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Fakten

Um die Entwicklung der Energiekosten zu erfassen, bietet sich eine Betrachtung des Rohölpreises an. Rohöl ist mengenmäßig der wichtigste Energieträger, Transport und Transportkosten hängen maßgeblich vom Rohöl bzw. Rohölpreis ab und der Erdgaspreis ist an den Erdölpreis gekoppelt. Zudem hat sich der Preis für Kohle, weltweit der zweitwichtigste Energieträger, weitgehend parallel zum Rohölpreis entwickelt.

Der Rohölpreis schwankte in den vergangenen 150 Jahren erheblich. Dies hatte häufig auch politische Ursachen. Von 1860 bis 1970 ist der Rohölpreis (US-Dollar pro Barrel) tendenziell gefallen. Erst der Ölpreisschock in den 1970er-Jahren kehrte diesen Trend massiv um. Von 1970 bis 1980 stieg der Ölpreis inflationsbereinigt um rund 780 Prozent.

Die sich anschließende Phase real sinkender Rohölpreise von 1980 bis 1998 hat den Prozess der Globalisierung stark beschleunigt. Denn ohne niedrige Energiepreise kann die theoretische Annahme, dass alle Regionen der Welt als potenzielle Orte der Produktion und des Absatzes in Betracht gezogen werden, nicht in die Praxis umgesetzt werden. Die Unternehmensstrategie des "global sourcing" ist also auch von den Transportkosten abhängig, und diese wiederum vom Preis des Rohöls.

Indirekt ist auch der niedrige Rohölpreis der Vergangenheit für den steigenden Preis seit 1998 verantwortlich. Denn relativ niedrige Rohölpreise begünstigten den Warenhandel, sorgten für steigende Wachstumsraten und trugen so dazu bei, dass mehr Öl nachgefragt wurde.

Von 2006 auf 2007 stieg der globale Ölverbrauch um 1,3 Prozent (gut 1 Million Barrel pro Tag), was etwa dem Zehnjahresdurchschnitt entsprach. 2008 sank der globale Ölverbrauch zum ersten Mal seit 1993. Der Rückgang von 420.000 Barrel pro Tag (minus 0,5 Prozent) war der größte seit Anfang der 1980er-Jahre. Allerdings ist der weltweite Energieverbrauch auch von 2007 auf 2008 gestiegen – vor allem durch die stärkere Nutzung von Kohle, Wasserkraft, Gas und regenerativen Energien.

Mit durchschnittlich 38 US-Dollar pro Barrel (Brent-Rohöl) lag der Ölpreis 2004 um zehn US-Dollar über dem Vorjahresniveau. Im Jahr 2005 lag der Rohölpreis bereits bei knapp 55 US-Dollar und 2007 bei mehr als 72 US-Dollar pro Barrel. Im Jahr 2008 erhöhte sich der Ölpreis auf durchschnittlich 97,3 US-Dollar pro Barrel – allerdings schwankte er dabei zwischen gut 144 US-Dollar pro Barrel Anfang Juli und weniger als 40 US-Dollar pro Barrel am Ende des Jahres. Ausgehend von diesem niedrigen Niveau hat sich der Ölpreis in der ersten Hälfte des Jahres 2009 wiederum um mehr als die Hälfte erhöht und ist danach auch weiter gestiegen. Noch wichtiger als die Entwicklung der laufenden Preise ist, dass im Jahr 2008 der Ölpreis einen Wert erreichte, der inflationsbereinigt nur ganz knapp unter dem Rekordwert des Jahres 1980 lag.

Datenquelle

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI): Rohstoffpreisindex

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Bei der Darstellung der realen, das heißt inflationsbereinigten, Preisentwicklung des Rohöls können verschiedene Deflatoren genutzt werden. Zumeist, so auch hier, wird der Verbraucherpreisindex der USA gewählt (CPIU, mit einem U für urban consumers). Alternativ kann auch der Exportpreis für verarbeitete Waren aus ökonomisch entwickelten Staaten als Deflator verwendet werden. Die Unterschiede sind beträchtlich: Nach Angaben des HWWI war im ersten Fall Rohöl im Jahresdurchschnitt 2008 noch leicht billiger als 1980, im zweiten Fall ist der Preis seitdem um fast die Hälfte gestiegen.

1 Barrel entspricht rund 159 Litern Öl.

1.000 Liter entsprechen 6,2898 Barrel Öl.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/3.0/de lizenziert.

Energiekosten

Rohöl- und Energierohstoffpreis, Index (2008 = 100),
in konstanten Preisen*, 1960 bis 2008

  Rohöl Energierohstoffe
(Erdöl, Kohle)
Preisindex (2008 = 100)
1960 15,9 16,4
1961 15,4 15,9
1962 15,1 15,6
1963 14,7 15,4
1964 14,3 15,1
1965 13,9 14,6
1966 13,4 14,2
1967 13,1 13,8
1968 12,7 13,3
1969 11,9 12,7
1970 11,4 13,3
1971 12,2 14,1
1972 14,8 16,7
1973 16,0 18,3
1974 49,8 52,5
1975 46,5 49,6
1976 47,0 49,8
1977 48,2 50,9
1978 46,5 49,2
1979 98,4 95,6
1980 100,5 98,4
1981 86,5 87,4
1982 74,6 76,3
1983 65,3 65,0
1984 60,7 59,5
1985 56,1 55,6
1986 28,4 30,1
1987 35,3 35,7
1988 27,4 29,3
1989 31,4 33,2
1990 38,2 39,3
1991 31,0 32,6
1992 29,8 31,2
1993 25,9 26,8
1994 23,6 24,8
1995 24,7 26,5
1996 28,3 29,4
1997 26,6 27,7
1998 18,1 19,3
1999 24,1 24,3
2000 36,3 35,3
2001 30,6 30,7
2002 30,6 30,0
2003 34,5 33,6
2004 44,0 44,3
2005 60,6 58,6
2006 70,3 67,5
2007 75,5 73,3
2008 100,0 100,0

* deflationiert mit USA-Lebenshaltungskostenindex

Quelle: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI): Rohstoffpreisindex




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