschäftigte hatten mit 4 Prozent eine nur halb so hohe Armutsgefährdung wie Teilzeitbeschäftigte.
Auch die Beschäftigungsfristen des Arbeitsvertrags, der Bildungsabschluss und die Berufsausbildung haben Auswirkungen auf die Armutsgefährdung. So lebten im Jahr 2005 nur 4 Prozent der mit einem Dauerarbeitsvertrag in Beschäftigung stehenden Personen in Armut. Bei befristetem Vertrag lag die Armutsgefährdung bei 11 Prozent. Von den erwerbstätigen Personen, die ihren höchsten Bildungsabschluss im Tertiärbereich (Hoch- und Fachhochschule, Promotion) erreicht hatten, waren lediglich 4 Prozent armutsgefährdet. Demgegenüber lag die Armutsgefährdungsquote der Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bei 19 Prozent.
Wird die Umverteilungswirkung von Sozialleistungen nicht berücksichtigt, waren in Deutschland etwa doppelt so viele Menschen (26 Prozent) armutsgefährdet. Bei den unter 18-Jährigen war die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen sogar fast dreimal so hoch (34 Prozent) wie danach. Bei Personen, die 65 Jahre oder älter waren, lag die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen hingegen nur 2 Prozentpunkte höher als die Quote nach Sozialleistungen (15 gegenüber 13 Prozent).
Bei allen Armutsrisikoquoten ist zu beachten, dass diese keine Erkenntnis darüber liefern, wie weit das Einkommen der armutsgefährdeten Bevölkerung unter der Armutsrisikoschwelle liegt. Diesen Aspekt berücksichtigt die so genannte relative Armutslücke: Nach der Statistik EU-SILC lag der Median der Nettoäquivalenzeinkommen der armutsgefährdeten Personen im Jahr 2005 20,3 Prozent unterhalb der Armutsrisikogrenze.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung; Eurostat
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben – durch gemeinsam genutzten Wohnraum, beim Energieverbrauch pro Kopf oder bei Haushaltsanschaffungen – entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.
Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Transfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialgeld oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.
Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtetet bzw. das so genannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.
Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.
Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

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Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten
In Prozent, 2005*
| |
nach Sozialleistungen |
| Bevölkerung insgesamt |
13 |
| Männer |
12 |
| Frauen |
13 |
| unter 18-Jährige |
12 |
| 18 bis unter 65-Jährige |
13 |
| 65-Jährige und Ältere |
13 |
| Erwerbstätige** |
5 |
| Arbeitslose** |
43 |
| Ruheständler** |
13 |
| Vollzeitbeschäftigte** |
4 |
| Teilzeitbeschäftigte** |
8 |
| Personen mit Dauerarbeitsvertrag** |
4 |
| Personen mit befristetem Arbeitsvertrag** |
11 |
| |
vor Sozialleistungen (ausgenommen Renten und Pensionen) |
| Bevölkerung insgesamt |
26 |
| unter 18-Jährige |
34 |
| 18 bis unter 65-Jährige |
27 |
| 65-Jährige und Ältere |
15 |
* Berechnungsgrundlagen: 60%-Median, modifizierte OECD-Skala, Einkommens-Referenzjahr 2005 ** Personen ab 16 Jahren Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung; Eurostat
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