Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2014

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

31.12.2015
In Deutschland hat jede fünfte Person einen Migrationshintergrund – in Westdeutschland fast jede vierte, in Ostdeutschland nicht einmal jede zwanzigste Person. Von allen Personen mit Migrationshintergrund sind zwei Drittel selbst eingewandert und ein Drittel ist in Deutschland geboren. Weit über die Hälfte der Personen mit Migrationshintergrund sind Deutsche. Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen.

Fakten



Im Jahr 2014 hatten 16,4 Millionen der insgesamt 80,9 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen). Von diesen 16,4 Millionen Personen waren 9,2 Millionen Deutsche und 7,2 Millionen Ausländer (56,0 bzw. 44,0 Prozent).

Zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund – 10,9 Millionen bzw. 66,4 Prozent – waren 2014 selbst Migranten (erste Generation), darunter waren 35,8 Prozent Ausländer mit eigener Migrationserfahrung und 30,6 Prozent Deutsche mit eigener Migrationserfahrung. Personen ohne eigene Migrationserfahrung, also Migranten in zweiter oder dritter Generation, machten ein Drittel der Personen mit Migrationshintergrund aus (33,6 Prozent). Diese Gruppe teilt sich in Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung (25,4 Prozent) und Ausländer, die in Deutschland geboren wurden (8,2 Prozent).

Die Deutschen mit eigener Migrationserfahrung (30,6 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund) untergliedern sich in selbst zugewanderte (Spät-)Aussiedler (18,9 Prozent) sowie selbst zugewanderte Eingebürgerte (11,7 Prozent). Die Deutschen mit Migrationshintergrund aber ohne eigene Migrationserfahrung (25,4 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund) lassen sich ebenfalls unterteilen: In Eingebürgerte (2,8 Prozent) und Deutsche mit mindestens einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil (22,6 Prozent). Letztere sind zum Beispiel Kinder von Eingebürgerten, deutsche Kinder ausländischer Eltern oder Kinder von (Spät-)Aussiedlern.

Im Jahr 2014 lebten 96,4 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund in Westdeutschland und Berlin. Mehr als jede vierte Person mit Migrationshintergrund lebte dabei in Nordrhein-Westfalen (26,6 Prozent), jeweils etwa jede Sechste in Baden-Württemberg und Bayern (17,7 bzw. 15,7 Prozent). Bezogen auf die jeweilige Bevölkerung der Bundesländer war ihr Anteil in den Stadtstaaten Bremen (28,7 Prozent), Hamburg (28,2 Prozent) und Berlin (26,5 Prozent) sowie in den Flächenländern Hessen (27,6 Prozent), Baden-Württemberg (27,1 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (24,8 Prozent) am höchsten. In Ostdeutschland lag der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung bei lediglich 4,8 Prozent (Westdeutschland: 23,1 Prozent, Deutschland: 20,3 Prozent).

61,1 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund lebten 2014 in städtischen, 12,3 Prozent in ländlichen Regionen. Auf Gemeindeebene gilt, dass je größer die Einwohnerzahl der Gemeinde ist, desto größer ist tendenziell auch der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung: Während beispielsweise der Anteil in den Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern im Jahr 2014 durchschnittlich deutlich unter zehn Prozent lag, hatte in den Gemeinden mit 50.000 bis unter 100.000 Einwohnern durchschnittlich etwa jede vierte Person einen Migrationshintergrund (24,4 Prozent). In den Gemeinden mit 500.000 Einwohnern und mehr lag der entsprechende Anteil bei 29,2 Prozent.

Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen: Insgesamt hatte in Deutschland 2014 gut ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund (34,6 Prozent) – in der Gruppe der 35- bis unter 45-Jährigen lag der entsprechende Anteil im selben Jahr bei 25,9 Prozent und bei den 85- bis unter 95-Jährigen bei 6,2 Prozent.

Europa ist für die Migration in Deutschland besonders bedeutsam: 34,5 Prozent der 16,4 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammen aus einem der 27 anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, weitere 35,3 Prozent aus einem anderen europäischen Staat. Die meisten der 16,4 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammen aus der Türkei (17,4 Prozent), gefolgt von Polen (9,9 Prozent), Russland (7,3 Prozent) und Italien (4,7 Prozent). Kasachstan ist mit 5,6 Prozent das einzige wichtige nicht-europäische Herkunftsland. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu berücksichtigen, dass für 7,4 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund keine Angaben vorliegen.

