Beleuchteter Reichstag

Erinnern und Gedenken im Nachkriegsdeutschland

Als Erbe der beiden Weltkriege sind überall in Europa Kriegsgräber entstanden. Insbesondere in Deutschland hat sich das Gedenken an die Kriegstoten im Laufe des 20. Jahrhunderts gewandelt. Wurde der Tod auf dem Schlachtfeld nach dem Ersten Weltkrieg noch als heroisches Opfer gefeiert, betonte man nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem das erlittene Leid der Soldaten.

Dieser Schwerpunkt vereint Beiträge, die sich den unterschiedlichsten Aspekten der wechselreichen Geschichte des öffentlichen Erinnerns an Gefallene und Ermordete in den Kriegen des 20. Jahrhunderts in Deutschland sowie der Aufarbeitung von Unrecht widmen.

Das "Stuttgarter Schuldbekenntnis" vom 18./19. Oktober 1945, hier veröffentlicht im Verordnungs- und Nachrichtenblatt der EKD im Januar 1946

Sören Rohrmann

Siegerin in Trümmern? Kirchliche Vergangenheitspolitik in der unmittelbaren Nachkriegszeit

Kirchen sind und waren wichtige Institutionen der Selbstvergewisserung und Vergemeinschaftung für Millionen Deutsche. Nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur fiel ihnen die Rolle zu, die vergangenen zwölf Jahre einzuordnen und sich institutionell und seelsorgerisch für den Aufbau des Landes und die Abrechnung mit dem Regime einzusetzen. Sören Rohrmann umreißt in seinem Beitrag die ersten Versuche einer kirchlichen Vergangenheitspolitik. Weiter...

Das frühere Verwaltungsgebäude des ehemaligen Jugendwerkhofs in Torgau mit dem sich anschließenden Zellentrakt im April 2010

Berenike Feldhoff

Zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und individueller Rehabilitierung. Eine (Zwischen-)Bilanz der Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung

Im Zentrum der Analyse des Aufarbeitungsprozesses stehen die zentralen Fragen, welchen Beitrag die Politik zur Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung geleistet hat, welche gesellschaftlichen Aufklärungsmöglichkeiten es gibt und ob die Täter bestraft und die Opfer entschädigt wurden. Weiter...

Das Berliner Marx-Engels-Denkmal, von Unbekannten besprüht mit dem Spruch "Wir sind unschuldig", aufgenommen im Oktober 1990

David Johst

Demokratischer Denkmalsturz? Über den Umgang mit politischen Denkmälern der DDR nach 1989

Sie zeugen noch heute vom Legitimationsanspruch der untergegangenen DDR – die in den östlichen Bundesländern zwischen 1949 und 1989 errichteten Denkmäler. Am Umgang mit Ihnen nach der Friedlichen Revolution kann man das Verhältnis der verantwortlichen Politiker und Denkmalschützer zur eigenen DDR-Geschichte ablesen. David Johst zeigt die wechselnden Umgangsformen mit dem künstlerischen Erbe der DDR im Straßenbild. Weiter...

Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei seiner vielbeachteten Rede im Bonner Bundestag am 8. Mai 1985 während der Feierstunde zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Aus dem Deutschland Archiv

"Wir […] müssen die Vergangenheit annehmen" Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985

Die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 hat bis heute große Bedeutung für die gesamtdeutsche Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Ihre Wirkung war auch Thema der Trauerreden und Nachrufe, als Weizsäcker im Januar 2015 verstarb. Eine Würdigung von Katrin Hammerstein und Birgit Hofmann. Weiter...

Zerstörter Straßenzug in Kiew in der Ukraine im Jahr 1941

Jörg Baberowski

Verwüstetes Land: Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg

In seinem Essay beschreibt der Berliner Professor für Geschichte Osteuropas anschaulich die Situation im Osten des europäischen Kriegsschauplatzes nach dem alliierten Sieg über das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten. Die menschlichen und materiellen Kosten des Sieges waren hoch. Mehr als in Westeuropa jemals anerkannt, bestimmten sie in den folgenden Jahrzenten das Leben in der Sowjetunion. Professor Baberowski erinnert mit seinem Essay an ein in Deutschland vernachlässigtes Kapitel der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte Europas - das verspätete Kriegsende in Osteuropa. Weiter...

Besuchergruppe betrachtet das Denkmal in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald

Julia Reuschenbach

"Tempel des Antifaschismus"? - Die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten der DDR

Die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten der DDR stellten ein wichtiges Instrument des staatlichen Antifaschismus dar. Nach der Wiedervereinigung standen zwei Herausforderungen im Vordergrund: die differenzierte Darstellung aller Opfergruppen in den Ausstellungen sowie die Thematisierung der sowjetischen Speziallager einschließlich der Frage, wie eine künftige Gedenkstättenkonzeption an Orten mit "doppelter Vergangenheit" aussehen konnte. Weiter...

Berlin, Normannenstraße - Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit

Manuel Becker

Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Ein spezifisches Instrument deutscher Vergangenheitspolitik

Kann die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen als "Kind" der Friedlichen Revolution bezeichnet werden und wie sieht ihre Zukunft aus? Manuel Becker geht diesen Fragen nach und analysiert sie im Vergleich mit den vergangenheitspolitischen Instrumenten anderer postkommunistischer Staaten. Weiter...

Mahnmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges in Quitzöbel, Brandenburg. Nachträglich ergänzt wurde die Innschrift "Die Toten aller Kriege mahnen zum Frieden – Durch Frieden zur Einheit u. Wohlstand"

David Johst

"Als Totenehrung erlaubt" - Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der Sowjetischen Besatzungszone

Im Mai 1946 erging ein Befehl des Alliierten Kontrollrates, in Deutschland sämtliche militärischen und nazistischen Denkmäler zu beseitigen. Daraufhin wurden zahlreiche Kriegerdenkmäler in der Sowjetischen Besatzungszone entfernt oder durch bauliche Veränderungen und neue Inschriften im Sinne eines stillen Gedenkens an die Toten umgedeutet. Weiter...

Deutscher Soldatenfriedhof Futapass in Italien

Jakob Böttcher

Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung

Kriegsgräber werden dauerhaft erhalten. Diese international übliche Praxis ist eng verbunden mit dem Gedenken an die Kriegstoten. Stand nach dem Ersten Weltkrieg noch die Ehrung der Gefallenen im Vordergrund, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland das erlittene Leid aller Kriegsopfer betont. Auch steht die Kriegsgräberfürsorge heute unter dem Anspruch politischer Bildungsarbeit und leistet einen Beitrag zur Völkerverständigung. Weiter...

 

Publikationen zum Thema

Deutschland Archiv 2016

Deutschland Archiv 2016

Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2016 erschienen sind.

Schriftenreihe Bd. 1664 "Deutschland Archiv 2015": Cover

Deutschland Archiv 2015

Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2015 erschienen sind.

Schriftenreihe Bd. 1544 "Deutschland Archiv 2014": Cover

Deutschland Archiv 2014

Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2014 erschienen sind.

Coverbild Deutschland Archiv 2013

Deutschland Archiv 2013

Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2013 erschienen sind.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Weiter... 

Bei der Aufarbeitung der DDR - Vergangenheit sind die Archive der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) von grundlegender Bedeutung.Dossier

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