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Transnationale Unternehmen
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Fakten

Spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre besteht international ein Trend zu sinkenden Unternehmenssteuersätzen. Durch niedrigere Unternehmenssteuern sollen die mobiler gewordenen Unternehmen gehalten und angezogen werden. Gleichzeitig soll sich die Attraktivität des eigenen Staates für Investitionen erhöhen und Steuerflucht vermieden werden.

Den Auftakt machte Mitte der 1980er-Jahre Großbritannien. Dort wurden die Unternehmenssteuersätze unter Margaret Thatcher zwischen 1982 und 1986 von 52 auf 35 Prozent gesenkt. Darauf folgten in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren radikale Steuersenkungen in den nordischen Ländern. Dänemark reduzierte seine Unternehmenssteuersätze 1987 von 50 auf 30 Prozent (2009: 25 Prozent), Schweden und Norwegen folgten 1992 mit einer Senkung von 51 auf 25 Prozent (2009: 26,3 Prozent) bzw. von 52 auf 28 Prozent (unverändert). Ein Jahr später folgte Finnland und reduzierte die Steuern von 43 auf 25 Prozent (2009: 26 Prozent). Island senkte die Steuern zwar erst 2002, die Reduzierung von 30 auf 18 Prozent und weiter auf 15 Prozent im Jahr 2008 führte allerdings zu dem niedrigsten Unternehmenssteuersatz in Nordeuropa.

Weltweit reduzierte sich der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz nach Analysen des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG zwischen 1999 und 2009 von 32,7 auf 25,5 Prozent – das entspricht einem Rückgang von 22,0 Prozent. Bezogen auf diesen Zeitraum sank der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz in der EU (minus 31,9 Prozent) schneller als in den Regionen Lateinamerika und Karibik (minus 6,6 Prozent) oder Asien-Pazifik (minus 13,2 Prozent). Allerdings hat die weltweite Wirtschaftskrise den Abwärtstrend bei den Unternehmenssteuersätzen in Europa vorerst gestoppt: Die durchschnittliche Steuerbelastung ist für Unternehmen 2008/2009 konstant geblieben und damit erstmals seit 13 Jahren nicht weiter gesunken.

In den Jahren 1999 bis 2009 lag Deutschland mit einem Rückgang des Steuersatzes von 52,3 auf 29,4 Prozent (minus 43,7 Prozent) deutlich über dem Durchschnitt der EU. Die niedrigsten Unternehmenssteuersätze der EU hatten im Jahr 2009 allerdings die osteuropäischen Staaten. So zum Beispiel mit jeweils 10 Prozent Bulgarien (2005: 15 Prozent) und Zypern (2001: 28 Prozent), Lettland mit 15 Prozent (1999: 25 Prozent), mit jeweils 16 Prozent Ungarn (1999: 18 Prozent) und Rumänien (2001: 25 Prozent) sowie mit jeweils 19 Prozent die Slowakei (1999: 40 Prozent) und Polen (1999: 34 Prozent).

Da sich der Trend sinkender Unternehmenssteuersätze in sehr vielen Staaten beobachten lässt, wird oft vor einem schädlichen Steuerwettbewerb gewarnt, bei dem sich die Staaten gegenseitig unterbieten. Wachstumssteigerungen und höhere Investitionen in Niedrigsteuerstaaten werden in diesem Zusammenhang als entgangene Einnahmen anderer Staaten interpretiert ('race to the bottom'). Gegen dieses Argument wird angeführt, dass der Wettbewerb um niedrigere Steuerbelastungen das ökonomische Wachstum so stark steigert, das letztlich alle davon profitieren ('win-win-situation').

Da die Unternehmenssteuersätze nicht in allen Staaten gesunken sind, findet sich auch die Annahme, dass sich die Steuersätze lediglich in Staatengruppen annähern, die sich in Bezug auf ihre ökonomischen Voraussetzungen ähnlich sind. Nach dieser Annahme sind beispielsweise die Unternehmenssteuersätze in den USA oder Brasilien stabil, weil die unmittelbare Konkurrenz zu anderen Staaten aufgrund der Größe und regionalen Bedeutung dieser Ökonomien geringer ist bzw. die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen auf diesen Märkten aktiv sein müssen.

Datenquelle

KPMG: Corporate and Indirect Tax Rate Survey 2007 und 2009, KPMG's Corporate Tax Rate Survey – An international analysis of corporate tax rates from 1993 to 2006

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Unternehmenssteuersätze der einzelnen Staaten können nicht unmittelbar miteinander verglichen werden, da sich die Steuerbasis in den einzelnen Staaten unterscheidet.

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Unternehmenssteuern im internationalen Vergleich

Steuersätze in Prozent, jeweils am 01. Januar, 1995 bis 2009

  1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
Welt 32,69 32,36 31,49 30,72
OECD 37,7 37,7 36,0 35,7 35,00 33,90 32,80 31,39
Asien-Pazifik 32,6 32,4 31,67 31,44 31,29 31,52
Lateinamerika und Karibik 34,0 34,0 29,8 30,1 28,82 30,09 29,82 29,91
EU 37,9 38,0 35,5 35,1 34,12 32,83 31,05 30,00
USA 40 40 40 40 40 40 40 40
Brasilien 25 25 33 37 34 34
Deutschland 59 59 57,5 56,6 52,3 51,6 38,36 38,36
China 33 33 33 33 33 33
 
  2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009  
Welt 29,53 28,75 28,01 27,47 27,12 25,84 25,51
OECD 30,90 29,75 28,80 28,16 27,69 26,56 26,30
Asien-Pazifik 30,34 30,37 29,09 29,09 29,18 28,43 27,49
Lateinamerika und Karibik 30,05 29,82 28,64 27,64 27,45 26,91 26,91
EU 28,81 27,47 25,34 25,01 24,22 23,22 23,22
USA 40 40 40 40 40 40 40
Brasilien 34 34 34 34 34 34 34
Deutschland 39,58 38,29 38,31 38,34 38,36 29,51 29,44
China 33 33 33 33 33 25 25

Quelle: KPMG: Corporate and Indirect Tax Rate Survey 2007 und 2009

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