Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

28.11.2012
Im Jahr 2011 hatten 15,96 Millionen der insgesamt 81,75 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund. Davon waren 8,77 Millionen Deutsche und 7,19 Millionen Ausländer.

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Fakten



Im Jahr 2011 hatten 15,96 Millionen der insgesamt 81,75 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen) – im Jahr 2005 lag die Zahl noch bei 14,8 Millionen. Von den 15,96 Millionen Personen mit Migrationshintergrund waren 8,77 Millionen Deutsche und 7,19 Millionen Ausländer (54,9 bzw. 45,1 Prozent). Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung lag im Jahr 2011 bei 19,5 Prozent, 2005 betrug er noch 17,9 Prozent. Dieser Anstieg speist sich aus zwei Quellen: Von 2005 bis 2011 ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund durch Zuzug und Geburten um 1,18 Millionen angewachsen und die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund um 1,34 Millionen zurückgegangen.

Zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund – 10,69 Millionen bzw. 67,0 Prozent – waren 2011 selbst Migranten (erste Generation), ein Drittel wurde bereits in Deutschland geboren (zweite oder dritte Generation). Eine Differenzierung der Personen mit Migrationshintergrund zeigt, dass die größte Gruppe im Jahr 2010 Ausländer mit eigener Migrationserfahrung waren – ihr Anteil lag bei 35,6 Prozent. Darauf folgte die Gruppe der Deutschen mit eigener Migrationserfahrung (31,4 Prozent) sowie die der Deutschen ohne eigene Migrationserfahrung (23,5 Prozent). 9,5 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund waren Ausländer, die in Deutschland geboren wurden (zweite oder dritte Generation).

Die Gruppe der Deutschen mit Migrationshintergrund lässt sich noch genauer differenzieren: Insgesamt stellte diese Gruppe im Jahr 2011 mehr als die Hälfte der Personen mit Migrationshintergrund (54,9 Prozent). Dabei entfielen 11,3 Prozent auf selbst zugewanderte Eingebürgerte (etwa 1,8 Mio. Personen) und 2,7 Prozent auf Eingebürgerte ohne eigene Migrationserfahrung (rund 426.000 Personen). 20,1 Prozent waren selbst zugewanderte (Spät-)Aussiedler und weitere deutsche Zuwanderer ohne Einbürgerung. Bei den restlichen 20,9 Prozent handelte es sich um Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung (etwa 3,3 Mio. Personen) – dies sind Personen mit mindestens einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil (zum Beispiel Kinder von Eingebürgerten, deutsche Kinder ausländischer Eltern oder Kinder von (Spät-)Aussiedlern).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2011 96,3 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund in Westdeutschland und Berlin. Mehr als jede vierte Person mit Migrationshintergrund lebte dabei in Nordrhein-Westfalen (27,0 Prozent), jeweils etwa jede Sechste in Baden-Württemberg und Bayern (17,7 bzw. 15,5 Prozent). Bezogen auf die jeweilige Bevölkerung der Bundesländer war ihr Anteil in den Stadtstaaten Bremen (28,2 Prozent), Hamburg (27,0 Prozent) und Berlin (24,8 Prozent) sowie in den Flächenländern Baden-Württemberg (26,2 Prozent), Hessen (25,3 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (24,2 Prozent) am höchsten. In Ostdeutschland lag der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung bei lediglich 4,7 Prozent.

Auf Gemeindeebene gilt, dass je größer die Einwohnerzahl der Gemeinde ist, desto größer ist tendenziell auch der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung. Während der entsprechende Anteil im Jahr 2011 in den Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern durchschnittlich deutlich unter zehn Prozent lag, hatte in den Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern durchschnittlich etwa jede vierte Person einen Migrationshintergrund.

Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen: Insgesamt hatte in Deutschland 2011 gut ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund (34,9 Prozent) – in der Gruppe der 35- bis unter 45-Jährigen lag der entsprechende Anteil im selben Jahr bei 22,3 Prozent und bei den 85- bis unter 95-Jährigen bei 5,8 Prozent.