Die meisten (Spät-)Aussiedler kommen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (1,4 Mio.) – darunter vor allem aus Kasachstan (568.000) und aus Russland (555.000). Daneben sind Polen (570.000) und Rumänien (209.000) wichtige Herkunftsländer. Im Mikrozensus 2014 gaben 3,1 Millionen zugewanderte Deutsche (einschließlich zeitgleich eingereister Ehegatten und Kinder) an, mit dem Aussiedler- bzw. Spätaussiedlerstatus nach Deutschland eingereist zu sein. Damit hielten sich 2014 noch knapp 69 Prozent aller 4,5 Millionen insgesamt seit 1950 zugewanderten Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland auf.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Personen mit Migrationshintergrund sind seit 1950 nach Deutschland Zugewanderte und deren Nachkommen. Zu den Personen mit Migrationshintergrund gehört die ausländische Bevölkerung – unabhängig davon, ob sie im Inland oder im Ausland geboren wurde – sowie alle Zugewanderten unabhängig von ihrer Nationalität. Daneben zählen zu den Personen mit Migrationshintergrund auch die in Deutschland geborenen eingebürgerten Ausländer sowie eine Reihe von in Deutschland Geborenen mit deutscher Staatsangehörigkeit, bei denen sich der Migrationshintergrund aus dem Migrationsstatus der Eltern ableitet. Zu den letzteren gehören die deutschen Kinder (Nachkommen der ersten Generation) von Spätaussiedlern und Eingebürgerten und zwar auch dann, wenn nur ein Elternteil diese Bedingungen erfüllt, während der andere keinen Migrationshintergrund aufweist. Außerdem gehören zu dieser Gruppe seit dem Jahr 2000 auch die (deutschen) Kinder ausländischer Eltern, die die Bedingungen für das Optionsmodell erfüllen, das heißt mit einer deutschen und einer ausländischen Staatsangehörigkeit in Deutschland geboren wurden. Informationen zum "Optionsmodell" erhalten Sie »hier...«

In den Jahren 2005, 2009 und 2013 wurde beim Mikrozensus zusätzlich die Bevölkerung mit Migrationshintergrund "im weiteren Sinn" abgebildet. Diese umfasst auch in Deutschland geborene Deutsche mit Migrationshintergrund, die nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt leben. Im Jahr 2013 waren dies rund 624.000 Personen. Die Zahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im weiteren Sinn lag 2013 bei 16,5 Millionen (20,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) und die Zahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im engeren Sinn entsprechend bei 15,9 Millionen (19,7 Prozent). Im Jahr 2014 lag die Zahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im engeren Sinn bei 16,4 Millionen (20,3 Prozent). Die Angaben im Text beziehen sich ausschließlich auf die Bevölkerung mit Migrationshintergrund im engeren Sinn.

Der Mikrozensus ist eine repräsentative Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland. Rund 830.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften werden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu ihren Lebensbedingungen befragt. Dies ist ein Prozent der Bevölkerung, das nach einem festgelegten statistischen Zufallsverfahren ausgewählt wird. Die Befragung ist absolut vertraulich und die Daten werden nur für statistische Zwecke verwendet.

Ausländer/innen sind Personen, die nicht Deutsche im Sinne des »Artikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzes« sind. Dazu zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Sie können in Deutschland geboren oder zugewandert sein.

(Spät-)Aussiedler/innen: Spätaussiedler sind im amtlichen Sprachgebrauch seit dem 1. Januar 1993 Menschen, die im Rahmen eines Aufnahmeverfahrens als deutsche Volkszugehörige nach Deutschland übergesiedelt sind. Vorher wurden sie nach dem Bundesvertriebenengesetz als Aussiedler bezeichnet. Der Begriff umfasst vor allem die Angehörigen von deutschen Minderheiten, deren Familien teilweise seit Generationen in Ostmitteleuropa, Osteuropa, Südosteuropa und teilweise in Asien gelebt haben und die seit 1990 in die Bundesrepublik Deutschland übergesiedelt sind.

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Informationen zum Thema "(Spät-)Aussiedler" erhalten Sie hier...

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2014

in Tsd. in Prozent
Gesamtbevölkerung 80.897 100,0
davon:
ohne Migrationshintergrund 64.511 79,7
mit Migrationshintergrund1 16.386 20,3
davon:
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung 5.866 7,3
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung 1.345 1,7
Deutsche mit eigener Migrationserfahrung 5.011 6,2
Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung 4.165 5,1

1 im engeren Sinn; Bevölkerung mit Migrationshintergrund ausschließlich im weiteren Sinn im Jahr 2013: 642 Tsd.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund



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