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Transnationale Unternehmen
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Fakten

Ein zentrales Thema der Globalisierungsdebatte ist der Standortwettbewerb. Aber schon die Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes zu messen ist, wird kontrovers diskutiert. Sicher ist, dass bei der Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit mehrere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Über die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes bestimmen unter anderem die infrastrukturellen Voraussetzungen (Kommunikationsnetze, Verkehrswege, Umschlagplätze, Logistiknetzwerke, Transport- und Energiekosten etc.), die Forschungsbedingungen, das allgemeine Ausbildungsniveau, der Aufbau und die Flexibilität der staatlichen Bürokratie, staatliche Förderungen, gesetzliche Auflagen, die Steuer- und Abgabenbelastung sowie das Lohnniveau und andere Kostenfaktoren.

Traditionelle Unternehmens- und Marktverflechtungen, der Zugang und die Nähe zu großen oder neuen Märkten, natürliche Ressourcen bzw. die Verfügbarkeit von Rohstoffen, räumliche Voraussetzungen, die Einkommens- und Vermögensstruktur, politische und rechtsstaatliche Stabilität, das Image eines Standortes sowie das Vorhandensein von spezialisierten Unternehmen und Fachkräften beeinflussen ebenfalls die Investitionsentscheidungen. Und ob wiederum die Fachkräfte an einen Standort gebunden werden können, hängt neben den rein ökonomischen Voraussetzungen auch vom Wohnumfeld, der Umweltqualität, der medizinischen Versorgung, den Fürsorgeeinrichtungen sowie den Bildungs-, Erholungs-, Kultur- und Freizeitangeboten ab.

Ob und warum sich Unternehmen an einem Standort niederlassen, ist von großem Interesse für politische Entscheidungen, da die Standortwahl unmittelbare Auswirkungen auf Investitionen, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze hat. Eine vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Erhebung hat die Verlagerungsaktivitäten im Bereich der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft in Deutschland untersucht. Danach bauten die Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten in den Jahren 2001 bis 2006 durch Verlagerungen insgesamt 188.600 Stellen in Deutschland ab. Die beiden wichtigsten Verlagerungsmotive waren dabei die Senkung der Lohnkosten und der Zugang zu neuen Absatzmärkten. Beide Gründe waren für mehr als vier Fünftel aller befragten Unternehmen von Bedeutung (82 Prozent).

Bei einer Bewertung der Lohnkosten werden in den meisten Fällen nicht allein die Bruttolöhne der Arbeitnehmer sondern die Lohnstückkosten verglichen. Zur Ermittlung der Lohnstückkosten werden die Lohnkosten ins Verhältnis zur Arbeitsproduktivität gesetzt. Die Höhe der Lohnstückkosten ist damit sowohl von der Produktivität als auch von der Höhe der gezahlten Löhne abhängig. Beispielsweise können die Lohnstückkosten eines Standortes mit niedrigen Löhnen und einer geringen Produktivität höher sein als die Lohnstückkosten eines Standortes mit hohen Löhnen und einer hohen Produktivität. Durch den Einsatz neuer Technologien, die effiziente Arbeitsorganisation, eine ausgebaute Infrastruktur und ein hohes Qualifikationsniveau der Beschäftigten wird die Arbeitsproduktivität gesteigert und somit ein Teil der höheren Lohnkosten ausgeglichen.

In der Gruppe der hier betrachteten Staaten sanken zwischen 1990 und 2008 die Lohnstückkosten (auf Basis der jeweiligen Landeswährung) nirgendwo stärker als in Japan (minus 27,8 Prozent). Dabei ist bemerkenswert, dass der Rückgang der Lohnstückkosten relativ linear erfolgte. Auch in den USA reduzierten sich die Lohnstückkosten zwischen 1990 und 2008 gleichmäßig – allerdings mit einem Minus von 11,8 Prozent nicht so ausgeprägt wie in Japan.

Hingegen ist eine relativ lineare Erhöhung der Lohnstückkosten von 1990 bis 2008 für Norwegen (plus 69,4 Prozent), Italien (plus 51,4 Prozent) und Großbritannien (plus 24,5 Prozent) festzustellen. Die auffällige Steigerung der Lohnstückkosten in Südkorea (plus 52,6 Prozent) resultiert hingegen allein aus dem Anstieg in den Jahren 1990 bis 1996 – seitdem verläuft die Entwicklung der Lohnstückkosten deutlich weniger sprunghaft.

Schweden und Taiwan konnten den über Jahre andauernden Trend steigender Lohnstückkosten Anfang bzw. Mitte der 1990er-Jahre umkehren. In Schweden reduzierten sich die Lohnstückkosten zwischen 1992 und 2008 um 29,0 Prozent, in Taiwan von 1995 bis 2008 um 30,2 Prozent. In Deutschland stiegen die Lohnstückkosten zwischen 1990 und 1996 um 20,1 Prozent und blieben dann bis zum Jahr 2002 relativ stabil. Bis 2008 sanken die Lohnstückkosten wiederum um 12,5 Prozent.

Beim Vergleich der Lohnstückkosten muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese hier auf Basis der jeweiligen Währung dargestellt werden. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit hängt aber auch stark von Wechselkursänderungen ab. Um die Wechselkurse mit einzubeziehen, muss die Entwicklung der Lohnstückkosten in einer einheitlichen Währung abgebildet werden. Allerdings geht diese Darstellungsform zu Lasten der Faktoren, die die Lohnstückkosten in den einzelnen Staaten abseits der Wechselkurse beeinflussen (zum Beispiel die Entwicklung der Lohnkosten und der Produktivität).