Europa ist für die Migration in Deutschland besonders bedeutsam. 69,3 Prozent der 10,69 Millionen Personen mit eigener Migrationserfahrung stammen aus einem Staat Europas, 32,5 Prozent aus einem der 26 anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die meisten der 15,96 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammen aus der Türkei (18,5 Prozent), gefolgt von Polen (9,2 Prozent), Russland (7,7 Prozent) und Italien (4,9 Prozent). Kasachstan ist mit 5,8 Prozent das einzige wichtige nicht-europäische Herkunftsland. Bei diesen Angaben ist allerdings zu berücksichtigen, dass für 7,6 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund die Angaben zur derzeitigen beziehungsweise früheren Staatsangehörigkeit fehlen.

Die meisten (Spät-)Aussiedler kommen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (1,45 Mio.) – darunter vor allem aus Russland (612.000) und aus Kasachstan (575.000). Daneben sind Polen (579.000) und Rumänien (213.000) wichtige Herkunftsländer. Im Mikrozensus 2011 gaben 3,2 Millionen zugewanderte Deutsche (einschließlich zeitgleich eingereister Ehegatten und Kinder) an, mit dem Aussiedler- bzw. Spätaussiedlerstatus nach Deutschland eingereist zu sein. Damit hielten sich 2011 noch gut 71 Prozent aller 4,5 Millionen insgesamt seit 1950 zugewanderten Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland auf.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Migrationsbericht 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen zum Thema "Einbürgerung" erhalten Sie hier...

Informationen zum Thema " (Spät-)Aussiedler" erhalten Sie hier...

Menschen mit Migrationshintergrund sind seit 1950 nach Deutschland Zugewanderte und deren Nachkommen. Zu den Personen mit Migrationshintergrund gehört die ausländische Bevölkerung – unabhängig davon, ob sie im Inland oder im Ausland geboren wurde – sowie alle Zugewanderten unabhängig von ihrer Nationalität. Daneben zählen zu den Personen mit Migrationshintergrund auch die in Deutschland geborenen eingebürgerten Ausländer sowie eine Reihe von in Deutschland Geborenen mit deutscher Staatsangehörigkeit, bei denen sich der Migrationshintergrund aus dem Migrationsstatus der Eltern ableitet. Zu den letzteren gehören auch die deutschen Kinder (Nachkommen der ersten Generation) von Spätaussiedlern und Eingebürgerten und zwar auch dann, wenn nur ein Elternteil diese Bedingungen erfüllt, während der andere keinen Migrationshintergrund aufweist. Außerdem gehören zu dieser Gruppe seit dem Jahr 2000 auch die (deutschen) Kinder ausländischer Eltern, die die Bedingungen für das Optionsmodell erfüllen, das heißt mit einer deutschen und einer ausländischen Staatsangehörigkeit in Deutschland geboren wurden. Informationen zum "Optionsmodell" erhalten Sie »hier...«

Ausländer/innen sind Personen, die nicht Deutsche im Sinne des »Artikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzes« sind. Dazu zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Sie können in Deutschland geboren oder zugewandert sein.

In den Jahren 2005 und 2009 konnte zusätzlich die Bevölkerung mit Migrationshintergrund "im weiteren Sinn" abgebildet werden. Diese umfasst auch in Deutschland geborene Deutsche mit Migrationshintergrund, die nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt leben. Alle vier Jahre fragt der Mikrozensus nach der Staatsangehörigkeit der nicht im selben Haushalt lebenden Eltern. Dadurch konnte 2009 bei 345.000 Personen ein Migrationshintergrund identifiziert werden, der in den anderen Jahren nicht erkennbar ist. Damit lag die Zahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im weiteren Sinn 2009 bei 16,0 Millionen.

Der Mikrozensus ist eine repräsentative Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland. Rund 830.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften werden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu ihren Lebensbedingungen befragt. Dies sind ein Prozent der Bevölkerung, die nach einem festgelegten statistischen Zufallsverfahren ausgewählt werden. Die Befragung ist absolut vertraulich und die Daten werden nur für statistische Zwecke verwendet.

Tabelle: Bevölkerung mit Migrationshintergrund I



In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2011

  in Tsd. in Prozent
Gesamtbevölkerung 81.754 100,0
davon:  
ohne Migrationshintergrund* 65.792 80,5
mit Migrationshintergrund im engeren Sinn 15.962 19,5
davon:  
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung 5.675 6,9
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung 1.516 1,9
Deutsche mit eigener Migrationserfahrung 5.015 6,1
Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung 3.756 4,6

* einschließlich Menschen mit nicht durchgehend bestimmbarem Migrationsstatus

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus


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