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Handel und Investitionen
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Fakten

Bezogen auf die Handelsbilanzen haben sich seit Ende der 1960er Jahre weltweit die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte vergrößert. Das steigende Handelsbilanzdefizit der ökonomisch entwickelten Staaten ist vor allem auf die Ausweitung des Handelsbilanzdefizits der USA zurückzuführen. Während die USA bis etwa 1980 einen unterdurchschnittlichen Anteil am Handelsbilanzdefizit der ökonomisch entwickelten Staaten hatten, stieg ihr Anteil seitdem überproportional. Im Jahr 2007 schloss die Handelsbilanz mit einem Defizit in Höhe von 854 Milliarden US-Dollar – lediglich 2006 war das Defizit mit 881 Milliarden US-Dollar noch höher. Das Handelsbilanzdefizit der USA entsprach im Jahr 2007 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA. Im Jahr 2005 lag der entsprechende Wert bei 5,8 Prozent, 2004 bei 5,3 Prozent und 2003 noch bei 4,5 Prozent des BIP.

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Warenexporteur im Jahr 2007 hinter Deutschland und China an dritter Stelle. Während die Warenexporte der USA zwischen 2000 und 2006 um 32,8 Prozent stiegen, wuchsen die Warenimporte mit 52,4 Prozent deutlich schneller; der Import von Brennstoffen stieg in diesem Zeitraum sogar um mehr als 147 Prozent.

Nach Angaben des U.S. Census Bureau machte im Jahr 2007 allein das Defizit mit China (256 Mrd. US-Dollar) fast ein Drittel des Gesamtdefizits aus. Mit Deutschland hatten die USA im selben Jahr mit rund 45 Milliarden US-Dollar das fünfthöchste Handelsbilanzdefizit – höher lagen neben China nur noch die Defizite gegenüber Japan (83 Mrd. US-Dollar), Mexiko (74 Mrd. US-Dollar) und Kanada (64 Mrd. US-Dollar).

Neben dem hohen Handelsbilanzdefizit der USA weiteten sich seit Anfang des Jahrhunderts auch die Defizite Großbritanniens (2007: minus 181 Mrd. US-Dollar) und Spaniens (2007: minus 131 Mrd. US-Dollar) auffällig stark aus. Den Handelsbilanzdefiziten stehen hohe Handelsbilanzüberschüsse von Deutschland (2007: plus 266 Mrd. US-Dollar), China (2007: plus 262 Mrd. US-Dollar) und Japan (2007: plus 90 Mrd. US-Dollar) sowie von den Hauptexporteuren von Öl und Gas gegenüber (vor allem Saudi-Arabien und Russland mit einem Plus von 141 bzw. 110 Mrd. US-Dollar im Jahr 2007).

Die aufgrund steigender Energienachfrage und -preise erzielten Handelsbilanzüberschüsse ölexportierender Staaten haben einen großen Einfluss auf die regionalen Handelsbilanzsalden: Während beispielsweise in Venezuela im Jahr 2007 nur etwa sieben Prozent der südamerikanischen Bevölkerung lebten, hatte der Handelsbilanzüberschuss Venezuelas einen Anteil von mehr als einem Viertel am gesamten Handelsbilanzüberschuss Südamerikas. Und in Afrika hatten im selben Jahr die vier wichtigsten Öl-Exporteure einen Handelsbilanzüberschuss von 108,7 Milliarden US-Dollar, wobei der Handelsbilanzüberschuss Afrikas insgesamt deutlich niedriger bei 56,5 Milliarden US-Dollar lag.

Datenquelle

United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics, verschiedene Jahrgänge

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Handelsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt den Saldo der Warenausfuhren und -einfuhren eines Staates oder einer Staatengruppe an. Bei einem Handelsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Da die Handelsbilanz eine Teilbilanz der Leistungsbilanz ist, kann ein Ungleichgewicht der Handelsbilanz durch die Salden anderer Teilbilanzen ausgeglichen werden.

Nach der Definition der UNCTAD fällt ein ökonomisch sich entwickelnder Staat dann in die Gruppe der Hauptexporteure von Öl (unter den ökonomisch sich entwickelnden Staaten), wenn der Anteil von Öl und ölbasierten Produkten an den Exporten bei nicht weniger als 50 Prozent liegt und der Wert dieses Exportanteils, im Durchschnitt der Jahre 2003-2005, bei mindestens 2 Milliarden US-Dollar lag. Dieses Kriterium erfüllen alle zwölf Mitglieder der OPEC und zehn weitere Staaten.

OPEC – Organization of the Petroleum Exporting Countries (Organisation erdölexportierender Länder)

In die Gruppe der Hauptexporteure von Fertigwaren fällt ein ökonomisch sich entwickelnder Staat dann, wenn der Anteil von Fertigwaren an den Exporten bei nicht weniger als 50 Prozent liegt und der Wert dieses Exportanteils, im Durchschnitt der Jahre 2003-2005, bei mindestens 22 Milliarden US-Dollar lag. In der Gruppe der Hauptexporteure von Fertigwaren sind die zwölf Staaten Brasilien, China, Hongkong (als Teil von China), Indien, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Singapur, Südkorea, Taiwan, Thailand, Türkei.

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Ausgewählte Handelsbilanzen

In absoluten Zahlen, Betrachtungszeiträume zwischen 1969 und 2007

  Handelsbilanzen, in Mrd. US-Dollar (Durchschnitt)
1969-
1971
1979-
1981
1989-
1991
1994-
1996
1999-
2001
2004-
2006
2005-
2007
2007
ökonomisch entwickelte Staaten -11,1 -116,5 -118,8 -18,1 -327,5 -736,7 -833,4 -849,4
ökonomisch sich entwickelnde Staaten -0,6 74,3 17,8 -56,2 105,3 377,8 490,1 557,7
darunter:  
Hauptexporteure von Öl 8,3 123,4 56,1 69,5 126,7 342,0 419,8 454,8
Hauptexporteure von Fertigwaren -4,4 -32,6 -12,6 -64,4 26,3 122,7 178,1 231,1
Süd-Osteuropa und GUS* 0,0 1,2 -8,8 5,8 35,5 81,7 84,8 68,2
ökon. sich entwickelnde Staaten in Süd-, Ost- und Süd-Ostasien -4,0 -11,6 -15,1 -40,8 86,4 153,0 222,6 307,0
Afrika 1,3 11,9 3,6 -6,6 4,9 37,7 51,8 56,5
Südamerika 1,0 0,0 25,5 -6,2 7,6 92,2 98,0 90,8
EU 15 -8,8 -67,9 -59,3 82,6 22,3 -10,9 -48,8 -56,9
USA -1,7 -34,0 -113,0 -186,6 -430,4 -804,5 -853,6 -854,4
Großbritannien -2,2 -6,2 -36,5 -29,0 -60,7 -135,0 -154,1 -180,6
Deutschland 4,3 9,7 38,4 56,9 69,9 196,5 220,5 266,1
Japan 1,9 -3,3 64,7 96,9 87,4 87,2 80,1 89,8
China 0,4 -1,3 3,4 11,4 25,3 104,0 180,7 262,2
Indien -0,3 -5,1 -4,3 -3,6 -9,2 -40,2 -55,9 -70,1
Russland 1,2 7,0 -6,4 14,0 44,2 101,6 112,9 110,1
Saudi-Arabien 2,0 62,6 15,4 24,7 35,6 116,0 136,1 141,5

* GUS – Gemeinschaft unabhängiger Staaten / CIS – Commonwealth of Independent States

Quelle: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics, verschiedene Jahrgänge

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