Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Arbeitszeit

1.7.2013
Die durchschnittlich je Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland haben sich seit 1970 nahezu jedes Jahr verringert. Da parallel die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt zugenommen hat, sind für diese Veränderungen in erster Linie strukturelle und nicht konjunkturelle Gründe verantwortlich.

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Fakten



Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) haben sich die durchschnittlich je Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland seit 1970 nahezu jedes Jahr verringert. Da parallel die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt zugenommen hat, sind für diese Veränderungen in erster Linie strukturelle und nicht konjunkturelle Gründe verantwortlich. Von 1970 bis 1990 waren dies vor allem die Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit, die Ausweitung des jährlichen Urlaubsanspruchs und die Reduzierung von Überstunden. In den 1990er-Jahren waren für die weitere Verringerung der durchschnittlichen Arbeitszeit vor allem die starke Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung und die anhaltenden tariflichen Angleichungsvorgänge in Ostdeutschland an das westdeutsche Niveau ausschlaggebend. Der steigende Anteil Teilzeitbeschäftigter hat auch in den Jahren seit 2000 zu einer Reduzierung der durchschnittlich je Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden geführt. Der Rückgang der Arbeitszeit 2011/2012 von durchschnittlich 1.406,2 auf 1.396,6 Arbeitsstunden ist laut IAB vor allem kalenderbedingt: Aufgrund der Lage der Feiertage gab es 2012 zwei potenzielle Arbeitstage weniger als im Jahr 2011. Zudem leistete im Durchschnitt jeder Beschäftigte im Jahr 2012 eine Überstunde weniger als im Vorjahr. Parallel kam es zu weiteren Angleichungen des Urlaubsanspruchs zwischen Ost- und Westdeutschland und zu Ausweitungen des jährlichen Urlaubsanspruchs in einzelnen Branchen.

Im Jahr 1970 leistete in Westdeutschland jeder Erwerbstätige durchschnittlich noch 1.966 Arbeitsstunden. Im Jahr 1991 waren es nur noch 1.559 Stunden. Die Wiedervereinigung Deutschlands veränderte das durchschnittliche Arbeitspensum kaum. Zwischen 1991 und 2003 sank die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen in Deutschland von 1.552 auf 1.436. Bis 2008 blieb die Zahl weitgehend stabil, reduzierte sich dann aber – ausgelöst durch die Finanz- und Wirtschaftskrise – in den Jahren 2008/2009 von 1.422 auf 1.383 (minus 2,7 Prozent). Die anschließende wirtschaftliche Erholung ließ die Zahl der durchschnittlich je Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden wiederum auf 1.407 im Jahr 2010 beziehungsweise 1.397 im Jahr 2012 steigen.

Im Jahr 2012 leisteten die beschäftigten Arbeitnehmer durchschnittlich 1.316,9 Arbeitsstunden pro Jahr. Dabei lag die durchschnittliche Arbeitszeit bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern bei 1.644,6 Stunden und bei teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmern bei 634,6 Stunden pro Jahr (Die tarifliche bzw. betriebsübliche Wochenarbeitszeit lag dabei bei knapp 30 Stunden. Die Vollzeitbeschäftigten arbeiteten im Schnitt rund 38 Stunden pro Woche, die Teilzeitbeschäftigten 14,8 Stunden). Bei Arbeitnehmern, die einen Nebenjob ausüben, lag die durchschnittliche Arbeitszeit im Jahr 2012 bei 252,7 Stunden. Bei Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen waren es 2.046,0 Stunden pro Jahr.

Das Arbeitsvolumen, also das Produkt aus Erwerbstätigenzahl und Arbeitszeit je Erwerbstätigen, lag 2012 bei 58,12 Milliarden Stunden – davon waren 1,40 Milliarden Überstunden von beschäftigten Arbeitnehmern. Während das Arbeitsvolumen in Westdeutschland zwischen 1970 und 1991 und in Deutschland zwischen 1991 und 2005 insgesamt rückläufig war, hat es sich – mit der krisenbedingten Ausnahme 2008/2009 – zwischen 2005 und 2012 von Jahr zu Jahr erhöht.

Trotz des oben beschriebenen Rückgangs der Arbeitszeit je Erwerbstätigen hat sich parallel die Produktivität je Erwerbstätigen erhöht. Der Grund hierfür ist die steigende Produktivität je Erwerbstätigenstunde. Diese erhöhte sich – ausgehend vom Basisjahr 2005 (= 100) – zwischen 1991 und 2012 von 78,17 auf 106,47. Das entspricht einem Plus von 36,2 Prozent. Die Arbeitszeit je Erwerbstätigen reduzierte sich in diesem Zeitraum hingegen um lediglich 10,0 Prozent. Entsprechend nahm die Produktivität je Erwerbstätigen zwischen 1991 und 2012 um 22,5 Prozent zu.

Datenquelle



Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 04/2013, www.iab.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Ergebnisse über die geleisteten Arbeitsstunden werden nach dem Inlandskonzept (Arbeitsortkonzept) nachgewiesen. Sie umfassen damit alle effektiv geleisteten Arbeitsstunden von erwerbstätigen Personen, die einen Arbeitsplatz in Deutschland haben, unabhängig von deren Wohnort. Zur Berechnung der durchschnittlichen tatsächlich geleisteten Arbeitszeit werden kalendermäßige Vorgaben, tarifliche Vorgaben (wöchentliche Arbeitszeit, Urlaub), konjunkturelle Einflüsse (Kurzarbeit, bezahlte Überstunden, Arbeitszeitkontensalden), Krankenstand, Ausfälle durch Schlechtwetter und Arbeitskampf sowie Teilzeitbeschäftigung (einschließlich geringfügiger Beschäftigung) berücksichtigt.

Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, geringfügig Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige beziehungsweise als mithelfende Familienangehörige innerhalb Deutschlands eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Hingegen gehören die bezahlten, aber nicht geleisteten Arbeitsstunden, beispielsweise wegen Jahresurlaub, Erziehungsurlaub, Feiertagen, Kurzarbeit oder krankheitsbedingter Abwesenheit, nicht zum Arbeitsvolumen.

Tabelle: Arbeitszeit



Geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen pro Jahr, Produktivität je Erwerbstätigenstunde, 1970 bis 2012

  Arbeitsstunden je Erwerbstätigen pro Jahr Produktivität je Erwerbstätigenstunde,
Index (2005 = 100)
Westdeutschland
1970 1.966,4 -
1975 1.806,3 -
1980 1.751,0 -
1985 1.670,6 -
1991 1.558,8 -
  Deutschland
1991 1.552,0 78,17
1992 1.564,4 80,13
1993 1.547,1 81,25
1994 1.544,8 83,45
1995 1.528,5 85,44
1996 1.511,0 87,19
1997 1.505,2 89,18
1998 1.499,1 90,17
1999 1.491,3 90,98
2000 1.470,8 93,47
2001 1.453,1 95,79
2002 1.441,4 97,14
2003 1.435,9 97,98
2004 1.436,2 98,82
2005 1.431,0 100,00
2006 1.424,0 103,64
2007 1.422,0 105,38
2008 1.421,7 105,25
2009 1.382,9 102,61
2010 1.406,6 104,47
2011 1.406,2 106,19
2012 1.396,6 106,47

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 04/2013, www.iab.de


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