PDF Version (159 KB) Fakten
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden und das Arbeitsvolumen in Deutschland seit 1970 nahezu jedes Jahr verringert. Da parallel die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt zugenommen hat, sind für diese Veränderungen in erster Linie strukturelle und nicht konjunkturelle Gründe verantwortlich.
Von 1970 bis 1990 waren dies vor allem die Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit, die Ausweitung des jährlichen Urlaubsanspruchs und die Reduzierung von Überstunden. In den 1990er Jahren waren für die weitere Verringerung der durchschnittlichen Arbeitszeit vor allem die starke Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung und die bis in die späten neunziger Jahre anhaltenden tariflichen Angleichungsvorgänge in Ostdeutschland an das West-Niveau ausschlaggebend.
Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) leistete im Jahr 1970 in Westdeutschland jeder Erwerbstätige durchschnittlich 1.966 Arbeitsstunden. Im Jahr 1991 waren es nur noch 1.559 Stunden. Die Wiedervereinigung Deutschlands veränderte das durchschnittliche Arbeitspensum kaum. Zwischen 1991 und 2003 sank die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland von 1.548 auf 1.439. Seitdem hat sie sich weitgehend stabilisiert. Im Jahr 2007 lag die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden bei 1.433.
Bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern erhöhte sich die durchschnittliche Arbeitszeit zwischen 1996 und 2007 von 1.645 auf 1.682 Stunden pro Jahr. Bei teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmern stieg die durchschnittliche Arbeitszeit im selben Zeitraum von 612 auf 624 Stunden pro Jahr. Bei Arbeitnehmern, die einen Nebenjob ausüben, lagen die entsprechenden Werte bei 382 bzw. 410 Stunden pro Jahr. Im Gegensatz zur Steigerung der durchschnittlichen Arbeitszeit bei den Arbeitnehmern, fiel die durchschnittliche Arbeitszeit von Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen zwischen 1996 und 2007 von 2.251 auf 2.073 Stunden pro Jahr.
Das Arbeitsvolumen, also das Produkt aus Erwerbstätigenzahl und Arbeitszeit je Erwerbstätigen, lag 2007 bei 56,95 Milliarden Stunden – davon waren 1,48 Milliarden Überstunden von beschäftigten Arbeitnehmern. Entgegen der Erhöhung des Arbeitsvolumens von 2005 auf 2006 (plus 0,5 Prozent bzw. 261 Mio. Stunden) und von 2006 auf 2007 (plus 1,7 Prozent bzw. 946 Mio. Stunden) waren die letzten vier Jahrzehnte tendenziell von einem Rückgang des Arbeitsvolumens gekennzeichnet. Allerdings wurde dieser Rückgang in wachstumsstarken Phasen gebremst und teilweise umgekehrt.
In Westdeutschland sank das geleistete Arbeitsvolumen zwischen 1970 und 1991 von 52,29 auf 48,73 Milliarden Stunden. Und im wiedervereinigten Deutschland ging die Zahl der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden zwischen 1991 und 2005 von 59,79 auf 55,74 Milliarden zurück. Durch die Produktivitätssteigerung der Arbeit konnte sich – trotz der Verringerung des Arbeitsvolumens – die Wirtschaftsleistung erhöhen. Allein zwischen 1991 und 2007 stieg die Produktivität je Erwerbstätigenstunde von 82,32 auf 109,75 (2000 = 100).
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: Pressemitteilungen, STATmagazin: Arbeitsmarkt; Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 06/2008 (PDF-Version: 50 KB); www.statistik-hessen.de
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die Ergebnisse über die geleisteten Arbeitsstunden werden nach dem Inlandskonzept (Arbeitsortkonzept) nachgewiesen. Sie umfassen damit alle effektiv geleisteten Arbeitsstunden von erwerbstätigen Personen, die einen Arbeitsplatz in Deutschland haben, unabhängig von deren Wohnort. Zur Berechnung der durchschnittlichen tatsächlich geleisteten Arbeitszeit werden kalendermäßige Vorgaben, tarifliche Vorgaben (wöchentliche Arbeitszeit, Urlaub), konjunkturelle Einflüsse (Kurzarbeit, bezahlte Überstunden, Arbeitszeitkontensalden), Krankenstand, Ausfälle durch Schlechtwetter und Arbeitskampf sowie Teilzeitbeschäftigung (einschließlich geringfügiger Beschäftigung) berücksichtigt.
Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Richter, geringfügig Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Das Arbeitsvolumen umfasst somit die Gesamtzahl der während des Berichtszeitraums am jeweiligen Arbeitsort von Arbeitnehmern und Selbstständigen tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. Es berücksichtigt weder Intensität noch Qualität der geleisteten Arbeit. Das Arbeitsvolumen ergibt sich als Produkt aus Erwerbstätigenzahl und Arbeitszeit je Erwerbstätigen.

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Arbeitszeit
Geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen pro Jahr, 1970 bis 2007
| |
Westdeutschland* |
| 1970 |
1.966,4 |
| 1975 |
1.806,3 |
| 1980 |
1.751,0 |
| 1985 |
1.670,6 |
| 1991 |
1.558,8 |
| |
Deutschland |
| 1991 |
1.548,1 |
| 1992 |
1.566,2 |
| 1993 |
1.549,9 |
| 1994 |
1.547,2 |
| 1995 |
1.533,6 |
| 1996 |
1.517,8 |
| 1997 |
1.508,7 |
| 1998 |
1.503,3 |
| 1999 |
1.491,7 |
| 2000 |
1.473,0 |
| 2001 |
1.458,4 |
| 2002 |
1.445,4 |
| 2003 |
1.439,0 |
| 2004 |
1.441,6 |
| 2005 |
1.434,9 |
| 2006 |
1.432,7 |
| 2007 |
1.433,1 |
* mit Berlin-West Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung; Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 06/2008
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