Ein Beispiel: In Deutschland sanken die Lohnstückkosten in nationaler Währung zwischen 2002 und 2008 um 12,5 Prozent. In den USA reduzierten sich die Lohnstückkosten im selben Zeitraum um lediglich 3,6 Prozent. Bei einem Vergleich der Lohnstückkosten auf US-Dollar Basis hat sich die Wettbewerbsposition Deutschlands – trotz steigender Arbeitsproduktivität und Lohnzurückhaltung – gegenüber den USA verschlechtert. Der Grund dafür ist die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar im gleichen Zeitraum. Aus Sicht der USA bzw. auf US-Dollar Basis haben sich die Lohnstückkosten in Deutschland zwischen 2002 und 2008 nicht reduziert, sondern sie sind um gut 36 Prozent gestiegen.

Abseits der zahlreichen Faktoren, die die Kosten eines Produkts beeinflussen, ist zu bedenken, dass bei vielen Produkten die Löhne der Arbeitnehmer einen immer kleiner werdenden Anteil haben und sich unternehmerischer Erfolg auch auf Produktimage, Produktqualität, Kundenservice, Lieferpünktlichkeit und Innovationsfähigkeit gründet.

In einer vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Auftrag gegebenen Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung wird darauf hingewiesen, dass die Lohnkosten in vielen Betrieben nur noch 10 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Während die Einsparmöglichkeiten überschätzt werden, unterschätzen laut der Studie viele Unternehmen die Kosten einer Verlagerung durch Anlaufzeiten, Betreuung, Koordination, Qualitätssicherung und betriebliche Kontrolle. Auch verschiedene Kommunikations- und Arbeitsstile können die Kosten erhöhen.

Datenquelle

U.S. Bureau of Labor Statistics, Division of International Labor Comparisons: Manufacturing productivity and unit labor cost trends; Statistisches Bundesamt: Verflechtung deutscher Unternehmen mit dem Ausland 2009, STATmagazin: Engagement deutscher Unternehmen im Ausland; Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI): www.vdi.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Zur Bestimmung der Lohnstückkosten werden die Lohnkosten je Arbeitnehmer beziehungsweise je Arbeitnehmerstunde ins Verhältnis zur Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen (Personenkonzept) beziehungsweise je Erwerbstätigenstunde (Stundenkonzept) gesetzt. Die Lohnkosten setzen sich aus den Bruttolöhnen und -gehältern der Arbeitnehmer sowie den Sozialbeiträgen der Arbeitgeber zusammen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zu den Themen:

  • Arbeitsplatzeffekt durch Verlagerung,
  • Verlagerungsmotive,
  • Ausländische Direktinvestitionen (ADI),
  • Handelsbilanzen.

    Creative Commons License

    Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
    by-nc-nd/3.0/de lizenziert.

    Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe

    Auf der Basis der jeweiligen Währung, Index (2002 = 100), 1990 bis 2008

      USA Japan Deutsch-
    land
    Groß-
    britannien
    Frankreich
    1990 109,3 109,2 85,5 83,3 101,0
    1991 112,4 110,5 88,3 89,7 104,2
    1992 113,4 113,3 94,9 84,7 107,7
    1993 112,8 114,2 99,9 84,9 109,9
    1994 109,8 114,3 97,2 84,9 107,1
    1995 107,5 110,8 100,8 87,9 106,1
    1996 105,2 106,9 102,7 88,3 107,8
    1997 103,4 106,8 98,9 90,5 104,8
    1998 102,6 108,3 99,9 96,4 100,4
    1999 102,0 105,4 99,7 97,3 99,3
    2000 102,1 99,5 98,1 96,7 97,6
    2001 104,8 102,9 98,6 97,6 98,3
    2002 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0
    2003 101,5 91,6 98,7 100,7 97,9
    2004 96,4 86,4 95,7 98,9 98,3
    2005 97,7 81,8 91,7 100,4 97,4
    2006 95,1 80,1 88,0 101,6 98,9
    2007 94,8 77,3 85,3 101,5 100,4
    2008 96,4 78,8 87,5 103,7 104,3
     
      Italien Südkorea Schweden Norwegen Taiwan
    1990 78,6 68,5 117,7 66,6 109,3
    1991 85,2 77,0 127,4 70,0 111,2
    1992 87,0 83,4 129,1 70,9 115,2
    1993 89,7 89,3 116,6 72,0 120,5
    1994 86,8 94,1 108,4 74,2 121,6
    1995 87,7 104,0 107,6 78,5 122,7
    1996 92,0 110,0 112,3 79,4 121,6
    1997 94,4 106,1 108,4 82,7 120,4
    1998 94,0 103,6 106,3 89,9 119,1
    1999 95,6 93,7 100,4 91,8 114,2
    2000 93,2 94,1 97,6 94,1 110,5
    2001 96,1 98,8 105,3 97,0 112,4
    2002 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0
    2003 106,0 98,8 96,7 95,8 98,5
    2004 108,1 102,3 89,7 93,4 95,3
    2005 110,0 106,8 87,3 94,5 92,0
    2006 110,2 104,8 82,2 102,4 88,9
    2007 112,1 103,7 85,6 107,5 84,2
    2008 119,0 104,5 91,6 112,8 85,7

    Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics, Division of International Labor Comparisons: Manufacturing productivity and unit labor cost trends




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